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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-29 · 32 (29.8.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
32 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 32 und in größeren Gemeinden auf je 1000 Seelen nur eine Lizenz entfällt. In Gemeinden mit mehr als 3000-5500 Seelen werden höchstens sehs Lizenzen erteilt werden. Mit der Durchführung der Verordnung wurde die Generalfinanzdirektion betraut. Ansuchen um jede der bezeichneten Lizenzen sind bis zum 15. September bei der Finanzdirektion, in deren Bereich die bezügliche Lizenz ausgeübt werden soll, zu überreichen. In dem Gesuche ist der Anspruch mit amtlichen Beilagen nachzuweisen. Vor Erlassung der Verordnung eingereichte Gesuche werden so behandelt, als ob sie auf Grund dieser Verordnung eingereicht wären. Doch kann eine Person nicht mehr als eine Lizenz erhalten. * Sonntag, den 17. d. M., fand in Brünn eine Tagung der Verbaudsleitung der mährischen Kultusgemeinden statt. Auf der Tagesordnung stand die brennende Frage des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen, da laut Ministerialerlaß die Stundenanzahl reduziert werden soll. Referent Dr. Goldschmidt legte in einem umfassenden Bericht die Thesen des Rabbinerverbandes vor. Die ganze Leitung stimmte einhellig mit der Ansicht des Referenten überein, daß dem Hebräischunterricht und der jüdischen Geschichte in modernerer Fassung das Hauptaugenmerk zugewendet werden müsse. (Und die Religion?) Eines der traurigsten Kapitel der Tagung bildete das Referat des Dr. Goldschmidt über die Notlage der Rabbiner und Gemeindebeamten. Es war ein geradezu erschütternder Eindruck, den das Referat auf die Anwesenden hervorrief, um so mehr, als durch die unbeschreibbare Gestion des jüdischen Landesmassasonds (ein Fonds, der zur Zeit Josef II. in Mähren für arme Gemeinden gegründet wurde aus der Hälfte der Pachtsumme, die Leopold von Köffiler für die Judensteuern zahlte) die kleineren Gemeinden nicht entsprechend unterstützt werden können. Es wird daher der Landesmassasonds aufgefordert, die Unterstützung den großen Gemeinden zu entziehen und sie den kleineren zuzuwenden; für den Herbst wird die Einberufung eines Gemeindetages zum Zwecke der Regelung der Gemeindebeamtenfrage beschlossen. ‘ und associierten Mächte verbreitete Legende, daß Deutschland die Armenierdeportationen und Massakers inspiriert und organisiert habe. Die Einleitung des Herausgebers faßt auf 72 Seiten die wesentlichen Ergebnisse zusammen. Sorgfältige Namen«, Orts-, Sach- und Aktenregister erleichtern die Benutzung der Dokumentensammlung, die als Geschichtsquelle ersten Ranges dauernden Wert behalten wird. „Briefe aus Palästina." Von A. D. G o r d.o n. Welt-Verlag, Berlin, 1919. Preis Mk. 2 —. — Der Autor versucht, den Gedankengang des „Hapoel-Hazair", dem bei der Gestaltung der Verhältnisse tn Palästina ein gewisser Einfluß zukommen wird, zu begründen und zu popularisieren. „Geschichte der russischen Revolution." Von Freiherrn von Freytagh-LoringHoven. I. Teil. I. F. Lehmans Verlag, München. 1919. — Ein überaus intereffanter Beitrag zur Geschichte der russischen Revolution, deren Voraussetzungen, Ausbruch, Entwicklung und Ergebnisse mit großer Sachkenntnis geschildert werden. „Alter Vogel." Eine jüdische Novelle. Von Saul K a a tz. Verlag Louis Lamer, Berlin. Preis Mk. 3'50. — Ein Buch, dessen Lektüre besonders empfohlen werden kann. Ein eifervoll frommer Jude aus dem Osten, den das Schicksal nach Amerika verschlagen hat und der sich einbildete, „seine Hand sei sein Gott", aber unter den Schlägen des Schicksals zu seinem Gotte zurückkehrte. Man liest das Buch mit großer Spannung. „Das europäische Verhängnis." Die Politik der Großmächte, ihr Wesen und ihre Folgen. Von Philipp Hiltebrandt. Verlag Gebrüder Paetel, Berlin. 1919. Preis Mk. 6'—. — Geschichtlich betrachtet — so schreibt der Verfasser in seinem Vorworte — liegen die indirekten Ursachen der europäischen Katastrophe in letzter Linie in der jahrhundertelangen politischen Zersplitterung und Ohnmacht der deutschen Vergangenheit. Sie reizte die Begehrlichkeit der benachbarten Mächte und nötigte das deutsche Volk, ihnen gegenüber sein Recht auf politische Existenz und nationale Einheit mtt Hilfe des Militarismus zu sichern, dessen intensive Ausbildung dann wiederum von den angrenzenden Staaten nicht nur als eine unbequeme Schranke für ihre gleichsam gewohnheitsrechtlich erworbenen Ansprüche, sondern zugleich als eine Bedrohung ihrer bisherigen internationalen Stellung angesehen wurde. Und ferner: sie ließ bei der Verteilung der Erde die deutsche Nation ohne ein genügend ausgedehntes Mutterland und ohne Kolonien und zwang sie zur Erhaltung der materiellen Existenz Der letzte Punkt der Tagesordnung galt dem Wahlentwurf für die Kultusgemeinden im tschecho-slowakischen Staate. Der Entwurf steht auf dem Standpunkte des Proporzwahlsystems, das allen Juden, die das 21. Jahr erreicht haben, das Wahlrecht zugefteht. Die ukrainischen Pogrome. Die Herren Meer Großmann, Mitglied der jüdischen Nationalversammlung in der Ukraine, Mitglied des Präsidiums des Zentralen Pogromschutzkomitees in der Ukraine und Dr.Coralnik, beide aus Kiew, sind in Berlin eingetroffen, um sich von hier nach London weiterzubegeben. Beide Herren schilderten die Pogrome in der Ukraine folgendermaßen: Man kann drei Hauptperioden der Pogrome unterscheiden. Die erste Periode liegt in der Zeit der siegreichen Kämpfe Petliuras gegen den Hetman (November bis Jänner 1918). In diese Periode fallen vor allem die schrecklichen Pogrome, von Schitomir und Owrutz, über welche die „Jüdische Rundschau" bereits berichtet hat. Die zweite Periode fällt in den Februar bis April 1919. Es ist die Zeit, wo die Petliura-Truppen sich vor den Bolschewiki auf dem Rückzug befinden und zahllose Banden »austauchen. Besonders schlimm waren die zweitägigen Schlächtereien in Proskurow (14. und 15. Februar 1919), wo der Oberst Simosenko den Pogrom organisierte. Es ist absolut festgestellt und registriert, daß dabei 1700 Juden ermordet worden sind. Vielfach sind ganze Familien ausgerottet worden. Als das Zentrale Hilfskomitee von dem Pogrom erfuhr, sandte es einen Kommissär mit hunderttausend Rubeln nach Proskurow, um die Hinterbliebenen zu unterstützen. Der Kommissär wußte aber vielfach nicht, wem er das Geld geben sollte, da eben Hinterbliebene überhaupt nicht da waren. In dem Proskurow benachbarten Feltschtin wurden 400 Inden getötet. Ein besonders schrecklicher Fall war auch die Anhaltung eines Dampfers auf dem Dnjepr in der Nähe von Menschikorie bei Kiew, von dem 103 Juden heruntergeholt und ertränkt wurden, lieber 60 Leichen wurden gefunden. " ihrer gewaltig anwachsenden Bevölkernng zu einer Arbeitsleistung, die, durch die deutsche Wehrmacht verteidigt und in einer grandiosen Entwicklung des über alle Länder der Erde ausgedehnten Welthandels zum Ausdruck kommend, von den Nationen mit Neid und Eifersucht betrachtet und als Gefahr für ihre ökonomische und politische Selbständigkeit empfunden wurde. So hatte die politische Zersplitterung des deutschen Volkes für dieses die doppelt verhängnisvolle Folge, daß in der Mitte Europas jahrhundertelang ein politisches Minimum bestand, in das alle Aspirationen der benachbarten Mächte einströmten und das, als es sich dann unter ihrem Drücke zu einem politischen, demographischen und wirtschaftlichen Maximum verdichtete, die Furcht und die Feindschaft der ganzen Welt erweckte. „Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und MuseumSwesen." 2. Jahrgang, Nummer 4, 5, 0. Verlag R. Löwit, Wien. 1919. Preis K 6'—. — Wie die bisherigen Hefte dieses Archivrs enthält auch das vorliegende mehrere interessante Aufsätze: G. Saphirs Testament (Dr. Wachstein), Nachrichten über Konvertiten im 18. Jahrhundert (Max v Partheim), Zur Biographie des Baren Diego d'Aguilar (Paul Josef Diamant), Zur Kenntnis der Denmäh in Saloniki (Dr. A. I. Brawer) u. a. „Die deutsche Revolution." Band 1: Bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung. Bon Ferdinand Runkel. Geheftet Mk. 6'—.gebunden Mk. 8'— (dazu 10 Prozent Sortimenterzuschlag). (Verlag Fr. Wilhelm Grüner, Leipzig.) 1919. — Damit liegt der^erste starke Band eines großen Werkes vor, das, nach diesem Band zu urteilen, berufen ist, sich zu dem bedeutendsten Werke über die Revolution auszuwachsen. Noch wühlt sie unser innerstes Sein auf und in endlos erscheinender Reihe folgen Ereignisse auf Ereignisse, Umwälzungen auf Umwälzungen, die m ihrem überstürzten Kommen und Gehen oie Schaffung eines klaren Bildes unmöglich machen. Und das ist gerade in unserer Zeit, die uns alle zwingt, ernsthaft politisch zu denken und mitzuarbeiten, besonders hinderlich, denn gerade mit der Revolution mutz sich ein jeder gründlich auseinandersetzen, wenn er politisch zu denken fähig sein will. Schon das rechtfertigt das Erscheinen des Runkelschen'Werkes, das aber noch besonders wertvoll dadurch wird, daß sich der Verfasser bei erschöpfender und feffelnder Schilderung der Zeitereignisse streng an die Tatsachen und an die Wahrheit hält, auch da. wo es nötig ist, den Spuren anderer zu folgen, mit denen er nicht einer Meinung ist und sein kann.

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