Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 32 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 82 Jüdische Korrespondenz Seite 3 Leid und alles Gezanke der Galuth in Palästina eine neue Heimstätte finden. Des Leben wird zeigen, ob wir für die Selbstbestimmung reif find. Wobei im Anschlüsse an den -letzten Satz zn bemerken ist, daß nur diejenigen ein Reifezeugnis für die Selbstbestimmung erbringen, die das Recht der Majorität anerkennen und keineswegs darauf losgehen, eine Diktatur der Minderheit aufzurichten. Die Orthodoxie denkt keineswegs daran, einen Kulturkampf zu entfesseln. Aber wenn ihr ein solcher Kampf aufgezwungen werden sollte, so wird sie ihren Mann stellen. Darüber sollte man sich im Lager der Nationalisten klar sein. Auch ein Führer der „Poale-Zion", Ing. S. Kaplansky, nahm dieser Tage zur Orthodoxie in Palästina Stellung. In einen Gespräch mit einem Vertreter der „I. P. Z." erklärte Kaplansky: Wir wünschen keinen Kulturkampf mit der jüdischen Orthodoxie. Wir respektieren jedes religiöse Bekenntnis und anerkennen das Recht der Eltern, bis zu einem gewiffen Alter die Erziehung ihrer Kinder zu überwachen und zu leiten. Wir haben noch keine Beschlüsse in dieser Frage gefaßt, ich glaube, daß wir für eine weitgehende Autonomie der Schulverbände verschiedener Richtungen in Palästina eintreten werden. Aber wir werden in einen heftigen Konflikt mit der jüdischen Orthodoxie gelangen, wenn sie die religiöien Traditionen zum Bestandteil der nationalen Erziehung proklamieren wird, und wir werden noch heftiger aneinander geraten, wenn die Orthodoxie in Verkennung der Zeit und ihrer Umstände gar versuchen sollte, das Rechtsleben und die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas auf eine theokratische Basis zu stellen. Ich bin ein großer Verehrer der jüdischen Rechtswissenschaft, aber es ist nicht möglich, das jüdische Leben bloß auf der Weisheit Walter Schriften aufzubauen, mögen sie noch so ehrwürdig sein, und; es ist noch weniger möglich, die alten Gesetze mit dem modernen Wirtschaftsleben zu versöhnen. J Die Sorge, ob sich die alten Gesetze nüt dem modernen ^Wirtschaftsleben versöhnen lassen, sollte denjenigen überglasten werden, die diesbezüglich zn entscheiden berufen sind. ^Jm allgemeinen mögen sich unsere Nationalisten gesagt fein j lassen: wenn das moderne Wirtschaftsleben den alten Gesetzen ^widerspricht, so ist es noch nicht ausgenlacht, daß die alten ^Gesetze es sein müssen, die zurückzutreten hätten. Für den glaubenstreuen Juden gilt gerade das Gegenteil. Uebrigens ist j es dem Kenner der jüdischen Rechtswissenschaft bewußt, daß dieselbe es stets verstanden hat, den realen Bedürfnissen des Lebens, wo diese unumgänglich waren, Rechnung zu tragen, ohne äbdizieren zu müssen. Die Nationalisten sollten sich nur mit dem Gedanken befreunden, daß die Orthodoxie auch da ist und sich ihren Platz ait der Sonne sichern will, dann wird kein Kulturkampf nötig sein. x£fe Juden in der Tschecho-Slowakei. Die tschecho-slowakische Regierung setzt ihre judenfeindliche Taktik fort. Nun hat sie in der Slowakei eine Schenkenfrage geschaffen, durch welche 20.000 Juden brotlos wurden. Es ist dies ein Pendant zu der seinerzeitigen Schenkenfrage in Galizien, nur sind hier die Folgen viel gefährlicher. Der „jüdische Nationalrat" aber schweigt, oder ist er ohnmächtig? Der Preßburger „Slovensh/ Dennik" vom 19. August berichtet über eine Verordnung des bevollmächtigten Ministers für die Slowakei über die Aufhebung der Lizenzen, welche im wesentlichen folgenden Inhalt hat: Laut ß 1 werden alle bis 15. August 1919 erteilten Schanklizenzen zum großen und kleinen Verkauf von Spirituosen, dann für Haupttrafiken und kleine Trafiken, sowie die Berechtigung für Freilager und Likör- und Rumfabriken aufgehoben und eingestellt. Die bisherigen Inhaber der Berechtigungen (ß 2) dürfen die aus diesen fließenden Rechte noch so lange ausüben, bis der neue Gesuchsteller seine Bewilligung erhält. §.3 bestimmt, daß die neuen Lizenzen durch die zuständigen Finanzdirektionen an makellose Staatsbürger erteilt werden, hauptsächlich an Kriegsinvalide, Legionäre, Witwen und Waisen nach nationalen Vorkämpfern und nach Gefallenen, an Lebensmittelgenossenschaften und all Personen, welche aus anderen Gründen staatlicher Unterstützung würdig sind. Spiritusfreilager und Likör- und Rumfabriken werden die Behörden nach dem Spiritusgesetz entsprechenden Personen zuteilen, welche nach diesem Gesetz darauf Anspruch erheben können. 8 1. Die Zahl der Lizenzen zum Verkauf und Ausschank von alkoholischen Getränken wird derart herabgesetzt, daß ill Gemeinden bis zu 3000 Einwohnerll aus je 500 Seelen -gegen ihn erfüllt, warfen ihn auf den Holzstoß, auf welchem das Feuer brannte, und brachten ihn dem Herrn als Ganzopfer dar, das gganz in Dampf aufging usw. Seine Diener entließ man aus dem ^Kerker und ließ sie frei ihres Weges ziehen, und es blieb in ihrem 5 Gefängnisse nur noch der Fürst David Reubeni, sein Freund, bei dem man eine Wache aufstellte. Als der Kaiser nach Spanien zurück« kehrte, führte er den Reubeni mit, ließ ihn in ein Gewahrsam bringen, und nachdem er im Gefängnisse gestorben war, verbrannte man viele " von denen, welche in Spanien durch diesen David Reubeni und seine /.Träumereien verleitet worden waren. Viele in Italien glaubten da- .-mals, daß Rabbi Salomo Molcho durch seine Kenntnisse aus der | Gewalt derer, die sein Leben zu vernichten trachteten, gerettet worden ^sei, und daß das Feuer über ihn keine Macht gehabt hätte. Einer schwur sogar vor der versammelten Gemeinde, daß Salomo acht Tage nach seiner Verbrennung in seinem Hause gewesen und von da seines Weges gegangen wäre, daß er ihn später aber nicht mehr gesehen hätte. Gott, der Herr, allein weiß es, und ich wünsche, daß ich in Wahrheit und Aufrichtigkeit niederzuschreiben vermöchte, ob seine Worte der Wahrheit gemäß waren oder nicht." Neue Bücher. „Der Aufbau des Landes Israel." Ziele und Wege jüdischer Siedlungsarbeit in Palästina, von Dr. Arthur R u p p i n. 1919. Jüdischer Verlag, Berlin. Preis br. Mk. 8-—. — Ein Standartbuch in des Wortes vollster Bedeutung. „Ismaclie gawra we-ismache kamea.“ Dr. Ruppin, der langjährige Leiter des Palästinaamtes in Jaffa, ist als erstklassiger Palästinasachmann bekannt und seine bisherigen Schriften auf diesem Gebiete besitzen eine große Autorität Das vorliegende Buch übertrifft aber alle bisher auf diesem Gebiete erschienenen Schriften und es kommt ihm auch ein erhöhter Wert zu angesichts der Aktualität, die die Besiedlung Palästinas zurzeit besitzt'. Das Buch ist ein wertvoller Behelf für alle, die sich nut dem Palästinaproblem befassen. . „Jüdisches Theater." Eine dramatische Anthologie ostjüdischer Dichter. Ausgewählt, übertragen und eingeleitet von Alexander Eliasberg. Band I und H. 1919. Georg Müller Verlag, München. Preis Mk. 14-—. — Das Buch enthält Uebersetzungen dramatischer Werke von Perez, Scholem-Alejchem, Gordin, Pinski, Asch, Hirschlein, Weiter — der besten ostjüdischen Dramatiker. Die Uebersetzung ist in der Regel gut und die Auswahl des Materials eine gelungene. „Der Holzweg." Ein Berliner Roman. Von L. Audnal. Berlin, Erich Reiß-Verlag, 1919. — Ein Berliner Judenroman, der ein' treffendes, wenn auch wenig erfreuliches Bilo aus dem Leben der „modernen" Berliner Juden'gibt, die ihr Heil in der Aufnahme in die nichtjüdischen Kreise erblicken und bis zur Taufe gehen. Es fehlt aber auch nicht an'charakterfesten Männern, wie Dr. Hinrichsen einer ist, der lieber aus eine Professur verzichtet und Jude bleibt. Im allgemeinen ein interessantes Buch. „Oesterreichisches Statistisches Handbuch." XXXV. Jahrgang (1916/17). Verlag der Statistischen Zentralkommission. Wien, 1918. Preis X 4 —. — Der XXXV. und auch der letzte Jahrgang. Jenes Oesterreich, das da in Ziffern geschildert wird, ist nicht mehr. Das statistische Material, das in diesem Buche aufgehäust ist, hat aber trotzdem einen großen Wert, da ja der Auflösungsprozeß der Habsburgermonarchie noch nicht zum Abschlüsse gelangt ist. Für die Liquidierungsarbeit bietet das Buch einen reichen Behelf, es ist aber auch sonst von großem Interesse, da das Material vornehmlich nach Kronländern gesichtet ist. „Im kommunistische» Rußland." Briefe aus Moskau. Von Alfons P a q u e t. Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena, 1919. Preis Mk. 8 —. — Was im kommunistischen Rußland vorgeht, ist der großen Oeffentlichkeit wenig bekannt. Die Abschließung deS Reiches ist fast lückenlos. Umso größeres Interesse verdient das vorliegende Buch, das auf Grund eigener Wahrnehmung die Vorgänge und Verhältnisse schildert. „Deutschland und Armenien 1914—1918." Sammlung diplomatischer Aktenstücke. Herausgegeben und eingeleitet von Doktor Johannes Lepsius. Gebunden in Pappband Mk. 15-—, mit Porto und Verpackung Mk. 16-—. (Der Tempel-Verlag, Potsdam.) 1919. — Dem Herausgeber stand für seine Publikation das vollständige Aktenmaterial des Auswärtigen Amtes in Berlin und der Deutschen Botschaft in Konstantinopel zur Verfügung. Die 444 Aktenstücke der Sammlung enthalten alle wichtigen deutschen Konsularberichte und den Notenwechsel der Deutschen Botschaft mit der Pforte über die Armenische Frage während des Krieges. Sie geben ein erschütterndes Bild von den Tatsachen, schaffen völlige Klarheit über die Haltung der deutschen-Politik und zerstören die in der Presse der alliierten