Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 23 (27.6.1919)
- Date
- 1919-06-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 33 Jüdische Korrespondenz. Seite S Der Lunsdorfer Raw^ fichraunau lrwrocho. Das gesetzestreue Judentum hat in den letzten Tagen einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten. Der bekannte Hunsdorfer Raw, hagoaun whazadik reb Schmuel Rosenberg ist nicht mehr. Am II.Siwan hauchte er, 75 Jahre alt, seine edle Seele aus. Welchen Verlust das Hinscheiden dieses wahren Godaul bjisroel in unserer an Thoragrößen so armen Zeit bedeutet, läßt sich im knappen Rahmen dieser Zeilen nicht ausführen. Der verblichene Gaon le bekleidete schon in seinen jüngsten Jahren — nachdem er bereits in der Jeschiba des Ksaw Sofer s. l. den vielversprechenden Ruf als eine im Zidkaus und Hasmodo betaure harmonisch vollendete Persönlichkeit besaß — den Rabbinatssitz in Csaba bei Miskolcz; zur vollen Entfaltung gelangte er aber, nachdem er den Rabbinatssitz in der altehrwürdigen Gemeinde Hunsdorf im Zipser Komitat des frühern Obernngarn bestieg, wo er fast ein volles Menschenälter in seltener beispielgebender Weise wirkte. Die Unermüdlichkeit seines Forschens in der Thora hakdauscho, die Güte und Milde seiner Persönlichkeit, seinen Seelenadel, seine auch in herbsten Schicksalsschlägen ^bewährte Standhaftigkeit und sein G ... vertrauen, seine tiefe Liebe für Klall Jisroel, seine unermüdliche Bereitwilligkeit, Jedem, der sich an ihn wandte — es war ihrer eine sehr große Zahl — mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, kann nur derjenige ermessen, der, wie Schreiber dieser Zeilen das Glück hatte, durch mehrere Jahre zu Füßen dieses großen Mannes zu sitzen und dessen Wirken in der Nähe zu beobachten. Die größte Bedeutung gewann der Hundsdorfer Gaon jedoch als Gründer und Leiter der berühmten Jeschiba dortselbst, der er seine ganze ungeteilte Lebenskraft widmete und in der seine außerordentliche Befähigung marbiz tora bjisroel zu sein, zur reichsten Geltung kam. Besonders in den letzten 2—3 Dezennien erhob er die Jeschiba auf eine ungeahnte Höhe der Vollendung nnd zu vielen Tausenden wuchs im Laufe der Jahre die Zahl der lernbestissenen Schüler, die sich unter die Fittige des Meisters drängten, selbst aus fernen Ländern eilten Jünger herbei, die der Ruf seiner großen Gelehrsamkeit und seines tiefen Zidkos anzog. Alle diese Schüler umfaßte gleicherweise seine überströmende Güte und bei fast I e w t gegen Bernstein. So antisemitelt man überall. Unsere Lage ist nach keiner Richtung hin zu beneiden. " Unsere „lieben Freunde" sind freilich anderer Ansicht. Sie behaupten, daß wir als Einzelne und als Gesamtheit von Erfolg zu Erfolg schreiten. Jüngst hat die „Reichspost" eine neue Entdeckung nach dieser Richtung gemacht- Der Fried ensvertrag soll nämlich der polnischen Regierung die Verpflichtung auferlegen, keine Wahlen an Samstagen vornehmen zu lassen, damit die jüdischen Bürger nicht gezwungen wären, den Samstag zu verletzen oder auf die Ausübung ihres Wahlrechtes zu verzichten. Die ..Reichspost" fragt, warum es denn gestattet sein soll, am Sonntag Wahlen vorzunehmen und findet darin eine spezielle Berücksichtigung der Juden, die den Christen versagt wird. Die Skribler von der Strozzigasse wollen eben nicht einsehen, daß niemand die katholische Regierung Polens zwingen wird, die Wahlen für einen Sonntag auszuschreiben. Anstatt die Juden ob ihrer „Erfolge" zu beneiden, sollte sie lieber an die sicherlich gutchristlichen Machthaber in Warschau und anderwärts appellieren, die Sonntagsruhe ebenso hoch zu halten, wie die Juden ihre Samstagruhe. Tun sie,es nicht, was können die Juden dafür?! * In der nordamerikanischen Union herrscht große Aufregung. An- §ebüch sollen anderthalb Millionen europäische Einwanderer die Absicht egen, nach Hause zurückzukehren, um an dem Aufbau ihrer durch den Krieg zerstörten Heimat mitzuwirken. Dabei wollen sie auch ihre Ersparnisse, etwa vier Milliarden Dollar, mitnehmen. Die Aufregung, die sich in der öffentlichen Meinung der Union darob bemerkbar macht, läßt vermuten, daß man dort die Abwanderung der Emigranten ungerne sieht. Das einfachste wäre daher, eine neue Immigration zu begünstigen, zumindest nicht zu stören. Und doch wird in Washington fortgesetzt von den Plänen gesprochen, die Einwanderung wesentlich zu beschränken und zu unterbinden. Sollte nicht die Furcht vor einer jüdischen Immigration da die Erklärung für diesen Widerspruch abgeben? Die Rückwanderer sind zumeist 'Nichtjuden; die Juden aus dem Osten — und sie bilden das Gros der Immigranten Amerikas — dürften wenig Lust zeigen, in ihre frühere „Heimat" zurückzukehren. Hingegen dürften gerade diese Kreise es sein, die das Gros der neuen Immigranten bilden dürften ... Das Einwanderungsverbot richtet sich somit in erster Reihe gegen die Juden.. . Auch du Brutus! — Was haben wir noch zu hoffen und zu erwarten? ... Star. allen ihnen gelang es seiner Beharrlichkeit, den Keim wahrer unverfälschter Religiösität in sie zu versenken, wie es überhaupt sein Bestreben war, in erster Reihe Schüler ganz jugendlichen Alters aufzunehmen, bei denen er in der Lage war, dieselben'von Grund auf, unbeeinflußt von fremden Einflüssen, in seinem Sinne zu bilden und richtunggebend ihr ganzes Leben zu gestalten. Mit jedem einzelnen seiner Jünger verwob ihn ein persönliches Band, aber tief und unauslöschlich tdar auch die Liebe und Verehrung, welche dieselben ihm Zeit ihres Lebens cntgegenbrachten. Die größten nnd einflußreichsten Gemeinden Ungarns wetteiferten in dem Bestreben, ihn als ihr Oberhaupt zu gewinnen, doch lehnte er alle Anträge ab, da er gerade seine an- Mitglieder kleine Gemeinde in dem unbedeutenden Orte als die geeignetste Stätte hielt, wo er seine Jüngerschar vor störenden schädlichen Einflüssen bewahren konnte und das Ziel seines Lebens Thora laämito zu verbreiten, verwirklichen konnte. Diese segensreiche g ... geweihte Wirksamkeit fand am 11. Siwan ihr Ende. Noch am gleichen Tage wurde der Gaon fichraunau liwrocho über ausdrüMches Vermächtnis zu Grabe getragen. Durch die Kürze der Zeit und besonders infolge der derzeitigen Verhältnisse und der Unmöglichkeit einer Kommunikation konnten nur Leidtragende aus den in allernächster Nähe gelegenen Ortschaften an der Hälwaja teilnehmen, und auch so waren es viele Hunderte, die dem großen Manne das letzte Geleite gaben. Das gesegnete Andenken dieses Zadik, der an die besten Vorbilder früherer Zeiten gemahnte, wird bei allen denen, die ihn kannten, und deren Zahl ist Legion, unauslöschlich bleiben, whaschem jigdor pirzaus amau jisroel, Amen. Gustav Austerlitz. * Das Zentralbureau der „Agudas Jisroel" in Zürich schreibt über das Ableben des Hundsdorfer Gaon: Der Hingeschiedene zählte seit Jahrzehnten zu den hervorragendsten Führern des orthodoxen Judentums in Ungarn und war im besten Sinne des Wortes einer der edelsten Menschen der Gegenwart. Um ihn sammelte sich stets eine große Schülerzahl, die er nicht nur lehrte und unterwies, sondern ihnen auch als Beispiel voranleuchtete. Seine Jeschiwo war seit vielen Jahren die bedeutendste des Landes und viele Zöglinge dieser Jeschiwo wirken jetzt in allen Ländern als Vorkämpfer des orthodoxen Judentums. Rabbiner Rosenberg wurde im Jahre 1841 als Sohn eines hervorragenden Rabbiners in Tiszatoered geboren, und war Schüler des Rabbi Ephraim in Csaba und des „Kosaw Sofer" in Preßburg. Trotzdem die größten Rabbinerstellen des Landes ihm wiederholt angeboten wurden, zog er es vor, 'in dem kleinen Dorfe Hundsdorf zu bleiben, um ausschließlich der Verbreitung der G'tteslehre und Werkheiligung zu leben. Er nahm an dem öffentlichen Leben des Judentums stets regen Anteil. Noch in den letzten Monaten vor seinem Hinscheiden, bereits auf dem Krankenlager, bekundete er reges Interesse für die Verbreitung der „Agudas Jisroel"-Jdee in der Slowakei. Er hinterließ keinen Sohn. Sein Amt übernimmt sein Enkel und Schüler Rabbiner H orowitz, welcher trotz seiner Jugend ihm bereits seit Jahren erfolgreich zur Seite stand. Die Schüler des Verblichenen (Samuel ben Lea Zwia) werden ersucht, Trauergebete zu verrichten. Die paläfimafrage. In den letzten Tagen sind einige Nachrichten über den Stand der Palästinaftage eingelangt, die ziemlich optimistisch klingen. Diese Nachrichten lassen sich aber nicht auf ihre Authentizität konttollieren und man wird gut tun, die Entwicklung der Dinge abzuwarten, um keine Enttäuschung zu erleben. Eine zionistische Nachricht aus Paris weiß zu melden: „Der Friedensvertrag mit der Türkei ist bereits fertiggestellt. Der Palästinafrage sind darin 50 Punkte gewidmet, die fast alle Propositionen der zionistischen Friedensdelegation enthalten. Im übrigen enthält der Vertrag auch Bestimmungen über die