Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 34 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Jüdische Korrespondenz Seite 7 jüdischen Volksschulen und Kinderheimen in Warschau. Es gab auch deshalb in Warschau keinen Mann, der so populär war, wie Dinesohn. (Die Reise des Warschauer Rabbiners Perlmutter.) Aus dem Haag wird uns geschrieben: Der Oberrabbiner Perlmutter aus Warschau, Abgeordneter im Polnischen Parlament, ist hier eingetroffen. Seine Reise hat den Zweck, Hilfsmittel für unsere Brüder im Osten herbeizuschaffen. Bei einer Versammlung, wo er das Wort führte, wurde eine Summe von K 200.000'— von den Anwesenden fiir ihre Brüder gespendet. Es sei hierbei bemerkt, daß die Versammlung nur von galizischen Flüchtlingen und Antwerpener Herren, zum größten Teile auch Galizien, besucht war. Der Oberrabbiner reist nach London, wo er für diesen Zweck arbeiten will. A. T. (Zur Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder.) Die große amerikanische Hilfskommission (Joint Distribution Gomittee) hat nunmehr, um den wiederholt hervorgetretenen Beschwerden wegen Zurücksetzung einzelner Richtungen bei der Verteilung der Hilfsgelder abzuhelfen, die Verfügung getroffen, daß für die nächste für Litauen bestimmte größere Sendung ein aus Vertretern des „Hilfsvereins der Deutschen Juden", der „Agudas Jisroel" und der „Zionistischen Organisation" bestehendes oberstes Komitee veranwortlich sein soll. Als Vertreter dieser Organisationen sind die Herren Dr. Bernhard Kahn, Dr. Meier Hildesheimer und Dr. Arthur Hantke gebeten worden, in das Komitee einzutreten. (Die Juden in Südafrika.) Auf dem dritten Jahreskongreß der südafrikanischen jüdischen Delegierten, der neulich in Johannesburg stattfand, wies der Vorsitzende Bernard Alexander energisch die Behauptung zurück, daß die Juden Südafrikas bolschewistisch wären. Seine Majestät habe keine loyaleren Bürger als die Juden. Er widerlegte auch die Beschuldigung, daß die Juden während des Krieges nicht voll und ganz ihre Pflicht erfüllt hätten. Die hauptsächliche Debatte drehte sich um den jetzt dem Parlament vorgelegten Gesetzesentwurf, der die Verbesserung und Verlängerung des öffentlichen Wohlfahrtsaktes vorsieht, dessen vier Klausel sich auf die Registrierung der Fremden beziehen, der von der Versammlung lebhaft verurteilt wurde. Der Entwurf wurde als ein gegen die Juden gerichtetes Gesetz bezeichnet und eine Resolution wurde gefaßt, die gegen die Einführung des Registrationssystems aller Ausländer protestiert, da dasselbe eine Vergewaltigung der Rechte zahlreicher Juden bedeuten und den Status der Juden in Südafrika herabmindern würde. "Orthodoxe Jugendgruppe. Wien, II., Große Schiffgasse 16. Worte an jüdische Herzen: Wessen Taten mehr sind als seine Wissenschaft, dessen Wissenschaft hat Bestand! (Mischneh Owaus.) 8. Spendenliste. Der „Jugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums" sind in der abgelaufenen Woche nachstehende Spenden zugekommen: Hochzeitstafel Schreiber-Kohlmann K 1500'—; N. N. K 200'—; ferner hat sich Herr Sandor Adler, Cafetier, in hochherziger Weife verpflichtet, für den Krankenbesuch eine wöchentliche Spende von K 50'— in Barem oder Naturalien zu leisten. Weitere Geldsendungelt sind zu richten an den Wiener Bankverein, Filiale Stephaniestraße, auf Postsparkaffenkonto Nr. 172829 für „Jugendgruppe" oder an Herrn David Baumgarten, II., Herminengasse 13. Kleine Lhronik. Aus Großwardein wird berichtet: Oberrabiner Fuchs hat in einer Drösche auf die Notwendigkeit des Anschlusses an die Agudas Jisroel hingewiesen und propouiert, jeder Balhabais möge laut Seelenzahl der Familie K 2-— per Kopf diesem Zweck Zufuhren. K 100.000 war das Ergebnis dieser allgemein betätigten Anregung. — Die in Preßburg erscheinende Machsike Hadas bringt einen Bericht aus Kopenhagen, daß unter Vorsitz des Oborrabbiners Dr. Winkler eilte Landesgruppe der Agudas Jisroel für alle skandinavischen Länder gegründet wurde. Interessant ist es zit hören, daß sich die Zionisten, die sich an der vorhergegangenen Diskussion beteiligten, der Bewegung, als der zur Gesundung des Judentums einzig geeigneten, anschlossen. — Aus Kascheur kommt die Mitteilung, daß der bekannte Rabbi Schmuel Engel aus Radomischl, Bruder des derzeit hiermeilenden berühmten Gaon, Dajin der Krakauer Gemeinde, Rabbi Joses Engel, Zllm Rosch-Bes-Din der dortigen Kehilla gewählt wurde. Abonnements in Arrgarn, die aögetanfen lind, wollen an Kerrn Simon Schischa in Sopron, H^apred 10, erneuert werdenwofekölt auch Wenanmekdnngen entgegengenommen werden. LamilLennachrrchten. (Trauung.) Dienstag fand in der Schissschul die Trauung des Fräulein Ester Schreiber, Tochter des Großindustriellen Herrn David Schreiber aus Drohobycz mit Herrn Nathan Kohl m a n n aus Csorna statt. Herr Schreiber ist ein würdiger Enkel des „Ksaw Szoser", besonders bekannt durch seine unermüdliche Tätigkeit für „Erez Jisroel" als Nassi des galizischen Kollel. Der Bräutigam entstammt einer hervorragenden Rabbinersamilie. (Trauung.) Vorigen Donnerstag fand die Trauung des Ehrw. Rabbiner Dr. Ezechiel Landau (Bostowitz) mit Helene, Tochter des Rabbiner Grünberg (Berlin) statt- (Trauung.) Vorige Woche fand hier die Hochzeit des Herrn B., Sohn des Herrn Lazar N r i, mit der Tochter des Herrn Pinkas G n i w i t s ch statt. (Verlobung.) Sonntag fand in Preßburg die Verlobung des Frl. Selma. Tochter des Herrn Markus R o fe n b e r g, mit Herrn Moses Ster n, dem verdienstvollen Mitglied der Orthodoxen Jugendgruppe, Sohn des Herrn Joses Stern, statt. (Mitteilungen und Familieunachrichten an die Redaktion erbeten.) Nachricht über Kriegsgefangene. Seitens einer Angehörigen eines sibirischen Kriegsgefangenen erhielt ich die Mitteilung, daß ihr Nachricht über denselben durch die »Ilebrsw-Sbeltermg and Immigranf.au! Society of America, 229—231 East Broadway, New-York“ zugekommen ist, was ich hiemit zur allgemeinen Kenntnis bringe. Wien, 10. September 1919. Adols Ardel, XVll., Pötzleinsdorserstraße 94. --*~ Der Baalschern von Lhelrn und sein Golem. Neue Golem'Sagen. Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. (Schluß.) 12. Z>es Golems ßirde. Eines Morgens, da sich Rabbi Elie vom Bette erhob, bemerkte er. daß der Golem neben seinem Bette hockte, er sah unheimlich und verkommen aus, sein Blick war starr und gräßlich, daß Rabbi Elle in seinem Innern erzitterte. Rabbi Elie wußte, daß nicht eine Krankheit die Ursache sein könne- Vermag denn ein Golem krank sein? Er richtete an ihn einige Fragen, doch der Golem schaute ihn verdrossen an, schenkte den Fragen nicht wie früher Aufmerksamkeit und gab auch keiue sachlichen Antworten, sondern brummte unverständliche zusammenhanglose Worte. Rabbi Elie war darüber sehr verstimmt und fürchtete, daß sein Werk verdorben wurde. Als er abends sich ins Bett legte, machte er eine Traumfrage, warum diese Aenderung im Wesen des Golems geschah. Cr erhielt zur Antwort, daß ein Buchstabe von denr Pergament unter der Stirnhaut des Golem abgesprungen sei, so daß der ausgeschriebene heilige Name entweiht wurde, daher die Verdrossenheit des Golems: die Heiligkeit sei von ihm gewichen. Rabbi Elie schrieb daher aus ein anderes Stück Pergament den betreffender: heiligen Namen und forderte dem Golem aus, sich niederzulegen, damit er von hinten der Stirnhaut das verdorbene Pergament wegnehme und durch das neue ersetze. Doch der Golem erwies keinen Gehorsam. Er sprach mürrisch: „Laßt mich in Ruhe, ich stehe nicht zu euren Befehlen bereit und werde mich von heute an um eure Worte nicht scheren." Er machte bei diesen Worten eine derartige Miene, daß Rabbi Elie des Schreckens voll wurde, und je mehr er ihn beruhigen wollte, desto wütender wurde der Golem. Schließlich sagte der Golem: „Wenn ihr mir keine Ruhe geben werdet, dann gehe ich von dannen, —;u euren Feinden" und er nahm gegen Rabbi Elie eine drohende Stellung ein. Rabbi Elie begriff, daß der Golem tatsächlich gefährlich werden kann — darum war er ja ein Golem, — er ließ ihn daher in Ruhe