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Jüdische Korrespondenz · 1919-09-05 · 33 (5.9.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
33 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Jüdische Korrespondenz Seite 5 Für die glaubenstreuen Juden — und das sind die meisten Flüchtlinge — kommt hiebei noch eine wichtige Frage in Betracht: die Sabbatruhe. Die Flüchtlingszüge gehen in der Regel gegen Ende der Woche von Wien ab, so daß die Reisenden auch am Sabbat fahren müßten. In dieser Angelegenheit hat eine Delegation des galizischen Rabbinerverbandes, bestehend aus den Rabbinern Steinberg- Brody und Katz-Borszczow, dieser Tage beim polnischen Gesandten Dr. Szarotta interveniert und ersucht, daß die Züge immer am Montag von hier abgehen sollten, so daß die Reisenden bis Sabbat bereits zu Hanse sein können. Der Gesandte versprach, diesen Wunsch nach Möglichkeit zu berücksichtigen. _ Zur palästinafrage. Der vatikanische Mitarbeiter der „Deutschen Allg. Ztg." vom 14. August schreibt: Nachdem die zur Untersuchung der „jahrhundertealten Rechte Frankreichs in Syrien" eingesetzte amerikanische Kommission zu ungunsten Frankreichs, und wohl zu gunsten des Zionismus entschieden hat, wird von der französischen Regierung die ganze katholische Presse zum Sturme gegen dieses Urteil und für seine Berichtigung durch die Pariser Friedenskonferenz vorgeschickt. Diese französische Presse versucht mit allen verfügbaren Mitteln und Personen ^Stimmung im Vatikan für die Ansprüche Frankreichs auf das Protektorat in Syrien zu machen. „Denn," schreibt sie, „in einer Angelegenheit von so außerordentlichen Bedeutung hat das letzte Wort doch der Heilige Stuhl zu sprechen." Zur Unterstützung wird sich nun der Kardinal-Erzbischof von Rouen, Duboisin, Ende September in diplomatischer Sendung nach dem Orient begeben; von ihr verspricht sich Clemenceau dieselben Ergebnisse wie sie seinerzeit Kardinal Langenieux im Jahre 1893 nach Hanse gebracht hat. Zuerst wollte Clemenceau den Pariser Kardinal Amette schicken, aber dies war nicht möglich, da diese Reise mindestens einige Monate Abwesenheit von Paris bedingt hätte. Kardinal Duboisin hat unter anderem die Aufgabe, in Syrien verschiedene französische religiöse Niederlassungen zu besuchen und allen Katholiken in den Stapelplätzen der Levante zu versichern, daß Frankreich sie nicht verlassen wird und entschlossen sei, sie mit seinem Schutze zu decken und ihre Zukunft sicherzustellen, ganz so wie es jüngst Clemenceau auf der Friedenskonferenz dargelegt habe. — Wie der „Temps" meldet, berichtet eine Zeitung in Alexandrien, daß der „Verwaltungsrat des Libanon" beschlossen hat: 1. daß die politische und administrative Unabhängigkeit des Libanon in seinen natürlichen und historischen Grenzen proklamiert und daß die vom Libanon losgerissenen Gegenden hinfort als ein Teil desselben betrachtet werden sollen; 2. daß die Regierung des Libanon und die französische Regierung, welche ihr Unterstützung leiht, sich über die ökonomischen Beziehungen zwischen dem Libanon und den benachbarten Regierungen einiger: sollen. Dazu bemerkt die Zeitschrift „Palestine": Wir gestehen, nicht zu wissen, was der eigentliche Ursprung des „Verwaltungsrates des Libanon" ist oder was ihn berechtigen kann, für die Bevölkerung des Libanon zu sprechen. Klar ist nur das eine, daß der Libanon und daß diese Körperschaft unter französischer Leitung steht und daß sie dazu dienen sott, die Absichten der dortigen Vertreter des französischen Auswärtigen Amtes zu fördern. Wir wissen nicht, was mit den natürlichen und historischen Grenzen des Libanon oder was mit dem Gebiet, das vom Libanon losgerissen ist, gemeint ist; vermutlich ist an eine andere und weiter ausgedehnte Grenze gedacht, als die Verwaltungsgrenze des Libanon, wie sie unter türkischer Regierung seit langer Zeit bestanden hat. Wenn wir uns an den Geheimvertrag Sykos-Picot und an die französichen Ansprüchen erinnern, so vermuten wir, daß die Absicht besteht, Galiläa vom jüdischen Palästina trennen zu wollen, indem man für diese Gegend willkürlich den Namen Libanon anwendet. Das Manöver ist nicht sehr geschickt und wird keinen guten Eindruck machen. Wir wissen nicht, wie die französischen Politiker, die jetzt Kunststückchen mit einem unabhängigen Libanon machen, diese mit ihrer alten Schöpfung, dem „integralen Syrien", in Einklang bringen. Ist es noch nicht an der Zeit, daß erliste französische Staatsmänner diesem gegen ein jüdisches Palästina gerichteten Treiben ein Ende setzen? Ein jüdisches Palästina ist sicher und ebenso sicher ist es, daß es ein ungeteiltes jüdisches Palästina sein wird. Warum sollte sich Frankreich in Gegensatz zu etwas setzen, was kommen muß? Es entfremdet sich damit nur das jüdische Volk, das den ehrlichen Wunsch hat, gut Freund mit Frankreich zu sein, wenn ihm dies die französische Politik nur gestattet. Die Klugheit, wenn kein höheres Motiv, sollte die baldigste Anpassung an die Wirklichkeit empfehlen. — Das Pariser „Petit Journal" meldet aus London: Die englische Presse gibt eine interessante Erklärung wieder, welche kürzlich von Lord Curzon in einem Privatgetpräch abgegeben wurde. Lord Curzon, welcher zurzeit Lord Robert Cecil im Auswärtigen Amt vertritt, hat ausdrücklich versichert, daß die Gerüchte, welche von einem Auseinandergehen der Ansichten Frankreichs und Englands in bezug auf Syrien reden, ungenau sind. „Die britische Regierung," fügte der Minister bei, „hat niemals Absichten auf Syrien gehabt. Weit davon entfernt, den Ansprüchen Frankreichs in dieser Richtung entgegenzutreten, hat sie diese im Gegenteil auf der Friedenskonferenz stets im freundschaftlichsten Sinne und ohne einen Hintergedanken unterstützt." — Der maronitische Patriarch von Antiochien, Elias Petrus Huayek, der zurzeit in Rom weilt, wird sich demnächst zur Friedenskonferenz nach Paris begeben, um dort die Autonomie des Libanon zu betreiben und die französischen Ansprüche auf das Protektorat in Kleinasien und Syrien zu unterstützen. An die Litern volksschulpflichtiger Kinder! Eine kurze Spanne Zeit nur trennt uns von dem Beginne des neuen Schuljahres und intelligente Eltern, denen die Zukunft ihrer Kinder nicht gleichgültig ist, werden mit sich zu Rate gehen, welcher Anstalt sie ihr Teuerstes, ihr Kind, anvertrauen sollen. Um in dieser hochwichtigen Angelegenheit den richtigen Entschluß fassen zu können, müssen sich Vater und Mutter darüber im klaren sein, welche Forderungen an die Schule zu stellen sind, damit durch dieselbe die Jugend mit den geistigen Mitteln, welche ihr künftiges Wirken heischt und die Grundlage für ihr Glück bilden, ausgerüstet werde. Der Schule obliegt, die Kinder mit den zur weiteren Ausbildung für das Leben erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten auszustatten. Lau al halechem lewadau jichje lioodom ki al mauso pi haschem jichje ho-odom. Aber Kenntnisse und Fertigkeiten allein begründen nicht das Heil des Menschen; es muß noch ein weiteres hinzukommen: die religiöse Erziehung. Die Schule hat daher auch dafür Sorge zu tragen, daß vom jüdischen Kinde alles ferngehalten werde, was den jungen Menschen in seinen religiösen Anschauungen wankend machen könnte; dagegen muß alles herangezogen werden, was zur Stärkung des religiösen Sinnes beiträgt. Ein wichtiges Mittel bei der Erziehung der Jugend im jüdischen Geiste ist der Sabbat. Ueber denselben spricht sich S. R. Hirsch folgendermaßen aus: „Unter allen heiligen Gütern, mit welchen das Judentum seine Bekenner beglückt, ist keines so heilig, keines so reich an Segen und Beseligung, als das Gut der ältesten Institution der Erde, als das Gut deS Sabbats, des jüdischen Sabbats. Nehmt dem Juden seinen Sabbat und ihr habt ihn der reichsten, unschätzbaren Perle beraubt; und was ihr auch sonst dafür ihm bietet, nichts gibt ihm Ersatz." Und Rabbiner Dr. Arnold Klein aus Nürnberg führte in einem Vortrag, gehalten am 23. Oktober 1912 im Verein der Sabbatsreunde in Wien, aus: „Am Sabbat hängt die Zukunft des Judentums. Soll das Judentum erhalten bleiben, dann muß der Sabbat erhalten bleiben." Der religiösen Bildung unserer Jugend wurde in den letzten Jahrzehnten leider nicht die notweudige Pflege zuteil und die I jetzt grassierende Flucht aus dem Judentum ist die Folge.

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