Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 25 (11.7.1919)
- Date
- 1919-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 25 verschmähen, zu gewissen Zeiten ihre Taschen mit Gold' zu füllen, verurteilen die, Geldinstitute Israels, derer: Beispiel sie jedoch nachzuahmen sich bemühen. Wer wird für die Unglücklichen, die gegen das harte Gesetz des Leöens und gegen den nichtminder harten Druck der unversöhnlichen Oligarchien ankämpfen, ein mitleidiges Wort emlegen? Wann wird man endlich in den Opfern des Schicksals und der Menschen, ohne Unterschied der Rasse oder der Geschichte, nichts. anderes sehen wollen, als das Unglück den: man helfen soll?" George Clemenceau, in seinem Buche: „Au pied du Sinai". (Der RzHHVNlyr Pogrom m IWrirH Giu Bericht der jurioischen Kommission des Rzeszower Rettungskomitees unter Leitung des Bizebürgermeisters Dr. Hochseld über den Pogrom vom 3. Mai besagt: Von 328 Beschädigten haben wir 266 protokollarische Angaben gemacht. Der Schaden dieser 266 Beschädigten beträgt 4,634.602 Kronen. Fast alle Plünderungen und Räubereieu (252 proto- - kollarisch festgestellte Fälle) ereigneten sich am 3. Matt In 18 Fällen wurden bloß Geschäfte, in 188 Fällen wurden auch Wohnungen geplündert. Die Zahl der körperlich Verletzten und der arg Mißhandelten beträgt 71, von denen ein Jude, wahrscheinlich infolge der Schläge, gestorben ist. In vielen Fällen drangen in die Wohnungen Banden unter Führung von Banditen in militänscher Uniform, die mit. Revolvern und Bajonetten bewaffnet waren. Die Art der Plünderungen verriet deren Planmäßigkeit. Die Ursache des Pogroms konnte auf Grund der Protokolle nicht festgestellt weäen. .Es kann jedoch konstatiert werden, daß die Polizei überhaupt nicht eingeschritten ist und daß die ausgerückten Militärabteilungen sich passiv verhalten haben. In vielen Fällen beteiligten sich Militärpatrouillen an den Plünderungen. An: 16. und 17. d. M. fand im Rzeszower Geschworenengericht der Prozeß gegen sieben Teilnehmer am Pogrom im Dorfe Straszydle statt. Alle wiesen auf dea Ortsvorsteher und aus' den ehemaligen österreichischen Parlamentsabgrordneten Bomba als aus die intellektuellen Urheber des Pogroms. Alle Angeklagten wurden zu 6 bis 15 Jahren Kerkers verurteilt. (AntisemitiM Propaganda in LirK.) Vor einigen Tagen konnte man in den Straßen von Linz große Maueraufschriften bemerken , Bernichkungssriede — Judenschuld", die sich nach jeder Nacht vermehrten. Auch gedruckte Zettel, in denen die Schuld am Zusammenbruch Deutschlands den Juden in die Schuhe geschoben wurde und die in gehässigster Weise zu Pogromen aufforüerten, wurden assichiert. Gegen diese, vermutlich von deUlschnationaler Seite ausgehende Agitation nahm die Kultusgenwinde in einer von jüdisch nationaler Sette verfaßten Resolution Stellung, die in den Tagesblättern aller drei politischen Parteien Oberösterreichs zum Abdruck kam. Auf Vorsprache des Vorstehers Benedikt Schwager veröffentlichte der Garnisons-Soldatenrat die folgende Warnung: Von einer Seite, welche schon vor den: Kriege gegen die Juden hetzte, werden in letzter Zeit wieder Pamphlete mit aufreizendem Inhal: verbreitet, überall angeklebt. Wir machen aufmerksam, daß wir gegen die Verbreiter dieser zum konfessionellen und nattonalen Zwist herausfordernden Flugschrift mit den schärfsten uns zu Gebote stehenden Mitteln Vorgehen werden, da wir nicht gesonnen sind, die mühsam hergestellte Ruhe von einigen gewissenlosen nationalen Hetzern neuerdings stören zu lassen. (Neues von den kaukasischen Luden.) Die kaukasischen Juden gleichen in vielen Dingen den Karäern. Sie stehen gleichfalls aus biblischem Standpunkt und kennen den Talmud nicht. Als die ftühere zaristische Regierung an sie die offizielle Frage richtete, ob sie Karäer oder Taimudjuden seien, haben sie sich ohne. Zögern als Karäer bekannt. Als die Anfrage der Regierung eintraf, haben die kaukasischen Juden einen Kongreß abgehalten, um die Antwort an die Regierung zu formulieren. Ein einziger Redner bekannte sich iu dieser Versammlung zum Talmud. Hieraus tteß der Vorsitzende, ein diplonrierter Maschineningenieur, eine Thorarolle und daun e'uren Talmudttaktat in den- Versämmlungssaal bringen. Als die Thora in den Saal gebrächt wurde, erhob sich die ganze Versammlung von den Sitzen und verbeugte sich vor der heiligen Schrift, während der Talmud nicht die geringste Würdigung fand. Der schlaue Vorsitzende setzte nun der naiven Zuhörerschaft auseinander, daß die Szene, die sich soeben abgespielt habe, der beste Beweis dafür sei, daß sie Karäer seien. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Beschluß aus die Haltung der russischen Regierung zurückzuführen war, welche die Karäer unbehelligt ließ, während ihre Verfolgung der Juden selbst bis in den Kaukasus hinein reichte. Der arme ßilsner. Eine Wiener Tageszeitung weiß zu berichten: Aus eine in der Kriminalgeschichte wohl einzig dastehende Art ist Leopold H i l s n e r von einer Frau zu dem Zwecke^ benützt worden, sich eine ansehnliche Mitgift zu verschaffen. Ein Fräulein Therese Ro senfeld hatte die Bekanntschaft Leopold Hilsners gesucht, in der Absicht, sich mit ihn: zu verloben und diese Verlobung bei reichen Verwandten zur Erlangung eir:er „Ablösungssumme" zu benützen. Sie hatte darauf spekulier:, daß Leopold Hilsnev einer Bürgerfamilie keine genügend.achtenswerte Persönlichkeit darstellen würde, um als Mitglied in die Familie ausgenommen zu werden. Daraus, und aus das Verinögen des Onkels, eines reichen Wiener Fuhrwer'ksvesitzers, hatte, nun, wie der enttäuschte und empörte Hilsner jetzt klagt, seine Braut und deren nächste Angehörige ihren Plan gebaut. Von dem aus Samuttungen stammenden, bei der israelitischen Kultusgemeinde erliegenden Vermögen Hilsners behob Fräulein Rosenscld in Uebereinstimmung mit ihrem Bräuttgam drettansend Kronen, die sie zur Uebernahme und Einrichtung eines Wirkwarcngeschäftes verwendete. Hilsner mußte, um den Emst der Absichten seiner Braut beweisen zu helfen, das unstandesgemäße Siechenhaus in der Seegaffe, in dem er Wohnung gefunden hatte, verlassen. Nach seiner Freilassung aus Stein hatte sich Hilsner an den Präsidenten Masaryk, der seinerzeit einen publizistischen Feldzug für Hilsner geführt hatte, mit der Bitte um eine Audienz gewendet. Präsident Masaryk lehnte mil einem Hinweis auf seine Ueberbürdung ab, seinen einstigen Schützling zu empfangen. Httsner hatte sich daraufhin mit dem Gedanken abgefunden, seine Tage im Asyl auf dem Alsergrund zu beschließen. Die unvermutete Hoffnung aufeinen eigenen Hausstand bewog ihn, die Anstatt zu verlassen und sich in einem Hotel einzumieten. Die Einladungskarten, die zu der Trauung des Fräuleins Therese Rosenseld ntit Leopold Hilsner für Sonntag, den 29. v. M. in den Tempel in der Settenstettengasse luden, wurden bestellt, gedruckt und versendet. Auch der reiche Onkel erhielt die Einladung, tobte, ließ es auf den Antrittsbesuch des „Brautpaares"'nicht ankommen, zahlte reiner Nichte, zwanzigtausend Kronen als Abfindung, Mitgift und Trostgeid, Hilsner erhielt seine dreitausend Kronen zurück, wurde mit der kurzen Bemerkung „der Onkel erlaubtes nicht", verabschiedet und seine Braut, die er noch einmal zu sehen wünschte, war „nicht zu Hause". Und Hilsner steht da ohne Braut, ohne Wirkwarengeschäft, ohne Asyl, abermals ein Opfer. Die heiligen Staffen in Palästina. Der Orientforscher Yellin ist beauftragt worden, ein Verzeichnis der durch dxn Talmud als heilig bezeichneten Stätten in Erez Israel, soweit sie sich heute noch feststellen lassen, anzufertigen. Bei dieser Gelegenhett darf vielleicht auf eine anders Liste verwiesen werden, welche aus dem Lahre 1766 datiert und durch den Forscher und Orientreisenden Carstein Niebuhr auf-