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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-15 · 30 (15.8.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
30 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jjüdische Korrespondenz Nr. 30 klärung, an Wach- und Warmhalten der eigenen Ideale — und als Folge hievon der Mangel an Aktivität, der sich so sehr fühlbar macht und der so viele Nachteile verursacht. Früher war es wohl anders. Das Bethaus, das Bet-Hakenesseth, das Bet-Hamidrasch, bildeten die Stätten nicht nur des Betens und des Thorastudiums, sondern auch des geselligen Zusammenlebens, der gegenseitigen Aussprache über die Probleme des Tages, der Belehrung und Information. Heute aber ist dies nicht mehr möglich. Der schwere Kampf ums Dasein nimmt jeden Bürgerderart in Anspruch, daß er nur selten dazu gelangt, im Bet-Hakenesseth oder im Bet-Hamidrasch länger als absolut notwendig zu bleiben. Die Einzelnen bleiben isoliert, außer Kontakt mit den Gesinnungsgenossen, ohne nötige Aufklärung und Begeisterung und als Rückwirkung ohne das entsprechende Interesse für die gute Sache. Die orthodoxen Vereine und Organisationen gelangen nur selten dazu, Versammlungen und Diskussionsabende abzuhalten. Auch die Vorstandssitzungen sind äußerst selten und so kommt es denn, daß nur die Wenigsten richtig informiert und gut beschlagen sind, daß nur die Wenigsten genau wissen, was vorgeht, welche Frage aktuell ist und wie den Verdrehungen und Verleumdungen der Gegner zu widerstehen und entgegenzutreten wäre. Diesem Uebel muß absolut abgeholfen werden. So schwer es auch fallen mag — das orthodoxe Geselligkeitsleben muß gehoben und gefördert werden, freilich, in religiösem Geiste. Die orthodoxen Vereine und Organisaüonen müssen über eigene Vereinslokale. Lesesäle und Bibliotheken verfilzen, es müßten von Zeit zu Zeit Zusammenkünfte und Diskussionsabende stattfinden, zur gegenseitigen Belehrung und Anregung. Das „Ma Tawu ohulechu Jablikauw" soll in einer neuen Form verwirklicht werden. Die Geselligkeit bringt Anregung, Anregung bringt Interesse und Interesse führt zur Aktivität. - Jehudi-Chored. Iudenhetze in Ungarn. Es war vorauszusehen, daß der Sturz des Bolschewismus in Ungarn eine arge Iudenhetze mit sich bringen wird.' Die Juden Ungarns hatten wohl unter dem Regime Kun und Genossen furchtbar zu leiden und nur Hirnverbrannte können es wagen, zu beharrpten, der Bolschewismus sei ein jüdisches Produkt. Allein, der Umstand, daß an der Spitze der Bewegung auch einige Juden — zumindest den Namen nach — gestanden sind, genügte, um den Reaktionären die Handhabe zu bieten, Jüdischer Film. (Ein antisemitischer Minister. — Ein nationalistischer Freibrief. — Das ruffische 30 Kilometer-System.) Die traurige Lage der Juden in der Slowakei ist bereits wiederholt geschildert worden. Pogrome, Plünderungen, Ausweisungen waren und sind auf der Tagesordnung. Die tschechischen „Befreier" haben in der Slowakei den Befähigungsnachweis für ihre „Befreiungsmission" voll und ganz erbracht. Nun aber kommt das schönste. Ein Mitglied der Negierung, in höchst -eigener Person, läßt eine antisemitische Rede vom Stapel, wie man eine solche selbst in Rumänien nur selten zu hören bekommt — was Wunder, wenn es im Lande derart gegen die Juden zugeht? Der bevollmächtigte Minister für die Slowakei, Dr. Bavro Lrobar, hat am 4. August in Turoc St. Martin die Beratung der slowakischen Gespane, Regierungsreferenten und Abgeordneten durch eine große Rede über die Lage in der Slowakei eröffnet. In dieser Rede sagte er, nach dem Berichte der tschechischen Presse: „Die magyarische Bevölkerung ist um ihre Sprachenrechte besorgt. Wir haben ihren Vertretern erklärt, daß wir kein Interesse an irgend einer Slowakisierung haben, daß in den Volksschulen jeder Nation ihre Sprache gelassen wird und daß wir in den Mittelschulen ein utraquistisches System einführen werden." Ferner sagte der Minister: „Unsere Leute greifen uns in ihren Zeitungen heftig deswegen an. weil in der Slowakei ein Sch reckensregiment gegen die Juden geführt, weil antisemitisch regiert werde und weil oie Juden hier kein Recht haben. In der Slowakei werden die Juden nirgends verfolgt und wenn es doch der Fall ist, so kommt das daher, daß sie K e t t e n h ö n d l e r und Verräter sind, aber das widerfährt auch Christen im gleichen Maße. Die Jude n waren die Ausbeuter und Aussauger des slowakischen Volkes und beim letzten magyarischen Einfalle sahen wir, daß sich die Judenschaft nicht an die Gelöbnisse hielt, die sie der Resofort noch dem Sturz des Bolschewismus mit einer Judenhetze einzusetzen. Daß es ausgerechnet rumänische Truppen sind, die Budapest besetzt halten, begünstigte nur das Treiben der sogenannten „Weißen Terroristen". Da in Budapest zu Zeit eine strenge Zensur gehandhabt wird, ist näheres über die dortigen Verhältnisse nicht bekannt. Außer den ersten Nachrichten über eine Pogromhetze, die wir bereits in der vorigen Nummer veröffentlicht haben, sind nur noch spärliche Meldungen eingetroffen. Allein der Umstand, daß sich die Regierung veranlaßt sah, mit einem speziellen Aufruf der Hetze entgegenzutreten, spricht dafür, daß dieselbe ernste Formen angenommen hat. Die volle Wahrheit wird man erst später erfahren. Die vorliegenden Nachrichten lauten: Das Ung. Tel.-Korr.-Bur. meldet: Erzherzog Josef und Ministerpräsident Stephan Friedrich erschienen Freitag vormittags im Ernährungsministerium, wo sich im Lause des gestrigen Tages Symptome konfessioneller Unduldsamkeit gezeigt haben. Der Ministerpräsident legte den Angestellten des Ministeriums nachdrücklichst nahe, sich solcher Aktionen zu enthalten, denn wer an solchen Bewegungen teilnehme, werde schonungslos aus dem Staatsdienste entlassen. Ministerialsekretär Josef 'Tamassy erwiderte namens der Beamtenschaft, daß die Aktion keinen konfessionellen Charakter hatte, sondern sich bloß gegen die Exponenten der bolschewikischen Herrschaft richtete, mit denen die Beamten nicht weiter zu arbeiten geneigt seien. Erzherzog Josef nahm diese Erklärung zur Kenntnis und sagte, daß man das Land aus der heutigen schweren Lage nur mit vereinten Kräften ohne konfessionelle Unduldsamkeit heraussühren könne. Wie der „Pester Lloyd" aus Budapest erfährt, haben tatsächlich Ausschreitungen gegen die Juden stattgefunden. Es wurde eine größere Anzahl jüdischer junger Leute geprügelt. Als diese Ereignisse zur Kenntnis der Regierung gelangten, wurden sie von dieser nicht nur mißbilligt, sondern Ministerpräsident Stephan Friedrich suchte sofort einen Modus zu finden, um ähnlichen Vorfällen vorzubeugen. Dies erachte die Regierung für eine umso wichtigere Pflicht, als sie vollkommen liberal gesinnt sei, und aus dem Standpunkt der unbedingten Freiheit aller politischen Ueberzeugung und in erster Linie der Glaubensfreiheit stehe. In diesem Sinne hat sich Ministerpräsipent Friedrich auch mit den Budapester Ententevertretern gierung gegeben hatte, und sich unloyal benahm. Das bestätigen unsere Beamten und Soldaten. Staatsfeinde werden auf der ganzen Welt bestraft. Während des magyarischen Einfalles mußten Internierungen vorgenommen werden, wobei es zu verschiedenen Uebergriffen kam, die aber durch die damalige Verwirrung ihre Erklärung finden. Die Mehrzahl der Internierten wurde auch bereits freigelassen." „In der letzten Zeit wird gegen die Tschechen eine heftige Agitation betriäen, wodurch einzelne unliebsame Vorfälle mit Unrecht generalisiert werden. Es ist wahr, daß in der letzten Zeit die Beamtenkräfte, die aus Böhmen hierher kommen, minderwertig sind und sich verschiedene Uebergriffe zu Schulden kommen lassen. Der böhmische, in der Slowakei angestellte Beamte muß sich dessen bewußt sein, daß die hiesigen Verhältnisse ganz anders, geartet sind, als im übrigen Teil der Republik. Viele Tschechen kommen hierher, wie in ein okkupiertes Gebiet, wo sie glauben, Beute machen zu können. Mit dieser Anschauung muß aufgeräumt werden." „Es erwartet uns eine wichtige Arbeit, und zwar die Volkszählung in der Slowakei, die in der nächsten Zeit durchgeführt wird. Wir konnten sie nicht früher durchführen, da die Magyaren bei ihrem Einfalle das gesamte statistische Material vernichtet haben. Binnen 14 Tagen soll auch eine Konskription der Trafiken und Lizenzen durchgesührt werden. Unser Vorgehen wird in dieser Frage von unserer gesamten Oeffentlichkeit und von ganz Europa kritisiert. Eine spezielle slowakische Frage ist die jüdisch-wirtschaftliche Frage. In dieser Hinsicht müffen wir wie ein Mann einig sein. In dieser Beziehung spielten bisher Privilegien die Hauptrolle. Wir haben in der Republik alle Privilegien abgeschafft, also müssen wir auch hier diese Privilegien abschaffen, besonders da sie für Dienste gegen die Slowaken verliehen wurden, für von der magyarischen Regierung geförderte Denunziantendienste. Die Aufrechterhaltung von Privilegien ist überhaupt undemokratisch und es wäre unrecht, wenn diejenigen' weiterhin belohnt würden, die uns hier schaden. Darum müssen wir diese Privilegien beseitigen. Unsere wirtschaftliche Prosperität erfordert

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