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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-15 · 30 (15.8.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
30 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Jüdische Korrespondenz Seite 5 Warszawska" ist erbittert darüber, daß zugunsten einer Bevölkerungsschichte Standgerichte eingeführt werden. (Aus Polen.) Botschafter Morgenthau hat einen Ausruf an die Juden erlassen, in welchem er sie auffordert, die in Minsk einmarschierenden polnischen Truppen freundlich zu empfangen. Dieser Aufruf wurde noch vor der Eroberung der < Stadt durch die Polen von Aeroplanen abgemorfen. Zusammen mit den einmarschierenden polnischen Truppen begab sich General Jadwiß von der amerikanischen Mission nach Minsk. Staatschef Pilsudski erklärte dem Senator Morgenthau in einer Unterredung während seines Aufenthaltes in Wilna, ich gebe zu, daß in den ersten Tagen nach dem Einmarsch der polnischen Truppen in Wilna „Ungerechtigkeiten" gegen die Juden begangen wurden. Im übrigen aber, sagte Pilsudski, haben die Juden ein zu großes Aufhebens gemacht und dadurch Amerikas öffentliche Meinung gegen Polen aufgehetzt und damit dem Lande viel geschadet. (Appell an den Papst.) Das Aschkenasische Jüdische Cauncil in Jerusalem hat im Namen der Jerusalemer Judenschaft durch den lateinischen Patriarchen in Jerusalem Monsignore Filippo Camasse einen Brief an den Papst gesandt, in welchem sie an ihn appelliert, seinen Einfluß auf die katholischen Völker in Polen und Galizien zu gebrauchen, um den Judenmassakern ein Ende zu machen. (Die Vernichtung der jüdischen Kolonien in Südrnßland.) Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet: Die zahlreichen jüdischen, landwirtschaftlichen Kolonien im Kreise Jekaterinoslaw, die dort seit 80 Jahren bestehen, sind jetzt in verzweifelte Situation geraten. Die Truppenabteilungen des Denikin, die aus dem Don kommend, diese Gegend erreichten, haben einige Kolonien vernichtet. Andere Abteilungen, welche sich zwischen den Armeen Gregoriews und Petlznras befinden, die ihrerseits keine Kontrolle über das Land besitzen, ziehen unter Plündern und Morden von Kolonie gu Kolonie. Die Zahl der Opfer ist sehr bedeutend. (Judenpogrome des lettischen Militärs.) Die allmähliche Zurückziehung der reichsdeutschen Truppen hat den an ihre Stelle getretenen lettischen Soldaten der Regierung Ulmanis die Gelegenheit gegeben, ihre militärische Tüchtigkeit in einer ihnen genehmen Form zu beweisen. In den letzten Tagen haben die nach Friedrichstadt gekommenen lettischen Truppen in viehischer Weise einen Judenpogrom veranstaltet, bei dem es insbesondere zu einer großen Anzahl von Verbrechen gegen die weibliche jüdische Bevölkerung und zu Räubereien gekommen ist. Da die Regierung Ulmanis in den letzten Wochen vor ihreur Sturz im April wiederholt in amtlichen Proklamationen, die sie im ganzen Land anschlagen ließ, zu Judenhetzen aufgefordert hat, so wird es ihr nicht gelingen, die Verantwortung für diese Vorfälle von sich zu wälzen. Die Ereignisse in Friedrichstadt,_ über die zu berichten die lettische Presse bisher nicht Platz gefunden hat, weil sie ständig über angebliche Räubereien deutscher Truppen spaltenlange Klagen veröffentlicht hat, sind so ungeheuerlich, daß selbst der lettische Volksrat Veranlassung genommen hat, eine Untersuchungskommission mit Ermittlungen über die Vorfälle zu betrauen. ' (Die Serben verbieten den jüdischen Handel?) Aus Bukarest wird gemeldet: Die Agentur Dacia meldet aus Lugos: Das in Lugos erscheinende Blatt „Banatul" meldet: Die Belgrader serbische Regierung hat den Juden streng untersagt, in den an den jugoslawischen Staat angegliederten Provinzen Handel zu treiben. Die Juden verlassen in großen Massen Serbien. (Diese Nachricht klingt etwas unglaublich!) (Die Lage der internierten galizischen Inden.) Reuter meldet: Fürst Sapieha, der neue polnische Gesandte in London, wandte sich an die englische Regierung mit der Forderung, alle polnischen Juden feindlicher Abstammung (daS heißt gewesene Galizianer und Posener) die in England interniert sind, zu besteien. Es betrifft dies etwa 2000 ehemalige Oesterreicher oder Deutsche, die während des Krieges interniert worden sind. (Konferenz russisch-polnischer Juden.) Aus New- Iork wird berichtet: Am 11. Juli fand hier eine Konferenz der Vertreter der russisch-polnischen Juden statt, an der sich 80 Delegierte beteiligten, die 40 Organisationen verschiedener amerikanischer Städte repräsentierten. Nach Schilderung der Lage der Juden im Osten, wiesen die Redner auf die Notwendigkeit hin, das Judentum der ganzen Welt zu vereinigen und einen allweltlichen jüdischen Permanenz-Kongreß einzuberufen. Der Verein der polnisch-russischen Juden wird gemeinsam mit den andern jüdischen Organisationen aktiven Anteil an der Arbeit für diesen Kongreß nehmen. Mit enthusiastischer Begeisterung wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, zwei Millionen Dollar für die leidenden Juden in Polen und Rußland zu sammeln. (Ermordung eines jüdischen Arbeiters durch Beduinen.) Das Kopenhagener zionistische Bureau berichtet: Auf dem Wege von Liberias nach Jabniel ist in der Nähe dieser Kolonie der jüdische Arbeiter Esraim Kami! aus Galizien von einer Gruppe Beduinen ermordet worden. Der Arbeiter befand sich in Begleitung einiger Juden, die sämtlich unbewaffnet waren, auf dem Wege zur Kolonie, als ihnen eine Gruppe von Beduinen entgegentrat, um die Reiterei und ihr sonstiges Vermögen zu rauben. Der Arbeiter Kamil stellte sich ihnen entgegen, als Plötzlich ein Beduine hinterrücks auf ihn schoß und ihn niederstreckte. Die anderen Juden liefen in die Kolonie. Die Behörden nahmen unverzüglich die Verfolgung der Verbrecher auf. (Reiche Spende für die große Jeschiwah in Jerusalem.) Einem Privatbriefe des verehrten Rabbiners Cook ist zu entnehmen, daß für die von der „Histadruth Jeruscholajim" geplante große Jeschiwah zu Jerusalem, in Amerika eine Anfangsspende von 300.000 Dollar gezeichnet worden ist. Das Exekutivkomitee geht jetzt daran, für diese Jeschiwah ein entsprechendes Grundstück in Jerusalem zu erwerben. (Frankreich und der Zionismus.) Während der Verhandlungen in der französischen Kammer über das Verhältnis Frankreichs zum Vatikan kritisierte der Deputierte Remoncier das Verhalten des Ministers des Aeußern, Pichon, dem Zionismus gegenüber. Zu Pichon gewendet, fragte Remoncier: „Halten Sie,Herr Minister, die Politik des Jgn orierens des Zionismus, wie Sie sie befolgen, für gut? Geben Sie sich mit der Vorrede zum Buche Sokolows zufrieden, womit Sie Balfour oder einen andern Förderer eines Judenstaates uachahmen? Sie wissen sicherlich, daß Völker, insbesondere neuerwachte Völker, sich mit sentimentalen Aeußerungen nicht begnügen. Wird der Unterschied zwischen ihrem schönen Vorwort zum Sokolow-Buche und der praktischen und tätigen Unterstützung des Aufbaues eines jüdischen Staates oder einer Heimstätte durch Amerika, wird uns dieser Unterschied nicht 5en Vorwurf der Zionisten einbringen, die sagen werden: Frankreich hat geredet, aber nichts getan? Frankreich ist in der Kommission für die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina wohl vertreten, aber durch wen? Durch einen ehrlichen, aber kleinen Mann, einen naturalisierten Bulgaren. Es macht den Eindruck, daß Frankreich sich nur den übernommenen Verpflichtungen zu entziehen suche." Auf diese Interpellation gab der Minister Pichon keine,Antwort. (Rabbiner Dr. Maybaum.) Professor Dr. S. Maybaum, der älteste Rabbiner der Berliner jüdischen Gemeinde, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Verstorbene, der seit längerer Zeit leidend war, lebte im Ruhestand, nachdem er Jahrzehnte als einer der populärsten Reformrabbiner und bester Kanzelredner amtiert hatte. Neben dieser Wirksamkeit hat er sich literarisch viel Betätigt und als Dozent an der Lehranstalt * für die Wissenschaft des Judentums eine rege Tätigkeit ausgeübt. (Der neue Großrabbiuer in Paris.) An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen französischen Großrabbiners Alfred Levy wurde sein bisheriger Vertreter Israel Levy zum Großrabbiner des „6onsistoir eentrale des Israelites de France" ernannt.

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