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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-04 · 24 (4.7.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
24 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz. Nr. 24 Seite 6 wohl im eigentlichen Großrußland unter einer zerstreuten dezentralisierten jüdichen Bevölkerung durchführen. Das Bitd wurde aber ein anderes, als die Sowjetmacht die. Gebiete des früheren Ansiedlungsrayons. die Zentren der jüdischen Masten, eroberte. Die Klagen über das Auftreten des Antisemitismus häufen sich in Litauen und Weißrußland in erschreckender Weise. Großes Aufsehen erregte der die Überschrift „Sowjet-Antisemitismus" tragende Artikel von W. Fwantschikom im offiziellen Organ des Moskauer Sowjets „Wetschernija Jswestia". Der Artikclschreiber betont, daß de»' bolschewistischen Macht der Vorwurf der antisemitischen. Gesinnung nicht gemacht werden konnte, bis diese Macht in das Gebiet der jüdischen Massen kam. „Hier vergiftete bie antisemitische' Pest alle, sogar die Organe der Sowjetmacht. Die Mitteilungen, die aus diesen Orten kommen, sprechen eine erschreckte Sprache." Der Artikelschreiber führt eine Reihe von Tatsachen an: In Klimowitschi (Gouv. Mohilew) findet eine Klassifizierung der Bevölkerung nicht nur nach ihren Berufen, sondern auch nach ihrer 5Ätionalitätszugehörigkeit statt. Vor den Feiertagen hat man in einigen Otten des Ansiedlungsrayons in den Sowjet-Lebensmittelzen^ tralen Früchte an die Bevölkerung verkauft. Auch die Juden warteten stunden- und tagelang, bis plötzlich der Lebensmittelkommissär erschien und alle Juden vertrieb mit. der Motivierung: „Spekulanten brauchen keine Früchte." Eigentümliche Szenen spielen nch bei der Requisttinn von Lebensmitteln ab. De Lebensmitteln werden nicht etwa bei den Bauern, die sie in Wirklichkeit hab'n. requiriert, sondern man üb-'rfällt die arme jüdische Bcvölkeninq und beraubt sie ihres letzten Bistens. Ebenso aufiällig. ist das System der Kontributionen in zahlreichen Orten. In dem kleinen Städtchen Kziowitschi ist der jüdischen Gemeinde eine Kontribution von 500.000 Rub'l auferlegt worden, von der gesamten ''eich gewordenen Bauernbevöllernna jedoch verlangte man nur 90.000 Rub"l. Beleidigungen und Belchimpfimgen der Inden von seit"n der B"börden sind an der Tagesordnung. Und niemand weiß, wohin diese ..Anfänge" münden werden. D"r ..Daily Telegraph" veröffentlicht einen Bericht seines Korrespondenten in Wladiwostok über eine Konferenz der jüdischen G'M'sinden in Sibirien, die vor kurzem stattsand. Die Konferenz faßte eine Brotestresoln^on gegen die Judenhetze des offiziellen Arm-eorqanes, das von Koltsiha*? Gen"ralstab in Omsk herausgegeben wird. D"r Korr"svondent b"richtete ferner: Russische Offiziere, die ich sprechen hört", machten kein Geheimnis daraus, daß sie den Zusammenbruch Rußland? an den Juden rächen wollten. D"r heilige Syuod in Om^k arbeitet .band in Hand mit dem Generalsiab und orqanisi"tt e'n" unverhüllte H"tzprovaganda gegen die Juden. Hunderte von Geisisich"n-sind nach allen Richtungen geschickt worden, um diese Hetze zu betreiben. Me Süden In Rumänien. 3ü dem bereits mitgeteilten neuen Dekrete der rumonifichen Regierung betreffs E^ttiluna des Bürgerrechtes an die Juden, teilt uns unter rumänischer Gewährsmann folgendes mit: Das N"ue königliche Dekret verleibt denieni"en Fiden. welche im Lande geboren find, oder welche den Bblkan oder den Weltkrieg auf rumänischer Seite mitaemacht haben das Bürgerrecht. Ein Verfahren mit Urkundenbew''isen ist nur dann vorgesehen, wenn die Anführungen des Gefuchbemeih^rs von il^end einer Seite bestritten werden. Die Juden verhallen sich auch diesem neuerlichen Dekret gegenüber ablebnend. weil es auf derselben verfassungswidrigen Weife zustande gehommen ist, wie dasienige vom 6. bis 19. Jänner 19l9. I;nes Dekret wurde bekanntlich van den Gerichten nicht als rechtverbindlich anerkannt. Die Juden glauben, daß dieses Dekret einen letzten Versuch darstellt, eine internationale Sicherfiellnug der Rechtslage der Juden zu verhindern und befürchten. daß dieses Dekret nach Brondignug des Frirdenskonqrefies als unwirksam erklärt werden könnte. Lm übrjgi>n fordern sie die Gutwachung des ihnen angetanen Unrechtes durch ein Gesetz, das die Bürgerrechte der Juden generell anerkennt und lehnen die Metbobe. das Bürgerrecht einzelnen Fremden individuell zu verleihen, ab. Die antisemitische Blesse, welche über das Verhalten der Juden erbittert fit. erklärt: ..Die Luden wollen nicht rumänische Bürger sein, sondern nach Palästina auswandern und dokumentieren durch ihr Verhalten, daß sie auf das rumänische Bürgerrecht nicht votieren." Richtig fit soviel. ^>aß das andauernde judenfeindliche Verhalten die Polästinabeweguna steigert. Die Gründe jedoch, mit welchen tie jüdische Oefientlichkeit dieses Dekret ablehnt, zeigen deutlich, daß dieselben aus dem Willen als gleichberechtigte Bürger in Rumänen anerkannt zu werden, diktiert find und nicht aus dem Wunsche aus dem Lande auszuwandern. Als die rumänische Okkupattonsarmee in Siebenbürgen Assentierungen vornahm wurde verlautbart. daß mit Ausnahme der Unngan alle Ratioalitäten als wehrvflichtig betrachtet würden. So geschah es. daß die Sachsen, die sich unmittelbar nach Ausbruch der Revolution für den Anschluß an Rumänien asgesprochen hatten, gleichfalls zum- Waffendienste herangezogen wurden, obwohl sie sich mit allen Kräften dagegen sträubten. Anders verhält es sich mit den Juden, welche von den Rumänen als ein „unverläßliches" und mit den Ungarn sympathisierendes Element" bezeichnet werden und weiche daher nicht mitaffentiert wurden. Die Fuden haben unendlich viel deshalb zu leiden, weil — wie die Rumänen sagen — ihre Stammesbrüder in Paris einen großen Lärm geschlagen haben. Deshalb muffen sie jetzt büßen. Unter solchen Verhältnissen sehen die von Rumänien noch nicht besetzten Teile des Banates, welche dem Anschein nach Rumänien angegliedert werden sollten, mit großer Bestürzung der Zukunft entgegen. Rundschau. Me Ache m Mgam. Die ungarische Räteregierung hat, wie schon gemeldet, eine weitere „Aufhetzung zu konfessionellem odex Rassenhaß" mit. dem Standrecht bedroht und glei^- zeitig durch den Volksbeauftragten Vago erklären lassen: „Man muß den Leuten in den Dörfern klar machen, daß man den Schuldigen nicht in dem Juden erblicken kann, gegen den sich jetzt die Unzufriedenheit richtet, man muß erklären, daß der Jude kein weißem Brot und kein Huhn hätte, wenn ihm das der kleine Landwirt nicht gäbe, man darf die judenfeindliche Stimmung nicht unterstützen, man muß vielmehr jedjen darüber aufklären, daß der KlasfeinkaMpf zwischen dem armen und dem reichen Bauern ausgenommen werden mutz. Zn ähnlicher Weise sprach der Volksbeaustragte Georg Ryisztor. Er „lenkt die Aufmerksamkeit des Kongresses auf die Gefahren hin, die in dem Antisemitismus liegen. Es gibt jetzt keine Luden und keine Christen, sondern nur Sozialisten und Kommun Men. Die, allgemeine Mobilifie-- stermig kann leicht angeiordmt. doch schwer durch zerführt werden. ' Ein Aufruf der DMokratisüM polnische Parteien in der Zudenfrage. ' Die Vereinigung der Demokratischen polnischen Parteien erließ einen Ausruf in der Zudenfrage, der zwar an vielen Stellen die Lage tendenziös beleuchtet, jedoch Töne anschlägt, welche von dem üblichen intransigenten Standpunkt der Polen adstechen. So wird es als Pflicht der polnischen Regierung bezeichnet, „den Exzessen und der Pogromagitation kategorisch und mit aller Strenge esttgegenzutreten und eine entsprechende Aufklärzingsärbleit unter dem Militär z,u leisten". Die polnischem nationalistischen Parteien „müssM aushören, die jüdische Sache im Parteimteresse' auszunützen". Zum Schluß stellt der Aufruf fest, daß Polen die Zudenfrage gleich den Fragen der anderen nationalen Minderheiten zur allgemeinen Zufriedenheit lösen werde. ' Ern Pogromheld standrechtlich erschossen. > > Der 22jährige Zan Cu dz, derwähteNd des Pogroms in Kolbuszowa den Zuden Kirschbaum erschlage hatte, wurde in Rzeszow standrechtlich erschossen. Ein Proteststreik in London gegjen die Pogrome. Die gesamte jüdische» Bevölkerung Londons hat am 26. Zuni mit der Arbeit aus gefetzt, um diesen Tag in Trauer und Gebeten als Zeichen des Protestes gegen die polnischen Zudenmassakeics zu verbringen. Bei einer Konsörenz der Rabbiner Palästinas kamen verschiedene Probleme zur Sprache, die für den Aufbau des Landes von Wichtigkeit fein werden. Es wurde die offizielle Anerkennung des Sabbath als jüdischer heiliger Ruhetag postuliert, der allgemein durchzuführen ist. Ein Gerichtshof „Vetih Din" zur Beurteilung religiöser Fragen soll errichtet und mit welitgehbnden Kompetenzen ausgestattet werden. Die genauere Festsetzung dieser Befugnisse bildet noch Gegenstand der Beratung. Auch'

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