Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 26 (18.7.1919)
- Date
- 1919-07-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 jüdische Korrespondenz. Nr. 26 (Ausweisung der Galizvmrr aus Budapest.) Die Polnische Lelegrapyen-Agentur meioet: Im Ausecage des Volkskommissärs für innere Angelegenheiten veranstaltete die Budapester Polizei nachts in den Gassen, die hauptsächlich von Juden bewohnt werden, eine Razzia und verhaftete viele derselben. Bei der vorgenommenen Untersuchung wurden Wertgegenstände und Geld beschlagnah ml. Die Verhafteten, deren Zahl ungefähr fünftausend beträgt, sollen im Aufträge der Regierung aus Budapest aus gewiesen werden. Der polnische Konsul in Budapest protestierte persönlich beim Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten: energisch und forderte, daß die erlassene Verordnung gemildert werde. Ec erhielt jedoch die Antwort, daß die magyarische Regierung rücksichtslos Vorgehen müsse, da sie nicht zulassen könne, daß durch einen eventuellen Pogrom gegen die galizischen Juden auch die magyarischen Juden getrogen werden. Der polnische Vertreter sandte an die magyarische Regierung eine Note mit dem Hinweis, daß ein weiteres derartiges Vorgehen gegen die galizifchen Juden das energische Auftreten der polnischen Regierung Hervorrufen müßte. Der polnische Vertreter verlangte, daß den Internierter: wenigstens das Geld zurückgestelli werde. Mit Rücksicht daraus aber, daß seine Forderung nicht beachtet wurde, hielt es der polnische Vertreter für notwendig, ar: die magyarische Regierung noch eine zweite Protestnote zu senden. (Dir amerikanische Mission zur Uniepsuchung der Pogromie.) ,?Rew Jork Herald" zufolge setzt slch die gemilchte Kommission, die sich im Aufträge der amerikanischen Regierung nach Polen begibt, um die Pogrome gegen die Juden und die Frage des jüdisch-polnischen Verhältiusses zu untersuchen, aus Heinrich Morgenthau, Brigadegeneral Edgar Jadwin und Univ.-Prof. Johnson zusammen. Diese Kommission wird sich auch mit der Frage des wirtschaftlichen Boykottes gegen die Juden befassen. (GUM die ÄltiMllrschen RpiMfitio. on in Polen.) Der Doertommanoant der litaursch-weitzruffffchen Front, Graf Szeptycki, erließ einen Befehl gegen, die willkürlichen Kontributionen und Requisitionen bet der jüdischer: Bevölkerung. Graf Szeptycki kündigte an, daß solche Kontrwniionen und Requisitionen als Plünderungen behandelt und schwer bestraft werden. (Verband der Rabbiner Oberschlest'ejns.) Im Sitzungssaal dev Breslauer Synagogengenleinde hielt oer Verband der Rabbiner Oberfchlesiens eine Versammlung ab. Der Vorsitzende, Kopstein-Beuthen, erstattete zunächst Bericht Mer Verbandsangelegenheiwin An den Bericht schloß sich eine lebhafte Debatte. Bei dem folgenden Punkt der Tagesordnung „Wahl des Vorsitzenden", erklärte Kopfstein, daß er sein Amt als Verbandsvorsitzender niederlege. Darauf wurde unter Aenderung der bisherigen Statuten beschlossen, den Wahlmodus dahin uinzugestajlten, daß Vorsitzender und Stellvertreter in geheimer Abstimmung auf je ein Jahr zu wählen und daß sofortige Wiederwahl unzulässig fe:. Zum Vorsitzenden wird Kaatz-Hindenburg gewählt, der die Leitung der Versammlung übernimmt. Zum Stellvertreter wird Dienemann-Ratibor gewählt. Darauf referierte Kaatz über das Thema „Volksgemeinden" an der Hand einer Broschüre von Dr. Simonsohn „Die jüdische Volksgemeinde". Ec erkennt an, daß der Verfasser den ernsten und redlichen Willen habe, dem Judentum zu dienen und daß die Schrift manche beachtenswerte Anregungen und Vorschläge enthalte, zu deren Verwirklichung es aber nicht der geplanten Umwandlung in Volks gemeinden bedürfe. Er lehnt das Projekt ab, das unter grundsätzlicher Ausschaltung und Verweisung der jüdischen Religion in private Kultus Vereinigungen den Zustand schaffen wolle, daß cs möglich sei, ohne Mitglied einer Kuliusvereinigung zu sein,? die Zugehörigkeit zur Volksgemeinde zu besitzen. Die Diskussion ergab die Uebereinsümmung der Versammlung mit den Ausführungen des Referenten. Zum Schluß bringt de ' Haas-Kattowitz einige antisemitische Vorkommnisse zur. Spräche.. Es wird beschlossen, mit anderen jüdischen Organisationen Sbersch:es:ens zwecks gemeinsamer Beratung' in Verbindung zu treten. (2udchftemdliche Agitation dpr Studvnlm.) An der Uuiöeqitat mvgock haben Stuoenteu kürzlich eine gehässige . antisemitische Tätigkeit entfaltet. Flugblätter wurden an das schwarze Brett geheftet undin den einzelnen Auditorien verbreitet, in denen ore Juden für die Vorbereitung oes Krieges, für den Zusammellbruch Deutschlands, für das Auftommeix oer Revolution und deren üble Folgen veramworilich gemacht werden. Ihre Austreibung aus Deutschland wird gefordert.. Die denych-demolratische, dtze sozialdemokratische Partei und die sozialistische Republik werden als jüdisch bezeichnet, da bereu Leitung Juden unterstehen soll. Im Kolleg .und in Studentenversammlungen wurde auihchcrlsch gewirkt. Eiue Eingabe des Landesrabbiners Dr. Siwcrileln an den Staatsnlinister Sivkovich, in der er darum bat, durch ganz energische ■ Maßnahmen diesem ungehörigen hetzerischen Treiben zu begegnen und es auszurotten, damit das Gift des Antisemitismus, dieser Schmach unseres deutschen Volkes, von der Mecklenburg bisher sreigebüeden ist, nicht in unserer Heinrat Schaden anrichtet, hatte vollen Erfolg. Das Ministerium, Ableitung für Unterr:chtsangelegen« hetten, antwortete dem Landesrabbiner am 23. Juni: „Rektor und Konzil der Universität Rostock haben alsbäid nachdem sie von den bedauerlichen Vorfällen Kenntnis erhalten hatten, ein strenges Verbot jeder politischen. Agitation in den Gebäuden der Universität erlassen." (Entschädigung fiir diie Prager Exze,.!^) Die „Narodni Ly ly" meloen: Dr. Adolf Dusek mwrvenierte als Vertreter von 30 Mitgliedern des Prager Schuhmachergewerbes betreffs der am 22. und 23. Mai in den Prager Straßenexzessen verursachten Schäden. Der Ministerrat beschloß grundsätzlich,, daß der Staat den Schaden ersetzen soll, und zwar nicht bloß aus ''rechtlicher Verpflichtung, sondern auch aus ethischen Gründen. (Die SchächWägö m der Schweiz^ Der Zentralvorstand dea Deutsch-schweizerischen Tierschutzvereine" verlangte neuerdings vom Justizdepartement die Aufhebung des Beschlusses vom 23. März 1918, aus dem die Ausnahmen vom Schächtverbot in Luzern und Lällsanne beruhen. Nachdem das Departement schon am 1. Mai 1918 ein gleiches Begehren abgewiesen hatte und der genannte Verein keine neuen Gründe vorbrachte, nahm es auch diesmal dieselbe Haltung ein. Es ist der Auffassung, daß jener Beschluß erst dann aufgehoben werden soll, wenn J>ie Voraussetzungen weggefallen sein werden, die ihn veranlaßt haben, sobald es den Juden in der Schweiz möglich.fern wird, Schächtfleisch wieder , in genügendem Umfang aus den: Ausland zu beziehen. Ein Gesuch von jüdischer Sette, die Ausnahmebestimmung auch aus. Baselstadt auszudehnen- ■ wurde abgelehnt. " Famiiiennaitfiriditen. Wien. . Herr Dr. Adolf Deutsch, Rabbiner in Koste! (Mähren), und Herr Dr. Joel Pollak, Rabbiner im Bethause Monlefiore, haben ihre Prüfungen zu Doktoren der Philosophie an der Wiener Universität mit Auszeichnung abgelegt. Die Bestrafung der Weisen. (Talmudische Agada.) Es herrschte ein mächtiger König in der Stadt Rom, und sein Herz war begierig, alle Weisen seines Landes kennen zu lernen. Eines Tages berief er das Haupt'der Weisen Israels zu sich, dessen Name Ben Chananjah war und sprach, zu ihm: „Ich hörte, daß du ein großer Weiser seist. Wenn dies wahr ist, so mache dich auf und gehe nach Griechenland. Dort sollst du sechzig Weise bereden, auf daß ssie zu mir kommen und ich erkenne, daß kein Weiser aus Erden dir gleichkommt." Da antwortete Ben Chananjah: „Wenn es dem König gestillt, mag er mir ein großes^Schiff erbauen und sechzig Stuben da-