Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 24 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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jüdische Korrespondenz. Seite 3 tir. 24 Der Brief sagt ftxner, daß die Großmächte Polen nicht bevormunden wollen: er erinnert sie aber daran, daß es die. Opfer und Anstrengungen der Alliierten waren, die Polen zur Befreiung und ihm zum Besitz der neue^worbeinen Gebiete verhaften. Daraus resultiere für die Mächte die Verpflichtung, in festester und feierlichster Form die Bürgschaft für die unumgänglichen Rechte der Bewohner zu übernehmen, welcher.Wandel in der inneren Konstitution Polens auch immer einstreten möge,. Bezüglich der Juden wird gesagt, daß ihnen die Samstagheiligu.ng und eigene Schulen unbedingt gewahrt bleiben müssen. Wie „Echo de Paris" dazu. erfährt, hat Paderrews-ki diesen Vertrag nur widerswillig unterschriebe n. ' „Echo de Paris" zufolge ist von den Großmächten auch den andern neuen Staaten ein ähnlicher Vertrag wie Polen unterbreitet worden. Rumänien hat sich aber bisher gewe'igiert, seine Unterschrift zu geben und die Vertreter sind sehr unzufrieden nach Bukarest abgereist. Die Entscheidung, der andern Staaten steht noch aus. Unsere Nächstenliebe und unsere Märtyrer in Osten. Das Präludium zur neuen Freiheitsepoche hat uns grausam enttäuscht. Uralte MeNschlMtsträrmre wollen in Erfüllung gehen-. Der Anbruch der äußeren, aber auch her inneren Freiheit der Menschheit soll beginnen. Unh diese neue-. Freihsütsepoche hat uns neue Bedrohungen und, neue blutW Verfolgungen gebracht. Jammervoll ist der Einblijck in die Gegenwart und der Ausblick in die Zukunft. Fn den Friedensdonner, den wir im Geiste vernehimen. mtzngt sich das Wutgeheul wahnbetörter Menschen. In den herrlichen Tagen der Weltverbrüderung, der Dölkerversöhnung, in den herrden. Damit es klar sei: Ein Gutspächter, der Gott weiß, weshalb, des Bolschewismus verdächtigt wird, wird unter schrecklichen Leiden in ein Fnterniertenlaaer transportiert, das von der österreichischen Reaieninq für russische Gefangene erbaut und wo daS Leben eine Hölle ist. In den Augen der Behörden und der Oeffentlichkeit ist er ein Bolschewik, d-* keine bessere 'Handlung verdient. Und das alles, weil er ein Jude iß-* 'Zieht man noch die obigen Vorgänge in der Slowakei, die Pogrome rc. in Betracht, sowie die Behandlung der indischen Flüchtlings, über welche an anderer Stelle berichtet wird, so ist es klar, daß der Antise.nitismus in der neuen Republik keinesfalls ein ernstes Rassenhiitdernis bildet. Wer soll stch denn seine antisemitische Vergangenheit allzu sehr zu Herzen nehmen?" Freilich, hier und da lästt sich auch eine für die Juden nünstige stimme in der tsche'cho-slowakischen Republik vernehmen. Im Verlaufe Budgetdebatte erklärte der nationale Sozialist Slaviesek: „Statt der Syndikate würde ich alle Inden in der Provinz beranziehen, dai»tii sie für die Republik arbeiten, denn sie haben die Pr^ris Und würden mehr leisten als die Syndikate. (Lärm und Widerspruch.) Denken Sie darüber. wie Sr» wollm. Ich habe meine Erfahrungen. Bor einer iüdilchen Jrrede-ta brauchen wir uns nicht zu fürchten, wenn wir den Inden die Möglichkeit geben, sich auf dem Boden der Republik zu betätigen." Allein, diese Stimme blieb isoliert. Ein anderer Redner, der Bolksparteiler Dr. Mazavec, m-inte: „Ich bin dafür, daß unsere L r u t e den Juden das Gute uhgucken und dann selbst die Arbeit übernehmen." Alles in allem: auch im Staate Masaryks sind die Aussichten der Juden nicht überaus rosig. Die Vergangenheit Dr. Baxas ist in Prag kein Karnerehindernis. liehen Sonnentagen des polnischen Dockes, hat dessen Pöbel die Juden, denen sie zum großen Teile ihre Freiheit zu verdanken hobeln, vertrieben und mißhandelt. Die Blutinstinkte gewalttätiger entmenschter Massen toben sich in Judenpogrome aus. Wir sehen noch die Kriegsfurie und unzählige unschuldige Glaub'eNsbrüder imj Osten hingeschlachtet, wir sehen fliehende Glaubensgenossen, die ihrem ungastlichen Vaterland den Rücken kehren, um eine neue Heimat — die Gruft — die ewige Heimat aufzusuchen, wir sehen viel Taufende vom Unglück verfolgt, vom Hunger gequält, wir setzen unsere Brüder und Schwestern leidend unter dem Fanatismus der betörten Menge, unter dem Zeichen mittelalterlicher Wahngebilde und Trugmärchen. Fudenhetzer hoben einen gefährlichen Zündstoff unters Volk geworfen, sie haben mit hohlen Phrasen die Leidenschaften des Pöbels entfacht, die Bestie im Menschen geweckt. Und aus diesem Grunde werden tausende Glaubensbriider hingeschlachtet, tausende Witwen und Waisen in Rot und Elend hinausgestoßen. Beklagenswert ist diese antisemitische Strömung in Polen, die eine Verrohung der Gefühle, eine Verwirrung der Geister, eine Verwilderung d r Massen, die in uns. eine staatsgefährliche Horde und Verbrechervereinigung sehen. Auch die Rührigkeit der polnischen Hetzpresse hat den Sinn des polnischen Volkes vergiftet. Gewiß, einzelne Juden haben gefthlt. Es ist aber das größte Verbrechen, die Fehler und Mängel Einzelner „als Gebrechen der Gefamtjudenheit" darzustellen und gegen „alle Juden" alle möglichen und unmöglichen Verdächtigungen dreist auf den Weltmarkt zu werfen, um dadurch die öffentliche Mehrung zu trüben, zu täuschen und zu beirren. Durch die lange' Dauer des Weltbrandes leidet manches Mannes Moral, oft auch des besten. Und auch die Moral der Andersgläubigen hat stark gelitten in all' ihren Schichten. Dies wollen die Demagogen nicht berücksichtilgen, sie' brauchen eine» Blitzableiter, da das Donnerrollen des enttäuschten Bockes Opfer finden muß. Und darum wird die Fude'nheit in Polen geknechtet und geächtet, vernichtet und zermalmt. In dieser bittersten Not müssen wir nach Kräften den Opfern der Verfolgung, den Witwen und Waisen dieser Glaubensmärtyrer zu Hilfe eklen. In den Trauertagen unserer unglücklichen Östbrüder darf keiner sein jüdisches Herz der Wohltätigkeit vergessen. Jeder Jude mutz nach Maßgabe feines Könnens eine Spende für diese Opfer geben. Ergriffen von Regungen des innigsten Mitgefühls mit unseren Ostbrüdern, ruft' ich allen Gesinnungsgenossen zu: Stehet auf. erwachet aus eurem Traume, rettet, rette't, helfet, helfet, zeiget, daß Ihr unsere Nächstenliebe auch in die Tat umsetzt. Rabbiner Dr. Ezechiel Landau, Strakonice', den 24. Juni 1919. Die Jesrtiibautfi und talmnölurasiiiuie in Jerusalem. In Nummer 18 der „Jüdischen Korrespondenz" veröffentlichten wir einen Hilferuf aus Jerusalem, betreffend die Lage der dortigen Ieschihauth und Talmudthoraschulen, welchen seitens der Zionistischen Kommission die materielle Unterstützung entzogen wurde. Die näheren Berichte über die bezüglichen Vorgänge waren bisher ausgeblieben. Erst jetzt veröffentlicht das Organ der Orthodoxie in Deutschland, „Der Israelit" (Frankfurt) einen Brief aus Jerusalem, in wtelchem die Vorgänge detailliert geschildert werden. Wir entnehmen diesem Arms» folge«d*Fr'' •fiter.