Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 24 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3495278-3495418-3495440--0958-3496830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 24 ^WNWNWWW Jüdische Korrespondenz Selte'7 dem Schulwesen und dessen Ausgestaltunigk wurde eine längere Aussprache Mwidmet, besonders wurde eine tiefere, .religiöse Erziehung verlangt, und das Hebräische soll überall die offizielle ErAehungssprache werden. Ein flammender Protest gegen-die Pogrome im Osten Europas wurde am Schluß der Tagung, entgegengenommenj. Die Ausarbeitung der Anregungen rvurde einem permanenten Rabbinats-Ausfchutz übertragen, der sich aus allen Teilen des Landes zusamMenfeßt. Emigrations-KonfereM. Unmittelbar nach dem bevorftchenden Friedensschluß ist eine jüdische Massenwanderung von noch nicht dagewesener Ausdehnung und Plötzlichkeit zu erwarten. Sie kann zu einer Katastrolphe sondergleichen werden, wenn nicht rechtzeitig Rggülierungsmaßinahmen getroffen werden. Das Zentralbüro der Agudas Zimrool hat dah>er die führenden Körperschaft^ der Iudenheit zu einer Emigrations-Konferenz eingetaden. Da zustimmende Antworten der bedeutenften der eingeladenen Organisationen eingegangeN sind, ist alle, Aussicht aus das Zustandekommen der Konferenz vorhanden. Der Zusammenbruch der jüdischen Gemeinden m Rußland. Vor kurzem fand in Moskau unter dem Vorsitz des H. Kreinin eine Konferenz der jüdisch-demokratischen Gemeinden Großrußlands statt. Auf der Tagesordnung stand die Frage der Liquidierung des Zentralkomitees des Gemeindeverbandes, dessen weitere^Existenz im Hinblick auf den bereits erfolgten Zusammenbruch der Provinzgemeinden zwecklos ist. Von mancher Seite wurde - beantragt, bei der Sowsstregilerung für die Ermöglichung eines normalen FunktioniMns der jüdischen Gemeinden zu intervenieren, wogegen, sich fast alle Teilnehmer ausgesprochen haben. „Man dürfe sich nicht erniedrigen lassen" — lautete die Antwort aus diesen Vorschlag. Die „Fremde dps heiligen Landes". . Unter dem Namen einer „Liga der Freunde des heiligen Landes" hat sich in Paris eine Vereinigung zur Bekämpfung des Zionismus gebildet. Den Vorsitz in dieser Dereisnigung fiihrt Herr Fosef Reinach. Ein anderer Mitarbeiter^ der es sich angelegen sein läßt, in der franzöfischen Presse' fiir die Liga Propaganda zu machen, verbirgt sich unter dtzm Pseudonym Zules Rais. Ein hebräischer LHeapparat. Die Extreme berühren! sich!. Während dem Lehrer der profanen Fächer an. der Volksschule eine sehr große Anzahl von Lehrmitteln zh Gebote' steht, fehlt es an solchen Lehrbehelfen für den israelitischen Religionsunterricht fast gänzlich. Dieser Umstand erschwert die Ausgabe des israelitischen 'Religronslehrers in bedeutendem Maße. Wir müssen daher Herrn Rudolf Müller, Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde Wien,, dafür Dank wissen, daß er nun für den Anfangsunterricht im Hebräischen einen Leseapparat .erfunden hat, der zufolge seiner sinnreichen Konstruktion geeignet ist, dem Lehrer die besten Dienste zu leisten. Der Leseapparat des Herrn Rudolf Müller fei daher zur Anschaffung sowohl für Massenals auch für Einzelunterricht aufs angelegentlichste 'empfohienl,' Wien. ' Adolf Fried. (Auch wir hatten Gelegenheit, den Leseapparat näher kennen zu lernen. Derselbe stellt einen überaus nützlichen Lehrbeh-elf dar und verdiient, überall ein'geführt zu werden. Die Red.) Der BaalsAem von Cbelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. (Fortsetzung.) Rabbie chlie. begab sich insgeheim zum Polizeichef und erklärte ihm, ^er sei nun von den der Unschuld des Glasers vollkommen überzeugt, und man habe ihm vom Himmel die richtigen Diebe verrate,:. Er werde aber deren Name erst dann bekanntgeben, wenn er — der Polizciches bei der Fürstin erwirken wird, daß sie ihn empfangen will. Indessen erschien „Srulik der Narr" im Schlosse, wo er besonders ein von den Dienern gern gesehener Gast war, und bat, man möge ihm etwas zum Essen geben. Seine Bitte wurde unter der Bedingung erfüllt, daß tt ihnen nach dem Esten erzählen soll, was die Juden zum Diebstahl bei der Fürstin sagssn. Als er mit dem Wen fertig war, erzählte er ihnen, folgendes: „Die Juden sprechen, daß den Diebstahl kein anderer als der Glaser begangen habe, sie sind über besten Gefangennahme sehr erfreut, doch vctrstimmte es sie, daß man die anderen Juden vom Schlosse entfernte." Einer der Diener sprach zu ihm: „Alle Juden sind Diebe und haben sie nicht immer die Gelegenheit hierzu. Soll die Fürstin etwa warten, bis sich einem jeden von ihnen die Gelegenheit zum Stehlen darbietet?" Der Golem machte hierzu einige blöde Ben^erkungen — warn ja hier „Sruttk der Narr" und mußte als solcher die Rolle spielen — nno entfernte sich. Er ging aber nicht nach Hause, sondern begab sich in den Kn» ker, wo der Glaser eingesperrt war. Er traf ihn an der Wand gegen Osten stehend, Psalmabichnitte mit großn Innigkeit sagend. Er sprach gerade die Worte: „Dir Gott, vertraue ich," als er eine Stimme hörte: „Und dieles Vertrauen wird dich nicht trügen". Da glaubte der Glaser, es . sei eine Tochterftimme vom Himmel, ein Baskal, die ihm Trost zuspricht. Das war ihm ein Labsal in seiner unglücklichen Lage. Roch am selben Tage hatte der Polizeichef eine Besprechung mit der Fürsün, und er erzählte ihr, daß Rabbi Elie in der Lage sei, zu beweisen, daß der Glaser unschuldig ist, sobald ihm die Fürstin ernpsangen wird. Der Name des jüdischen „Heiligen" war auch der Fürsün be. kann, und noch ihr Vater rühmte ihn als Wundermann. Darum war sie gleich bereit, Rabbi Elie zu empfangen. Als Rabbi Elie davon verständigt wurde, begab er sich sinverweilt zur Fürstin. Selbstverständlich war er vom Golem unsichtbar begleitet. Auch der Polizeichef ging mit. Die Fürsün empfing den ehrwürdigen Mann sehr sanft. Und der Rabbi sprach: „Gnädige Fürstin! Ihr wistet, daß ich mein Leben ganz Gott widmen muß, daher habe ich keine Zeit, hier lange zu bleiben. Laßt Eure Diener hereintreten und die Brillantennadel wird bald in Euren Händen sein." —- Die Fürsün ließ nun ihre drei Diener in der Vorhalle des Schlosses aufstellen. Da trat Rabbi Elie an sie heran und redete zu ihnen: „Bösewichte, gestehet ein, daß ihr die Nadel gestohlen habet!" Da sprachen diese sehr erschrocken: „Wir haben die Nadel nicht gestohlen und wissen von nichts."