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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-18 · 26 (18.7.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
26 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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jüdische Korrespondenz Nf.' 26 Seife S Dr. Glasauer schristlichsozial) äußerte Bedenken, ob dieses Lager für den beabsichtigten Zweck geeignet ist. In Wien herrscht eine kolossale Wohnungsnot. Aus Lundenburg vertriebene deutschösterreichische Staatsbürger müssen aus einem Rangiergelerse in Hüttewors ein Freilager hatten, während noch '*0.000 Flüchtlinge aus^ Galizien und der Bukowina allein hier sich aushallen. Die Agitation mit den Flugschriften ist für die Juden gar nicht gefährlich. Die Flugichriften, die die Kommunisten haben, tüimlia) das Papiergeld, stehen den Antisemiten mcht zur Verfügung. Pogrome entstehen dadurch, daß. sie von denjenigen. gegen die sie sich richten, veranlaßt werden. Wenn oie Juden es überallso machen, wie die jüdischen Flüchtlinge im Wien, so kann ich Pogrome zwar mcht begrüßen,, aber für verständlich und eventuell entschuldbar halten. Dr. S'chwarz-Hiller: Warum für entschuldbar?. Dr. Glasauer: Ich kann sie für erklärlich halten. - Dr. Schwarz-Hlller: Diese. Rede erinnert an eine Zeit', zu der in diesem Saale jede' Gelegenheit benützt wurde, um eine Judendebatte hervorzurusen. Die Fiüchuiage werden immer als die Schuld der ganzen Verhältnisse hingestellt. (Roller: Arme Hascherln!) Dr. Schwurz-Hiller: Jawohl, arme Hascherln! Die Sache liege aper nicht so unbedenklich, wenn man gerade in einem Zeitpunkt, in dem gewisse Momente die Bevölkerung beherrschen, aus gewisse Leute' mit dem Finger zeigt. Die Flüchtlinge haben das Anrecht des Hierseins, weil sie durch ihre Flucht die Bejahung des Oesterreichertums gezeigt haben. Nach weiteren Reden wird der Antrag angenommeru Die 3udenfrage auf der Friedenskonferenz. Aus Paris wird gemeldet: Eine Anzahl von Deputierten der französischen Kammer, die allen Parteieii angehören, hat. anden Minister des Aeußeru Pichon ein Schreiben gerichtet, m dem sie dieseli über die Haltung Frankreichs aus der Konferenz in der Judeusrage und der Frage der andern Minoritäten befragten. In dem Schreiben heißt es, daß die Gerüchte über Pogrome und Vergewaltigungen der polnischen Juden sich zwar als übertrieben erwiesen haben, daß sich aber doch die grausame Wahrheit nicht übergehen lasse, daß manche Nachrichten richllg seien. Pichon antwortete, daß die französische Regierung vom Konserenzbeginn an die Initiative zu einem gründlichen Studium der jüdischen Probleme gegeben habe. Die Studien seien von einer Sonderkommission unter Vorsitz eilres Franzosen betrieben worden und hätten sich namentlich aus den Schutz der jüdischen Minderheiten in Osteuropa erstreckt. Es sei anzuerkennen, daß die Vertreter der polmschen und rumänischen Regierung die völlige Gleichheit und Freiheit der Juden in ihren Staaten akzeptiert hätten. Die notwrudigen Bürgschaften seien in Form eines Sondervertrages sestgetegt worden, den die polmsche Regierung bereits unterzeichnet habe. Die Kommissions Mitglieder hätten mit Liberalismus die Gleichberechtigungscechte der Juden verteidigt, alur auch getrachtet, Uebertreibungen zu vermeiden, die die jüdischen Minoritäten nur schädigen könnten. Nichts wäre gefährlicher, als den Juden besondere. Privilegien zu geben, da die Garantie des Schutzes der. Minderheiten nur ein Ueberg a n g s st a d i u m zur völligen Verschmelzung mit der betreffenden Nation, wenn auch ohne Preisgabe der ethnischen und religiösen Besonderheiten darstelle. Dieser Schutz sei dem Völkerbund anvertraut, um ihm einen wirklichen Wert zu verleihen. Aus dieser Erklärung ist zu ersehen, welche geringe Bedeutung den bezüglichen Bestimmungen zuzufchreiben ist. Pogrome in der Ukraine. Im englischen Unterhause fragte Abgeordneter Kenneorthh die Regierung, ob die I u d enp o g ro uie in der Ukraine durch gegenrevolutionäre Truppen, insbesondere durch die Truppen Grigoriesss, veransiallet worden seien. Unrerstaatssekretür Hermsworch antwortete, es lägen Berichte vor, wonach inr Kampfe zwischen russischen Sowjettcuppen und den ukrainischen Truppen Grigoriesss viele Juden ihr Leben verloren hatten. Grigoriesf erhalte keinerlei Unterstützung der Alliierten und oie brasche Regierung könne gegen die Ausschreitungen feine Schellte unternehmen, da sich gegenwürllg keine alliierten Truppen auf dem Kriegsschauplatz befänden. Aus eine andere Anfrage, ob Grigoriesf Pogrome gegen die Juden veranstalte und nn vielen Orten die ganze jüdische Be* völkerung ausgerottet sei, antwortete der Ünterstaatssekretüc, es sei kürzlich die Einnahme von. Odessa durch Grigoriesf gemeldet worden, doch seien über die Pogrome wenig zuverlässige Informationen eingelrossen. Allerdings werde berichtet, daß Grigoriesf äußer;: antlsenüüsch vorgehe. Die britische Regierung habe ihm weder finanzielle, noch moralische, noch irgend eine andere Unterslützung angedeihen lassen. — „Manchester Guardian" schreib!: Als die Franzosen unter dem Drucke der bolschewipischen Armee Odessa fluchtartig räumen mußten, siel die Stadt in die Hände eines gewissen Grigoriesf, der sich aus Opportunitätsgründen anfänglich für einen Bolschewisten ausgub. Als sich nun die Bolschewiken unter dem Druck Deniüns aus der südöstlichen Ukraine zurückziehen mußten, erklärte sich plötzlich Grigoriesf als Anttbolschewik und genießt nun in dieser Eigenschaft die Sympathie und die Unterstützung der Entente. Er mordet die Juden auf grausamste Art und wird die Zahl der lmder Ukraine hauptsächlich von Grigorteff ermordeten Juden iu jüdischen Berichten mit hunderttausend angegeben. Diese Zahl ist freilich nur. schätzungsweise gemeldet und kann im Detail nicht belegt werden, aber selbst wenn man dabei einen Irrtum oder eine Uebertrei'bung in Betracht zieht und berücksichtigt, weist alles auf ein Massaker hin, wie es feit jenem berüchtigten Kosakenausstand vor ungefähr 250 Jahren in jenen Gebieten nicht wieder vorgekommen ist und dem gegenüber die letzten Judenverfolgungen in Polen und Litauen fast eine liebevolle Behandlung darstellen. Die Entente hat in dieser Angelegenheit mehr als bloß allgemein menschliche Verantwortung, da sie mll den Urhebern und Veranstalter dieser in der Geschichte der Neuzeit unerhörten und nicht dagewesenen Greueltaten politisch affoziiert ist nnd wenigstens einen Teil dieser Urheber nüt Waffen, Lebensmitteln, Ausrüstung und Geld unterstützt. Die Entente hat sowohl die Macht als auch die Pftichl, aus ihre Schützlinge einzuwirken, daß sie Mord und Schändung einstellen. Es handelt, sich nicht bloß um Juden. Tenn was man bisnull den Juden allein antut, wird ohne Zweifel später auch anderen angetan werden, und wenn ni^t der stärkste Druck ausgeübt wird, wird ein weißer Terror der Nachfolger des jetzigen roten Terrors sein und seine blutigen Spuren über die mit Menschenblut bereits genügend getränkten Gefilde Rußlands ziehen und Tausenoe und Abertausende Lebewesen zum grauenvollsten und qualvollsten Tod bringen. Rundschau. (Eine Enquete Wer die Pogrome.) Tie „Alliance Jsiarlite" wandte sich mit einer Rundfrage Wer die Pogrome gegen die Juden an alle französischen Armeeführer in den Ländern des ehemaligen Rußland. Der Zweck der Enquete ist die Feststellung der* Schuldigen an den Pogromen. Es langten bereits mehrere Antworten ein. Das Ergebnis dieser Rundfrage wird demnächst veröffentlicht werden.

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