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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-18 · 26 (18.7.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
26 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 26 setzung in diese Würde von Seiten ihres sadducäischen Gatten bewirkt worden war. 7. Gegen die Einräumung des aktiven Wahlrechtes an die Frauen lassen sich aus den Traditionsquellen m. C. keine Bedenken erheben. Da dies indessen gegen Vas alte Herkommen verstoßen würdef so sollte darüber erst die Zustimmmrg-der Gemeinde, wie bei einen Statutenänderung .iugeholt werden» SJ, Antisemitische Hege in Wien« Die Christlichsozialen und ihre alldeutschen Freunde wollen nicht locker lassen. Ihr kläglicher Zusanrmenbruch hat sie keineswegs eines Bessert: belehrt. Noch immer glauben sih mit der Judenhetze ein „Geschäft" machet: zu tonnen. Vor kurzem haben sie in Wien einen „Antisemckcubund" gegründet, dessen Programm folgendermaßen lautet? Was will der „Antisemitenbund?" Er will das oeutsche Volk über die große ihm von Seite der Jude:: drohende Gefahr aufklären. Das wird in Versammlungen geschehen, durch Flugschriften, durch eine zweckoienliche Bücherei sowie durch Zeckjchrrften, d:e das Treiben der Juden gegen uns erörtern. Das deutsche Volk soll planmäßig zur Bekänrpfung des jüdischer: Einflusses aus allen Gebieten des ögenttichen Lebens angehatten werden. Aber auch im privaiei: Leben muß jeder Einzelne dazu beitragen, die Macht des Judentums zu brechen. Jüdische Zeitungen, die ihr. Gift täglich in das deutsche Voll tragen, müssen vom deutschen Hause ferngehalten werden; das geradezu flutartige Zuströmen jüdrscher Jugend an deutsche Mittel- und Hochschule:: und damck die jüo.sche Urb.rslutnng aller geistigen Berufe, müssen eingedämmt werden; deutsche christliche jarische) Geschäftsleute müssen unterstützt, jüd.sche Unternehmungen bekämpft lverden; genfer erspartes Gelo dms nicht jüdischen Banken anvertraut werden, wir mügeu es den nichtjüoischen Sparkassen und Banken zusührer: urrd d/ese damck stärken,^daß sie auch aus dem Gebiete des Geldwesens dem Judentume begegnen können. Ir: der Gesetzgebung, in der Kunst, irn Schrifttun:, auf den Bühnen ur:d in derer: Leitungen dürfer: nicht, wie es bis jetzt der Fall ist, Inder: das ausschlaggebende, entscheidende Wort führen. Unsere deutschen Gemeinwesen dürfen nicht vor: Inden geleitet und dadurch vor: dieser: für ihre Zwecke mijchraucht werden. — Eine unendliche Fülle vor: Arbeit harrt unser, wenn wir zum Ziele gelangen wollen. Was ist unser Ziel? Unser Ziel ist die Befreiung unseres Volkstums von der jüdischen Herrschaft. Wären .wir nicht schon vor den: Kriege von der: Juden beherrscht worden, so wäre es im Kriege um urrs besser gestanden. Dann hätte vielleicht der Krieg vermieden werden können, sicher aber hucke er nicht zu diesem entsetzlichen Er:de geführt. Jetzt muß unsere Ausgabe der Wiederaufbau deutschen Volkstums, die Wiederherstellung christlich-arischer Dkorak sei::. Ae erste Tat au; dem Wege einer besseren Zukunft muß aber die Befreiung vom Judentume sein. Wenn wir das Judentum bekämpf.::, nützen wir uns und sichern wir unseren Nachkomme:: eine bessere Zukunft. Ar „Ancksemitenbund" begnügt sich aber nicht nut dem theoretischen Programm, sondern er versucht auch, zur Tat überzugehen. Dieser Tage wurden in W.en folgende Flugzettel verbreitet: Volksgenossen! Die furchtbaren Massenmorde des Christenvolkes in Ungarn, sowie die vollständige Versklavung und Knechtung aller Nichtjuden durch die jüdischen Kommunistensührer, wie wir 3 in allen Ländern, wo das Kommunisienparadies errichtet! wurde, in der: scheußlichsten Formen erlebt Habei:, muß auch Euch, die ihr nicht dem vollständigen Uunrgaug unseres Volkes ruhig Zusehen wollt, im deutschösterreichischen Schutzverein „Antisemitenbund", der unterschiedslos alle Parteien gegen dieses Wuchervolk vereinigt, als elftcgc Mitkämpfer am Aufbau einer gesunden Volkswirtschaft vereinigt finden. ' Erscheinet zu der am 14. Juki, um 7 Uhr abends, in der Jaroschauer Bierhalle, Endstation des 5-Wagens neben Zirkus Busch, stattfindenden Versammlung in der unter anderen Rednern, Schriftsteller Anton Orel „über die t-eferen Ursachen und das Wesen des Judaismus" sprechen wird. Volksgenossen,, nicht durch Jammern und Sch.mpfen werden wir das Judenjoch abschütteln, sondern durch strammes Zusammenhaltei:. Erscheine:: zur Versammlung - ist daher Wicht eines jeden Gutgesinnten. Die Ortsgruppe Leopoldstadt des deütfchösierrerchischen Schutzvereines „Antisemitenüund". Der „Antisemitenbund" versucht also auch, Propagandaversammlungen abzuhalten. Freilich, damck hat er wenig Glück. Die Sozialisten und Kommunisten vereiteln die Bemühungen. So fand Montag abends in der Jaroschauer Bierhalle die vom Antifemitenbund einberufene Versammlung zur Gründung der Ortsgruppe Leopoldjiabi* statt, der auä) zahlreiche Kommunisten beiwohnten. Es kam zu stürmischen Szenen, weshalb sich die Leitung der Versanunlung gezwungen sah, sie frühzeitig zu schließen. Schriftleiter Sedlak legte die Ziele des Antisemckenbundes dar, der als Schutzbund gedacht sei, um dem übermäßigen Einfluß des vordringenden Judentumes entgegenzuarbeiten. Der nächste Redner, Schriftsteller Orel, sprach unter fortwährenden. Widerspruch der Versammlung. Zum Schlüsse gab der Redner den Juden den Rat, nach Palästina auszuwandern, und ruft in den Saal: „Was bleiben Sie denn in Oesterreich,, wandern Sie doch aus!" Mehr konnte er nicht mehr sprechen, denn es entstand hieraus ein ohrenbetäubender Lärm, die ganze Versammlung sprang von den Sitzen auf, es drohte, jeden Moment zu Tätlichkeiten zu kommen. Schließlich wurde eine Ordnerkette gebildet,- die Ant.semmn konnte:: das Lokal verlassen, worauf dann, unter Lärm und Absingung von Liedern die Kommunisten als letzte aus dem Lokal abzogen. In der Gemeinderatssitzung vom ¥0. d. M. interpellierten die jüdisch-nationalen Gemeinderäte wegen dieser Judenhetze. Bürgermeister Reumann erwiderte: „Der Interpellation liegen Klebezettel mit verschiedenen Zuschriften und ein Flugzettel bei, in dem gesagt wird, ' daß der Vernichtungsfrieoe ein Werk der Juden ist. Ich glaube, es ist nicht interessant,"daß ich Ihnen diese zur Verlesung bringe. Es ist tief bedauerlich, daß in dieser schicksalsschweren Zen eine gewisse Clique, sich derartige verhetzende, die Bevölkerung ausregeiüie Dinge erlaubt. Es muß dieses Beginnen auf das schäcffte verurteilt und tief verabscheut werden. Gerade in der jetzigen Zeit, wo wir so viel Zündstoff angehäuft haben, ist es eine Gewissenlosigkeit, noch mehr Zündstoff anzuhäufen. Hoffentlich' wird im Betretungsfalle gegen die Verbreiter solcher verhetzender Flugschriften mit jener Schärfe, die in der Gegenwart geboten'ist, vorgegangen werden. Ich möchte aber noch bemerken, daß in Wien nicht der Boden für eine derartige Hetze gefunden wird und ich bin vollkommen überzeugt davon, daß die Massen der Arbeiterschaft sich n i ch t z u Judenpogromen werden hinreißen lassen. Ich glaube, es genügt, wenn in öffentlicher Gemcinderatssitzung der Versuch zur Aufhetzung auf'das schärfste verurteilt wird. In der Gemeinderatssitzung vom 13. d. M setzte wieder eine Hetze gegen die jüdischen Flüchtlinge ei::. Bürgermeister Reumann berichtete über die Erwerbung des Flüchtlingslagers in Steinklamm durch die Gemeinde Wien.. .

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