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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-18 · 26 (18.7.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
26 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 rin einrichten und sechzig Stöhle in jeder Stu-e aufstellen lassen. Dann will ich nach Athen fahren und den Wunsch meines Herrn, des Königs, erfüllen." Und der König tat alsö und Ben Chananjah be. stieg das Schiff, um nach Athen zu segeln. Ath'n war eine große Stadt, ' so groß wie die Residenz eines Königs, und alle ihre Bewohner waren sehr klug. Doch mitten in der Stadt auf einem großen Plake wohnten die Weisesten, und diese wollte der König sehen, davmit Ben Chananjah sich mit ihnen messe. Nun herrschte in Athen der Brauch. daß jeder Bewohner, der einem Fremden jene Versammlung der Weisen zeigte, des Todes schuldig sei. Als nun Ben Chananjah die Stadt betrat, kam er zunächst zu dem Laden eines Fleischhauers, der den Kopf eines Widders zerschnitte Ben Cbananjah trat näher und fragte, was d-r Kopf koste, und der Fleischhauer sagte: ..Emen halben Schekel." B-n Cbananiah gab ibm das G-ld und d"r Fleischhau-r reichte ihm den Kopf des Widders. Da lachtder Fnde und sprach: .9® meinte D-inen Kopf und nicht den Kopf des Widders." D-r Flessch-r wunderte sich und schrie B'n Chanaivab an: „Weshalb sollte ich Dir meinen Kopf preisgeben? " ..Um mir den Eintritt zu der Versammlung der W-Uen zu züam", entgegnete Ben Cbananiah. Da antwortete der Fl-ischbauer: ..Wenn ich so tue, müssen mich die Leute tötm." Doch Ben Chananjah erwiderte: ..Tue nur so und Du wirst nicht sterben. Nimm di-ses Bündel Strob auf Düne Schulter und aehe wie unversehens airf den Platz d-i- W-i>'en. Wenn Du bei d°m E'ngang angekommen biit, hl-ibe eine Wile stehen, als wolltest Dil Dich ausrnben. Tann werde ich willen, daß dies der Ort iß. und Du maast verschwinden, ohne daß jemand Dir e^was anhaben wird." Der Fl-ischhauer stimmte zu und tat. w'e Ben Cbananiah ihm a-beißm. Da dachte Ben Cbananjah bei sich: Diesmal habe ich die Weisen Athens in meinen Händen und ich will mich an ihnen für all dm Spott, dm ste auf mein Volk häuften, rächen. Als er den Vorsaal betrat, merkte er, daß Sand auf dem Bode» gestreut sei und daß Wächter drinnm und draußen standm. um niemand ein- und ausrulassm. Und es geschah, daß w"nn die Bewohner des Hanfes eine von innen nach außen gekehrte Spur bemerkten, die Wächter im Inneren tötet-n. weil sie jemand hinansoehen ließen. Und wenn sie die umgekehrte Spur sahen, töt-ten sie die Wächter des äußeren Flures. Als nun die Leute Bm Chauan'ahs Fußspuren sahen, töteten ste die Wächter auf dem äußeren Flur. Darauf machte Cbananiah wi-d-r den Weg zu d-m Tore zurück und die Leute töteten die anderen Wächter. Nun betrat Ben Chananjah dm Raum und sah dort ringsum Greise sitzm, währmd Knaben ihnen zur Seite, standen. Da er nicht wußte, ob er die Greise oder Knaben zuerst begrüßen sollte, grüßte er alle zugleich. Und wie mit einem Munde fragte man ihn: ..Was ist Dein Begehr? " Da antwortete er: „Ich komme von dm Weisen Israels, und um Eure Weisheit kennm zu lernen, reiste ich hierher." Dg mmberteiT fie: ..Gut. laß uns disputieren." ..Ich bin's zufrieden", sagte er: »wmn Ihr mich besiegt, so will ich Euer Sklave sein, wenn ich aber weiser als Ihr bin, so sollt Ihr mir auf mein Schiss folgen." Nun begannm die 'Griechen ihn mtt Rätselfraam zu bestürmen: ..Wenn jemand ein Weib gewinnm will, wird er sich an die Großen oder die Kleinen von uns wendm? " Da nahm Bm Chananjah einen Geldbeutel, setzte ihn an die D'cke des Zimm-rs und ließ ihn zu Boden fallen. Dann zeigte er darauf und sprach: „An den da wird er sich halten." Nun mußten bte_ Weism gestehen, daß dies die Wahrheit sei. und sie begannen nun verfängliche Fragm zu stellm: ..Wenn das Salz eingetrocknet, womit macht man es wieder genießbar? " Durch die Nachgeburt eines Taub'npaares." antwortete Chanania. „Unsinn," antwortetm die Weism. .Habt Ihr schon gesehen, daß Salz eintrocknet? " fragte Chananiahi Darauf fragtm sie: „Kannst du uns ein Haus zwischen Himmel und Erde erbauen? " ..Gern," sagte er. „Also baue es," befahlen die Weifen. „Sofort will ich es tun. wMn Ihr mir L"hm und Ziegel bringt." antwortete Changmah. Darauf fragtm. sie: ..Wo ist der Nabel der Erde? ".„Da," mtqeanete er und zeigte m't dem Finger auf die E'de. „Wer bürat uns. daß Düne B'hauvtnnaeg richtig sind?" wandtm sie ein. ,.Bannet Strickherbei und messet" enta-gnete er. Dann sagt-n sie: ..Wir haben einm Brnnnm auf dem F-lde rate uns. wie w>r ihn nach der Stadt schaffen." Hinauf erwiderte er: „Nehmet Asche, d^het daraus Seile und Stticke. lad-' dann dm Brnnnm auf Eure Schultern und sckfl-vvt ihn hinh''r " „Noch eine Frage wollen wir Dir st-llm: die Mühle, diwir Hallen, ist zerbrochen, sagt, wie sollm wir sie wieder gilt machen?" Da.antwortete er: ..Bringet mir Fäden und ich will sie zusammennähen." Dann fragim die Weisen: „Woher nimmst du ein.- Sichel, um die Schwerter und Messer, die aus der Erde hervorwachsm. abzumäh-n?" Da antwortete B-n Chananjah: „Ich nehme das Horn eine? Es-ls als Sichel." „S-it wann wachsen Meller und Schwerter aus der Erd-?" riefm die A'heuer und lachten. „Seit wann hat ein E,el Hömer?" fragte Bm Chauanja und lachte. — Nun fraat-n sie weuer- „Sag, hat dies Ei eine w-iße oder schwarze H-nne gelegt^" Sebk Ihr es etwa mich di-ser Milch an, ob sie aus dm Brüstm einer w-ißen oder einer schwarzen Kuh stamm'? " lautete die Antwort. „Wohin mteilt die Seele eines toten Küchlenls?" ragten sie weiter. »Dorthin, woher ste gekommen," sagte Ben Chananjah. Nun sah er, daß er ihnen überlegen war und sprach: „Folget mir aus das Schill, io wir v rabr-deten." Und als sie sahen, daß ich-,ig Plätze in jeder Stube für ste bereit warm, sprach ein j-der von ihnen: „Alle meine Freunde müssen bei mir zu Gaste sein." Und Ben Cbananiah nahm Erde, legte sie in einen Sack, bracht.' sie auf das Schiss und befahl dem Steuermann loszmabren. Mitten auf dem Wege gelangten sie -zu einer Klippe, wo das Wasser das Schiff zu verderben drohte. Vergebens müht'n sich drei der Säulen Athens, des Elemente? Herr zu werdm. Da trat B-n Chananjah ch'nm. schöpfte das Wasser mit d-m G-fäße und das Schiff konnte seine Fuhrt forts tzen. Endlich gelangten sie vor dm König und Chananjah stellte ihm du Weisen vor. die er entführt hatte. Der König war sehr enttäuscht, denir alle die Wüsen waren betrübt und ließen dir Köpfe hängen. Da nahm Ban Chanmvah von dem S'anbe. den er in einem Sacke mitgebracht hatte, und streute ihn den Weism ins Gesicht. Als sie nun den Saub ihres eigenen Landes in ihrem Gesichte fühlten, da wurden siböse und schalten dm Köniq. Da erzürnte di-ser und sprach: „Ben Cbananiah, sie sind in deiner H->nd. Tue mit ihnen, was Dir aut dünkt." Da aoß Cbananiah das Waller ans der Klipve in einen Schlauch und b-whl dm Weisen, den Schlauch bis mm-Rande zu füllen. Und nachdem sie di-s getan, verdrängte das Wasser, das sie bineinaeaollm. fortwährend das Wasser d-r Klippe. So plagten sie sich, bis stnicht m-hr w-it-r konnten. Und sie krankten sich s-br, weil allsie ansla'chten, während sie früher die Weism anderer Völker verspottet hatten. Nach Wolf I a w e tz und Ben Jakob. Qer Lalsrliem von Chelm und sein 6olem. Neue Golepi-Sagm. Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delattzn. (Fortsetzung.) 8. Der Ehebruch. In den Zeiten des Rabbi Elie brach in Chelm eine schreckliche Epidemie aus und sie raffte viele Menschm hinwea. Am meisten aber forderte d-r Tode^mg-l seine Opfer unter dm Judm und er mähte viele von ihnen nieder. Da kam-n in diesen b-dränatm Taaen alle Lmte mit ihren Weib-m und Kindern zu Rabbi Elie und schrim auS ihrer Verzweiflung : „M-ister helfe!" Rabbi Elie erwiderte: ..D-r Heilige g-vriefen fei fein Name, brinqt nicht ein Verhängnis auf seine G-schöpfe. wenn dazu kein Anlaß wäre.*) Sicher, lich wurde eine große Sünde' in unserer Gemeinde beaangm. die uugesühnt bli-b. und sie gab d-m Todesmael di- Gewalt in. der Hand, seines Willens schrankenlos ru handeln. JH werde ncrn den Himm-l anstehen, daß mir diese Sünde oss-nbart werdm soll." Wie es G"vflogmheit des Rabbi Elie war. schlug -r das Fünkbuch aui Und er fand den Vers im 4. Buch Mos.. Kav. 18. B-rs 13 :, „Äo n-llst du fleißig süchm. forschen und f-aa-n. Und so llch findet die Wahrheit, daß es gewiß ist, daß der Greuel unter Euch geschehen ist." - „Mo ein Gr-uel ist in unserer Gemeinde q?sch-hm." wate Rabbi Eli» zu der v-rsamm-ttm Gem-inde. „und nun ist es Pflicht eines jeden von cn'ch. der sich eines Gr-uels schuldiy fühlt, dies zu gestehen. um das Unheil, von der Gmeinde abzuwmdm." Und alle Männer und Frauen weintm und jammertm und sprachm: - * .Wir haben kein Greuel begangen." . Da hieß ihnen der Rabbi nach Hause gehen, damit ein.jeder gründlich na'chdmke; morgen früh sollm ste sich jedoch alle insgesamt .in 'd-r großen Synagoge versammeln. 9Us sich die Leute von ihm entfernten, svrach er zum Gol-m: „Israel! Ein Greuel ist in unser-r Mitte begannen worden, darum ha! das Böse die Ueberma'cht und der Todes-nael w'"'tet um uns h'r. Du w^lst "l-'ch hei'te. abw^tt bmt- bis Mitternacht, er- -'»'schm. wer den Grmek begangm hat, durch dm der Zorn Gotte? über nns kam." Kaum hatte der Rabbi seine Worte beendet, als sich der Golem schon auf den W-g machte. Er nahm Unsichtbarkeit an und wanderte in der Stadt herum. Und als er in der vorgerückten Nachtstundin ein Gässchen kam. beniertle er, als ein Mann in eine Lücke einbog und in ein niedriges Häuschen eintrat. Der Golem schlich ihm nach und kam ebenfalls in die Stube. Hier erkannte er dm Kantor d-r G-mnnde. Er wurde von einer 'ungm Frau begriißt, deren Mann die Woche über miss Land hausierte und nur für Sabbath nach Hause kam. Als er die zäriliche Begrüßung der Frau hörte, wußte der Golem gleich, daß hier das Greuel zu finden ist und daß hier ein doppeltes Eheverbrechen begangen wird. *) Ein talmudisches Zitat.

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