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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-25 · 27 (25.7.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
27 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bezugspreis: Ganzjährig K16.—, halbjährig K 8.—. vierteljährig K 4.—. Ausland jährlich, K 30.—.- Einzelnummer 40 Heller- Organ IBr die Intereiken des orthodoxen Judentums. Redaktion und Administration: Wien, VIII., Alserstrafie 55. Erscheint jeden Freitag ftr. 27. Wien, 27. Tamus 5679, 25. Juli 1919. V. Jahrgang, Die Kuttuswaftlen in Wien. Seit der Erledigung! des neuen KultusAMeindKstatuts sind bereits einige Wochen verflosfien. ohne daß die Wahlbewegung irgendwie ernstlich eingesetzt hätte. Nach den heftigen Kämpfen, die um das Statut geführt wurden, ist über allen Wipfeln Ruh'. Die Som!- merferien machen sich scheinbar geltend, obwohl das politische Leben sonst heuer Keine' Sommerstrien Kennt. Jedenfalls ist mit einer Wahlkampagne zu Beginn des Herbstes zu rechnen und gerade in diesen Tagsin ist ein Lebenszeichen von der Wahlbieiweaung g! geben worden, indem sich ein „Bereinigtes Wahlkomitee dcr nicht-jüdischnationalen Parteien" konstituiert halte. 'Die Wahl dieses Titels mag etwas eigienartig anmuten. Wahlkomitees treten sonst mit einem positiven' Programm vor die Oeffenttichkeit. Mit dem Negativem allein, mit der Vereinigung unter der nicht-nationaAn Fahne allein ist uns nicht gedient. Daß e.s zu einer derartigen Erscheinung gekommen ist, hat jedoch sck- ^nen Grund darhr, daß sich der bevorstehende Wahl- Kampf vornehmlich im Zeichen des nationalistischen Schlagwortes abspielen dürste. Hie national — hie nichtnational — wird die Parole der Wahlkampagne sein. Da nicht alle politischen Gegner der Nationalisten das nationale Moment im Judentum negieren, so konnte für die Parteienvereinigung keine! antinationale rissp. assimilatorische Bezeichnung gewählt werden. Sie« deklarieren sich ganz einfach als nicht-national, wvnE sie ihre Stellung gegenüber den Nationalisten, die niKr Hochdruck auf die Eroberung der Gemeinde losgjehen, klar dar legend Selbstverständlich dürste es unmöglich sein, auf dieser Plattform den eigentlichen Wahlkampf zu fiihiren. Die Wählerschaft wird ein positives Programm verlangen und die Gruppen, die. in die Ankia stesigein, werden, werden sich' schon dazu bequemen müssen, dttr Oeffentlichkeit zu sagen, wie sie sich die Zukunft der Kultusgemeinde vorstellen. Don dem Programm, sowie von der Intensität, mit der dasselbe verfochten werden wird, wird auch das Schicksal desselben, resip. seiner Verkünder abhängen. Die Wiener Orthodoxie.hat bisher eine offiziMz Teilnahme an den Wahlkämpfen unterlassen. Angesichts des Umstandes, daß dieselbe infolge der Verhältnisse und infolge der Wahlordnung im besten Falle mir einige Vertreter in die Kiehalstübe hätte hineinbringen können, die in der Regel bei jed.r wichtigen Angelegenheit überstimmt worden war in, hat die organisierte Orthodoxie vorgezogen, -sichabseits zu halten und sie hat nie in dest Wahlkampf digekt emge^ griffen. Sie wahrte der Kuitusgemeinde gegmüber voll und ganz ihre Selbständigkeit. Es, war wohl nicht leicht, seitens der Machthaber in der Kahalstübe die entsprichchende Berücksichtigung "der religiösen Bedürfnisse und Forderungen zu erwirke>n. Gar oft müßte diesbetzüHlich ein harter Strauß ausgefochten werden. Die Orthodoxie hat es jedoch vorgeFvgen. auf diesem Wegs chre Interessen zu wahren, von d4m Standpunkte ausgehend, daß die Entsendung einiger weniger V'.rtrester in den Kultusvorstand, was nur im Wege> eines Kompromisses mit andersgesinnten Gruppen möglich wäre, ihre Position nur schwächen müßte. Me neue Wahlordnung sowie der Umstand, daß die nächste Wahlkampagne höchstwahrscheinlich eine Verschiebung der Machtverhältnisse in der Kahalstübe bringen dürste.stellen jedoch die organisierte Orthodoxes vor eine neue Situation und es ist nicht ausgeschlossen, daß sie sich zu einer Aendermig ihrer Taktik veranlaßt sehen würde. Abgesehen davon, daß das eingeführte Proporzsystem der Orthodoxie die Möglichkeit bietet, mit einer eigenen Liste' auszuäreLep unid einige Kandidaten durchbringen zu können. ohne sich durch ein Kompromiß zü kompromittieren, scheint die Wendung der Dinge eine stärkere und en.rgischerx Wahrung der Interessen des glaubeinstreuen Iudrsie tums notwendig zu machen. Um es offen herauszusagen: so wenig Verständnis die bisherigen Machte Haber in der Kultusgemeinde für die Bedürfnisse und Forderungen der Orthodoxie hatten, so weinig Geneigtheit sie diesbezüglich ernMstn wollten, bis zu einem gewissen Grade wgren sie dennoch einer AufklärunG zugänglich. Prinzipielle Widerstände waren ziemlich selten, vielleicht deswegen, weil die Wiener Neologen in religiöser Hinsicht eben keine eigenen festen Prinzipien haben. Sie sind in der Regel Fortschrittler, Assinch lanten ad personam, ohne jedoch so weit zu gehen, ihre Meinung anderen aufzudrängen oder gar Seelerrfängerei zu betreiben. Es mag dies der bekannten „Wiener Gemütlichkeit" ziuzüfchreiben fein — ändert aber nichts an dem Stande der Dinge. Ganz anders könnte sich die Situation stellen, falls radikal-aggressive Gruppen in der Kahalstübe zur Herrschaft gelangen oder auch nur wesentlichen Einfluß gewinnen sollten. Die' Taktik dieser Kyeise dem religiösen Judentum gegenüber ist bekannt und man kann ohne Uebertreibung Voraussagen, daß die Wahrung der religiösen Interesses den Nationalisten, Poale-Zionisten und Sozialisten gegenüber ziemlich schwer fallen dürste. Es ist Möglich, daß sich der bisherig^ Weg der Orthodoxie als unpraktisch erweisen könnte. Diese Kreise rechnen nun.mit solchen Machtfaktoren, die ihnen gegenüber im offenen Kampfe zur G.iltung kommen. Es dürfte sich daher die Notwendigkeit Herausstellen, daß die organisierte Orthodoxie diesmal direkt in den Wahlkampf eingreife und dahin strebe, eine entsprechende Anzahl Vertreter in die Kahalstübe zu entsenden. Soweit bekannt, ist diesbezüglich , noch kein bestimmter Entschluß gefaßt worden. Die maßgebenden Kreise der Orthodoxie nhd die orthodox Oeffentlichkeit sollten sich jedoch schon jetzt mit dem

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