Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 27 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 27 Jüdische Korrespondenz. Seite 4 von Freiheit, Recht und Gerechtigkeit triefenden TschschM sind, unter deren Herrschaft die Luden in der Slowakei so viel zu leiden haben. Wieder eine Charakteristik für den-Weilt, der den Entente-Schlagworten beizumesse/n ist. Die Entente ist doch die Schöpferin dieses neuen Staates» welchen sie mit Gnaden und Wohltaten überhäuft. Freilich, ebenso wie die Entente ein mächtiges Polen. und ein stärkt Rumänien braucht, um in Osteuropa die eigenen Lielq verfolgen zu können, ebenso ist die FriedenpkdnsirenK in Paris an einer weit ausgebreiteMr Tschechoslowakch interessiert. Die HerM in Prag wissen dies, sie sind sicher, daß ihnen seitens der Enteüte kein Haar geikrümmt werden wird — deshalb dürfen sie sich allep erlauben und die Luden sind, wie gewöhnlich, der Sündenbock. » Die Prager „Lidovske zpravy" veröffentlichen folgende Dokumente aus der Slowakei, die keines Kommentars bedürfen: Die jüdischen Einwohner von. Parnica, Bezirk Dolm Kubin, fuhren Beschwerde gegen das Verhalten der Verwaltungsbehörden, welche zulassen, daß die heimisch.' -Bevölkerung seit Dezember 1918 das jüdische Eigentum plündert. Die jüdischen Häuser werden systjechatisch demoliert, das Baumaterial weggeschleppt. Gejlveide und Futter gestohlen. Das Gendarmeriekommando in Parnica, welches aufgesordert wurde, einzu.chreften, erklärte jedesmal, es habe dazu keine Bewilligung. { * Amold Treibet, ein jüdischer Kaufmann in Cacov bei Senic, entfernte von sestüseM Hause antisiesmttisches Hetzflugblatt, das von Unbekannten angeschlagen worden war. Dafiir wurde er verhaftet und unter der Beschuldigung, eine Regierungskundgebung abgerissen W haben, nach Trencsen abgesiihrt. Was seither mit chm geschah, ist unbekannt^ Am 9. Mai kämen zu Saimuel Rosner in Mijava Hessen Sohn. Dr. Lsidor Rosner. und seine Tochter, Elsa Rosner, zu Besuch. Beide Meldeten sich noch abends beim RegieruinA-kommissär. Dieser fand sich ikurz nachher in der Wohnung Rosners eijn, wjo er unter irgend einejm Vorwände eine Haupdurch.such.rLg pornahm, die aber nichts Verdächtiges zu Tage förderte, worauf er sich unter höflichen EntsfchuldigungiM entfernte. UM Mitten acht würde di e Family dulcch einen Legionär geweckt, Heß: Einlaß in das Haus 'verlangte., Als ihm geöffnet wuläde, Nöchgte elr aüfe: Familienangehörigen, sich an die Wand zu stellein, wobei er einen geladenen Revolver in d.ip Hand hatte. Darauf' schlug er feine Opfer durch eine halbe Stundg aus bestialische Weise Mit den Fäusten ins Gesicht, insbesondere die Tochter Elsa Rosner. Als die Nachbarn. zusammenströmten, entfevnl'en er sich unter Drohungen gegen die jüdischen Einwohner, dieman ausrotten müsse. Der Legionär hÄßt nach etnAtangteu Mitteilungen Sivacek. I »*■! Ein gewisser M. Mandler wollte am 3. Luni in Brutky in den Eisenbahnwagen steigern. Ein Soldat xief: Laßt ihn nicht htzrauf, er ist ein magyarischer Spiosn Md ein Lude. ) j ' (Lensurlücke.) wurde der jüdischen Kultusgemeinde in Brutky folgender Erlaß des HöchstkomMandanteü in Bruitky zugestellt: „Vorstand der jüdischen Gemeinde in Brutky. Unter Berufung auf den Erlaß des Ministeriums für nationale Vereidigung über die Militärdiktatur ordne, ich als HöchstkoMßna.n!dant in Brutky an, daß Sie htzute bis acht Uhr abends Lhren vor dem Hotel „Kdrona" aufgehängten Glaub ensgeinosfeu abnehmkn und seinen Leichnam begraben lassep. 3m Falle, daß dies nicht geschieht, werde ich alle Dorfftcher der israelitischen Gemeinde mit 48stündigem Arrest mit Fasten biestrast. Tschechoslowakisches Stationskommando in Brutky, 3eminka, ppM, m. p., Stationskommandant, Brutky, am 7. Juni 1919. > _ . . :; J Orthodoxe Äugendgruppe. Die bitteren Lahre der Trennung von Haus und Familie sind vorüber, der Lüngling ist wieder auf der Bahn seines Strebens, der Malnn wieder bei sisinem Vleruf; doch sind sie noch nicht festgewurzelt. Noch lasten die Nachwehen des Krichjes auf uns. noch waittken Einzelne ziellos dahin, noch blickt das matte Auge sehnsuchtsvoll nach dem Lebensquelj, der uns auffrischen könne. Die Lebensguelle, aus der wir in dieser Lift der allgemeinen Erschlaffung, neue Kräfte schöpM. die uns unseren inneren Halt, u^ftrep Frohsinn Md Tatkraft auss neue beleben soll, yt Ne „Thauro^. Ln En- Kenntnis dieser Notwendigkeit haben wir deshalb eine Gemeinschaft „Lugendgruppe" gegründet, innerhalb weicher die LuMrd zu einer Wseivigdm We-tanschaurung in den Lehren der Thauroy fyerammft und sich aus Grmd des Gelernten im praktischen LHen betätigt, wie es vollkommen und zweckmäßig dem Einzelnen niemals möglich ist. Als unsere wichtigste Aufgabe betrachten wir die möglichst allgemeine Verbreitung der Thaulroh-KLnntnis. Wir haben Lehrkurft^ eingerichtet, in welchen der Gottesgedanken in der gestaltenden Beziehung des menschlichen Daseins und Lebens gelehrt wird nun Wir lernen Gottesoffenbarungen in Natur und Geschichte »^kennen a ’ « »2 2 Die Lehrsätze für unftr tägliches Leben n j w o und a »: * i und die Lebens- Anschauungen und Weisheitslehren unfeper Chachomim ' b ir ö und m 3 « » p i s Hervorragende Lehrkräfte, deren Geistes,- und Herzensbildung in dieser Thauröhlehre gerast sinp upp mit Gründlichkeit die jüdischen Lehren m sich aufgejnommen, Männer, welche die allgeimeine Weltanschauung vom Standpunkt des Ludentums zu würdigen wissen, haben die Leitung der Schiurim in seldstloftr Weift übernommen. Es sind dies die Herrein Rabb. Sigmund Fürst, Rabb. Loses Baumgarten, Rabb. Doktor Adolf Deutsch (Kostet)-, Rabb. Moritz Flesch, Ober- Rabb. Dr. La-kob Hoffmpnn (R-adautz), Rabb. Susmuel Neuwtrth, Rabb. Dr. Loel Pollak, Here Albert Breuer und Herr Salomon Schreiber. »Herr Gabriel Fischer stellte sein Lokal zur Bier? isiigung, doch erweist es sich als zu klein und mph -ein neues würdigeres Heinn geschaffen w.irden. Durch Beiträge kam eine stattliche Bibliothek zustande^ welche den Mitgliedern während der Besuchszeit im Vereins« Lokal zur Benützung sieht und wo ihsten stets Gelegenheit geboten ichrd, sich in sreÄr Zeit mit GK.KH»- gesinnten zusamme'nMsiinden. Auch auf sozialem Gebiete haben wir durch reges Lntereffe unftlNm.MitgiiedDn schon manches geleistet, indem wir durchreisenden Flüchtßingbn Speise besorgten. Kranke werden besucht un d gelabt. Die amerikanische Ausspeisäaktion (Anitta Müller), für 3000 jüdische Kinder im Verein mit der Schiffschul unter Leitung ihrer Führer rituell durchgeführt. bei der Aktion Kinder nach Holland werktätig mitgearbeitet, Stellenvermittlung und Fürsorgeaktionen werden noch angegliedert. Die Fugendgruppe zeigt schon in ihrer Anlage und praktischen Betätigung, daß ihr die Fähigkeit eine»