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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-22 · 31 (22.8.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
31 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 31 allgemeinen Besuch gesperrt war, für die Palästinenser öffnete, und ihnen Gratiskarten zur Verfügung stellte. Sie hat nur den einen Wunsch, für die Ehre Gottes und das Wohl ihrer Mitmenschen tätig zu sein. Möge ihr der Allmächtige dies lohnen und die Glückwünsche, die sie am Dienstag abends erhielt, wie die Segnungen der Männer, die zu ihren Frauen reisen, der Frauen, die nach langer Abwesenheit heimkehren, der Mütter, die nach Jahren ihre Kinder Wiedersehen werden, erfüllen. G. C. Z. ■st Nach Schluß der Redaktion ersucht uns Frl. Lorbeerbaum, all jenen, die sie bei der Heimbeförderung der Palästinenser unterstützt haben, ihren herzlichsten Dank zu übermitteln. Insbesondere den ausländischen Missionen, der Landesregierung, dem Staatsamt für Verkehrswesen, der Polizei- Direktion und dem Oefterr. Lloyd. Weiters jenen Korporationen, die die Reisespesen gedeckt haben. (Amerik. Hilfskomitee, die Kollelim, und die diversen Palästinahilfskommissionen.) Für ihre Bemühungen auch Dank dem Mr. Gilles, den Herren Dr. Egon Zweig, Direktor Bring?, den Herren Lederer und Mano Felscnburg jun. wie der gesamten Jugendgruppe. Die Abreise der Palästinenser Flüchtlinge. Dienstag abends fuhren 90 Palästinenser, die während des Krieges hierher geflüchtet umreit, von Wien, Westbahnhof, nach Triest ab, von wo sie dann weiter in ihre Heimat befördert werden. Jedem, der zugegen war, wird unvergeßlich bleiben der Anblick dieser jauchzenden Menschen, die nach jahrelanger Abwesenheit wieder zu ihrer Familie zurückkehren. Zur Verabschiedung hatten sich eingefunden: Präsident Dr. Zweig und Direktor Brings der Jüdischen Transportgesellschaft (letzterer begleitet den Zug bis Triest), die Herren Lederer und Diamant, die zionistische Jugend, welche ergreifende Nationallieder sang, die orthodoxe Jugendgruppe, welche den Reisenden Lebensmittel (Brot, Sardinen, Wein, Slibowitz, Zuckerln usw.) mitbrachte, ferner fast alle hier verbliebenen Palästinenser unter ihnen Frl. Anna Lorbeerbaum, die die Aktion angeregt und auch die Hauptarbeit zur Ermöglichung derselben durchgeführt hat. Die Reisenden treffen Donnerstag in Triest ein und verbleiben dortselbst bis Montag. Die Schiffsreise dauert zwei Wochen. Auf dem Schiff ist eine koschere Küche eingerichtet. __ Die Flüchtlinge in Böhmen. # Prag, am 12. August 1919. Löbliche Redaktion! Ich bitte um Aufnahme folgender Zeilen: In der Nummer vom 8. August wird der jüdische Natioualrat der Tschechoslowakei beschuldigt, nichts dafür getan zu haben, daß die Flüchtlinge aus Galizien noch weiter im Lande verbleiben können. Diese Notiz entspricht einer völligen Unkenntnis der Tatsachen. Die Ausweisung aller jüdischen Flüchtlinge war seit Dezember 1918 angeordnet, die Auszahlung der staatlichen Unterstützung wurde eingestellt. Nur den verzweifelten Anstrengungen des jüdischen Nationalrates in Prag, durch Interventionen bei allen Behörden, beim Präsidenten der Republik, in Paris und London ist es zu danken, daß der Ausweisungsbefehl bis zu den Zeiten verschoben wurde, wo eine Beförderung der Flüchtlinge mit Hab und Gut möglich ist und wo auch in Galizien sich die Verhältnisse wieder zu klären beginnen. Was hier an Arbeit geleistet worden ist, um das Mögliche zu erreichen, um das vom Staate gesperrte Vermögen der Flüchtlinge frei und transportabel zu bekommen, welche unendlichen Mühen es gekostet hat, durch private Hilfsquellen die Armen und Elenden, die jeder Unterstützung beraubt waren, über Wasser zu halten, das soll nicht im einzelnen ausgeführt werden, Jesch kaune oulomau beschooh achas. Dies zur gefälligen Kenntnisnahme. Dr. Salomon Lieben, Mitglied des jüdischen Nationalrates in Prag. (Anmerkung d e r R e d a k t i o n: Wir nehmen die Richtigstellung gerne zur Kenntnis, können aber nicht umhin, darauf hinzuweisen, daß es dem jüdischen Nationalrat in der Tschechoslowakei bisher nicht gelungen ist, die Exzesse in der Slowakei und die Internierungen hintanzuhalten, der antisemitischen Preßhetze Einhalt zu tun und die Flüchtlinge vor der Ausweisung zu bewahren. Diese Tatsachen stehen im krassen Widerspruch zu der Ruhmrederei der Führer des Nationalratcs, die der Welt einreden wollen, das Judentum sei unter ihrem Schatze am besten geborgen. Da heißt es: „Al jislialel chauger kimphateacli!*) Die Iudenftage in polen. In der Sitzung der Kommission für Ratifikation des Friedens vom 24. Juli 1919 hat Ministerpräsident Paderewski eine längere Ansprache gehalten, in der er u. a. folgendes sagte: „In dem Vertrag zwischen Polen und Deutschland sind viele für uns ungünstige Aenderungen eingetreten. In dieser Richtung haben die Bankiers und die Kapitalisten des amerikanischen Judentums und die Arbeiterpartei in England einen großen Einfluß ausgeübt. Charakteristisch ist, daß das fremde Kapital und fremde Arbeit sich verständigt haben, um Polen zu schaden. Die Klausel über die nationalen Minderheiten ist für uns selbstverständlich unangenehm. Ich muß aber zugestehen, daß wir selbst daran schuld sind, denn wenn wir zum Aufbau unseres Staates schreiten, ist keine Zeit für innerpolitische Abrechnungen. Andererseits muß ich zugeben, daß die Klausel betreffs der Rechte der nationalen Minderheiten noch vor der Unterzeichnung des Waffenstillstandes beschlossen wurde. Es ist klar, daß auch in dieser Beziehung der fremde Kapitalismus, die Zionisten und die Nationaljuden eine ernste finanzielle Kraft ' darstellen. Wir wollen nicht jammern, wir wollen die Klausel des Vertrages, insbesondere was die Juden betrifft, so annehmen, wie sie ist. Wir haben doch durch sie erreicht, daß die polnische. Sprache in den jüdischen Schulen und Cheders als obligater Lehrgegenstand eingeführt wird. Wir selbst hätten doch den Juden dieselben Rechte auch ohne fremde Intervention gegeben ..." — Beim Empfange der polnischen Pressevertreter hatte Morgenthau den. Wunsch ausgesprochen, auch von ihnen zu hören, was eigentlich die Juden tun müßten, um ein gedeihliches Zusammenleben mit den Polen zu ermöglichen. Die Pressevertreter erbaten sich Bedenkzeit und teilten Morgenthau bei ihrer zweiten Konferenz folgende Forderungen mit: 1. Die polnischen Juden müssen einen Standpunkt der Assimilierung einnehmen. 2. Sie müssen vor Europa gegen die Ausbreitung der vorurteilsvollen Meldungen über Pogrome und gegen die Klausel der internationalen Garantien Einspruch erheben, wobei schon allein die Tatsache des jüdischen Einspruches einen Wandel in ihren Ueberzeugungen bedeuten würde. Falls sich die Juden psychologisch zu einer derartigen Tat fähig zeigen würden, so könnten sie die polnische Gesellschaft veranlassen, sich den Juden gegenüber so geneigt zu zeigen, daß die jüdische Frage von selbst aufhören würde zu existieren. Es handelt sich lediglich darum, daß die Juden in geistiger Beziehung polnische Bürger werden. Morgenthau überzeugte die Versammlung davon, daß die Klausel über den internationalen Minderheitsschutz die Ehre des polnischen Volkes nicht beeinträchtige. Er sagte: „Falls Polen noch lange über Beschlüsse debattieren wird, die bereits gefaßt find, so kann unter den Alliierten der Vorrat an Geduld erschöpft werden und sie könnten dann, England wahrscheinlich zu allererst, ihre Gunst auf andere Völker übertragen. Wir haben ihre weitestgehenden Hoffnungen verwirklicht, die sie selbst für unerfüllbar hielten. Sie sind nicht durch ihre, sondern durch unsere Bemühungen in Erfüllung gegangen. Wir erwarten, daß Polen jetzt das tut, was wir von ihm erwarten und dies nicht für eine Kränkung nationaler Würde auslegt. Sie verstehen noch immer nicht genau den ganzen

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