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Jüdische Korrespondenz · 1919-09-12 · 34 (12.9.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
34 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34 Jüdische Korrespondenz Seite 5 Wirkungen aus. Wenn mm die erbitterte Menge sich zu leidenschaftlichen Gewalttätigkeiten Hinreißen läßt, so ist dies nur die unwiderstehliche Aeußerung des Seelenzustandes, in den Ungarns Volk jetzt nach dem Sturze des Kommunismus geraten ist. Es hat auch Leute gegeben, die, statt Ordnung zu machen, eine Rachepolitik verfolgt haben. Dies verurteile ich gleichfalls entschiedenst. Und wie ich die Kraft und den Mut hatte, dem Bolschewismus entgegenzutreten, werde ich auch die Kraft haben, mit den Auswüchsen der Gegenrevolution aufzuräumen und ich habe die strengste gesetzliche Verfolgung aller Schuldigen angeordnet. Wenn dies nicht genug sein sollte, werde ich mit standrechtlicher Strenge Vorgehen. Das alles ist ganz schön — nur mögen sich die .'perreit gesagt feiu lassen, daß diese Erklärungen die blutigen Pogrome nicht ungeschehen machen können. Mögen sie jetzt zumindest der weiteren Fortdauer der Hetze Einhalt gebieten. Wie es in der Wirklichkeit in Ungarn zugeht, zeigt folgende Mitteilung: Ein aus Czelldömölk Sonntag hier eingetroffener Reisender, der Augenzeuge der in den Orten Janoshaza und Czelldömölk stattgesundenen Ausschreitungen war, berichtet folgendes: „Alle bisher von Minister Friedrich angekündigten Maßnahmen gegen die Mörder von Czelldömölk und Janoshaza sind bis Samstagnicht vollzogen worden, und es haben leider jene Recht behalten, die behauptet hatten, es wird den Leuten nichts geschehen. Tatsächlich wurde .bisher nicht ein einziger dieser Verbrecher dingfest gemacht, wiewohl jedes Kind die Namen dieser Schurken kennt; sie gehen unbehelligt in den Straßen umher und lassen es ganz ungeniert vernehmen, daß jetzt die Ausrottung der Juden in Angriff genommen wird. Es denkt natürlich unter diesen Umständen keiner daran, zurückzukehren, und es ist mit Recht zu befürchten, daß die geschlossenen Geschäfte der Judenschaft vielleicht schon morgen geplündert werden, da seit 20 Tagen jeder Geschäftsverkehr stockt und die Bevölkerung selbst die notwendigsten Bedarfsartikel nicht beschaffen kann. Wie verzweifelt die Lage der Juden im Eisenburger Komitat ist, beweist die jüngste Verlautbarung des Stadthauptmanns von Steinamanger (Komitatshauptstadt), worin sämtliche Flüchtlinge aufgefordert werden, die Stadt innerhalb 48 Stunden zu verlassen. Friedrich aber läßt täglich amtlich der Welt erzählen, daß er für die Aufrechterhaltung der Ordnung alle Verfügungen getroffen habe und die Schuldigen einer gerechten Strafe zufiihren läßt." _ Die Flüchtlinge in der Tschecho-Slowakei. Heber das traurige Schicksal der galizischen Flüchtlinge in der Tschecho-Slowakei liegen folgende Meldungen vor: Aus Prag wird geschrieben. Der agrarisch-antisemitische „Venkov" berichtet: Mitte voriger Woche fuhr plötzlich ein Zug mit 11 Waggons und mehr als 100 Personen in seine Bestimmungsstation Groß-Meseritsch in Westmähren ein. Die Landesverwaltung Mährens hatte ihn angeblich dorthin dirigiert und vielleicht geglaubt, daß die „Passagiere" in der Judenstadt von Groß-Meseritsch ein Asyl finden werden. Aber sie hat sich getäuscht. Die Nachricht von der Ankunft der Juden verbreitete sich blitzschnell in der kleinen Gebirgsstadt und rief große Erregung hervor. Sofort wurde die Arbeit in den örtlichen Fabriken eingestellt und alles drängte zum Bahnhofe. Dort zogen die in Groß-Meseritsch bequartierten Soldaten einen Kordon um die jüdischen Waggons und kein Jude durfte den Bahnhof verlassen. Der Auflauf der Menge, insbesondere der Weiber, nahm einen bedenklichen Charakter an. Mit aller Schärfe wurde dagegen protestiert, daß die Juden in Groß-Meseritsch belassen werden; es sprach eine Reihe Rednerinuen und Rednern, man sandte Protesttelegramme nach Brünn. Der „Venkov" schildert in gehässigster Weise die Reise der galizischen Juden bis Meseritsch und' behauptet, daß die Juden noch 10 Tage in Studein bleiben sollen. Sie kamen angeblich aus Lundenburg, von wo man sie, da die Bevölkerung sich gegen ihr Verbleiben aufgelehnt hatte,, nach Galizien schicken wollte. An der Grenze aber ließ man sie infolge Mangels von Ausweisscheinen nicht durch und nun warten sie in Studein auf ihre Pässe. Aus Mährisch-Ostrau meldet man: Die Behörde befahl den Flüchtlingen am 7. August, bis zum 15. August Ostrau zu verlassen. Vorgekehrt war nichts. Daher sah sich das Ministerium genötigt, den Termin bis zum 15. September zu verlängern. Vorgekehrt wurde weiterhin nichts, von einer Organisierung der Äbtransporte war keine Rede, die Devisenzentrale wurde sogar wie absichtlich geschlossen. Nur der Bemühung eines privaten jüdischen Komitees unter Leitung von Doktor Rufeisen ist es zu verdanken, daß die Angelegenheit in Gang kam. Die Lokalbehörde bewies diesem jüdischen Komitee gegenüber großes Entgegenkommen, so daß ein Teil der Flüchtlinge bereits abtransportiert wurde, ein weiterer Teil am 5. und der Rest am 7. September abreist. Zu welcher staatsgesährlichen Tätigkeit manche politischen Kreise die Angelegenheit benützen, zeigt folgender Aufruf, der in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu Tausenden in Mähr.-Ostrau und Umgebung verbreitet wurde: „Bürger! Wir sind verraten! Die Behörden sind bestochen, sie halten es mit den Juden! Sie lassen die Polnischen Juden, die uns fünf Jahre ausgebentet haben, weiter hier. Protest- Versammlungen haben keinen Wert, die Juden lachen nur. Wir müssen sie selbst hinausjagen. Bereitet alles zum 6. September vor, au diesem Tage darf nicht ein polnischer Jude mehr hier sein. Wer hier bleibt oder sich versteckt, den werden wir mit Peitschen hinausjagen. Fürchtet euch nicht, gegen uns wird und darf niemand auftreten. Wir werden nicht stehlen und nicht rauben, wir werden nur die Diebe fortjageu, damit sie uns nicht bestehlen. Geht in keine Versammlung mehr, glaubt den Behörden nicht und macht selbst Ordnung. Laßt sie nichts mit sich wegführen. Am sechsten September früh beginnen wir." Angesichts dieser uuverhüllten Pogromhetze hat die Mähr.- Ostrauer Bezirkshauptmannschaft folgende Verordnung erlassen: Die Durchführung der Verfügungen über den Abtransport der Flüchtlinge ist seit einigen Tagen in vollem Gange. 42 Flüchtlingsfamilien sind bereits als Einzelreisende abgereist, zirka 20 Familien reisen am Freitag, den 5. September, mit einem Separatzug ab, der zweite Transport wird am Sonntag, den 7. September, abgehen. Die Bevölkerung wird aufmerksam gemacht, daß sie sich jeder die Ruhe und Ordnung störenden Handlungen zu enthalten habe. Technische Schwierigkeiten niachten es unmöglich, alle'Flüchtlinge, die sich bereits früher zur Abreise meldeten, rechtzeitig abreifen zu lassen. Aus wichtigen Gründen, die insbesondere auch mit finanztechnischen Fragen Zusammenhängen, mußte einigen wenigen Personen eine kurze Frist zur ordnungsgemäßen Abwicklung ihrer Angelegenheiten gewährt werden, doch auch diese Personen werden in kürzester Zeit abreisen. Hievon wird die Bevölkerung mit dem Beifügen verständigl, daß gegen die Verbreiter gegenteiliger und beunruhigender Gerüchte und gegen Personen, die zu Handlungen gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung aufreizen, mit aller Schärfe eingeschritten werden müßte. Ob es besser wird, ist eine andere Frage. Charakteristisch ist, daß in mehreren jüdischen Blättern gegen den Leiter der Flüchtlingszentrale in Prag, Professor Dr. Engel, Mitglied des „jüdischen Nationalrates", schwere Vorwürfe erhoben werden, er sei zum Schutze der Flüchtlinge nicht genug eingetreten, ja, sogar deren rasche Ausweisung begünstigt habe . . . Neujahrswünsche in der „Jüdischen Korrespondenz". Auf eine diesbezügliche Anregung hat sich die Verwaltung der „Jüdischen Korrespondenz" in selbstloser Weise beter erklärt, anläßlich der Jomim Nauroim die üblichen Wünsche zugunsten der Jugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums und der Jessod Hatora h Komittee zur Gründung eines orthodoxen Kindergartens zu ver - veröffentlichen. Einfache Anzeige kostet K 10 — ,

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