Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 24 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. - Nr. u diejenigen m ihr LagM auftlchimen, von deren Ueblerztzugungstrene sie übeMLiZt ist. . „Kleijn — aber rein!" ist ihre Parole. 3m Lager der Orchvöoxix nicht ganz verläßliche und nicht völlig erprobte^ Elemente! keine Führerrolle erhalten, mögen sie noch so sehr für Parteizwecke freigiebigi sein oder sich mit Rednertalent oder Agitationskraft auszeichnen. Mitläufer haben da wenig Aussichten und deswegen bleiben sie in der Regel aus — zum Nutzen und zum Heile der' Orthodoxie. Gerade der Amstand aber, daß die glaubenstreua Zudenheit hauptsächlich auf sich selbst angewiesen ist, legt all denjenigen, die zu ihren Fahnen schwören, die Pflicht auf, mit der größten Intensität für die heiligen Ideale tätig zu sein, welche sie huldigen. Da heißt es: „Alle Mann an Bord!" Die Orthodoxie sucht keine? Mitläufer, sie legt das Hauptgewicht auf die TreNe» der AeberzcNgNng!. Diese Treue aber verpflichtet; durch intensive Ardeit muß der Mangel an Zulauf von draußen wettgemacht werden. Das Interesse für die Sache des unverfälschten Judentums muß in allen orthodoxen Kreisen stets rege fein. Dann wird der Erfolg der guten Sache' auch ohne einer Mitläuferschar augenfällig sein. Abad-Harabanim Die Rechte der Juden in Polen und Rumänien. Aus Paris wird gemeldet: Gleichzeitig mit dem deutschen Friedensvertrage ist in Paris ein Sondiervertrag zwischen den fünf Großmächten und Polen geschlossen worden, ein Vertrag, der dem Völlretbund einen sehr starken Einfluß auf die innere Gestaltung Polens einräumt. Der Vertrag soll vor allem dazu dienen, dest Schutz der nationalen, ethnischen und konfelssion-ellen Minderheiten in der neuen Republik zu garantieren. Er verkündet für alle Bewohner des polnischen Staates den Grundsatz der vollen Gle.ichheit in bezug auf bürgerliche, polftische üjnd .reslWuife Rechte. Diese Rechte treten sofort auch für alle Minderheiten in jenen Gebieten in Kraft, die früher zu Deutschland und zu Oesterreich ge'hörtjen und an die Polen abgetreten wurden. Diese erwerben sofort automatisch die polnische Staatsbürgerschaft unter Vorbehalt des Optionsrechtes. Den Schutz der Älindeichchten und die Aufsicht über die Durchführung übernimmt der Völkerbund, Rur eine Mehrheit des Rates des Völkserbund>es ist berechtigt, an diesen Bestimmung^ AenberungeNj eintreten zu lassen. Jedes Mitglied des Völkerbundes hat das Recht, die Verletzung oder die einer Verletzung gleichkommMden Hanolung der den Polen aufertMen,. Verpflichtungen sofort dem Rate mitzuteilen, der daraufhin die nötigen Maßnahmen zu treffen hat. Der Vertrag der Großmächte mit Polen ist von einem.Brief begleitet, den Elemenceau im! Nam-en des» Obersten Rates an Padesrewsky richtete. In diesem Briese, der e'lf Selten Großformat umfaßt, wird das 'Recht, das der Oberste Rat für sich in Anspruch nimmt, begründet, in die innere- Gestaltung Polens einzuggreisen. , In erster Linie wiexdengeschichtliche Rechtsgrundsätze angeführt. Es fei ein im öffentlichen Recht Europas feit langem verankerter Grundsatz, daß, wenn ein- Staat gegründet wird, oder wMn ein schon bestehender Staat beirächtlichen Gebietszuwachs erfahrt, die Anerkennung der Großmächte' von der Versicherung, begleitet sein muß, daß dieser Staat sich verpflichtet, in der Form einer internationalen Konvention gewisse Regierungsgrundsätze zu 'beachten. Als Präzedenzfall wird namentlich, der Berliner Vertrag angeführt. Die Großmächte leiten ihr Recht ferner aus den besonderen Amständen ab, die zur Gründung des Völkerbundes geführt haben. Dieser leitet ein neues Regime internationaler Beziehungen ein. Zörlilcksr Film. selbst. Die Zukunft wird zeigen, wie es mit der fteiheitlichen Gesinnung Tr. Baxas bestellt ist. (Bürgermeister Dr. Baxa. — Hilsner-Prozeß. — Baxa und Masaryk. — Ein Dokument aus der Slowakei. — Die Heranziehung de? Juden. — Ihnen die Arbeit „abgucken".) Dr. 23tt'6a ist zum Bürgermeister von Prag gewähll worden. Der neue Bürgermci>rer ist eine yistorr>che Persönlich Uir — zumindest in der Geschichre des jüdischen Bortes hat er sich sein — Blatt gesichert. Dr. Baxa war der „Privatkräget" in dem berüchtigten Hilsner-Prozeß und mit wütendem Haß ijt er danrals für die .Wahrheit" des Blutmärcherrs eingetreten. Daß der arme unglückliche Hilsner länger als 15 Jahre im Kerker schmachten mußte, das hat er nicht zum geringsten dem Eingreifen des Dr. Baxa zu verdanken. Hr. Baxa ist Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt der Tfchechosiawarei geworden. Die Karriere vom blindwütigen Antisemiten zum Bürgermeister ist teiueswegs so selten. Dr. Karl Lueger hat es ja deswegen so weit gebracht. Der Unterschied ist aber der, daß Lueger als Antisemit Bürgermeister von Wien geworden ist, wogegen Doktor Baxa heute nur ungerne sich seiner damaliger: Rolle wird erirrnerrr wollen. Heute ist er, als Bürgermeister der Hauptstadt einer „freien Republik", sicherlich ein „Freiheitshew", und bis auf weiteres dürfte er auch feinen Anlisenritisnrus an den Nagel gehängt haben. Charakterrstrich ist, daß Masaryk einer der wenigen Männer im tschechischen Lager war, die damals gegen die Bluthetze aufzutreten wagten. Doktoe Baxa war der Wortführer derjenigen, die gegen Masaryk eure wilsir Hetze arrangierten — ihn als „Judenknecht" verschrieen haben. Heute ist Masaryk Präsident der Republik und Dr. Baxa Bürgermeister seiner Haupt- und Residenzstadt, Da Masaryk sich treu geblieben ist, muß Baxa freiheitlich schillern. Denn der Antisemitismus von anno dazumal körrnte ihm heute den Weg zum Bürtzermeisterstuhl versperren. Ob er heute daran glaubt, daß die Juden Christenblut brauchen, oder ob er auch danrals daran nicht glaubte — ob er damals oder heute eine politische Gesinnung heuchelte das weiß nur er Die Lage der Inden in der Tschechoslowakei ist keineswegs darnach angetan, um den Glauben zu bestärken, man könnte dort teure politische Karriere machen, wenn man ein bißchen antisemitelt. Was in der Slowakei umer tschechischer Patronanz und vielfach über tschechische Initiative vor sich geht, beweist Viermehr, daß eine gewisse Dosis Anti>emltrsmus keineswegs schadet, unter Umständen gar förderlich ist. Eine Prager Mische Zeitung reproduziert so das folgende amtliche Dokument: „Ich bestätige hiemrt, daß Herr Richard Schlesinger, Hofpachter irr Pistyan, zur Zeit militärisch interniert, zur Zeit der großen Unruhen im November und Dezember 1918, welchen ich als damaliger auch mit der politischen Gewalt bekleideter Regierungsrommissär beiwohnte, als einziger von den wohlhabenden Juden diese Stadt nicht verließ, sich im Gegenteil mit allen Kräften, um die Arrfrechterhalrnng von Ruhe und Ordnung bemühte, die Tätigkeii des neu geschaffenen rein slowakischen Nationalrates unterstützte und zur Einsetzung der Lokalromitees der Narionalräte in der werteren Umgebung die nötigen Fahrgelegenheiten freund sich st unentgeltlich zur Verfügung stellte. Mit Rücksicht darauf kann ich ihn den betreffenden Behörden zur Entlassung aus der Internierung ruhig empfehlen, um so' mehr, als siine ausgedehnte Landwirtschaft in dieser für den Betrieb wichtigsten Zeit feine Anwesenheit dringend erfordert. Pistyan, am 8. Juni 1919. Dozent Dr. Vratislav Kncera, Regierungsrommissär m. p." Hiezu wird berichtet: „In diesem Zeugnis eines tschechischen Gelehrten ist die ganze Wahrheit über die Slowakei enthalten. Die Negierung läßt einen Mann einsperren, der nicht rrur nichts gegen die Republik unternommen, 'sondern in den Lcitischesien Zeiten ihr Ansehen in jeder Beziehung gestärkt hat. So, wie rhm, geschah es auch anderen Juden in der Slowakei, insbesondere jenen, welche sich bei den Vertretern der Amtsgewalt mißliebig gemacht hatten, nicht weil sie gegen den tschechoslowakischen Staat wären, sondern weil sie der Korruption, in deren Zeichen so manches in der Slowakei geschieht, vxr Wege starr-