Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 33 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Jüdische Korrespondenz Seite 7 mins. 2. Für die im Auslände wohnenden rumänischen Juden sieben Monate vom 28. Mai 1919 cm. 3. Für die mobilisierten und die kriegsgesangenen Juden fünf Monate vom Zeitpunkt der Demobilisierung beziehungsweise Repatriierung an. (Die katholischen Interessen in Palästina.) In der Zeit vom 21. bis 25. Oktober findet in Einsiedeln ein internationaler katholischer Palästinakongreß statt. Die Anregung hierzu ging vom Komitee des Schweizer Heiligenlaudvereines aus. Der Zweck des Kongresses ist die Wahrung und Kräftigung der katholischen Interessen in Palästina und die Erhaltung der heiligen Stätten dortselbst sowie der Rechte der katholischen Welt darait._ wiener jüdische Kinder Ln Lolland. (Aus einem Briefe eines Dreizehnjährigen.) ... Es war am 30. Juli 1919 als ich nach dreitägiger Reise in Leeuivarden (Friesland) ankam. Ich wurde von einem Herrn, namens Evon der Velde, zu meinen Pflegeeltern geführt. Dieselben empfingen mich mit einer Tasse Tee und Bäckerei. Da es schon fast 8 Uhr abends war, ging ich, von der Reise ermüdet, bald schlafen. Ich schlief bei dem Herrn von der Velde. Am nächsten Tag besah ich mir Leenwarben. Leeuwarden ist eine größere Stadt (40.000 Einwohner), die Hauptstadt der Provinz Fricsland. Sie besitzt nebst einigen größeren Gebäuden, durchwegs einstöckige Häuser. Zwei Gärten zieren die Stadt (Prinzen Tuini, Rengers Park). In ersterem spielt Mittwoch und Samstag ein Sinfonieorchester. Drei Kinos und ein Theater dienen zur Erheiterung der Einwohner. Leeuwarden besitzt einen 60 Meter hohen Turm (oldehove), von welchein man ganz Friesland überschauen kann. Bis zur Mitte des Turmes fährt man mit einem Lift. Ich besuchte den Turm am 24. August. Durch ein Fernglas, dessen Benützung 10 Cents kostet, sah ich den Zuidersee. Viele andere Städte, wie Heerenveen (30 Kilometer), Harlingen (26 Kiliometer) konnte ich sehen. * Ich wohne bei Familie de Bruin. Herr de Bruin, ein Mann in den besten Jahren, sehr gemütlich und lustig, ist Besitzer eines größeren Modegeschäftes. Am Tage arbeitet er unermüdlich in seinem Geschäfte, während er abends bei einer Tasse Tee mit mir Schach spielt, wobei ich fast immer verliere, aber das macht nichts. Seine Gemahlin, eine vorzügliche Hausfrau, ist nur immer auf das Wohl der Familie bedacht. Sie schafft den ganzen Tag in Haus und Hof. Zwei erwachsene Söhne find die Freude ihrer Eltern. Auch sie arbeiten im Geschäfte; so geht es Montag, Dienstag usw. Aber Samstag! Ja, Samstag, da ruht die Arbeit. Denn bei aller Arbeitsfreude dürfen wir nicht an unseren Gott vergessen; denn er vergißt uns auch nicht. „Am Samstag sollst du keinerlei Arbeit verrichten!", so lautet sein Gebot. Am Savbat ruht alles bei der Familie de Bruin. * Ich bin am 24. Mai 1919 Bar-Mizwoh geworden. Hier in Holland geht es mir sehr gut. Ich bekomme vollauf zu essen, und habe Dank der Fürsorge meiner Pflegeeltern in drei Wochen 6'1 Pfund zugenommen. Am Tage gehe ich meistens spazieren oder lese in einem Buche. Während meines Hierseins unternahm ich mehrere Ausflüge. So nach Marssum (6 Kilometer), wo ich die alte Ritterburg besichtigte, und nach Tietjerk, einen wunderschönen Naturpark. Ich schlafe bei dem Herrn von der Velde. Daselbst befinden sich noch zwei Knaben aus Wien, denen es ebenfalls sehr gut geht: Abraham Engel und Moses Falik, beide Waisenkinder (Waisenhaus, XX., Engerthstraße 79). Ich weiß nicht, ob es allen Kindern so gut geht wie mir. Ob alle unter dem Schutze einer solchen Familie stehen. Möge Gott es ihnen lohnen, was sie an mir Gutes getan. Ich kann es ihnen nicht danken. _ Leo K. Orthodoxe Iugendgruppe. Wien, II., Große Schiffgasse 16. Worte an jüdische Herzen: Jugend geleitet von der Einsicht der Alten, ist die beste Gewähr fiir eine gedeihliche Fortentwicklung bis zur Vollkommenheit! 7. Spendenliste. Der „Jugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums" sind in der abgelauseneu Woche nachstehende Spenden zugekommen: Sammlung Moses Stern K 250 —; Sammlung Siegfried Schiff K 200'—; Siegmund Rosenberg, Preßburg K 150 —; Moritz Abeles Weitere Geldsendungen sind zu richten an den Wiener Bankverein, Filiale Stephaniestraße, aus Postsparkassenkonio Nr. 172829 für „Iugendgruppe" oder an Herrn David Baumgarten, II., Herminengasse 13. * * Um jedem die Möglichkeit zu bieten, die Tefillin vor den Jomim Hanauroim auf ihre Richtigkeit überprüfen zu lassen, hat die orthodoxe Iugendgruppe einen Soifer bestellt, der Sonntag, den 7. September 1919, im Vereinslokale, II., Große Schiffgasse 16, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends, die Durchsicht und Ausbesserung der Tesiilin zu müßigen Preisen besorgen wird. Es ergeht an jedermann die ernste Mahnung, diese günstige Gelegenheit nicht zu verabsäumen. Personalnachricht. (Hesped.) Sonntag abends wurde im Bethause „Marpe-le-uefe9clr dem kürzlich verstorbenen Herrn Moses Thumin. Sohn des berühmten Buczaczer Rabbiners Abraham Thumin, Verfasser des „Chessed-leabraham“, ein „Hesped" gemacht. Rabbiner Friedman und der Bruder des Verblichenen, Herr I. I. Thumin, Präsident der galizischen „Agudas Jisroel", hielten ergreifende Nachrufe. Der Baalschem von Lhelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. iJortfryniig.» Kaum hatte er sich mit einer Laterne in der Hand in den Keller begeben, erblickte er auch schon die Türe zur Nische, wo das Standbild sich befand. Ohne weitere Fragen ließ er dem Hauswirt Fesseln an die Hände legen und befahj, das Haus strenge zu bewachen, daß niemand hineinkomme. Er flüsterte seinem Vertreter ins Ohr, daß er die Tochter des Hauses, weiche beim jüdischen Gemeindevorsteher dient, mit ihrer Mutter zusammen auf das Amtszimmer zu bringen und sie dort bis zu seinem Eintreffen strenge zu bewachen. Er aber begab sich in das Kloster, um durch das Verhör des Mönches Basil feftzustellen, welche Bewandtnis es mit dem Diebstahle habe. Er traf ihn gerade, als er vor einem Heiligenbilds kniend ein Gebet flüsterte und mußte warten, bis er das Gebet beendete. Nun trat er an den Nichtsahnenden heran, und unverwandt ihm in die Augen sehend, mit einem Blicke, der den Mönch nur erschrecken mußte, fragte er ihn: „Haben Sie, Hochwürden. Kenntnis, wer das Muttergottesbild aus dem Kloster gestohlen hat?" Das Blut stieg Basil in die Kehle und dunkle Röte trat auf seine Stirne. Aber es gelang ihm, Fassung zu bewahren und zu erwidern: „Ich habe keine Kenntnis mehr, als meine übrigen Oroensbrnder." „Kennt Hochwürden ein Mädchen mit Namen Anna Zmudzinska?" Als ob ein Blitz aus heiterem Himmel mit blendendem, betäubendem Schein vor dem Mönch in den Boden geschlagen hätte, so sehr trafen ihn diese Worte. Der Polizeichef, welcher die Wirkung seiner letzten Worte scharf beobachtete, sprach nun zu Basil: „Ihr seid ein hochwürdiger, heiliger Mann, der sogar für das Märtyrerleben zu haben ist, sagt mir, ich bitte Euch, eine wahre Antwort auf meine Frage und erleichtert mir meine schwere Ausgabe, um den Fall dieses Diebstahls auszuklären." Der Mönch stand ganz erschüttert da. Vor mächtiger Erregung krallte er seine Fingernägel in die inneren Handflächen und, aus seine Ordensbrüder verlegen schauend, sprach er: „Ich kenne ein Mädchen mit Namen Anna Zmudzinska nicht und höre diesen Namen jetzt zum ersten Male." Daraus der Polizeiches: „Wir werden nun hören, was das Mädchen dazu sagen wird. Indessen entschuldigt. Hochwürden. wenn rch Euch als Verhafteten erkläre."-Basil taumelte und verdankte es nur dem ihn stützenden Polizeiches, daß er sich aus bei» Füßen halten konnte. Die Ordensbrüder warfen dem Davonaehenden einen halb verabscheuenden, halb mitleidigen Blick zu. Wohl hatten sie bisher keinen Anhaltspunkt, ifm iraend einer Lässigkeit seiner geistlichen Pflichten zu beschuldigen, es erschien ihnen sein Wesen aber nun nicht restlos glatt. Unmittelbar vor dem Austritte des Mönches aus dem Zimmer war vor der Türe, wie eine Schlange, die aus der Lauer liegt, der Golem gestanden. Natürlich sah ihn kein Mensch, denn er war jetzt unsichtbar. Als sich der Polizeiches und der Mönch entfernten, hörte man m der durchschrittenen Halle des Klosters eine kräftige Stimme: „Basil, mein treu ergeben gewesener Sohn Basil hat mit dem Dämon der Leidenschaft Bruderschaft geschlossen, er ist der Sinneslust, dem körperlichen Verlangen unterlegen, hat ferne Seele unrein, seinen Körper befleckt gemacht und ist zuletzt auch der Ungläubigkeit verfallen, da er das Mnttergottesbild aus dem Kloster in das' Haus seiner Geliebten im Schutze der Nachtdunkelheit schaffte, daher brach der Zorn der Gottesmutter auf die Welt aus."- Man hörte daraus ein lautes Weinen, das nicht nur die Mönche, sondern auch der Polizeiches von einem Schauer ergriffen wurden. Nun fiel Basil zu Boden und sagte: „Es ist wahr, rvas die Stimme jetzt gesagt hat; es ist die Stimme Gottes. .. Ich bin dem teuflischen Verlangen zum Opfer gefallen. . . Sie, die Gesellin der Schlange, hat mich zum Diebstahl verleitet.. .. Und ich habe dazu beigetragen, daß hunderte Menschen der Pest zum Opfer fielen.... Ich habe die Juden verleumdet...." Die Worte waren nicht so sehr verständlich, denn er verreuchte sich jedesmal aus der Bitterkeit seines Innern.