Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 34 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz Nr. 34 doppeltgroß K 20'—. Anmeldungen wollen gegen gleichzeitigen Erlag des Betrages bis spätestens Freitag, ben 19. September, an Herrn Ignatz Brody, Wien, II, Hafnergasse 5, Tür 11, und an Herrn Leopold Lederer, Wien, II., Obere Donaustraße 67, sowie direkt an die Jugendgruppe, II., Große Schissgasse 16, und an die Schriftleitung unseres Blattes VIII., Alserstratze 55, gerichtet werden. Rundschau. („Jefsod-Hathora"-Schnlverein der „Adas- Jisroe!".) Der Borstand der „Jessod-Hathora" teilt höflichst mit, daß der Unterricht an seinen sämtlichen Religionsunterrichtsanstalten für Knaben und Mädchen Dienstag, den 16. September, beginnt. Die Einschreibungen finden Sonntag, den 14. September, und Montag, den 15. September, von 9 bis 1 Uhr vormittags und von 3 bis 5 Uhr nachmittags in der Bereinskanzlei (II., Malzgasse 16, Zimmer 16) statt. Die P. T. Eltern werden auf die Fortbildungsklasse für Mädchen besonders austnerksam gemacht, in die Mädchen bis zum vollendeten 15. Lebensjahre ausgenommen werden, um ihnen all das jüdische Wissen zu vermitteln, das für eine Jüdin unerläßlich. Es wird auch gleichzeitig zur Kenntnis gebracht, daß die Kinder unbedingt zur angeführten Zeit in Begleitung ihrer Eltern oder des Vormundes unter Mitbringung des letzten Schulzeugnisses zur Einschreibung zu erscheinen haben, da spätere Meldungen zum Eintritt in die Schule nur bei besonders wichtigen Gründen berücksichtigt werden könnenisraelitische fünfklasfize Knaben-Vereirrs-Volksschnle mit Oeffentlichkeitsrecht (Talmud Thora) Wien, II., Malzgaffe 16.) Besteht seit zwei Menschenaltern. Bau und Einrichtung nach den modernsten Prinzipien. Erziehung und Unterricht streng individuell. Berücksichtigungen der modernen pädagogischen Anschauungen. Täglich Unterricht im Hebräischen. Nicht obligat: Talmud-Unterricht. Schüler- Einschreibungen für das Schuljahr 1919/20 am 14. und 15. September von 8 bis 12 Uhr vormittags. Geburts- und Impfschein, Heimatsnachweis, Schulnachricht, Uebersiedlungsklausel für Kinder aus anderen Schulen, Altersdispens für Kinder, die noch nicht 6 Jahre alt sind. Eröffnungsfeier am 16. September, 9 Uhr früh. Beginn des regelmäßigen Unterrichtes am 17. September, 8 Uhr früh. (Pogromhetze in Prag.) Aus Prag wird gemeldet: (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Hier herrscht einige Tage hindurch deutliche Pogromstimmung. Aeußerlich ist das Bild das bekannte. In den Mittagsstunden sieht man an verschiedenen Plätzen der Stadt kleine Zusammenrottungen von Menschen, denen irgend ein Agent provocateur männlicher oder weiblicher Art Hetzreden gegen die Juden und Deutschen hält. Am Abend waren die Ausamullungen bereits ganz außerordentlich zahlreich. Es heißt, daß die Legionäre dazu bewogen worden seien, nächste Woche einen Pogrom großen Stiles zu veranstalten. Wie gut vorbereitet die Pogromhetze ist, geht daraus hervor, daß Schweizer- Bürgern Plakate zugestellt wurden, auf denen steht, daß hier Schweizer Bürger wohnen, deren Eigentum und Leben geschont werden müsse. Die betreffenden Parteien erhielten diese Plakate mit dem Bemerken, sie an der Innenseite ihrer Wohnungstür zu befestigen. Die ganze Hetze hat politischen Hintergrund. Es handelt sich um den Sturz Tusars. Sowohl den Nationaldemokraten wie den Klofaeianern und den Klerikalen ist er ein Dorn im Auge. Die Juden sollen also den Sündenbock abgeben. (Die Verhältnisse in der Slowakei.) Ein zumindest unvoreingenommenes Urteil über die Verhältnisse in der Slowakei bringt die tschechische Wochenschrift ' „Socidlm Demokrat“" in der Nummer vom 29. August. Es heißt dort unter anderem: Zu den brennenden Fragen, bei denen sich die ungeheuerliche Unfähigkeit des Ministers Srobar im rechten Lichte gezeigt hat, gehört die jüdische Frage. Wenn man auch die Tätigkeit eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung in der Slowakei in wirtschaftlicher Hinsicht entschieden verurteilen muß, so kann man doch keineswegs mit den Mitteln übereinstimmen, welche Minister Srobar den Juden gegenüller znr Anwendung bringt. Durch -viele Monate ließ er im tschecho-slowakischen Militär judenfeindliche Flugschriften verbreiten, wodurch der Rasscnantisemitismus in die Armee getragen wurde. Es ist wahr, daß viele Juden die Slowakei ausgcsaugt haben, es gibt aber in der Slowakei, insbesondere int östlichen Teile, auch eine große Menge jüdischen Proletariats, das unverdient leidet. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, wenn es in Groß-Mihalovice zu widerlichen Auftritten gekommen ist, als nach der Besetzung unter dem Vorwände, es sei auf das tschecho-slowakische Militär geschossen worden, ein Pogrom -veranstaltet wurde. In einem Keller, in denen sich an 200 Personen, meist Kinder und Frauen, gestüchlet hatten, wurden Handgranaten geworfen, denen Unschuldige zu Opfer fielen. Der Rest wurde verjagt, etwa zehn gefangen genommen und diese sollten ohne Urteil hingerichtet werden. Auf Jntervetinon des Pfarrers hin wurde nur einer von den Juden ausgelost und der wurde dann ohne Urteil erschossen. Diese Barberei nennt man dann in der bürgerlichen Sprache Kampf gegen den Bolschewismus. Daß man auf diese Art in der Slowakei niemanden für die Republik gewinnen kann, ist klar." (Orthodoxen-Konferenz ttt Galizien.) Aus Krakau wird berichtet: Vorige Woche fand hier eine Konferenz der orthodoxen Organisation „Schelome Emune Jisroel" in Galizien statt, die sehr stark besucht war. Die Beschlüsse sind ähnlich derjenigen der jüngsten Konferenz der Orthodoxie in Warschau. (Orthodoxes Judentum in England.) Trotz zahlreicher orthodoxer und halborthodoxer Gemeinden befindet sich das gesetzestreue Judentum in England in äußerst schwieriger Lage. Es steht auf der einen Seite einem äußerst tätigen religiösen Liberalismus gegenüber, der soweit geht, daß die liberalen Weftendkreise ganz systematisch die einzelnen Distrikte des östlichen London zum Zwecke der Propaganda für ihre Ideen unter sich verteilt haben; auf der anderen Seite ist es der Zionismus, der von bekannten politischen Strömungen in die Höhe getragen worden ist, und der eine kraftvolle, ihrer Eigenart bewußte Orthodoxe nicht aufkommeu läßt. Inmitten dieser deprimierenden Erscheinungen ist es erfreulich, über eine jüngst abgehaltene Konferenz berichten zu können, die immerhin eine Hoffnung für die Zukunft eröffnet. Die im ersten Kriegsjahre gegründete Sinai-Liga, eine „unpolitische und unabhängige Organisation, um das traditionelle Judentum in der jüdischen Jugend zu fördern und zu erhalten", hielt ihre erste Plenarsitzung nach dem Kriege ab. Es sind nur 800 junge Männer und Mädchen, die den Mitgliederbestand der Sinai- Liga bilden, aber die Konferenz war von Delegierten aus allen Teilen Londons und zahlreichen Provinzstädten besucht. Begeisterung beherrschte die zweitägige Konferenz und alle Gegenstände, die das Leben der Judenheit berühren, wurden erörtert. Angesichts der Halbheit, die das jüdische Leben in England an allen Ecken und Enden kennzeichnet, betonte die Versammlung in allererster Linie unbedingte Prinzipientreue als Heilmittel für die Schäden der Zeit. (Sonntagsruhe irr Polen.) Aus Warschau wird gemeldet: Den Bemühungen der jüdischen Abgeordneten ist es gelungen, eine Verschiebung der. in Aussicht genommenen gesetzgeberischen Regelung der Sonntagsruhe durchzusetzen. (Michael Bergsorr.) Am 2. d, starb in Warschau Herr Michael Bergson, langjähriger Präsident der Warschauer israelitischen Kultusgemeinde, Ehrenpräsident und Begründer mehrerer wohltätiger Vereine und Institute im Alter von 89 Jahren. Im vorigen Jahre ist Bergson von seiner Stelle zurückgetreten. (Jakob Dinesohn gestorben.) Freitag, den 29. August, starb in Warschau der bekannte jüdische Schriftsteller und Dichter Jakob Dinersohn. Der Verstorbene war ein intimer Freund von I. L. Perez und Schalom Alejchem. Seine Romane sowie viele Kindererzählungen sind die populärsten Bücher in jüdischer Sprache. In den letzten Jahren, insbesondere nach dem Tode von Perez widmete sich Dinesohn hauptsächlich den