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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-25 · 27 (25.7.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
27 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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jüdische Korrespondenz. Seite S ■Kr: 27 l^rrlich schildert, in die Tat umge>setzt werde: ... < . . Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere setn Schwert aufheben und werden fortan nicht mehr Krieger lernen." (Ies., KM. 2. V.4). Die Sabbatfrage. Die Emanzipations-Epoche im letzten Jahrhundert hat die Assimilation. und die Reform im Judentum gezeitigt, hie große' Verheerungen im jüdischen VolkÄ-^daß der Indisserentismus und die Unwissenheit in dische ein, interesselos stand man dem jüdischen Lebm gegenüber. Man glaubte sich am besten den Wesbvölkern anzupassen, indem man alles Jüdische abwarf. Die Gefahr war nahe, datz die westliche jüdische Jugend dem Judentum verloren gehe. Buchstäblich bewahrheitete sich das Wort des Talmuds: minn f« lua nat? n^.ptp nb-J „. . . denn mit dem Sabbath steht und fällt das Judentum." In den letzten Jahrzehnten, namentlich seit Auftreten des Zionismus ist es im Judentum besser geworden. Man sah ein, daß es nicht so weiter gehen können leben in Westeuropa anrtchrele. Wie ein jüdlsch.r Geschichtsschreiber sich sehr richtig ausdrückte', herrschte damals die Auffassung, es fei nötig, de'r europäisches „Toleranz" Garantien dafür zu bieren, daß die Emanizipierten sich ihrer Gleichberechtigung für wert und wür? dig bezeugen würden. So enlsiand die unglückliche Idee von der Notwendigkeit de'r Entjudung. Als die größte Sünde dieser Zeit muß die Preisgabe des Sabbats bezeichnet werden. Der Sabbat bildete zu allen Ickten den integrierenden Bestandteil des religiös-nationalen Lebetis im Judentum und er war es, der den Juden den Mut und die Kraft gegeben hat, allen Stürmen der Jahrhunderte Trotz zu bree-en. Man darf es ruhig sagen,, der Sabbat war es, dem wir die Erhaltung des Judentums zu verdanken Haben. Er bringt uns nicht nur stutze im Sinlne des Wortes, sondern Erhebung, die wahre^ Pflege des Familienlebens; er wirkt erzieherisch auf die Kinder und spornt zur Betätigung im Judentum an. Heute, wo wir in der Lagesind, die Bilanz der Emanzipationsepoche Ar ziehen, darf man es aussprechen, daß durch die Preisgabe des Sabbats das ganze Gebäude bei; Judentums in Westeuropa ins Wanken geriet. Nichts konnte den Juden den Sabbat ersetzen. In befi Kreisen, in welchen der Sabbat nicht gefeiert wurde, trat ein Indifserentismus für alles Iüjüdischen Dingen die größten Feinde des Judentums seien. Man begann sich mit dem jüdischen Schrifttum, mit der jüdischen Geschichte und überhaupt mit demjüdischen Problem zu befassen. Der Wille, sich im Judentum zu betätigen, kam allgemein zum Ausdruck. Diese ersreuliche Erscheinung hat aber noch nicht zu der Konsequenz geführt, zu der sie unbedingt führen müßt«, nämlich dem Sabbat, dem historischen Ruhetag seine? ehrwürdige Heiligkeit wiederzugeben. Denn ohne Sabbat i|t di jüdische Volksexillenz nicht nur in Palästina, sondern auch in den Gomsländern nicht denkbar. Die Sabbatsrage ist heute eine der brenneindsteir Fragen, die das Judentum zu lösen hat, besonders jetzt, wo die Regelung der inneren Verhältnisse d.r Juden in den Golusländern an der Tagesordnung steht. Diele glauben ihre Sadbatpslicht damit er,üllt zu haben, wenn sie am Sabbat-Vormittag die Synagoge besuchen und im Hause den Sabbat feiern, ohne jedoch ihre geschäftliche Arbeit einzuftellen. Das sind Halbheiten, die der jüdischen Auffassung nicht entspreche!!!,. Wir verkennen die Schwierigkeiten nicht, die sich derr Sabbathaltung in Westeuropa entgegenstellen. Der Haupleinwand gegen die Sabbatruhe i)t der, daß dis Sabbatfrage, eine Existenzsrage ist, da man nicht zwei Tage in der Woche ruhen könne. Wenn man auch diesen Einwand begreift, so kann man ihn doch nicht Ententekreisen nicht immer geneigt ist, für die Juden einzutreten. „Das beweist uns folgende Nachricht aus Paris: . Das für den 26. 3uni in den großen Saal des „Trocadero" in Paris einberufene Protestmeeling gegen die Progome ist nicht, wie irrtümlich gemeldet wurde, . von den Behörüen verboten, sondern durch das Vorbereitungskomitee aus wichtigen politischen Gründen abberusen worden..." Aus Warschau wird berichtet: Die von Wilson eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Iudenfrage in Polen unter Führung von Morgenthau ist bereits hier eingetroffen. Sie besteht aus zwölf Perionen. Ihr Arbertsprogramm und ihre Vollmachten sind sehr weitgehende. Sie wird auch andere Städte Polens und Litauens, speziell die Orte, in denen Pogrome stattgefunden haben, besuchen, weshalb man schon heute mit einem dreimonatigen Aufenthalt der Kommission in Polen rechnet. Der Ministerpräsident Paderewski beauftragte das Ministerium des Axußern, der Kommission die Arbeit möglichst zu erleichtern. Sämtliche Ministerien und Amtsstelten wurden angewiesen, alle, nötigen Dokumente und Daten zur Verfügung zu stellen. Mit den vorbereitenden Arbeiten sind der Leiter des englischen Referates im Ministerium für" Aeußeres, H. Iultowski. und der gegenwärtige Leiter des jüdischen Referates in diesem Ministerium, A. Wotowski betraut worden. Außer den Einladungen, die seitens des Ministeriums des Aeußern an eine ganze Reihe von Persönlichkeiten aller jüdischen Parteien und Richtungen bereits ergangen sind, werden auch noch andere Persönlichkeiten, jüdische wie nichtjüdische, insbesondere verschiedene Fachmänner und Experten der einzelnen Ministerien und Aemter, eingeladen werden. Die Reihenfolge und die Namen der Einzuladenden wird die Kommission selbst bestimmen. Die Kommission hat bereits alle in Betracht kommenden jüdischen Organisationen in den einzelnen Städten aufgeforderl, alles Material, das sich auf die Pogrome bezieht, zu sammeln und gleichzeitig mitgeteilt, daß, falls die polnischen Behörden Schwierigkeiten machen sollten, dies direkt der Kommission mitzuteilen. Die polnischen Delegierten in Paris erklären, daß diese Kommission ein Mißtrauensvotum für den polnischen Staat bedeute. Die amerikanischen Delegierten wollen, um die Arbeiten der Untersuchung zu vuicytemug n. daß wettere zwei bis drei Kommissionen als Subkommissionen der in Warschau tätigen Hauptkommissionen in Wilna und Lemberg errichtet werden, damit die Ergebnisse dieser Kommissionen rascher nach Paris gelangen können. Bereits der erste hier eingclangte Bericht erklärt, daß trotz der scheinbaren Bereitwilligkeit der polnischen Behörden'die'Bevölkerung und die jüdischen Organisationen von den Beamten, bezw. deren Vertrauensmänner einzuschüchtern versucht wird. Bel einem Empfang der polnischen Pressevertreter soll sich Morgenthau —? nach einem Bericht in der polnischen Presse — geäußert haben, daß die Bestimmungen für den Schutz der Juden in Polen ein Fehler seien — daß es aber 'bereits geschehen ist und sich nicht mehr ändern läßt. Sollte diese Meldung zutreffen, dann ist erst recht zu erkennen, wie wenig man von diesen Bestimmungen zu erwarten hat. Im besten Falle werden sie ein „Fetzen Papier" bleiben. Me steht es nun mit den Juden in Rumänien? Die Agentur Dacia meldet: „Courierul Izraelit" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Bratianu und dem Leiter der fiebenbürgifchen Provinzialregierung Dr. Manin über die Iudenfrage. Dr. Maniu erklärte, in Siebenbürgen würden den Juden die gleichen bürgerlichen,, politischen und religiösen Rechte zuerkannt werden wie allen übrigen Nationalitäten, ebenso wie dies unter der ungarischen Verwaltung der Fall war. Von einer nationalen Autonomie könne jedoch keine Rede sein, da die Juden nicht als Masse auf einem bestimmten Gebiete angesiedelt sind. Ueber die Iudenfrage im alten Königreiche erklärte Mini-, sterpräsident Bratianu, mtt dem Gesetzdekret vom Mai diese»

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