Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 25 (11.7.1919)
- Date
- 1919-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 25 Jüdische Korrespondenz, Seite 7 gestellt worden war. Dieser unternahm im 18. Jahrhundert eine lange Orientreise, die ihn nach Persien, Indien Aegypten, in die europäische und asiatische Türkei und auch nach Palästina führte. In der später erschienenen Reifebeschreibung erwähnt Niebuhr das Zusammentreffen in Aleppo mit einem lothringischen Juden, der ihm jene Liste der durch den Talmud als heilig bezeichneten Orte in Palästina übermittelte. Wir lassen das Verzeichnis hier folgen: 1. Ein Teil der alten Umfriedung des Tempels (genannt Klagemauer). 2. Auf dem Zionsberg: die Grundmauern eines durch den König David errichteten Gebäudes, die Stelle, wo sich das Studierzimmer König Salomons befand, die Gräber der beiden Könige. 3. Im Tale Josaphat: die Gräber Absoloms, Secharias. Sauls und des Jeremias. Dort glaubt man auch diie Gräber Isabels und Gads suchen zu müssen. 4. Im Norden nicht weit von Jerusalem: Die Königsgräber und dasjenige Simon des Gerechten (Schimon Hazadik). 5. Auf dem Oelberg: die Gräber des Osias und der Prophetin Hulda. 6. Das Grab Rachels bei Bethlehem. 7. Im Osten Bethlehems: das Grab Samuels. 8. In Hebron: die Gräber Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sarah und Leahs: manche behaupten, hier seien auch Adam und Eva begraben. Auf dem Marktplatz Hebrons zeigt man noch die Stelle, wo Abel begraben wurde, und in der Umgebung, de« Stadt die Gräber Jesajas und der Oberpriester Athaniel Be« Kcnas. 9. Das Grab des Iosua in Parcheres, unweit Jerusalem. 10. Die Gräber Josefs, Ephraim und Menasses in Sechem. 11. In Sakko! die Gräber des Elias und seiner Vorfahren. 12. Das Grab Ijsrohs. des Schwiegervaters des Mose, in Chitin. 13. In der Umgebung Sechems (Sch'chems) die Gräber des Simon den Iohai. Eliesers. Hillels und Schamais. In Safed und Liberias finden sich auch die Grabstätten zahlreicher Tenaim und Amarim. wie Rabbi Akkibas, Joseph Karos und Ifaac Lurias, des großen Kabbalisten. 14. In Goblim: die Gräber des Benaja den Iojada und des Jonathan ben Osiel. 15. Im Dorfe Chalebul: Das Grab des Propheten Nathan. 16. In Navarla: Die Gräber des Pinchos, des Enkels Arons und seiner Kinder. 17. Das Grab Rabbi Gamliels in Jahna. 18. Der Altar des Propheten Elias auf dem Berge Karmel. 19. Die Wohnung des Propheten Elie in Serasti, nicht weit von Sidon. 20. In Narvala: die Gräber der Söhne Arons, Elazar und Ithomar. Rabbi Chaninah Ben-Dosa. (Nach dem Talmud.) 1. Es lebte einst ein Mann in Israel, der Rabbi Chaninah Ven-Dosa hieß. Und da er weife und gerecht war. liebte ihn Gott sehr. Wiewohl sein Besitz nur gering mar, lebte er immer fröhlich und war stets heiteren Sinnes. Doch er richtete es so ein. daß niemand etwas von feiner Armut merkte. Und wenn die Weiber für den Sabbat Kuchen bereiteten, nahm Chaninahs Weib einen Stengel und steckte ihn in den Ofen, damit Asche davon entstehe, und niemand wisse, daß ihr Tisch leer sei. Doch die böse Nachbarin schlich sich am Freitagabend in die Küche von Rabbi Chaninahs Frau und versteckte sich. Dann Criß sie die Türe auf und schrie: „Wer weiß nicht, daß Du nichts besitzest? Warum willst Du uns betrügen?" Kaum hatte se diese Worte gesprochen, als der Ofen sich mit Kuchen und verschiedenem Gebäck füllte. Da rief die Nachbarin: „Rasch! Rasch! Beeile Dich, damit der Kuchen nicht verbrennt." Dock Rabbi Chaninahs Weib entgegnete: „Ich ging jä nur in die Stube, um die Schlüssel zu holen." Da schämte sich die böse Frau und kehrte in ihr Haus zurück. 2. Und Rabbi Chaninahs Frau sprach also zu ihrem Manne: „Mein lieber Gemahl, wie lange wird die Not die Menschen plagen?" Da sagte er: „Was soll ich tun?" Und sie erwiderte: „Bitte Gott, vielleicht hilft er Dir." Rabbi Chaninah hörte auf die Stimme seiner Frau und flehte zu Gott. Als er feine Augen erhob, da sah er eine Hand, die sich ihm entgegenstreckte und den schweren goldenen Fuß eines Tisches festhielt. Dann legte die Hand den Fuß vor.dem Rabbi nieder und verschwand. Dosas Weib hatte einen Traum. Sie sah das Paradies und alle die Weifen und Frommen Israels saßen dort -vor goldenen Tischen und jeder Tisch hatte drei Füße. Doch der Tisch, bei dem Rabbi Dosa faß. hatte nur zwei Füße. Sie trat näher und bemerkte, »aß alle gleich groß waren. Also mußte der eine Fuß von Rabbi Dosas Tisch fortgenommen worden sein. Als sie ernnchte, fragte sie ihren Gatten: „Sage mir, mein Lieber, wolltest Du, daß alle Deine Freunde vor Tischen mit drei goldenen Mßen fitzen, während Dein Tisch nur zwei Füße hat?" Da sprach er: „Was soll ich tun?" Und sie antwottete: „Bitte Gott, auf daß er den gol^ denen Fuß wegnehme, den er Dir gegeben." Und Chaninah lat also. Er flehte zu Gott, und dieser erhörte feine Bitte und Uetz den goldenen Fuß fortnehmen. Und die Fremde über den Verlust dieses Geschenkes war größer als Äber seinen Besitz. 3. Eines Tages bemerkte Ben-Dssa, daß seine Tochter sehr betrübt war, und er fragte sie: „Wat um bist Du so traurig mein Kind?" Da erwiderte sie: „Wie ßoltte ich nicht traurig sein, da der Tag sich dem Ende neigt und der Sabbat nahtt Und ich wollte Oel ifc die Lampe gießen und fand in tHt Kanne Essig statt des Oels." Da sprach ^er Vater: „Gieße nur ruhig Essig m die Lampe, und g4wH wird sie auch »o leuchten. Gott, 'der das Oel zu Licht werden läßt, wird auch dem Essig diese Kraft verleihen." Die Tochter tat, wie idr geheißen, und die Lampe brannte Nacht and Tag bis zum Ausgang« des Sabbat. 4. Als einmal Rabbi Chaninahs W,w am Morgen di« Türe aufmachte. fand sie eine Schar WMß Hühnern auf de« Schwell« vor. Sie freute sich darüber, mdhm sie und zeigte sie ihrem Manne und sprach: „Jetzt werden wir wenigstens Eier haben, um satt zu werden." Da rutgegnete Ben-Dosa: „Berühre sie nicht, denn sie gehören nicht uns." Die Hühner legten Eier, und eine Menge Küchlein kroch hervor. Aber die Küchlein wurden immer mehr, und als sie in Rabbi Chaninahs Haufe Schade nane^hteten, verkaufte er sie, und erwarb für den Preis einige Ne»en. die er großzoK. Aber die Nachbarn sprachen: „Siehe. Deittt Ziegen richten Schaden auf den Feldern an." „Wenn das «ahr ist, mögen die Wölfe sie fressen." sagte Rabbl Chaninah. Am Abend kehrten die Herden heim, und die Ziegen marodierten voran. Mitten unter ihnen schritten Wölfe einher. Da wußten alle, daß die Nachbarn gelogen, weil die Wölfe unschuldigem Vieh nicht schaden. Nach einigen Tagen kam ein Mann zu Ben-Dosa und sprach: „Gib mir die Hühner, die ich vor Deine Schwelle setzte, wieder." Da sagte Rabbi Chaninah: „Gib mir einen Bewms. daß sie Dein find." Der Mann tat also «,d Ben-Dosa gab »hm die Ziegen, die er für die Hühner «tttlgehandett hatte. 5. Einmal kam eine Witwe za Ben-Dosa und sprach: „Deine Magd hat ein Haus gebaut, doch seine Balken sin» zu kurz. iirJb bie Wände wollen nicht Zusammenhalten. Huf mir. Du Mann Gottes! Denn Deine Magd besitzt außerdem nichts." Da sagte er: „Gott wird Dir helfen. Sage mir Deinen Namen und kehre ruhig meim." Und ßt* sie nach Hause kam, da fand sie. daß die Balken größer aemorden, und sie dany* Gott. Dann nahm sie die übrigen Balken und machte oarauis ein Gitter für ihr Haus. ' 6. Die Tage des Festes rückten näher, und alles Volk strömte in der Stadt zusammen, um Gott ein ^Apfer darzubringen. Doch Ben-Dosa hatte nichts, was er opfern konnte, und auch das Reisegeld mangelte ihm. Da rief er unmutig aus: „Soll ich allein leer vor Gott hintreten?" Und als er in die Wüste gelangte, hob er einen herrenlosen Stein auf und wollte ihn nach Jerusalem tragen. Da sah er fünf Leu^ des Weges zi'ehen und stagte sie: ..Für welchen Preis wollt ihr mir den Stein nach Jerusalem tragen?" „Für hundert Schekel" antworteten sie. „Ich habe nichts und kann euch weder hundert noch fünfzig Schekel bezahlen," sagte Ben-Dosa. Da ließen ihn die Leute stehen und gingen ihres Weges. Abermals kamen fünf Leute vorbei, und er fragte sie. wieviel sie verlangten, um den Stein nach Jerusalem zu tragen. Da sagten' sie: „Wenn Du uns tragen hilfst, wollen wir es für fünf Schekel tun." Rabbi Chaninah erklärte sich einverstanden, und die Leute hoben den Stein in die Höhe, und Chaninah schickte sich an. ihnen zu helfen. Kaum hatte er jedoch den Stein berührt. als sie bereits vor den Toren Jerusalems standen. Jetzt wollte er in die Tasche greifen, um die fünf Schekel heravjSziehen. aber die Leute waren verschwunden. Dann verkaufte er den Stein und kaufte für das Geld schöne Geschenke, die er Gott zum Opfer darbrckchte. 7. Einmal kamen die Leute aus der Stadt zu Ben-Dosa und sprachen: „Siehe ein Drache wohnt in der Umgebung unserer Stadt, und frißt täglich viele von uns: Flehe zu Gott, auf daß er uns von diesem Nebel befreie." Da sagte Ben-Dosa: „Führt mich zu der Grube des Drachen." Und die Leute zeigten ihm von weitem die Grube. Da trat Bßn- Dofa näher, setzte den Fuß auf die Grube und betete zu Gottz Die Leute zitterten für die Seele des Rabbi. Während er so betete, kam der Drache herangeschlichen und biß den Betenden, an mehreren Stellen des Körpers. Als die Leute dies sahen, sprachen sie zueinander: „Warum hat uns Gott gestraft, daß wir dielen unschuldigen Mann in den Tod treiben? Doch Rabbi Chaninah vollendete sein Gebet und sagte: „Kommt herbei und schauet, wer tot und lebendig ist." Da tratendie Levte näher heran, und siehe der Drache war tot. Und zu Ben-Dofas Füßen sprang ein Quell hervor. Da sagten sie: „Wahr sind die Worte der Schritt. Cr tut nach dem Willen derer, die ihn fürchten, erhört ihr Gebet und steht ihnen bei."