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Jüdische Korrespondenz · 1919-07-04 · 24 (4.7.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
24 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Organ für dis Inlereffen des orthodoxen Judentums. Bezugspreis: Ganzjährig K 16.—, halbjährig K 8.—. vierteljährig K 4.—. Ausland jährlich, K 30.—. Einzelnummer 40 Heller- Redaktion und Administration Wien, VIII., Alserstraße 55. Erscheint jeden Freitag. Nr. 24. Wien, 7. Tamus 5679, 4. Juli 1919 V. Jahrgang» Überzeugungsfreue und Hitläuter. Wer die Entwicklung der Verhältnisse innerhalb der Ludenheit ausmerksam verfolgt und mit einem kritischen Blick prüft, dem dringt sich erst die Frage aus: Warum denn die glaubenstreue Ludenschaft so selten Anhänger aus dem anderen Lager gewinnt, warum sie denn so selten für ihre Aktionen, mögen diese auch im Interesse der Gesamtheit unternommen worden sein, seitens der anderen jüdischen Gruppen Unterstützung und Förderung findet. Bei dm anderen jüdischen Gruppen und Parteien ist es anders. Ihre Scharen finden allzu oft Verstärkung aus dein ReihM derjenigen, di.e im allgemeinen ihren eigenen Zielen zustreben und ihr« eigenen Wege gehen, ja selbst aus dem Lager der Orthodoxie, zumindest aus den Kreisen derjenigen Orthodoxie, die ohne entsprechendes Selbstbewußtsein gewissen Schlagworten und Parolen leicht zugänglich sind. Diese Frage ist und wird oft aufGworfen.' Sie dringt sich 'besonders in der g/egenwöiNMn Zeit au?, angesichts der unleugbaren Rührigkeit, die die Orthodoxie aller Länder entwickelt und angesichts der brennenden Fragen, die! auf unserer Tagesordnung stehen und die dringend epe; Lösung erhieischen. Der Unstern, daß der Kreis immer mg begrenzt bleiht, bringt es mit sich, daß die Aktionen derselben immer in ungenügendem Ausmaße Mördert werden. Gar oft bleibt der beste Gedanke^ der vielbesprochenste Plan unausgeführt, aus Mangel an den entsprechenden treibenden Kräflm aus Mangel an frischem, pulsierenden Lebenssaft, wise die Mitwirkung breiterer Volks kreise einer solchen darstellt. Will man sich diese auffallende' Erscheinung erklären. so muß man sich zunächst das Bild vor Augen führen, wie es die Entwicklung der Verhältnisse im Lager der anderen Gruppen darstellt. Es ist eine bekannte Tatsache, daß jede Richtung, jede Strömung! jede Parteibildung und jede Aktion vielfache Mitläufer findet, sobald es den Anscheip hat, daß derselben ein Erfolg beschiedein ist. So war es seit ,den urältesten Zeiten. Es mag an dieser Stelle bloß an den „Ewerraw" erinnert weMln der! sich den Juden bei ihrem Auszüge aus Aegyptest angeschlossen hatte, als die Aegypter den Eindruck hatten, die Juden sestn im Begriff, chr Ziel zu erreichen. Wie sich später herausgestellt hat, war es Mm „Erew-raw" keineswegs innere Ueberzeugung, sondiern der Glaube an den Triumph der Juden und die Absicht, die Früchte dieses Triumphes mitgenießm zu wollen, da sie die Triebfeder seiner Handlungsweise waren. Gerade deswegen aber hatte das jüdische Volk von diesen Mitläufern ungemein viel zu leiden und die jüdische' Tradition will wissen, daß alle schlechten Elemente, die im Laufe der Jahrtausende unter den Luden zu finden waren und sind, eben Nachkommen der „Erew-raw" wärm. Zeugen ähnlicher Erscheinungen sind wir gerade! in letzter Zeit. Als vor Monaten der große politische Umsturz in Mitteleuropa vor sichging, haben sich' den treibenden Kräften des-» selben allseitig Mitläufer angeschlossen, die republikanisch, sozialistisch und revolutionär schillerten, obwohl sie dies weder aus innerer Ueberzeugung, noch ans: Erkenntnis waren. Der Erfolg, mag er auch nur ein scheinbarer und zeitweiliger sein, schafft Freunde und Anhänger. Wie hat doch schon doch der Weise König gesagt: „Zahlreich sind die Freunde der Reichen." Man kann ohne Uebertreibung seststellen, daß eine sehr große Anzahl der begeistert tuenden Anhänger des neuen Regimes in Mitteleuropa Umfallen wird, kaum würde eine Erfolg versprechende Gegenströmung in die Erscheinung treten. 1 . •[ Ein ähnliches Bild stellt auch die große Zahl der Mitläufer dar, die zurzeit dien Heeresbann der Zionisten verstärken. Die Annahme', daß der nationale Gedanke tatsächlich die weitesten jüdischen Kreise umfaßt hat, ist eine höchst bedingt zutreffende. Die momentanen Erfolge, die angeblich ist Aussicht stehen, sind es, dis für viele den Ansporn zum Anschluß an den Zionismus bilden. Man kann sicher sein, daß die Zahl dieser Anhänger sehr bald dezimiert, werden dürfte, kaum würde sich Herausstellen, daß es mit diesen Erfolgen nicht weit her ist. i Die Orthodoxie aber ist in der glücklichen Lage, mit keinem „Erew-raw" belastet zu sein. Denn nichts anderes als schwerer Ballast sind die Mitläufer ohne innere Ueberzeugung, für jede Gruppe, für jede Richtung, für jede Partei. Die' Erfahrungen, die das jüdische Volk an der Wiege seiner Geschichte mit dem- „Erew-raw" gewacht hat, haben es gewitzigt und zur Vorsicht gemahnt. „Koschim gerißn lejisroe'l kesapechas." (ProselyteN sind dem Judentum so schädlich wie ein Aussatz!) — Das war der Grundsatz des Judentums, womit nicht gesagt wurde, daß man keine Proselytsn annehmen sollte, sondern daß nur diejenigen anzunehmen wären, die aus innerer Ueberzeugung in den Schoß des Judentums ausgenommen werden wollen, nicht aber diejenigen, die unter der Einwirkung äußerlicher und zufälliger Momente Liebe zum Ludentum entdeckten. Die Sozialdemokratie in Mitteleuropa hat schon heute viel zu leiden unter dem Ballast der Mitläufer, der sich ihr in den Tagen des politischen' Umsturzes angeschlossen hat, und der Zionismus wird im Laufe der Zeit sicherlich nicht weniger von den jüngsten Mitläuifern zu leiden haben. Mitläufer ohne innere Ueberzjeugung verwässern jede Idee, verfälschen jedes Ldelal und sind ein Hemmnis für jede! Entwicklung, sie sind in der Regel das Unglück derjenigen, denen sie sich angefchlossen haben und nur seiten werden sie unter dem Einfluß der Ldee derart genügend geläutert und moralisch gestärkt, daß sie als vollwextW Genossen gelten können. Die Orthodoxie legt einem derartigen Zuwachs kein Gewicht bei. Sie sucht keine Mitläufer und will nur

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