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Jüdische Korrespondenz · 1919-06-13 · 21 (13.6.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
21 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz. Nr. 31 wüßten die Gerechügkeit anders zu bauen, als sie es tun, als jene Gerechtigkeit, die auf den unendlichen Einer zurückgeht. Nein und tausendmal nein! Das Judentum ist keine Religion der Liebe. Der Prophet hat ja auch nicht gesagt: „Zion wird durch Liebe erlöst," sondern „Zion wird durch Gerechtigkeit erlöst." _ Die Lage der Thora-Lehranstalten in Jerusalem. Zu dem veröffentlichten Aufruf des „Degel Jernscholajim" in London und des Zentralbüros der „Agudos Jisroel" in Zürich wird über Holland mitgeteilt, daß inzwischen eine größere Summe, speziell für die orthodoxen Institutionen in Jerusalem bestimmt, aus Amerika eingetroffen ist. Die Summe konnte jedoch nur den Bedarf des Augenblicks befriedigen, und es ist dringend nötig, daß alle Freunde der Thora in Ost und West ihr äußerstes tun, um die Thora-Schulen Jerusalems dauernd zu sichern. Die plötzliche Zurückziehung der regelmäßigen Monatssubvention, welche die zionistische Kommission aus amerikanischen Hilfsgeldern (Joint Distribution Komitee) im Sinne der zahlreichen orthodoxen Spender dieser Gelder für sechs Monate bewilligt hatte, war auf das unerwartete Ausbleiben amerikanischer Sendungen zurückzuführen. Indessen hat die Kommission wiederholt erklärt, daß ihre Mittel grundsätzlich für Zwecke der Kriegs Hilfe bestimmt seien, und daß daher für die regelmäßige Besoldung der Lehrer und Rabbinen unbedingt aus anderen Quellen gesorgt werden müsse. An diesen anderen Quellen fehlt es jedoch. Bisher haben die Jerusalemer Thora-Lehranstalten Charakterstärke genug bewiesen, die Unterordnung unter den zionistischen Erziehungsrat in Jaffa, der über reichliche Geldmittel verfügt, aus religiösen Gründen abzulehnen. Sie können aber ihre Unabhängigkeit nur dann bewahren, wenn die Orthodoxie der ganzen Welt, insbesondere die amerikanische und englische ihnen zu Hilfe kommt. Erforderlich sind zweitausend Pfund monatlich. Delegiertentag der schweizerischen Landesorganisation der „Agudas Jisroel". In Basel fand am 26. Mai der diesjährige Deleaiertentag der schweizerischen „Agudas Jisroel"-Organisation statt. Nach der Begrüßung durch Rabbiner Dr. Cohn (Basel) entwickelte Rabbiner Kraus (Baden) seinen Standpunkt über die vornehmsten Aufgaben der „Agudas Jisroel", die mit den Schlagworten „Palästina den Juden" nicht einseitig gelöst seien, vielmehr vor allem in einer Vertiefung und Wiederbelebung des Thoragedankens in der Diaspora und in der Unterstützung von Jeschiwos und anderen Lehrstätten zu suchen sind. Dr. Nathan Birnbaum, Mitglied des Zentralbureaus, erklärte, daß der von der Aguda ausgehende Ruf zur Sammlung der Thoratreuen in der Schweiz einen starken Widerhall finden müsse. Dies sei mitentscheidend für die Entwicklung der Weltorganisation. Wir können, führte der Redner aus, nur dann mit den anderen Organisationen friedlich leben und arbeiten, wenn wir den geistigen Gegensatz zwischen den verschiedenen Weltanschauungen scharf herausarb'eiten und vor allem die Jugend zu zielbewußten, in tiefster Gläubigkeit verwurzelten Menschen erziehen. Nach Uebernahme des Vorsitzes durch Max Mannes an Stelle des verhinderten Dr. Cohn und Verlesung des Protokolls des vorjährigen Delegiertentages zu Olten besprach man den von den Ortsgruppen Basel und Zürich unabhängig voneinander eingebrachten Antrag auf Herausgabe einer Zeitung, welche, wenn auch nicht als offizielles Organ der Aguda gedacht, doch dem allgemein empfundenen Mangel nach einer den orthodoxen Anschauungen entsprechenden Weltanschauung entspräche. Die Notwendigkeit einer solchen Zeitung wurde von sämtljchen Rednern hervorgehoben und einstimmig beschlossen, daß ein aä hoc gewählter Finanzausschuß innerhalb vierzehn Tagen zusammentrete, um die Frage der finanziellen Möglichkeit zu entscheiden. Kräfte zur redaktionellen Leitung und zur Bearbeitung des Annoncenwesens haben sich bereits zur Verfügung gestellt. Des wettern fand ein Antrag des Zentralbureaus einstimmige Annahme, wonach unmittelbar nach Peffach, Schewuaus und Sukkaus von sämtlichen Juden, welche an den Aufgaben der Gesamtheit im Geiste der Thora auch materiellen Anteil nehmen wollen, eine „Matnas Jad" in Form einer Selbstbesteuerung entrichtet werde. Das Geld soll ausschließlich für die Zwecks der Gesamtheit Verweiidung finden. Weitere Anträge über die Ausgestaltung der Propaganda, Markenverkauf, Arbeitsgemeinschaft zwischen. Orts- und Jugendgruppen wurden ohne Diskussion erledigt. Der von den Jugendgruppen Basel und Zürich eingebrachte Antrag, auch den Frauen passives Wahlrecht zu gewähren, rief eine außerordentlich lebhafte Diskussion hervor. Herr Braun vertrat den Standpunkt, daß diese Frage in den Komplex jener prinzipiellen Fragen gehöre, die der Entscheidung des großen rabbinischen Rates der „Agudas Jisroel" zu unterbreiten sind. Schließlich fand ein Vermittlungsvorschlag Rhein-Jacobson Annahme, wonach die Landesorganisation in diesen Fragen den gleichen Standpunkt, den die Landesorganisationen von Deutschland, Holland usw. in ihren Statuten niedergelegt haben, einnehmen wird. Sämtliche Delegierte anerkannten bei dieser Debatte die außerordentlichen Verdienste der Mädchenaruppen. ohne deren Mitwirkung die meisten Aufgaben der schweizerischen „Agudas Jisroel" ungelöst geblieben wären. Auf Antrag Rabbiner Kraus (Baden), der seinerzeit seine Jeschiwo der „Agudas Jisroel" unterstellt hat,, wurde eine besondere Jeschiwo- Kommission, bestehend aus Rabbiner Dr. Cohn, Dr. Hausmann, Sternbuch (Basel) und Rabbiner Kornfein und S. Teplitz (Zürich) gewählt, die die Jeschiwo in Baden von Zeit zu Zeit inspizieren und die Mittel für ihre würdige Erhaltung aufbringen soll, nachdem ihre Gründung und ihr bisheriger Bestand der Großmut eines einzigen Wohltäters zu verdanken sei. Nach der Wahl eines Landeskomitees wurde der Delegiertentag geschloffen. Rundschau. (Zfraelitischc Rekigionslehrerstellen.) Für das Schuljahr 1919/20 dürste sich voraussichtlich im Wirkungsbereiche der israelitischen Knltusgemeinde Wien Bedarf an Lehrkräften für den Religionsunterricht an Volks-, Bürger¬ und Mittelschulen ergeben. Für geeignete Bewerber empfiehlt es sich dringend, unter Vorlage des Lebenslaufes, der Studien- und Verwendungsnachweise usw. ihre schriftlichen Meldungen beim Vorstande der israelitischen Knltusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse '4, sofort einzubringen. (Errichtung einer Liegehalle für unterernährte Kinder«) Bekanntlich hat die Wiener Kultusgemeinde kurz vor dem Kriege vom Hosärar die sogenannte Wafferwiese im Augarten, zum Zwecke der Errichtung eines Kinderspitales käuflich erworben. Der Ausbruch des Krieges und die im Gefolge desselben eingetretenen Verhältnisse haben es bisher verhindert, dieses für Wien so wichtige Institut ins Leben zu rufen. Die Knltusgemeinde hat deshalb zunächst ein Kinderambulatorium errichtet, welches bereits seit einem Jahre an der Grenze zweier stark bevölkerter Bezirke #eiite segensreiche Tätigkeit entfaltet. Nun hat der Kultusvorstand in seiner letzten Plenarsitzung über Antrag der Kommission für das Kinderspital beschlossen, auf den Baugrund des künftigen Kinderspitales eine Halle fiir Liegekuren unterernährter Kinder einzurichten. Zu diesem Zwecke soll eine vom Roten Kreuze zur Verfügung gestellte Baracke nach entsprechender Adaptierung benützt werden. Es ist in Aussicht genommen, die Tagesheimstätten nur während des Sommers in Betrieb zu erhalten. Die Kinder — ungefähr 20 täglich — sollen während des Tages sich in der Heimstätte aufhalten und am Abend unter Aufsicht nach Hause gebracht werden. (NnLerbrmgrmg von jüdischen Kindern während der Sommermonate.) Wie in den letzten Jahren, so sollen auch in diesem Jahre, im Einvernehmen mit den hiefür in Betracht kommenden Faktoren, jüdische Kinder während des Sommers in Ferienkolonien untergebracht werden. Für die Unterbringung der Kinder kommen in Betracht: ein Heim in Graz, die von den Vereinen „Frauenhort" und „Philanthropia" zur Verfügung gestellten Heime in Seebenstein, bezw. Lainz, ferner für eine kleinere Anzahl von Kindern verschiedene in der Nähe Wiens befindliche Heime, die alljährlich während des Sommers Kinder aufnehmen. Mit der. Durchführung der Aktion wird, das Kinderfürsorgeamt der israelitischen Kultusgemeinde Wien betraut. , (Die Lage der Juverr in der Slowakei.) Die Lage der Juden in.der Slowakei wird immer kritischer. Die Presse veröffentlicht täglich blutrünstige Artikel gegen die Juden. Systematisch werden die Lebensbedingungen der Juden begrenzt und ungeheuer erschwert. In Böhmen wird seit längerer Zeit von einer Reihe größerer Vereinigungen der wirtschaftliche Boykott gegen die Juden mit allen Mitteln betrieben. Die Einfuhr von Rohmaterialen und die Ausfuhr von fertigen

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