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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-22 · 31 (22.8.1919) · page 8

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
31 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Jüdische Korrespondenz Nr. 31 Zunächst ließ Rabbi Elie alle Juden aus Chelm und Umgebung an einem Donnerstag in der Synagoge versammeln. Man zündete Wachslichter und die Männer zogen Kitel und Gebetmantel an wie am Versöhnungstage. Lange wartete man bis Rabbi Elie erschien. Und er begann mit weinender Stimme zu sprechen und eine heilige Stille herrschte, daß man das Flackern der Lichter hörte. „Israel am Kdoschim, heiliges Volk Israel, Gott, gepriesen sei er, hat cs für Recht gefunden, über uns seinen.'Grimm auszuschütten, von Außen droht uns der Untergang durch das Schwert, rin Innern schreitet das Gespenst des Todes. In solchen schicksalsschweren Tagen müssen wir, wie uns die Propheten des Talmud belehrten, ans unserem Wege im Leben Rückschau halten, welche Sünden wir begangen haben. Und Gott, der Verzeihende und der Vergebende, er wird, wenn wir mit ganzem Herzen zu ihm umkehren und auf seinem Wege wandeln werden, von uns das Unheil abwenden und seine Hilfe kann jeden Augenblick kommen. Der Zweck aber, daß ich Euch hier versanrmelte ist nicht, um Euch der Buße zu ermahnen, sondern Euch hier vor Gott und seiner heiligen Gemeinde aufzufordern, daß ein jeder von Euch, der sich des Verbrechens schuldig fühlt, an dem Diebstahl des Kirchenbildes in irgend einer Weise teilgenommen zu haben, das hiervor Gott zu bekennen." Darauf nahm Rabbi Elie den Schoffar, blies Thuah, Schwurim, . Terua* * und die Töne klangen wie die Melodien des Todes, daß die ganze Gemeinde weinte. Rabbi Elie, desien Gesicht furchtbar aussah, sprach mit kräftiger Stimme: „Im Namen Gottes, im Namen der Gemeinde, im Namen des Gerichtes im Himmel und im Namen des Gerichtes auf Erden spreche ich hiedurch den Bann über jenen Juden aus, der irgend welche Kenntnis von dem Diebstahl in der Kirche hat und sie hier nicht gesteht, sein Ende möge sein wie das aller Feinde Israels." Rabbi Elie schaute nach allen Seiten, doch keiner aus der Menge meldete sich. Er sprach noch andere bezwingende Worte an die Versammelten und verabschiedete sich von ihnen zu guter Letzt, den Segen sprechend: „Gott erbarme sich seines Volkes." Als er wieder in das Zimmer der Abgeschiedenheit kam, sprach er zum Golem: „Ein Jude wird nicht ein so großes, den Namen Israels schmähendes Unrecht tun, und ich bin überzeugt, daß das heilige Bild von einem Klostermönch entwendet wurde. Daher untersuche den Fall gründlich und bringe mir darüber so schnell als möglich Aufschluß." Der Golem begab sich unverweilt in das Dorf, wo das Kloster stand. Er ging zunächst als „Srulik der Narr" in das Dorfschankhaus, um zu hören, was die Bauern zu diesem Diebstahl sagen werden. Doch er hörte von den Bauern keine Silbe, die auf den Diebstahl Bezug hätte. Nun begab er sich als Unsichtbarer in das Kloster, hielt dort gründliche Umschau, musterte auch die Mönche — es waren ihrer fünf — und begleitete sie wohin immer sie gingen. Als es spät Abend wurde, nahmen dre Mönche das Nachtmahl gemeinschaftlich ein, verrichteten die Tisch- und Nachtgebete und begaben sich auf das gemeinsame Schlafzimmer, um sich zur Ruhe zu begeben. Der Golem ließ es sich nicht nehmen, ihnen auch auf das Schlafzimmer zu folgen. Und er sah, daß die Mönche nochmals vor ihren Lagerstätten knieten und andachtsvoll die Augen gen Himmel gerichtet leise Gebete sprachen, so daß sich bloß ihre Lippen bewegten. Bald waren sie alle einaeschlafen. Der Golem stand bei der Wand wie eine Statue ganz atemlos. (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. „Der Prager Golem." Die unendlich reizvolle Legende vom Golem, dem rätselhaften Scheinmenschen, die schon so viele Dichter zur Gestaltung lockte, hat einen Erneuerer gefunden. Chajim Bloch — den Lesern unseres Blattes durch seine chassidischen Geschichten und die Artikelserie „Der Basischem von Chelm und sein Golem" bekannt — — hat ein Buch erscheinen lasten, „Der Prager Golem von seiner .Geburt' bis zu seinem,Tod'", welches 27, dem deutschen Leser bisher unbekannte Geschichten enthält. In einem wissenschaftlichen Vor- und Nachwort gibt uns Bloch einen Ueberblick über diese Legende in all ihren alten — wird sie doch schon im Talmud erwähnt — und neuen Fastungen bis auf Meyrink. Der bekannte Münchener Religionsforscher H. L. Held schrieb zu diesem Buche eine Einleitung. Das Buch, welches in unserem Blatte noch ausführlicher besprochen werden wird, kann jedem, der sich für jene seltsame, tiefsinnige Sage sowie für Mystik und Kabbala überhaupt interessiert, wärmstens empfohlen werden. Gegen Voreinsendung des Betrages von K 13'öO zu beziehen von Dr! Blochs Wochenschrift, Wien, II., Praterstraße 9. Der Weg zur Katastrophe. Von Karl Fr. Nowak. — Berlin, Erich Reiß' Verlag, 1919. — Ein Buch, das seit seinem Erscheinen die politische und militärische Welt eifrig beschäftigt, viel Anerkennung * Namen der vorgeschriebenen Posaunenklänge. und auch sehr viel Anfeindungen gefunden hat — jedenfalls aber eines der interessantesten imb inhaltsreichsten Schriften der Kriegsliteratur ist. Auf Grund authentischer Mitteilungen des Feldmarschalls Konrad geschrieben, enthält es eine Schilderung der Vorkriegsgeschichte, der Kriegsentivicklung und seines Ausganges. Das Buch liest sich wie ein Roman. Der Untertan. Roman von Heinrich Mann. Kurt Wollf Verlag, Leipzig-Wien, 1919. — Ein Tendenzbuch mit allen üblichen lieber - treibungen — und dennoch sehr nahe oer Wahrheit. Der Verfasser versichert, daß der Roman anfangs Juli 1914 abgeschlossen wurde — also vor Kriegsausbruch, da kein Mensch die Umwälzungen in Deutschland und den Sturz der Hohenzollern auch nur ahnen konnte. Umso höher ist der Mut des Verfasserseinzuschätzen, der es damals wagte, den „Kaiserismus" und seine Auswüchse derart scharf zu geißeln. Sozialismus, Revolution und Jndenfrage. Von Moriz Nappaport. — Verlag E. P. Tal & Co-, Leipzig-Wien, 1919. — Aus dem Inhalt: Bismark und Friedrich Adler. — Kant, Wilson, Trotzky und der Krieg. — Sozialismus und Judentum. — Viktor Adler. — Die wirkliche Ursache des Antisemitismus. — Christentum und Krieg. — Die Juden in der Revolution. — lieber Freud und Polemik gegen Freud. — Das Problem des Heldentums. — Die Realpolitik als eine Form des Monismus. — Die eigentliche Tragödie der Menschheit. Die Kultur der Juden. Eine Versöhnung zwischen Religion und. Wissenschaft, von Hugo Dingler. „Der Neue-Geist-Verlag", Leipzig 1919. Preis Mk. 3-60. — Eine überaus interessante Arbeit, mag man auch nicht mit allen Ausführungen des Verfasters einverstanden sein können. Jud Süß. Schauspiel in drei Akten (vier Bildern) von Leon Feuchtwanger. München 1916 bei Georg Müller. Preis Mk. 3 75. — Es ist sicherlich ein kühner Gedanke, den aus der Geschichte sattsam bekanntet: württembergischen Finanzjuden Süß idealisieren zu wollen und ihm ein mystisches Mäntelchen urnzuhängen. An und für sich ist aber die Arbeit gelungen, und das Stück hatte auch auf einer Wiener- Bühne einen guten Erfolg. Iugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums. 7..! Bereittslokal: II., Große Schiffgasse Nr. 16. —...... Geöffnet an Wochentagen von ü bis 10 Uhr abends, an Samstagtu und Sonntagen ad s Uhr vormittags. Reichhaltige Bibliothek n. Zcmchrifteii zur freien Benützung der Mitglieder. ScHrrrL'im-KrrrLertirrrg vorn 27. Ab bis 2. Muk 6679 (23. bis 28. August 1919). Samstag, Voll Nhr vormittags: Sidro mit Kommentar, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Hoffman n. Samstag, Vo3 Uhr nachmittags: Gemoroh (Gittin), Herr Salamon Schreiber. SamStag, ArA Uhr nachmittags: Herr Wolf P a p p e n h e i m. Sonntag, 11 Uhr vormittags: Jeschaja, Se. Ehrw. Herr RabNtter Dr. I. H o f f m a n n. Sonntag, Vs8 Uhr abends: Mischleh, Herr Albert Breuer. Montag,. Vo8 Uhr abends: Mischnoh (Brochaus), Se. Ehrw. Herr Rabbiner A. W e i ß. Montag, '/.9 Uhr abends: Gemoroh (Gittin), Herr Salamon S ch r e i b e r. Dienstag, 7,8 Uhr abends: Mischnoh (Brochaus), Se. Ehrw. Herr- Rabbiner A. W e i jj. Mittwoch, 7»8 Uhr abends: Thillim, Se. Ehrw. Herr Nabbiner M. Flesch. Donnerstag, 7>8 Uhr abends: Jeschaja, Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. H o s f m a n n. Donnerstag, '/»9 Uhr abends: Gemoroh (Gittin), Herr Salamon Schreiber. Ankündigungen: Turnen für Mitglieder findet Sonntag, um 8 Uhr vormittags, U., Malzgaste 16, statt. Adas Jisroel (Schiffschule), II., Große Schiffg. 8. Gebetstunden in der Zeit vöm 26. Ab bis 3. Elul * (22. bis 29. August). Freitag, den 26. Ab: Sabbateingang 6 50. Samstag, den 27. Ab: Morgengebet 6 30 und 9 Uhr, Minolta 12 15. Um 3 30 Vortrag von Pirke-Abot, anschließend Mincha. Sabbat- Ausgang 7-35. An Wochentagen: Morgengebet 5*15 und 6 Uhr, Mincha 645. Montag, den 25. August: um 12 30 und 6 30. ' ' Freitag, den 3. Elul: Sabbateingang 640. Eigentum einer Societät. — Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hernalser Gürtel 20.

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