Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 19 (22.5.1919)
- Date
- 1919-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Jüdische Korrespondenz. Misrachi nach Ablehnung seiner Forderung, die dem WiederaufbaU'Fonds gespendeten Summen für Erziehungszwecke auf Basis der orthodoxen Anschauungen zu verwenden, sich nunmehr entschlossen habe, die „orthodoxen Kräfte unabhängig von der zionistischen Organisation für das Werk des Wieder? aufbaues zu sammeln". Die Nachricht ist in dieser Form unklar. Sie steht vielleicht im Zusammenhang mit der gelegentlich der Londoner Konferenz beschlossenen Bildung eines misrachistischen Komitees für Erziehungswesen in Palästina. Nach den Londoner Berichten sollte jedoch dieses Komitee nicht selbständig, sondern der allgemeinen zionistischen Erziehungskommission als Sonderabteilung untergeordnet sein. Die eigentliche Leitung des „Misrachi"''ist nunmehr in die Hände eines „interalliierten" Komitees gelegt worden, dem die Herren Rabbiner Schönfeld (London), Oberrabbiner Hertz (London) und Gedalja Bublik (New-Jork) vorstehen. Rundschau. (Organisation der jüdischen Staatsbedieusteten Deutschösterreichs.) Am 6. Mai 1919 fand eine Vollversammlung statt, bei welcher der Präsident über die Gründung der Organisation, insbesondere welche Umstände dieselbe notwendig machten, sowie über die in der letzten Zeit abgehaltenen Sitzungen der Enquete zur Gründung einer Staatsangestelltenkammer Bericht erstattete. Bezüglich des der Organisation mit dem Ersuchen zur Stellungnahme zugekommenen Entwurfes des Gesetzes betreffend die Vorbereitung einer neuen Besoldungsordnung für die Zivilstaatsangestellten wurde einstimmig beschlossen, die im § 9 dieses Entwurfes statuierte Abfertigung grundsätzlich abzulehnen und statt derselben die eventuelle Pensionierung vorzuschlagen, und zwar unter gleichzeitiger Herabsetzung der hierbei in Betracht kommenden Dienstzeit von 25 auf 15 tatsächliche Dicnstjahre. Nach Besprechung anderer aktueller Fragen, wie der vom Staatsamt für Verkehrswesen verlautbarten Dienstvorschrift über die Errichtung von Vertretungskörpern des Personales der'deutschösterreichischen Staatsbahnen, und nach einem kurzen Berichte des Schriftfiihrers über den Stand der Mitglieder und der Kasse der Organisation wurde die Versammlung geschlossen. Wegen vorgerückter Stunde wurden die Wahlen auf die nächste Vollversammlung, die innerhalb vier Wochen einzuberufen' sein wird, verschoben. Der Vorsitzende und der Schriftführer erklärten sich bereit, bis dahin die Geschäfte der Organisation in der bisherigen Weise weiterzuführen. (Ein jüdischer Vertreter in der Hooverkommission in Prag.) Als Vertreter der Interessen jüdischer hilfsbedürftiger Kinder ist Herr Oberrabiner Dr. H. Brody in die Hoover-Kom- Mission berufen worden.' Die Berufung soll auf besonderen Wunsch des Präsidenten Masaryk erfolgt sein. (Die Internierung der galizischenJuden in England.) Die englische Zeitung „Daily News“ veröffentlicht den Brief eines Korrespondenten, in dem dieser die Aufmerksamkeit auf das unglückliche Lös cher internierten galizischen Juden lenkt. Die Regierung kann sie nicht nach Polen zurücksenden, das ihnen die Anerkennung ihrer Nationalität verweigert, und auf Niederlassung in einem anderen Lande haben sie keinen Anspruch. Die englische Regierung hat eine klare Scheidelinie zwischen jüdischen und nichtjüdischen Polen' gezogen. Den letzteren gewährt sie Freiheit der Person und Bewegung, den ersteren verweigert sie beides. Der „Jewish Chronicle“ verbreitet diesen Brief aus den „Daily News“ und verweist darauf, es sei eines freien Landes unwürdig, noch fünf Monate nach Abschluß des Waffenstillstandes eine große Schar am Kriege vollständig unschuldiger Menschen gefangen zu halten. (Aus Polen.) Die polnische Telegraphen- Agentur berichtet aus Warschau, daß im Ministerium für Arbeit und Volkswohlfahrt eine Sitzung der Abteilung für Auswanderung und der Vertreter jüdischer Vereinigungen abgehalten wurde, die sich mit der Auswanderung mittelbar und unmittelbar befaßte. Man entschied sich dahin, daß neben der amtlichen eine private Tätigkeit bestehen. solle, um die Allswanderungsbewegung der Juden in geordnete Wege zu leiten. Ueber das Verfahren erwartet man die Beschlüsse der Pariser Konferenz, zu welcher der Abteilungschef für Auswanderung abgereist ist. Ferner wird aus Warschau gemeldet: Er mehren sich die beunruhigenden Anzeichen, daß die polnische Regierung alle nicht in Polen geborenen oder naturalisierten Juden, also auch die russischen, auszuweisen beabsichtigt. Die verschiedenen jüdischen Organisattonen, insbesondere Orthodoxie und Nationalisten, sind eifrig bemüht, das Unheil abzuwenden, das Hunderttausende treffen würde. — Die Entente-Kommission in Warschau hat die jüdischen Vertteter eingehend angehört. Von orthodoxer Seite waren zu diesen Besprechungen die Herren Rabbiner Perlmutter, Rabbiner Leiner und Davidsohn entsandt. — Der Ministerpräsident Paderewski hat sich neuerdings in einem Austuf gegen die Pogrome an die Bevölkerung gewandt. (Das amerikanische Einwandernngsgesetz.) Wie bereits gemeldet, hat der Kongreßabgeordnete Burnett aufs neue dem amerikanischen Senat ein Gesetz zur Beschränkung der Einwanderung vorgelegt. In dem neuen Gesetzentwurf wird für die Dauer von vier Jahren allen Auswanderern, ausgenommen aus Kuba, Mexiko, Neufundland und Japan, die Ansiedlung in Amerika verboten. Dieser Gesetzentwurf wurde dem Abgeordnetenhause vom Legislativkomitee zur Annahme vorgelegt. Man nimmt allgemein an, daß Präsident Wilson gegen dieses Gesetz ist und sein Veto einigen wird, wie er es auch früheren Gesetzen zur Verhinderung der Einwanderung gegenüber getan hat, doch wird befürchtet, daß das Gesetz trotz dieses Vetos zur Annahme gelangt. (Die Juden in Damaskus.) Nach der Einnahme von Syrien durch die Truppen des Generals Allenby hat die Zionistische Palästinakommission die Herren David Iellin und Jack Mosterei nach Damaskus entsandt, um die Lage der dortigen Juden zu studieren. Vor allem mußten sie ihre Aufmerksamkeit den Flüchtlingen aus Palästina zuwenden, die repatriiert werden und Existenzmittel sowie Beschäftigung an ihren früheren Wohnstätten erhalten mußten. Die 16.000 Juden der Stadt befanden sich in der größten Notlage und brauchten Hilfe auf allen Gebieten des Lebens. Die jüdische Bevölkerung in Damaskus hat keinerlei Gemeindeverwaltung, und erst den palästinesischen Flüchtlingen gelang es, eine Gemeindevertretung zu schaffen. Die Gemeinde Damaskus ist außerordentlich arm. Infolgedessen ist auch das Schulwesen sehr minderwertig und ein großer Prozentsatz von Kindern genießen überhaupt keine Schulbildung. Vier Gesellschaften beschästtgen sich damit, den moralischen und intellektuellen Stand der jüdischen Bevölkerung zu heben und den jüdisch-nationalen Gedanken zu verbreiten: a) die Gesellschaft Jbriah, die eine Bibliothek, eine Lesehalle und hebräische Abendklasten hat; b) der Kadimah-Klub, der in seinem Versammlungsraum jeden Abend Vorträge und Diskussionen über jüdische Themen stattfinden läßt und hebräischen Unterricht erteilt; e) die Makkabäer-Gesellschaft, die die Jugend hauptsächlich zum Turnen und Singen anlcitet; d) die Schebet Ahim-Gesellschaft, die aus einheimischen Juden besteht und ihren Mitgliedern zur Ansiedlung in Palästina verhilft. (Antebi gestorben.) In Konstantinopel ist Mr. Albert A. Ant^bi, der Direttor der technischen Schule der Alliance zu Jerusalem und deren Vertreter in Palästina gestorben. Antsbi war einer der einflußreichsten jüdischen Persönlichkeiten Palästinas. Er wurde deshalb vor zwei Jahren von Djemal Pascha aus Palästina verbannt. (Tod eines jüdische» Gelehrten.) Die französische Wissenschaft hat einen schweren Verlust durch den Tod des Dr. Hippolyte Bern heim, Professor an der niedizinischen Fakultät von Nancy, Offizier der Ehrenlegion, erlitten. Professor Bernheim war in der ganzen Welt durch seine Studien über den Hypnotismus berühmt. Er war der Gründer der psychologischen Schule in Nancy und Begründer der Psychiatrie in Frankreich. (Bon der jüdischen Presse in New Bork.) Die amerikanischen jiddischen Tageblätter „Tug" und „Wahrheit" vereinigten sich zu einem einzigen großen Blatt, das seit dem 1. März 1919 unter dem Namen „Tug und Wahrheit" erscheint. (Die israelitische Kultnögemeinde Zürich.) Die israelitische Kultusgemeinde Zürich zählte 1894 198 Mitglieder, 1909 437 Mitglieder und zählt heute 725 Mitglieder. 1894 betrug das Budget Frcs. 28.000, heute beträgt es Frcs. 106 090. In der dieser Tage stattgehabten Generalversammlung wurde Rechtsanwalt Dr. Charles Bollag zum Prälldenten gewählt. „Ieffod-Lathora" Ichulverem der „Adas Iijroel". Der Vorstand teilt mit, daß die Jahres- Prüfung der Schüler und Schülerinnen der „Jestod Hathora" Sonntag, Seder Bamidbar, den 25. Jjar (25. Mai), im Schulgebäude, II., Malzgaste 16, Zimmer 14, für Knaben von 9 bis 12 Uhr vormittags, für Mädchen von 3 bis 5 Uhr nachmittags stattfindet. Die Eltern der Schüler und Schülerinnen, die Mitglieder des Vereines und Gäste werden hiezu höflichst eingeladen. vom Jüdischen Zentralhilfskomitee. In einem Aufruf in der „Wiener Morgenreituna" vom 11. Mai erwähnt der Provisorische Jüdische Nationalrat in Deutschösterreich die Tätigkeit des Jüdischen Zentralhilfskomitees. Die Art der Erwähnung, die zu einer falschen Auffassung der Zusammensetzung und Leistungen dieses Komitees führen könnte, veranlagt das Jüdische Zentralhilfskomitee um Aufnahme des folgenden Berichtes in Ihr geschätztes Blatt zu ersuchen: Den Erekmioausschuß des Jüdischen Zentralhilfskomitees bildeten Mitglieder des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde, des Jüdischen Nationalrates, der Sozialen Hilfsgemeinschaft Anitta Müller, des Fürsorge- Komitees für heimkehrende jüdische Soldaten, der Jüdischen Soldatenfürsorge, des Verbandes der Israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rilh, der Jsraelitnchen Allianz zu Wien und der Chewra-Kadischa. Das Jüdische Zentralhilfskomitee widmete seine Fürsorge den nach Wien sowie in die östlichen Länder heimkehrenden Soldaten, ferner Pogrom-Flüchtlingen, Arbeitslosen, bedürftigen Studenten und sonstigen 'Notleidenden. Die Hilfeleiitung erfolgte durch Verköstigung, Bekleidung, ärztlichen Beistand und Geldunterstützung. Die Ausgaben überstiegen eineinhalb Millionen Kronen Dieser Betrag wurde durch folgende Leistungen aufgebracht: Infolge der Intervention des Fürsorge-Komitees für jüdische beimkehrende Soldaten stellte das Staatsamt für soziale Fürsorge aus einer Sammlung K 536.000'— zur Verfügung; die Israelitische Kultusgemeinde widmete fC 150.000'—; das Komitee für die Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder K 100.000'—; Herr Nathan Eidinger K lOO.ooo—; der Rest wurde zumeist durch Sammlungen der unter Mitwirkung der Bezirkskommissionen der Kultusgenieinde gegründeten Lokalkomitees beschafft. Die Agenden des Jüdischen Zentralhilfskomitees führten das Bureau der Fürsorge für Demobilisierte (anfangs Hl., Reisnerstraße 3 und Ennsgasse 13, später Mariahilferstraße 47), ferner die Bureaus der Israelitischen Kultusgemeinde und der Sozialen Hilfsgemeinjchaft Anitta Müller. perfonalnachricht. (Verlobung.) Rabbiner Dr. Ezechiel Landau (Strakonitz) hat sich mit Fräulein Helene G r ü n b e r g (Berlin) verlobt. _ . Nekrolog. Wieder ist einer der Besten von uns gegangen! Am Vorabend des 23. OmartageS ist H. Abraham L ö w y im Alter von 64 Jahren einer Herzerkrankung erlegen. Als ob der schwache Herzmuskel den edlen Regungen eines echt jüdisch ivarnt fühlenden Herzen nicht gewachien wäre. Als Sohn frommer, goltesfürchliger Eltern in der altehrwürdigen Kehillo Preßburg geboren, widmete sich der Verstorbene schon im zartesten Alter dem Thorastudium und besuchte später die Zesehuvo« in Eisenstadt und Preßburg, wo er >ich unter der Leitung von Oeäolo haäor, zu deren Lieblingsschüler er zählte, seine umfassenden Thorakenntnisse erwarb. Auch als er sich später dem Kaufmannsstande widmete, benützte er jede freie Minute um Thora zu lernen und richtete stets sein Streben .darauf, seine Kinder im Geiste und Sinne unserer tauro ksiceäauseko zu erziehen. Durch seine hervorragenden Eigenschaften, insbesonders durch seine Aufrichtigkeit und Bescheidenheit, hatte sich der Entschlafene eine große Zahl von Freunden erworben, die ihm bei der Freitag, den 9. Jjar, stattgefundenen Lewajo das letzte Geleite gaben. Jiii Trauerhause hielt Sr. Ehrw. H. Rabb. Fürst einen tief empfundenen Nachruf. Herzbewegende Worte des Abschiedes sprach der Sohn des Dahingeschiedenen H. Rabb. Löwy, Hamburg. Sodann zeichnete H. Rabb. Baumgarten in ergreifender Rede ein wahrheitsgetreues Bild des niktor. An der Hand des Ausspruches unserer Weisen »mi sehe t’o rach beerew schaboO jauchal beschaboB* schilderte? der Redner, wie der Verstorbene trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse es verstanden hat, sein Leben zu einem vorbildlichen zu gestalten, wie er jedem gern mit Rat und Tat hilfreich zur Seite gestanden und wie er seine größte Befriedigung in der genauen und pünktlichen Erfüllung der göttlichen Gebote gefunden hat. — Am Grabe nahm noch H. Wolf Pappenheim namens seiner Freunde vom Verstorbenen Abschied-