Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 31 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Jüdische Korrespondenz Seite 7 jüdischen Glaubens das volle Ausmaß der Rechtsgleichheit hat angedeihen lassen und ihnen nicht nur auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet, sondern auch im öffentlichen Leben der Weg vollständig frei stand. Die Schuldigen sollen ohne Unterschied der Konfession bestraft werden, aber niemand darf nur deshalb verfolgt werden, weil er einer bestimmten Konfession augehört. Die Zugehörigkeit zu einer anderen Konfession darf für niemanden ein Palladium bilden. Die Herrschaft des Hasses möge in Ungarn ein Ende nehmen. Auf der ganzen Welt haben wir keinen Freund. Alles hat uns verlassen. Wir bluten aus tausend Wunden, und nur brüderliche Liebe und schwere Arbeit Schulter an Schulter können uns aus der schrecklichen Tiefe wieder emporheben. (Eine mißglückte antisemitische Versammlung in Prag.) Aus Prag wird berichtet: Am 12. August, 1/28 Uhr abends, sollte eine Protestversammlung stattfinden, welche von der katholischen Volkspartei auf der Sofieninsel einberufen worden war. Das klerikale Blatt „Cech" hatte zur Anzeige dieser Versammlung folgende Sätze hinzugefügt: Wir werden gegen die Vergewaltigung der katholischen Orden und ihre Austreibung aus Prag protestieren. Das katholische Volk Prags wird zur Selbsthilfe greifen, und wenn es auch um den Preis des Lebens sein sollte. — Die Anzeige schließt mit der Aufforderung, gegen die jüdisch-protestantischen Provokationen und Gewalttätigkeiten gleiche Mittel anzuwenden. Auf diesen Artikel reagierte das Abendblatt des „Pravo Lidu" mit einer Notiz unter dem Titel: „Die Prager Klerikalen drohen mit blutigen Ausschreitungen." Infolge dieser Notiz sammelten sich schon vor Beginn der Versammlung große Arbeitermassen sowie fortschrittliche Parteigänger an, so daß die später erschienenen Klerikalen in der Minderheit blieben und die Versammlung, die um V28 Uhr beginnen sollte, schon vor 1/2 8 Uhr zu Ende war. Es kani auf der Straße zu großen Tumulten und schließlich zog ein Teil der Klerikalen in das katholische Vereinshaus in der Brentegaffe, wo bei verschlossenen Türen ein Meeting abgehalten wurde. Allein nach kurzer Zeit erschienen auch dort die Fortschrittlichen und erzwangen den Schluß der Versammlung. Ein Trupp der Fortschrittlichen zog unter Absingung des Generalstreikliedes vor das Gebäude des „Cech", das von Polizei stark besetzt war. Nach stürmischen Rufen gegen das Blatt fanden die Denlonstrationen, die bis 10 Uhr gedauert hatten, ihr Ende. (Die Juden in Jugoslawien.) Vor einigen Tagen verbreitete das tschechische Preßburaue eine Meldung der rumänischen Agentur „Dacia", wonach die Belgrader Regierung den Inden jeden Handel in Jugoslawien verboten hätte und die Juden daher massenhaft aus Jugoslawien auswandern. Wir haben diese Meldung angezweifelt, da sie zu den bisher in Serbien immer betätigten Grundsätzen echter Toleranz in krassem Widerspruch stand. Nunmehr ermächtigt die Prager Gesandtschaft des Königreiches SHS das tschechische Preßbnreau, jene Meldung als völlig unrichtig zu erklären. (35.04)0 Todesopfer in sieben Monaten.) Die „Jüdische Rundschau" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über die Judenpogrome in der Ukraine. Darnach haben in der Zeit vom November 1918 bis Mai 1919 in nicht weniger als 127 Städten der Ukraine Judenpogroine stattgefunden, bei denen 30.000 bis 35.000 Juden ums Leben gekommen find. (Straßennamen nach jüdischen Gelehrten.) Der Magistrat der Stadt Wilna hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, drei Wilnaer Gassen nach den jüdischen Gelehrten Radbi Elijahn Gaon, Schtraschun und Pin zu benennen. (Banknoten mit jüdischen Schristzeichen.) Nach der Ukraine jetzt hat auch die litauische Regierung in Kowno Banknoten herausgegeben, die unter anderem auch jüdische Aufschriften tragen. (Amerikanische Hilfe für die ofteuropäischen Juden.) Henry Rosenfelt, Direktor des amerikanisch-jüdischen Unterstützungskomitees, hat angekündigt, daß das jüdische Unterstützungswerk bis Dezember 1919 7,500.000 Dollar ergeben muß, damit sechs Millionen osteuropäische Juden mit Nahrung, Kleidung und Arzneimitteln versehen werden können. (Bon der Agudas Jisroel.) Das Zentralkomitee der „Agudas Jisroel" begann die Herausgabe eines offiziellen Organes in hebräischer Sprache „Haderech". Dasselbe erscheint monatlich. Die erste Nummer enthält Artikel von: Ch. I. Eiß, T. Horowitz, B. Krupernik, Aphorismen von Dr. Birnbaum, eine reichhaltige Chronik usw. — An einer Versammlung, die am 5. August in London unter Vorsitz von Rabbi Dr. M. Jung abgehalten wurde, ist nach einem Referat von Dr. T. Lewenstein (Zürich) und Leo Jung beschlossen worden, in London eine Zweigstelle der Agudas Jisroel in Uebereinstimmung mit dem Zentralbureau in Zürich zu errichten. — Rabbiner Dr. T. Lewenstein, der Vorsitzende des Zentralbureaus der der Agudas Jisroel, der sich vor einigen Wochen in Angelegenheit der Agudas Jisroel nach Holland und England begeben hat, traf dieser Tage in Paris ein. (Pogrornnachrichteir aus Persien.) Die jüdische Bevölkerung in Hamadan befindet sich in einer gefährlichen Lage. Im Urumia wurde ein Jude ermordet. Es herrscht Pogromstimmnng. _ Danksagung. All jenen, die sich an unserer Kleider- und Wäsche- sowie Lebensmittelsammlung für die abreisenden Palästinenser beteiligt haben, herzlichft Jejascher Koach. Für die orthodoxe Jugendgruppe: Baumgarten, Stern, Felsenburg, Schiff, Adler. LainilLennachrichl. Dienstag, den 19. August, fand die Trauung von Fräulein Lizy Felsen bürg, Tochter des Herrn Moritz Felsen bur g, Präsidenten des Bethausvereines' Stumpergasse, mit Herrn Siegmund Breuer aus Wiener-Neustadt, im Tempel, Wien, II., Große Schiffgasse 8, statt. Orthodoxe jugendgruppe. Wien, H., Große Schiffgasse 16. Worte an jüdische Herzen:Uebe die Jugend in heiligen Pflichten, die ihrer im selbständigen Leben warten, damit sie fortsetze in größeren Kreisen, was sie unter deinen Augen begonnen! (S. R. Hirsch: „Pflichten Jisroels") 5. Spendenliste. Der „Jugeudgruppe des Vereines zur Währung der Interessen des orthodoxen Judentums" sind in der abgelaufeneu Woche nachstehende Spenden zugekommeu: Sammlung Hermann Fürst K 380 —; Jaques Weldler K 180 —; Alexander Steiner K 100 —; Adolf Grünwald K 100*—. Weitere Geldsendungen sind zu richten an den Wiener Bankverein, Filiale Stephaniestraße, auf Postsparkassenkouto Nr. 172829für „Jugendgruppe" oder an Herrn David Baumgarten, II., Herminengasse 13. Der Baalschem von Lhelm und sein Golem. «Fortsetzung.) 11. Pas verschwundene Keitigenöikb. Im Jahre 5374 bewahrheitete sich bei den Juden in Polen die Strafandrohung : „Von außen wütete das Schwert, im Innern aber schreitet das Gespenst des Todes". Im ganzen Lande herrschte die Choleraepidemie, welche auch von den Juden eine hohe Zahl yinrasfte. Bei ihnen gesellte sich jedoch zu diesem Unglücke noch ein anderes. In einem Kloster bei Chelm entdeckte man plötzlich, daß das Standbild Marias fehlte. Es war dies eine aus Echtgold gegossene mit verschiedenen Edelsteinen gefüllte etwa ein Meter hohe Statue. Selbstverständlich fiel der Verdacht auf keinen anderen als auf die Juden. Die Geistlichen verkündeten von der Kanzel herab, daß durch diese Greueltat der Himmel den Menschen zürne, daher die schreckliche Pest, und forderten das Volk auf, an den Juden Rache zu nehmen. Mit zitterndem und erschüttertem Herzen hörten die Juden van der sie drohenden Gefahr und sie hielten Beratungen ab, wie daK Unheil abzuwenden.