Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 24 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3495278-3495418-3495440--0956-3496828- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 24 Jüdische Korrespondenz, Seite 5 Aus diesem Berichte ist zu ersehen, daß die Lage der religiösen Anstalt in Lelrusalesin eine sehr unsichere ist. Es ist die heiligste Pflicht allelr glaubenstreuen Luden, ausgiebige und rasche Hilfe zu bringen. ' __ Pogrom« und kein Ende. Neue Pogrome in Lemberg. Das „Lemberger Tagblatt" meidet: Seit drei Tagen wüten in Lembierg neue heftige Exzesse gegen die Luden. Geschäfte werden ausgeraubt, iüdifche Passanten werden überfallen und ihnen die Bärte ausqerifsest oder abgeschnitten. Besonders am Bahnhof werden die Luden geschimpft und geprügelt. Einem Luden wstrde am Bahnhof beim Bartabschneiden ein Stück Fleisch herausgeschnitten, worauf der Täter noch 20 Kronen ..zur Belohnung für die Mühe" verlangte. Die Behörden stehen. dem Treiben ganz passiv gegenüber und ergreifen keine- Maßnahmen zum Schutz der Luders ltat?e%tre Judenpogroms in der Ukraine.1 Dem Jüdischen Preßbureau wird aus London telegraphiert: Der Korr^pondient der Londoner ..Times"' in Lekaterinodar sagt in einem Bericht über Südrußland, daß dort Zustände wie'im 17. Jahrhundert herrschten. Das Land sei von Banden überschwemmt, die von verschiedeinen Häuptlingen geführt werden, wie Grigoriew, Selionu. Trepow nsw. Sie kämpfen teilweise gegen die Bolschewik,m. teilweise werfen sie sich auf die Zivilbevölkerung. Am meisten werden die Luden von ihnen heimgesucht. Alle Banden, sagt der Korrespondent, ohne Unterschied, ob sie unter bolschewistischer oder ukrainischer Flaage auftretm, gleichen sich in einer Hinsicht, nämlich in der Inszenierung von Ludenpogromen ungeheures Umfanges'/ ' Pogrome in der Slowakeß. Nach den spärlichen, hierher gelangenden Nachrichten wird die Situation der Ludtzn' in der Slowakiei immer unerträglicher. SM dem Wiederaufleben des Krieaes zwischen S!0w'eEi,ngarn und der Tschechoslowakei und den damit zusammenhängenden militärischen Maßnahmen ne'bmeN die Dexationen der Ludm gar kein Ende. Die Verhältnisse' haben sich so zugespikt. daß sie beinahe das polnische» Vorbild erreichen. Plünderungen von LudeN fckten's der Bauern find an der, Tagesordnung. dabei kommt es zu den rohesten Mißhandlungen und VerwändtmMi. nicht feilten auchzu Mordtaten. Auch die milWriischen Organe der Tschechen erlauben sich die schwersten Ueberqriffe und die Luden sind ihnen schutzlos preisae'geben. Nicht nur die willkürliche, durch nichts begründete Verhaftung jüdischer Führer und ihre Deportation, über fcifc wir bereits mehrfach berichteten, sondern auch die Behcmdluna der jüdischen Bevölkerung durch die tschechische Soldateska erwecken den Eindruck, daß tatsächlich die polnischen Lorbeeren die Tschechen nicht schlafen lassen und daß sie den Ehrgeiz haben, es in Pogromen' den Polen gleich zu tun. Die unflätigste- Pogromagitation, die Verbreitung aufregender Flugblätter wird durch nichts behindert, obwohl der Kriegszustand Mittel hierzkr an die Hand gäbe. ' vis Woche, Protestrsrfammklsig gierten die Pogrome in Polen. Für Sonntag vormittags hätte der jüdische Hochschulaus schuß in Wien eine Protestversammkmg gegen die Lu'denpoqrome in Polen und der Ukraine einberufen. Schon eine halbe Stunde vor Beginn war der große Konzerthaussaal derart überfüllt, daß im mittleren Konzerthaussaal eine Parallelversammlung veranstaltet werden mußte. Auch dieser Saal erwies sich bald als zu eng. die Polizei ließ die Eingänge sperren und viele Hunderte wartetest auf der Lastenstraße vergeblich auf Einlaß. Es dürften 6000 bis 7000 Menschen die Protestversammlung aufgesucht haben. ' Der Präsident des Liidischen Hochschulausschu sses MUE. Hermann Lilienfeld eröffnete die- Versammlung im großen Saale und wies darauf hin, daß der massenhafte Besuch eine eindrucksvolle KundgMmg an di« gesamte Kulturmenschheit fei. Oberrabbiner Dr. Chajes führte in längerer, oft von aroßem Beifall unterbrochener Rede aus, daß nur die Gewährung nationaler Minderheftsrechte an die Luden Bürgschaft böten für ein reibungsloses Zusammenleben mit den Umvölkern. Der Redner betonte besonders den Unterschied in der Stellungnahme der polnischen und ukrainischen Regierung gegenüber dm Ludenmetze leiieN. Nachdem noch Gesandter Wafsilko. Abgeordneter Stricker. Dr. Mandel und ein deutschfrecheftlicher Student gesprochen hatten, wurde ein an die Ententekmission zu überreichendes Memorandum zur Verlesung gebracht, in dem an die westlichen Kulturnationen Europas und Amerikas appelliert wird, dem Morden und Plündern ein Ende zu bereiten. ' Nach der Versammlung, die mittags geschlossen wurde. formierten sich die Besucher zu einem langen Zuge, der die Ueberreicher des Memoranduzns zur italienischen Mission begleitete. Die qalizMm Flüchtlings in dier Tschechoslowakei. Der letzten Sitzung der Nationalversammlung in Vraa lag die Antwort des Ministers des Lnnern auf die Anftaae des Abgeordneten Nohel und Gm. bezüglich der, Ausweisung der gialMchen Flüchtlinge vor. Der Minister hebt darin hervor, daß die Vevkehrsichwieriakeiten bisher an dauern, so daß nicht einmal die Flüchtlinge aus der Ukraine, die in einem Lager in Mähren untergebracht sind, abtransportiert werden konnten, obwohl sie selbst den Transport in die Heimat verlangen-. Hierzu kommen aegtnwärtig noch die durch die Abstempelung und Ausfuhr der Bankn-otten. der Effekten und die Paßvorschriften entstandenen Schwiierigkeitmj. Nichtsdestoweniger ktzhren einzelne jiidische Flüchtlinge in ihre Heimat zurück; sosind im Laufe der Monate März und April einige Hundert Flüchtlings aus Mähren ab begangen. Überdies find Transporte aus Budweis, Braunau und Euer vorbereitet, dile ehestens abgehen werden. Lm Fänner wird den poltißhen Landesverwaltungen aufgeftag n werden, alle Flüchtlinge, die arbeitsscheu oder arbeitslos lind, die keine Einkünfte haben oder der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen, schließlich jene Flüchtlinge. die sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben, oder aus irgend welchen Gründen verdächtig sind, unverzüglich aus dein Gebiete des tsch-choslowakischen Staates auszumMm. Die Regierung widme öisr Remrtikrung der gjalizischen Flüchtlinge stete Aufmerksamkeit und werde es nicht unterlassen. sofort alles zu veranlassen, was zu ihrer Abfendung in die Heimat stotweürdig ist, sobald die Verhältnisse es gestatten. _ Hnfifemiiirdies In Rußland. Das neueste Problem, das setzt die jüdische Orsfentlichkeit m Rllßand bcherrscht. ist der Sowjet-Antisemitismus. Das Prinzip, dass der Antisemitismus im Sowiet-Rußland nicht vorhanden sei, 4ieß sich