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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-29 · 32 (29.8.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
32 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz Nr. 32 (Die Mikwah-Gebühren in Wien.) Im Sinne der Bestimmungen Anhang III des Statutes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien (Tarif für Abgaben, Taxen und Gebühren) werden die Gebühren für die Benützung der rituellen Badeanstalt (Mikwah), Wien, II., Floßgasse 14, ab 1. September 1919 bis auf weiteres wie folgt festgesetzt: A. Frauenbad: 1. Klasse I( 12'—, 2. Klasse K 8'-, 3. Klaffe L 4'-; 6. Männerbad: 1. Klasse mit Wäsche K 6'—, Warmes Tauchbad mit Wäsche Iv 4'—, 2. Klasse ohne Wäsche K 2 —. Unbemittelten wird die unentgeltliche Benützung der rituellen Badeanstalt über Einschreiten bewilligt. (Pogrome in Westuugarn.) Seit Samstag, den 23. August, dauern in Westungarn starke Judenpogrome an. Die ganze judenfeindliche Aktion geht von der Zeitung „Vasvasmegyö" unter der Redaktion des Albin Lindauer aus, welche die Juden beschuldigt, daß sie an der Räterepublik, dem Krieg und den: Anschluß an Deutschösterreich schuld seien. Die judenseindliche Agitation geht von der magyarischen Partei aus, die gegen den Anschluß an Deutschösterreich ist. Am Samstag fanden in folgenden Ortschaften Pogrome statt: In Hiseell, wo acht Juden getötet wurden, in Janoshaza (fünf Juden getötet), Zalaegerszeg (zirka zehn Juden), Szombathay (zirka zehn Juden), außerdem wurden sämtliche Juden aus diesen Ortschaften vertrieben und ihrer gesamten Habe beraubt. Der Hauptschuldige an diesen Pogromen ist Lindauer. Die Lage der dortigen Juden ist verzweifelt, weil keine Besatzungsarmee vorhanden ist, an die sich die Inden um Schutz wenden könnten. Die judenfeindliche Stimmung wird unter dem Schlagworte: „Fort mit den Juden" stark verbreitet. (Antisemitische Flngblattpropaganda in Baden.) In Baden wurden vor kurzem von Kindern in schulpflichtigem Alter Flugblätter verteilt, in denen zur Verfolgung der Juden ausgereizt wird. Weder seitens der Polizei noch seitens der Kurverwaltung wurde etwas gegen dieses Treiben veranlaßt. (Ein furchtbarer Pogrom in Minsk.) Am 7. August, dem Tage des Einmarsches'der polnischen Truppen in Minsk, fand ein Pogrom statt, bei welchem 32 Juden, darunter Frauen, Kinder und Greise, ermordet wurden, 500 jüdische Häuser und Geschäfte wurden ausgeplündert. In der Synagoge wurden drei Thorarollen und viele Gebetmäntel zerrissen. Nach der am nächsten Tage erfolgten Ankunft des Kommandanten der polnischen Truppen und einer amerikanischen Kommission mit General Jadwin und Professor Gotthart an der Spitze, wiederholten sich, trotz eines vom Kommandanten der Truppen erlassenen Aufrufes gegen die Räubereien und trotzdem die Amerikaner in Automobilen durch die Straßen fuhren, die Ueberfälle, diesmal aber ohne Menschenopfer. Die jüdische Gemeinde hielt in Anwesenheit der amerikanischen Kommission eine Versammlung ab. Nach einer längeren Rede des Generals Jadwin tvurde eine scharfe Protestresolution gegen die Pogrome beschlossen. 60 in Minsk verhaftete Juden wurden halb nackt und blutig geschlagen, nach Wilna gebracht. Schreckliche Nachrichten kommen ausder Umgebung von Minsk. Große Judenmassen verlassen die Orte und suchen Zuflucht in den Wäldern. — Nach dem Aufrufe Morgenthaus an die jüdische Bevölkerung von Minsk, der, von polnischen Flugzeugen abgeworfen wurde, veröffentlichte die bolschewistische Zeitung in Minsk einen sehr scharfen Artikel gegen den Zionisten Morgenthau, der mit den Worten schloß: Man muß alle Zionisten dem Henkergericht übergeben. Die Zivilisten leben in großem Schrecken, da ihnen die Verhaftung seitens der Bolschewiken droht. (England .läßt die Pogrome in Polen rrnterfuchen.) Im englischen Parlament erklärte der Unterstaatssekretär des auswärtigen Amtes auf eine Anfrage eines Deputierten, daß England die Entsendung zweier Kommissionen . nach Polen beabsichtige, welche die Ausgabe haben werden, die polnischen Pogrome gründlich und objektiv zu untersuchen. Die englischen Delegierten werden sich wahrscheinlich mit der amerikanischen Kommission in Verbindung setzen. (Befreiung der in Breft-Litowsk internierten Galiziauer.) Wie aus Warschau gemeldet wird, ist im Brest'Litowsker Gefangenenlager ein Befehl eingelangt, alle Internierten aus Galizien zu befreien. Die Internierten aus Litauen verbleiben noch im Lager, doch hofft man, daß auch diese bald befreit werden dürften. (Hoover und die ökonomische Lage der Inden.) „Hajnt" meldet: Während des Aufenthaltes Hoovers in Warschau fand eine Beratung über den ökonomischen Ausbau Polens mit Hilfe amerikanischen Kapitals statt. Au der Spitze dieser Aktion soll Hoover selbst stehen. Wie mitgeteilt wird, wurden dabei auch die ökonomischen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung in Betracht gezogen. (Gegen die Pogromhetze.) Das rumänische Preßbureau meldet: Der rumänische Platzkommandant von Budapest, General Holban, hat der ungarischen Regierung gegenüber gegen jede Pogromhetze Stellung genommen. Die ungarische Regierung müsse alles daran setzen, um dieser Propaganda ein Ende zu bereiten, da das rumänische Platzkommando für eventuelle Ausschreitungen die ungarische Regierung verantwortlich machen müsse. (Und in Rumänien?) (Vergebliche Angfttaufen.) In der Erwartung antisemitischer Ausschreitungen beim Sturz der Räteregierung haben in Budapest in den Monaten Juni und Juli sehr viele „Uebertritte" zur römisch-katholischen Kirche stattgesunden. Allein die Geistlichen und die Beamten, die die Taufscheine ausstellten, hatten zu der Ueberzeugnng, die das Motiv zu einem solchen Schritte war, nicht viel Zutrauen; und die Taufscheine erweisen sich jetzt als höchst mangelhafter Schutz. Denn sie enthalten in einer Ecke ganz klein geschrieben die vier Buchstaben: p. e. n. e., das heißt pogrom eseten nem ervenyes. (Im Falle eines Pogroms ungültig.) — So schreibt der „Neue Tag". (Leichenverbrenrrrrng in der „Jüdischen Gemeinde".) Aus Berlin wird berichtet: Wie politische Blätter melden, ist in der Repräsentanten-Sitznng der „Jüdischen Gemeinde" der Plan erörtert worden, auf dem neu anzulegendeu jüdischen Friedhof in Buckow eine Feuerbestattungsanlage zu errichten. Damit würde auf einem weiteren Gebiete des Gemeindelebens die Möglichkeit jeder Gemeinschaft zwischen orthodoxen und liberalen Juden zerstört, und zwar aus einem Gebiete, auf dem bisher weite Kreise ein besonders seelisches Bedürfnis zur Aufrechterhaltung einer gewissen Einheit empsunden hatten. Es ist interessant, daß man nun auch gegen diesen Rest von Gemeinsamkeit auf liberaler Seite, wie es scheint, in rücksichtslosester Weise Vorgehen will. (Reichsbürgerrecht für Polnische Inden.) Der preußische Minister des Innern gibtin einem Erlaß an die Regierungspräsidenten bekannt, daß im Gegensatz zu der bisher geübten Praxis, Einbürgerungsanträgen von aus Polen und Galizien stammenden Juden regelmäßig stattzugeben.ist, wenn sie in persönlicher Beziehung einwandfrei sind, bereits seit längerer Zeit in Preußen ansässig sind und eine auskömmliche Lebensstellung gefunden haben. (Die jüdisch-wirtschaftliche Frage in der Slowakei.) lieber die Beratungen des slowakischen Klubs vom 12. und 14. August berichtet das Tschecho-slowakische Preßbureau u. a.: „Bezüglich der Fragen der Lizenzen überwog nach dem Referat des Dr. Medvecky die Ansicht, daß man diese Frage allmählich lösen solle, in erster Linie in den kleineren Gemeinden, und daß man sobald als möglich mit der Aufhebung der überzähligen Lizenzen ans Zuteilung von Getränken beginnen solle." Die Frage der Lizenzen besteht darin, wie man so schnell als möglich alle jüdischen Kaufleute beseitigen und durch die Günstlinge der Regierung ersetzen könnte, die allmähliche Lösung darin, daß dem Regierungsprogramm zufolge die Landjuden von den städtischen ruiniert werden, damit sich endlich diejenigen Leute, die nicht imstande sind, sich mit wirtschaftlichen Mitteln zu behaupten, zur Geltung bringen können. (Aus Siebenbürgen.) Aus Marmarossziget hört man von unaufhörlichen Gewaltaten der rumänischen Besatzungstruppen. Plünderungen am hellichten Tage bei friedlichen jüdischen Bürgern sind an der Tagesordnung. Infolge der Schreckenstaten stockt der ganze Verkehr und jeder kann nur

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