Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 25 (11.7.1919)
- Date
- 1919-07-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische Korrespondenz Seite 3 Nr. 25 res regt sich auf um Moabs willen, wie die Saiten der Harfe erzittern." An Jecheskel (Hesekiel 24) ergeht der. Ruf: Menschensohn, erhebe ein Klagelied über Tyrus (Zor)". Bileam aber geht mir Grausamkeit vor. Er ist bereit, ohne beglichen Grund die Vernichtung eines ganzen Volkes herheizuführen. Er hätte als Prophet den Fluchauftrag sofort und ohne weiteres abweisen müssen. „Das Volk, das Gott aus Aegypten geführt, verfluche ich nicht", hätte er sprechen, sollen, „es ist überhaupt eines Propheten unwürdig, einem Volke zu fluchen." Aus dem ganzen Vorgänge ersehen wir, daß es das Spezialfach Bileams war, irgend einen „Feind" zu verfluchen, und daß er dazu geholt und dafür bezahlt wurde. Ich weiß (joda 'ti) schon aus Erfahrung, spricht Balak, daß Dein Fluch wirksam ist, denn als im Kriege Srchons gegen Moab dieses von Dir verflucht wurde, hat Si'chon gesiegt. (Siehe Naschi.)' Er betrieb das Fluchen gewerbsmäßig int Umherziehen. Das erklärt sein ganzes Gehaben. „Wartet, vielleicht erlaubt es Gott!" So spricht nur der, der gern sein Fluchgeschäft mach?, wenn es nur irgendwie angängig ist. Nun denn, Israel gegenüber konnte ev sich derart nicht betätigen. Er zog zum Fluche aus und mußte segnen. Dem Volke gegenüber, das unter dem Schutze Gottes stand, erwies sich seine Fluchprophetie als ohnmächtig. „Du sollst dem Volke nicht fluchen, denn es ist gesegnet!" so lautete der Befehl des Ewigen. Bileam mußte sich fügen: „Ww kann ich fluchen, da Gott nicht flucht — wie kann ich verwünschen, da Gott nicht verwünscht!" — „Zu segnen habe ich Befehl; denn er hat gesegnet und ich kann es nicht wenden!" Das Spiel wollte Bileam dennoch nicht verloren geben. Batak nahm, über Anraten Bileams, zum dritten Mittel, der Verführung, seine Zuflucht. „Und mm gehe ich zu meinem Volke; komm, ich will Dir verkünden, was dieses Volk tun wird deinen: Volke in der Folge der Tage." Diese Folge war: „Israel weilte in Schittim — und das Volk fing an zu buhlen mit den telst einer Ableugnung aus der Welt zu schaffen. Der in Warschau soeben stattgefundene Kongreß der Piast-Gruppe oder polninischen Bolkspartei nahm unter anderem auch gegen die Ludenpogrome Stellung, indem er sie einfach ableugnete. Die diesbezügliche Resolution lautet: „Der Kongreß weist die durch die Luden im Auslande verbreitete Verleumdung betreffs der Pogrome in Polen mit Entrüstung zurück und stellt fest, daß in Polen niemals und nirgends Pogrome stattgefunden Haber» und stattfinden. Der Kongreß verurteilt mit aller Schärfe die hier und dort ausgebrochenen Unruhen gegen die Luden und stellt gleichzeitig fest, daß diese Unruhen durch die Feinde Polens systematisch provoziert waren." Oo die Ableugnung etwas helfen wird, ist eine andere Frage. Andere polnische Kreise machen es besser: Die Warschauer „Gazetä Poranna". welche bisher eine ausgesprochen antisemitische Haltung einnahm, hat am 29. Juni folgenden Aufruf veröffentlicht: „An die Soldaten der Armee des Generals Haller: Wir wenden uns an euch, im eigenen Namen und im Namen der polnischen Nation mit der warmen und dringenden Bitte: Laßt die Juden und ihre Bärte in Frieden! Alle eure kindischen antisemitischen Streiche werden in der ausländischen Presse zu ungeheuerlichen Dimensionen aufgebauscht und schaden Polen, indem sie unseren Feinden die Möglichkeit geben. Polen als ein Land schrecklicher Barbaren hinzustellen. Der polnische Reichstag hat alle an den Luden verübten Gewalttaten verdammt. Wir bitten euch also, Soldaten der Armee Haller, sick aller gegen die Luden gerichteten Handlungen zu enthalten, wenn Lhr das Wohl Polens wollt. Polens, um das zu kämpfen Lhr gekommen seid. Die Redaktion der „Gazeta Poranna". Das polnische Blatt mag an das bekannte (polnische Sprichwort erinnert werden, .nie ganwaj, nie sastaj" — (stehle nicht und faste nicht!). Es hat wenig Sinn, Nierst zu Hetzen und dann warnend die Stimme zu erheben. 4c Jüdischen Einwanderern ist vorläufig der Eintritt nach Palästina verboten. Aber für nichtjüdische will man die Tore breit öffnen. Der „Manchester Guardian" berichtet, daß sich unter der Bevölkerung von Malta Bestrebungen zu einer Auswanderung nach Palästina bemerkbar machen. Der Gouverneur von Malta, Lord Methuen. erklärte in einer Rede, daß er von dem britischen Staatssekretär für Kolonien den Auftrag er- Töchtern Moabs." Da weder Kainpx noch Fluch zum Ziele führen konnten — so fetzte die Verführung ein. Jetzt war der moabitische König und der midjanitische Prophet dem Ziele nahe — aber der Eiferer Pinches zerstörte auch diesmal ihre Pläne. Kraftvoll griff er ein und zerrtß das Netz der Verführung, in welches das Volk hineingeraten war. Es ist auch dieser Gefahr entronnen „und das Sterben war abgewehrt von den Kindern Israel." Die Weltgeschichte wiederholt sich. Ganz besonders die Geschichte des jüdischen Volkes. Was Balek und Bileam wollten und planten, das wollten und planten die Feinde Israels in jedem Zeitalter, das wollen und planen sie auch in der Gegenwart. Gerade jetzt sind wir Zeugen solcher Erscheinungen. Hier P. o g r o m e, dort antisemitische Hetze und als Begleiterscheinung die T a u s s e u ch t, der Abfall vom Judentum. Die Taktil Amelcks, Bataks und Bileams gelangt gleichzeitig zur Anwendung. Aber auch jztzt wird Amalek dem jüdischen Volke nichts anhaben können, solange es seinen Blick zum Himmel gerichtet haben, solange es sein Gottvertcauen nicht ausgeben wird. Auch die modernen Bileams werden mit ihren Flüchen, mit ihren Verhetzungen nichts ertceichen. Gegen die Abtrünnigen aber sollte aus unserer eigenen Mitte sich eine kraftvolle Abwehr geltend machen, damit der Seuche Einhalt geboten werde. Eine Abwehr, die selbst die „Großen", die Simri, nicht schonen sollte. Ein Pinchas tut uns not — gegen die Bale kund Bileam werden wir uns schon behaupten können. B e n - Z w i. Die Redite der Juden in Polen. Wie wir bereits in voriger Nummer gemeldethaben, hat der polnische Ministerpräsident Paderewski in Paris die Bedingungen hinsichtlich des Minoritätenschutzes in Polen unterschrieben. Diese Bestimmungen lauten: § 7. Alle polnischen Staatsangehörigen sind vor dem Gesetze gleich und genießen gleiche bürgerliche und politische Rechte halten habe, sich dafür zu interessieren und er habe bereits miß dem Oberst Gabriel, dem Finanzbeirat des Gouverneurs für Palästina, und mit Pater Lamb, dem Vikar vom Karmelberof. darüber gesprochen und sich deren Unterstützung gesichert. Er rechnet damit, daß in einigen Monaten die Zahl der Arbeitslosen auf ungefähr 16.000 anwachsen würde. Der Gouverneur betont mit Nachdruck, daß Palästina für die Kräfte dieser Bevölkerung ein neues Arbeitsfeld biete und e» wäre kein Zweifel. daß die britische Regierung sie dabei tatkräftig unterstützen würde. p Die jüdischen Emigranten sind aber auch in Amerika keine gerne gesehenen Gäste. Die dortigen jüdischen Kreise fühlen sich veranlaßt, dagegen zu remonstrieren. Täglich wird' es klarer, schreiben „The Day and the Wahrheit", daß für die Luden Rußlands, Polens, Litauens. Rumäniens und sogar der Ukraine weder mit dem Unterschreiben des Friedens, noch sogar mit der Aufnahme von Garantien in die verschiedenen Friedensverträge, vollständige Hilfe kommen wird. Der Judenhaß in Polen wird so rasch nicht schwinden uräl mag Paderewski es leugnen oder nicht, man wird dort stets Juden verfolgen, boykottieren und zur Emigration zwingen. Dasselbe wird wahrscheinlich auch in Rumänien und anderen Ländern der Fall sein. Außerdem sind die Juden überall ökonomisfch viel wehr als die übrige Bevölkerung ruiniert worden. Sie werden daher trachten, so rasch als möglich, auszuwandern. In großen Massen wird man nur nach Amerika emigrieren können, da Palästina in den ersten Jahren nur Tausende von» Juden aufnehmen kann. Wir müssen also beizeiten daran denken, in Amerika Vorbereitungen für diese Immigration zu treffen. Man beabsichtigt jetzt, Amerika für die Einwanderung zu sperren: dagegen müssen wir ankämpfen. Wir werden bei diesem Kampfe gegen ein vollständiges Verbot der Einwanderung viele Mitkämpfer finden. Der Schrecken vor einer Krisis und Arbeitslosigkeit nach Friedensschluß ist geschwunden und man kann derzeit Amerika leichter überzeugen, daß ein Einwanderunasverbot ein Unglück für das Land bedeuten würde, abgesehen davon, daß es auch unmenschlich ist. Wir haben also jetzt mehr Hoffnung mit unserem Verlangen durchzudringen und dürfen diese Aufgabe nicht vernachlässigen. Ob die Hoffnung in Erfüllung gehen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Star.