Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 27 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. Nr. 27 Gedanken einetz direktes Eingreifens in den KuituÄgemeinde-Wahlkampf vertraut machen. Daß die Orthodoxie gegebenenfalls sich keinesw-gs darauf beschränken wird, eine negative Parole ausMgeben, sondern mit einem positiven Programm vor die Oeffentlichkeit treten' wch?de, bra'ucht nicht erst bieso Nigers betont zu werden. Die Orthodoxie verfügt ja feit jeher über ein klares, umfassendes KuitusgeM^ndeprogramin: die Kiu ltusAem ein de muß und soll eine religiöse Institution sein, in erster Reihe dazu berufen, die religiösen Interessen des Judentums zu wahren und für die restlose Befriedigung der religiösen Bedürfnisse Sorge zu tragen. Kein wie im-- mer geartetes modernes Schlagwort wird die organisierte Orthodoxie dazu verleiden, von den obigen RichA linien abzugehen. Für die Wahrung ihrer ideellen In--^ teressen wird sie gegebenenfalls mit all r Kraft ein-- tretm. Sollte es daher zu einem direkt e Eingreifen der Orthodoxie in den Wahlkampf zur KultusgeMeinde kommen, dann wird dieser Kampf mit aller Entschlossenheit geführt werden in der Hoffnung auf den Sieg der guten Sache. Dr. Awi-Schglomf. Zum 5. üahresfag des Husbrudis des Weltkriegs. Von Gerhard Kanter, Zwittau (Mähren). Motto: lancin fiK nN'Ti vb rr>n nv *n "127 Gedenke Herr, wie es uns gehet; schau und sieh an unsere Schmach (Klagei. Jer. Kap. 5., V.l. Zn wenigen Tagen jährt sich zum fünften Male jener Tag, der ewig in trauriger Erinnerung den Völkern bleiben und für sie' ein warnendes und abjschreckendes Beispiel bilden wird, jener Tag. d r den Ausgangspunkt so vieler Leidest und Mühsalen für alle' Völker bietet, die' kriegführenden wie neutralen, jener Tag, an dem der unselige Weltbrand ausbrach. Alle Völker und alle Länder haben durch den Kriäg ustd seine Folgeerscheinungen ungeheuer viel gelittM. Während aber alle Völker wußten, wofür sie diese Opfer brächten und sahen, wie' die' "Blüte am Baume des Vaterlandes, das Blut der Iuge'nd im Interesse ihrer Länder verspritzt wurde, mußte' das Judentum sich für ftemde Interessen verbluten und denr Kri jgsMoloch einen? Tribut sondergleichen entrichten. Denn zählt die Juden, die in allen Heere<n kämpften und — leidcv auch fielen? Gin anderes Unglück, von dem das Judentum, vorzugsweise das des Ostens, heimsuchte, war die Flucht, die in Unserer aller trauriger Emnmrung fortlebt, und die Offensive' der Zentralmächte vom Mai 1915, durch die sich die damalige zaristische. Regierung veranlaßt sah, die Bevölkerung der russischen Westprovinzen, größtenteils Juden, zu evakuieren. Das dritte Unglück endlich, das das thoratreue, orthodoxe Judentum bis ins Innerste traf und erschütterte, wären die schauerlichen, furchtbaren Pogrome der letzten Monate, durch die viele' Hunderte frommer gottessiirchjtiger Glaubensbrüder den Märtyrertod fanden, Thora-- rollen geschändet, Lehr- und Bethäuser verbrannt und entweiht wurden. Es darf uns ja nicht wundeimehmen. daß ein dreifaches furchtbares Unglück der Weitkrieg über das Judentum brachte, denn der denkwürdige 1. August 1914 fiel gerade auf den 9. Ab. den größten Trauertag, den wir überhaupt keNnen. Jetzt rötet sich im Osten der Himmel, dis Leidensnacht, die düster und verhängnisvoll fünf Jahre lang uns Umfing, hat ihr Ende gefunden, das Morgenrot einer neuen, will's Gott, besseren Zukunft wird am Horizont sichtbar. Mögö endlich auch fiir's Judentum die Leidensnacht ihr Gnde nehmen, aus daß in Erfüllung gehen die Worte des Propheten: „Denn dct? Herr hat deine Strafe^ Mtzjgenommen und deine. Feinde abgewend^t. Der Her^z König Israels, ist bei dir, daß du diich vor keines Unglück fürchtest." Dann möge jeder im anderen seinen Bruder sihen, Völkerhaß, Mord und Habsucht mögen schwinden, dcvmit der Völkerfriede', wie ihn der.Prophet Iesaias so Züdiscker Film. (Die Iudenfrage in Polen und in Rumänien.) Das JntereNe. das früher der Iudenfrage' in Rußland zugewendet au werden pflegte, wird jetzt, der Lage der Juden in Polen und in Rumänien zngcwendet — den awü Staaten, die die größten jüdischen Zentren besitzen und in welchen die Iudenfrage noch immer keine hefriediaende Löhmg gefunden chat. Wie es scheint, werden auch die Bestimmungen der F''i"d-"nsd"s Schutzes de" nationalen und religiösen Minoritäten in den DMnaten die LHstmg mcht bringen. Rumänien bat vorläusta den Beitrag nicht iWersch'ii'beir: und Bps^r, hat wohl unterschrieben, aber die volnische Oetstutlichkeit ist ob dieser Bestim,Zungen stark erregt und die maßtische Durchführung dieser Bestimmungen wird sicherlich auf starken Widerstand stoßen. Es ist fraglich. ob die Entente io weit aeben wird wollen, sich für die Erfüllung der Verpflichtungen ernstlich einzusctzcn. Vor einigen Tagen fand, wie aus Baris berichtet wird, eine längere Konferenz Zwischen den Herren Marshall und Sokolow als Ve-rtreter des Komitees der iüdjlchen Delegationen in Paris und dem polnischen Ministervräsidenten Badercmski statt. Gegenstand der Verhandlungen bildete die Frage der Regelung des polnisch-iüdischen Verhältnisses. Die Konferenz, die das Bestreben beider Teile erkennen ließ, zu ciger 'Verständigungin dieser Frage zu gelangen, bauerte über zwei Stunden. Inzwischen dauert die Hetze gegen die Juden fort, möge auch die Pogrome ihr Ende gefunden haben. Die „Gazc-tta Poranna" vom 2. Juls veröffentlichte eine Mahnung in polnischer, ftanzösischer ustd englischer Sprache an die Soldaten der L'allerarm-'e. In dieser Mahnung werden die Soldaten der Haller Armee gebeten, den Juden nicht mehr die B'i'te abzuschneiden (eine Untat, die zu einer fast allgemeinen Plage der Juden in Polen geworden ist). Im Aufrufe heißt es u. a.: „Im Namen aller in Warschau stationierten Kameraden erklären wir, daß unsere polnische Kameraden, die aus Amerika und Frankreich stammen, den Juden gegenüber wirklich sehr tolerant gestimmt sind, was kein Wunder ist. da sie an dem offen betriebenen Wucher, der Ausbeutung und dem Schmutz, der bei einem Teil der polnischen Juden vorherrscht, nicht gewohnt sind. Eine Abneigung gegen die Juden hegen auch die Kameraden stemder Nationalitäten. Mit den hicrortigen Verhältnissen vertraute Pohm b«ni'"'ben itcfi uns-"'-m Kame/aden die Grundsätze der traditionellen polnischen Tolerana einauimvien und selbst in solchen Fällen, die jeden Bürger Westeuropas und Amerikas unangenehm berühren müssen." Daß solche Ausfälle nichts anderes find als eine imnerbüllte Hetze geaen die Juden, die neue 'Greueltaten zur Folge haben wüsten, liegt auf der Hand. ' Di»' r.olnische Gesandtschaft in Wien versendet nachstehende Verlautbarung: Die im ameri^anircben Kongreß gebildete Kommission aur Untersuchung der äntimdischen Eheste in Pn'en hat den Antrag, der Kongreß solle antstüdische Craeste in Bolen wie auch das Verhalten der nolnifchen Bevölkerung gegenüber den Juden verurteilen. abaelebnt. Die Beschlußfassung ist dem ausführlichen Berichte des amerikanischen Gesandten flir Bolen Herrn ®iMrmp. über die Iudenstaae in Bolen und angebliche antimdsiche Ausschreibungen und der intensiven Arbeit der amerikanischen Polen zu verdanken. Die letzteren haben durch ihren Vertreter in. dem Repräsentantenhaus eine grnßaüaiqe Aktion einqelestet,. welche dahin aehpitete. dem amerikanischen Staatsdenartement des Amlßern authentische Berichte über etwa stattgefundenc Erzesse in Bolen, die von der amerikanisch-iüdischen Presse maßlos übertrieben wurden, zur Verfügung zu stellen und erfundene Nachrichten -mit Hilfe von Zeugen und Tatsachen erfolgreich zu dementieren. In den jüdischen Kreisen wird behauptet, daß sich Gibson durch polnische Informatoren hat irreführen lassen. Wie dem aber auch sein mag, cs ist daraus zu ersehen, daß man in den