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Jüdische Korrespondenz · 1919-06-27 · 23 (27.6.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
23 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 vorsehen, schenken. Frankreich befürchte, falls die Juden die Intervention des Völkerbundes anrufen würden, daß die Deutschen im Elsaß das Gleiche tun würden. Der polnische Widerstand gegen die Sicherstellung der jüdischen nationalen Rechte durch den Friedensvertrag wird, nach Mitteilung des Korrespondenten, immer heftiger. (Der amerikanisch-jüdische Kongreß.) Die Exekutive des amerikanisch-jüdischen Kongresses beabsichtigt, in nächster Zeit den Kongreß zu.,einer neuen Tagung zusammentreten zu lassen, und zwar hauptsächlich zur Beratung der Mittel und Wege zur Bekämpfung der Judenpogrome, die die amerikanischen Juden als die größte Katastrophe in der jüdischen Geschichte erkannt haben. (Koscherfleisch aus Amerika.) Die Preßabteilung beim Zentralbureau der Agudas Jisroel teilt mit: Auf Anregung der Agudas Jisroel hat Herr Moritz Engelmann, Mitglied und Mitbegründer des amerikanischen Joint Distribution Gomitee, seine Europareise unterbrochen und ist nach Amerika zurückgekehrt, um bei der Versorgung der Zentralstaaten mit amerikanischen Lebensmitteln eine Berücksichtigung der jüdischen Bedürfnisse durchzusetzen. Gemäß soeben beim holländischen Vertrauensmann der Agudas Jisroel ein getroffenem Kabel wurde in einer Spezialsitzung neben der Bewilligung verschiedener Geldsubventionen vorerst die Übersendung von 1000 Tonnen Koschersteisch unter Aufsicht von Rabbiner Dr. Klein beschlossen, während die Verhandlungen wegen Fett und anderer ritueller Lebensmittel noch nicht abgeschlossen sind. Die Agudas Jisroel hat durch Herrn Engelmann dem Komitee für diese Zusage den Dank der orthodoxen Judenheit übermittelt. (Aus Palästina.) Das Zentralkomitee für die Wahlen zur konstituierenden Versammlung besteht aus folgenden Mitgliedern: den Rabbinern Zislin und Kook für die Orthodoxen, Rabbiner Zitron und Herr Maisel für den Misrachi, Dr. Zifroni und Rosenstein für den Esrach, den Herren Ludwipol und Auerbach für die Radikale Partei, Dr. Swerdloff und Herrn Twerzki für den Hapoel Hazair, und Dr. Waldstein und Frl. Rahel Lichansky für die Poale Zion. (Jüdische Bevölkerungsstatistik.) Das in London erschienene Jüdische Jahrbuch berechnet die jüdische Gesamtbevölkerung der Welt auf 11,625.563 Köpfe. Davon entfallen auf Russisch-Polen 5,082.342 Seelen; im übrigen Rußland gab es zur Zeit der Zarenherrschaft keine Juden, denn sie hatten dort kein Asylrecht. Das Land mit der zweitstärksten jüdischen Bevölkerung war nach dem Jahrbuch Oesterreich- Ungarn. In Ungarn lebten 851.373, in Oesterreich 1,233.112 Juden. In Deutschland gab es 607,862 Juden, in der Türkei 282.277, in Rumänien 250.000, in Großbritannien und Irland 240.546, in Holland 103.000, in Frankreich 95.000. Da nun in Galizien und der preußischen Provinz Posen auch viele Juden leben, diese beiden Provinzen aber auch in der Hauptsache an Polen fallen, dürfte die Zahl der polnischen Juden sich dadurch auch um mindestens eine halbe Million Köpfe vermehren, also über 5°5 Millionen betragen, das heißt, mehr als die Hälfte der Juden der ganzen Welt. — Was die Städte der Welt Betrifft, so steht Jerusalem mit 55 Prozent jüdischer Einwohner an der Spitze. Es folgen Lodz mit 47 5 Prozent, Odessa 33'75 und Warschau mit 33°36 Prozent. An vierter Stelle steht New Jork mit 26 3 Prozent, dann folgt Budapest mit 23 Prozent und Wien mit 8'75 Prozent. In Deutschland steht Frankfurt a. M. mit 8*15 Prozent an der Spitze, dann folgt Berlin mit 4‘85 Prozent. Die Volksnahrung des biblischen Judentums. Im ersten Flugblatts des „Danielbundss" schreibt Nathan Chavkin (München): Beim Studium der Bibel ersehen wir, daß daS jüdische Volk in seiner klassischen Periode vorwiegend vegetarisch gelebt hat und daß das Fleisch nur ausnahmsweise, besonders bei Festlichkeiten mit Opferdarbringungen genossen wurde. Für die Volksernährung der Juden in Palästina wurde außer Brot sehr viel Obst und geröstete Körner verwendet. Die Baumfrüchte, wie Feigen, Rosinen, Mandeln und dergleichen wurden ähnlich dem Brote zu Kuchen gefertigt und bildeten nebst Most die Hauptnahrung und den Trank der niederen, wie auch der angeseheneren Klassen der jüdischen Bevölkerung. An zweiter Stelle verwendete man Oel, Honig und Milchprodukte für Nahrungszwecke. So begegnen wir in der Bibel der säst ausschließlichen Pflanzennahrung oel den Juden zur Zeit Davids, da der verderbliche Luxils der jüdischen- Könige noch nicht um sich gegriffen hat. Jischai sendet den Hirtenknaben Davidzu seinen im Heeresdienst bei Saul sich befindenden Söhnen und gibt ihm für sie mit auf den Weg: ein Maß geröstete Körner und zehn Brote. Für den obersten Heerführer sendet er jedoch als Geschenke zehn Milchkäse (1. Sam. 17, 17—13). Als sich David mit seinen Leuten auf der Flucht vor Absolom befand, bekam «r von seinem treuen Diener Ziba auf einem Paar gesattelter Esel folgend« Nahrungsmittel: 200 Brote, 100 Rosinenkuchen, 100 Kuchen aus getrockneten Früchten und einen Schlauch Wein (2. Sam. 16, 1). Hier deckt sich die Zahl der Brote genau mit der Menge der Fruchtkuchen. Von Fleischsendung ist hier ebensowenig wie im vorigen Fall die Rede. Als freiwilliger Beschützer der Viehherden des Großgrundbesitzers Nabal bekam David mit seinen Angehörigen von Nabals Frau Abiaail: 200 Brote, zwei Schläuche Wein, fünf zubereitete Schafe, füns^Maß geröstete Körner, 100 Rosinenkuchen und 200 Feigenkuchen (1. Sam. 25, 18. Hier befanden sich also Fruchtbrote noch mehr an der Zahl als gewöhnliche Brote. Daß die Obstkuchen nicht' zu klein dem Umfange nach waren, geht aus der Bibelstelle hervor, wonach ein ägyptischer Knabe als Belohnung für seine Spionagedienste von den Leuten Davids u. a. ein Stück Feigenkuchen, nicht etwa einen ganz«n Kuchen erhält (1. Sam. 30, 12). Vom ersten israelitischen Könige Jerobeam wissen wir, daß er seiner Frau befahl, als Geschenk für den Propheten Achijah zehn Brote, Kuchen und einen Krug Honig mitzunehmen (1. Kön. 14, 3). Wir können aus dem Obenangeführten schließen, daß die Volksernührung des biblischen Judentums vorwiegend aus Obst und Brot bestand und daß der Spruch: „Jeder lebte unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum" (1. Kön. 5, 5) nicht nur bildlich, sondern buchstäblich zu verstehen ist. Für die Juden in der Wüste übte Palästina die größte Anziehungskraft aus hauptsächlich wegen des Reichtums des Landes an Obst I (4. Mos. 13, 23). Dieses wurde bei den Juden in verschiedenen Fürmen, frisch oder getrocknet, gekocht oder zu Säften verarbeitet als Nahrung gebraucht. Der Getreidebau bildete allerdings die Hauptkultur der Juden, doch benutzten sie das Getreide weniger für den eigenen Bedarf als für Tauschhandel, sowie zum Entrichten von Steuern. Bei der Aufzählung der Völker, die mit den Phöniziern Handel trieben, werden die Juden hauptsächlich als Lieferanten von Weizen, Honig und Oel angeführt (Ez. 27, 17, Jer. 41. 8). Salomo lieferte dem Phönizierkönig jährlich 20.000 Haß Weizen und 20 Maß Oel (1. Kön. 5, 25). Die Juden selbst bereiteten sich das Brot vorwiegend auS Gerstenmehl, manchmal mit Beimischung anderer Früchte (Richter 7, 13, Trakt. Erubin 81 a). Im Talmud heißt eS: „Wer Gerstenbrot effen kann und dennoch Weizenbrot ißt. vergeht gegen das Gebot: „Du sollst nicht verderben." (Trakt. Sabbat 140 b). Das Weizenmehl kostete etwa doppelt soviel als das Gerstenmehl (2. Kön. 7, 16). Demnach entsprach Palästina, das als ein Land von Weizen und Gerste, Weintrauben, Feigen und Granatäpfeln, Oel und Honig gepriesen wird (5. Mos. 8, 8), vollständig den eigenen Ernährungsbedürfnissen, sowie dem äußeren Handel der Juden. Die Schaf- und Ziegenzucht diente fast ausschließlich zum Decken des eigenen Bedarfs an Kleidung und zur Herstellung von Milchprodukten. Eigentlichen Viehhandel trieben m Palästina nicht die Juden, sondern die umherziehenden arabischen und anderen Beduinenstämme (Ez. 27, 21). Auch die feinere jüdische Küche wußte schmackhafte Gerichte ohne Fleisch zu bereiten. Selbst die Königstochter Tamar hielt es nicht unter ihrer Würde, Pfannkuchen für Ammon zu backen (2. Sam. 13, 9). Ueber- Haupt scheint die jüdische Frau mehr als der Mann eine Vorliebe für vegetarische Kost zu haben. Wir sehen, wie zum Beispiel die Patriarchin Sarah für die himmlischen Gäste Kuchen bereitet, während Abraham mit seinem Diener die Fleischspeisen besorgen (1. Mos. 18, 6—7). Das Obst diente ber den Juden nicht nur als tägliche Nahrung, sondern wurde auch als köstliches Naturprodukt und Genußmittel vielfach in der Bibel verherrlicht (so zum Beispiel an vielen Stellen des Hoheliedes; Micha 7, 1: Ez. 47, 12). Die größte Schonung der Obstbäume auch im Feindeslands gehört zu den Geboten Moses (5. Mos. 20, 19). Später wurzelte sich bei den Juden der Glaube ein, daß derjenige, der einen Obstbaum, wenn er auch sehr wenige Früchte trägt, fällt, ganz bestimmt vor den Jahren stirbt (Trakt. B. B. 26»). Als der assyrische Heerführer Rabschake die jüdische Bevölkerung Jerusalems zur Unterjochung unter die assyrische Herrschaft aufforderte, da rief er ihr zu: „So spricht der König von Aschur, machet Frieden mit mir und kommet heraus zu mir, so soll jeder seinen Weinstock, jeder seinen Feigenbaum genießen und jeder das Wasser aus seiner . Zisterne trinken" (2. Kön. 16, 31). Nach der Zerstörung des ersten Tempels und Verbannung der Juden aus ihrem Lande ließ der babylonische Heerführer Nebuzaradan die jüdischen Gärtner und Ackerbauer zur Ausübung ihres Berufes in Palästina zurück (2. Kön. 35, 12; Jer. 39, 10). Die Juden haben jedenfalls mehr als die Assyro-Babylonier der Pflanzenkost gehuldigt, sonst wäre es dem obersten Kämmerer des babylonischen Königs nicht oesondors wunderlich erschienen, daß Daniel und seine Genossen bei ihrer Ernährung mit Gemüse und Wasser kräftiger und schöner ausschauen konnten, als die anderen babylonischen Jünglinge, die von der Speise des Königs aßen (Daniel 1, 10—16).

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