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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-18 · 26 (18.7.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
26 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. Nr. 26 lunffnahINe unserer Nationalisten zur Sache der Religion. So offen und ungeniert ist noch nie gesagt worden, daß man ein „guter Jude" (?) sein kann, auH wenn man sich religiös von dem Judentnme lossagt. .Ist es somit notwendig, diesem Standpunkte mit der gebotenen Schärfe e.itgegenzutreten, so ist es anderseits gut, daß die Herren Rationalisten ' § einmal ü bers Herz gebracht haben, der Öffentlichkeit reinen Wein ein zu schenken. Nun können auch diejenigen, die sonst eine besondere Schwäche sür unsere Nationalisten an'den Tag legen, und gar zu leicht bereit sind, ob ihres Nationalismus auch die Areligiosiiät in den Kauf zu nehmen, erkennen, wohin der Weg dieses „Nationalismus ohne Religion" führt. Es geht schrittweise: zuerst ist die Religion Privatsache, dann kann man ein „guter Jude,, sein, auch wenn man „aus der jüdischen Religionsgemeinschaft austritt". Die Offenherzigkeit unserer Nationalisten spricht Bände. Jehudi Chored. In der Enge. ♦(D'nm-rfO) Das jüdische Volk darf keine Freude genießen gleich anderen Völkern. In der schönsten Sommermitte, da alle Welt sich des Lichtes und der Sonne fteut, sich der Ruhe und dem Vergnügen der Ferien hingibt, — hat der Jude seine „drei Trauerwochen"' Vom 17. Thamus bis zum 9.' Ab muß er klagen und jammern, er dais sich keiner Freude und keinem Vergnügen hingeben. Keine Hochzeiten dürfen stattfinden, keine neuen Kleider angezogen, keine neuen Früchte zum eisten Male genoffen werden. Gebeugt und gedrückt unter der Last einer furchtbaren Vergangenheit schreitet er einher. Wie der Jude im Frühling die ernsten Sephirawo'chen durchleben muß, so durchlebt er auch im Sommer die düftern „drei Wochen". Schwer lastet die furchtbare Vergangenheit auf dem jüdischen Volk, umso schwerer, als auch die Gegenwart keine ftohe Miene ausiommen läßt. Der furchtbare Weltkrieg ist zu Ende, aber die Juden haben noch immer unter seinen Nachwirkungen, und Ausstrahlungen zu leiden.. Die Pvgrome im Osten wollen gar kein Ende nehmen und die unsichere Zukunft drückt alle 'Gemüter nieder. Es mögen sich diejenigen rühnien, die sich selbst und der Welt einreden wollen, es sei ihren- Bemühungen gelungen, die Zukunft des jüdischen Volkes sicherzustellen. Wer die Entwicklung der' Dinge aufmerksam verfolgt, und die Situation näher kennt, der muß sich leider eingestehen, daß zum Optimisnrns sehr wenig Veranlassung vorhanden ist. Die Erklärungen, die der ftanzösische Minister des Aeußern, Pichon, hinsichtlich der Bestimmungen über den Schutz der Minoritäten im Osten gab (siehe den Artikel: Die Judenftage bei der Friedenskonferenz), sind Üur allzu geeignet, auch den unverwüstlichsten Optimismus stutzig zu machen. Und was die Palästinasäche betrifft, so muß man noch immer zwischen Hoffnung und Befürchtung schweben. Die Dinge stehen sowohl im Osten als auch in Palästina derart daß selbst unsere Nationalisten in den letzten Tagen viele Befürchtungen laut werden lassen. Allein, so schwer die Vergangenheit auf uns lastet, so hart die Gegenwart auch sein mag — wir dürfen nicht verzweifeln. Gerade die furchtbare Vergangenheit, der wir in diesen Wochen nachtrauern, lehrt uns, daß das Mische Volk nicht untergehen kann und wird. Ein Volk, das den „Churban-bais-rischon" und den „Chürban-bais-s'chenu" überlebt hat, bas trotz Kreuzzüge, Inquisition, Gesairaus Tatnaw und Ta'ch erhalten blieb, — dieses Volk wird auch fernerhin allen Gefahren trotzen und allen Gewalten zum Trotz sich erhalten. Nur müssen wir uns stets die Kraft vor Augen halten, die uns in allen Nöten beigestanden ist, die Kraft der Thora, der wir unsere Eristenzl verdanken. Jnsolange wir der Thora treu bleiben, kann uns kein Schicksalsschlag die Zukünftshoffnung .rauben. Wir befinden uns heute. in der Enge. Aber ,*p amö3 ujy ,iv 'fttrp ■uran' jn Aus der Enge ries ich den Ewigen - - er erhörte und stellte mich in die Weite! Ben-'Zwi. üfidisdrer Film. (Die Palästinafrage.) $»n t>er Palästinafrage ist das letzte Wart noch immer nicht gebrochen worden. Trotz aller ovttmistftchcn Berichte muß man also sehr vorsichtig sein, um keine bitteren Enttäuschnnaen?,u erleben. Wft kompliziert das Problem ist, das beweisen dinachstehenden Nachrichten und Vorkommnisse. Bei der Diskussion über die franrösischen Missionen in Sprien und Palästina weigerte sich Außenminist r Bichon der Deputierten.- kammcr nähere Einzelheiten über die noch schwebenden Friedensverhandlunaen mit der Türfti mitzuteilen. Dazu bemerkt der Manchester Guordsan^ u. a. : Pichon hat mit unserem Lande eine Differenz hinsichtlich Nordarenzs von Palästina und mit d°n Arabern in Bezug ans Damaskus. Aleppo und Alerandrette. Unter Berufung auf da? Sykes-PikotHlbkommen von 1916 hab'n die Franzosen eine Verwaltnna in Noi'daaliläa eingettchtet und eine d^-arüne Grenze w'n'd" Palästina v"'ft-"'mmelu und. e» der H-'i-schaft üb"r seine natürlichen und nnentbebr0ch"n Waüe'-üäst? b^ronb"n. Di" F^nzo^eu wissen so aut als irg"n,d semand, daü ein Belang m dieser Ar^ nicht ge. rcch'sertiat w"'d"n kann und wahrschünstch stell"n ne es auch nicht nm seiner stlbst willen, sondern nm ans die englisch? R"aiening in' Bezug ans Damasftcs. Aleppo und Alermrdrette pinw Druck ansznüben. Ein jüdftch"s Palästina ist an dem Strüt zwischen Frankreich und den Ambern nicht beteiligt, warum also soll es darunter leiden? Es ist ganz gewiß, daß das ftanzösische Begehren. Palästina zu verstümmeln. am Ende wird fallen glasten werden, aber indem die ftanzösische Regierung e§ stellt und darin verharrt. - setzt es sich der Gefaln eines Konfliktes mit den teuersten Wünschen des jüdischen Voltes in der ganzen Welt aus. Jedenfalls ist zu' hoffen, daß die Alliierten raschestens diesen Streit wie auch den über die ganze Behandlung der türkischen Frage regeln werden, soöaß der Osten wiffe, was er zu erwarten hat und die befreiten und zu neuem Leben ge. brachiex Nationen daran gehen können, ihre Heimstätten wieder aufzubauen. Die Hoffnung des „Manchester 'Guardian" harrt noch immer ihrer Erfüllung. Die Allnerlenülfteilen sich nicht, die Frage *u bereinigen. Aber auch die Franzosen wollen nicht locker lassen. So wird aus der Schweiz gemeldet: „In Jaffa traf ein amerikanischer Untersuchungsausschuß ein, der die Laae in Palästina zu beurteilen hat. Der Nouvelle Corresporrdgnce zufolge ist festgestellt worden, daß Jaffa das Protektorat Englands wünsche, während sich Bethlehem und Jerusalem Sprien anlehnen möchten. Sollte sich diüs Meldung bestätigen, dann wird es zu einer Teilung Palästinas kommen, deren Folgen unabsehbar waren. « Die Amber ihrerseits ruhen auch nicht. Wie feindlich sich jetzt. gewisse Kreise der Araber zu den Zionsten verhalten, zeigt folgende Nachricht: Der arabische Klub in Jenüaüm erhielt folg-'ndps. - in all-n üuisch"u Zeittinaen veröffentlichte» Telegramm: .Wft erhietten E"er Tüeammm. das deutlich Eure anftickstften Gefüble sür Palästina znm Ausdruck bringt. Wir hab"n es auf unierer Versammlung' vor. aü"s"n. wo es einen s"hr auttn E'ndmck machte. Wi'' w'hliri-rten es in. allen ambischm w>e auch -w-isprachiaen Zttttuwen Am°'ü*as. Wir wandtur uns auch schon mebnnals telegravhi'ch an Euch wegen d-w Gründung einer nationalen Agrarbank mit d"m Zwecke, dem arabischem Bauern Hilfe angedeihen - zu laffen, damit er nicht g"rwnnaen wird, seinen Boden den Zionisten zu verkaufen. Wir sind sicher, daß di: Gründung einer solchen Bank das einzige Mittel ist, der schrecklichen Gefahr, die seitens der zionistischen Kolonisation droht, zu entrinnen. Deshalb haben wir beschloffen, oben erwähnte Bank zu gründen, und wir sind sicher, daß Ihr uns behilflich sein werdet, dieses Ziel zu erreichen." Gez. : Der Palästina-Verband zur Bekämpfung des Zionismus in New Jork. Die arabische Zeilung „Muktabat", die in Damaskus' erscheint, ^emerkc dazu: Wir fteuen uns, daß unsere Brüder, die palästtnensistchen Araber, sowohl Muselmanen wie Christen, beschlossen haben, sich

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