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Jüdische Korrespondenz · 1919-05-15 · 18 (15.5.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
18 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 18 Jüdische Korrespondenz. vernementkommissariat ein, natürlich ohne jeden Erfolg. Mel schlimmer erging es den jüdischen Gemeinden in dem Mheren Ansiedlungsrayon. Aus zahlreichm kleineren Gemeinden im Gouvernement Witebsk treffen bei den bolschewistischen Behörden in Moskau Beschwerden über schwere Uebergriffe der Roten Gardisten-ein. Fast überall werden Synagogen als Kasernen requiriert. Anfang Dezember haben die Roten Gardisten die alte ehrwürdige Synagoge in Gordorok (Gouvernement Witebsk) in eine Kaserne verwandelt. Die ganze Einrichtung wurde als Heizmaterial verwendet. In einer anderen Stadt wurde die Synagoge für eine kommunistische Gruppe requiriert. Von den Gotteshäusern der Nichtjuden ist dagegen kein einziges berührt worden. Die Lebensmittelkommissare im Gouvernement Witebsk machen sich anttsemfftischer Provokattonen schuldig. Als vor einiger Zeit im Gouvernement Witebsk Bauernaufstände ausbrachen, sind auf Befehl der jüdifthe Bürger ^ls Geiseln" verhaftet worden. Erst nach völliger Unterdrückung des Aufftandes wurden sie freigelaffen. Die Stadt Witebsk, früher eine der reichsten Städte innerhalb des Ansiedlungsrayons, bietet jetzt ein sehr trauriges Bild. Die „Gewirim", die reichen (Anwohner, befinden sich schon längst in der Ukraine, sodaß die Stadt mit Arbeitslosen und Armen überfüllt ist. Das jüdische Kapital ist an die reichen Bauern übergegangen. Jetzt kaufen die reichgewordenen Bauern die jüdischen Häuser und die beweglichen Güter auf. In der Absicht, die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen, veräußern die Juden ihr Hab und Gut zu spottbilligen Preisen. Die meisten jüdischen Geschäfte sind geschlossen. Bis jetzt sind in Witebsk zirka 20.000 Arbeitslose, unter denen 80Proz. Juden sind, registriert worden. Die Gemeinde ist in eine äußerst schwierige Lage gekommen. Bon den 70 Repräsentanten des Gemeinderates üben nicht mehr als 30 ihre Tättgkeit -aus; die übrigen sind teils geflüchtet, teils verhaftet. Als der Vorsitzende des Gemeinderates Schritte unternommen hatte, um eine Besteuerung der Juden zum Zwecke der Erhaltung der notwendigen, öffentlichen. Institutionen..durchzusühren, wurde ihm vom bolschewistischen Kommissar mit- Ö daß nunmehr für sämtliche kulturellen Besse der jüdischen Bevölkerung das Jüdische Kommissariat zu sorgen habe. Auf die Frage des Vorsitzenden, was die Gemeinden dann eigentlich tun sollten, wurde ihm geantwortet: Almosen sammeln! Als der Vorsitzende hierauf erklärte, daß die Gemeinden in diesem Falle auf chre Tättgkeit überhaupt verzichten müßten, wurde ihm erklärt, daß im Falle einer solchen „konterrevoluttonären Demonstration" von der jüdischen Bevölkerung eine Kontribution erhoben werden würde. So ist die Existenz der Jüdischen Gemeinde unter diesen Umständen sehr in Frage gestellt. Das größte Unglück, das die jüdischen von der Sowjetregierung eingesetzten Kommiffariate in der Provinz anrichten konnten, war, daß sie den Gemeinden die Flüchtlingsangelegenheiten sowie den Rücktransport der Flüchtlinge entzogen und an sich rissen in dem Bestreben, bei den jüdischen Massen „populär" zu werden. In den meisten Fällen haben sich die jüdischen Kommissare als vollkommen unfähig erwiesen, diese große Arbeit zu leisten. Ost Weben die Flüchtlinge durch ihre „Fürsorge" in. Elend und Jammer, um im letzten Moment schließlich Hilfe und Rettung — bei den jüdischen Gemeinden zu suchen und auch zu finden. Rundschau. (Der Sabbat im deutschen Bölkerbund- Entwurf.) Dem deutschen Entwurf zur Organisation eines wahrhaften Menschheitsbundes der Nationen ist als besondere Anlage ein ^internationales „Abkommen über Arbetterrecht" beigegeben- In Artikel 4 dieses Abkommens wird Folgendes bestimmt: „ ... Auch soll dafür Sorge getragen werden, daß allen Arbeitern wöchentlich, und zwar in der Zeit von Sonnabend bis Montag eine zusammenhängende Ruhepause von mindestens -32 Stunden gewährt wird, 'wenn nicht' im Interesse der Allgemeinheit die Verlegung dieser Ruhepause auf einen Wochentag durch daS Gesetz ausdrücklich gestattet ist." Alsdann heißt es weiter: „In Ländern, in denen allgemein oder für bestimmte Teile der Bevölkerung ein anderer Tag der Woche als Ruhetag üblich ist, tritt für die im vorstehenden vorgesehene Arbeitsruhe an Stelle des Sonntags dieser Ruhetag." . (Plünderungen in Budapest.) Laut Budapester Nachrichten kam es dort am 5. Mai in einigen Stadtteilen zu großen antisemitischen Demonstrationen. Der Pöbel plünderte die jüdischen Geschäfte und zündete sie an einigen Stellen an. Die Juden wurden auf die Sttaßen geschleppt und mit Steinen beworfen. Einige von ihnen wurden tödlich verwundet. Die Polizei war nicht genügend stark, um dem Pöbel Widerstand zu leisten. Zahlreiche Juden haben ihre Wohnungen verlaffen und flüchten aus der Stadt. Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde sandten eine Deputatton an die Sicherheitsorgane mit der BittK um Schutz für die jüdische Bevölkerung: (Polnisch-jüdische Berhandlnugen in Paris.) Zwischen den Mitgliedern der jüdischen Nattonalräte in Paris, Nahum Sokolow, Dr. Thon, Dr. Brande und Lewite einerseits und der polnischen Delegation aus der Friedenskonferenz mit Professor Grabstt an der Spitze anderseits, werden jetzt Verhandlungen geführt, die die nattonalen Forderungen der Juden zum Gegenstand haben Die Grundlage für diese Verhandlungen bildet ein von den jüdischen Nattonalräten der Friedenskonferenz unterbreitetes Memorandum. In der Aussprache wurden einige Punkte bereits berührt. Endgültige Resultate sind noch nicht bekannt. (Die Araber »nd Palästina.) Das große arabische Tagblatt „Al-Hoda" in New Jork kündigt an, daß sich ein aus allen syrischen Elementen Amerikas zusammengesetztes Palästinakomitee gebildet hat, um den zionistischen Bestrebungen entgegenzuarbeiten. Das Komitee hegt keinerlei Abneigung gegen die jüdffche Kolonie in Palästina, aber es opponiert gegen die Schaffung eines jüdischen Staates in Syrien. Mau vernimmt anderseits, daß das brittsche Gouvernement die Führer der arabischen Bewegung in Kairo wissen ließ, daß das Arabische auch weiterhin im palästinensischen Staate, der selbst auch fernerhin den arabischen Charakter beibehalten wird, die offizielle Sprache bilden soll. Die Zionisten werden daselbst nur ein, eines jeglichen polittschen Charakters entkleidetes Heim besitzen. (Der Dü«ab«rger Raw, fichrannan liwrocho.) Aus Wilna kommt die Nachricht, daß in Dünaburg durch einen unglücklichen Zufall, eine Kugel traf ihn bei einem Spaziergang auf der Straße, der dortige Rabbiner Rabbi Meir Simcho Hakohen im Alter von 70 Jahren gestorben ist. Der Verstorbene war einer der größten zeitgenössischen Gaonen und sein ttagisches Ableben hat die weitesten Kreise ttef erschüttert. (Rabbiner Nathan Bamberger s. A.) In Würzburg ist der ehrwürdige Herr Distrittsrabbiner Nathan Bamberger s. A. nach kurzer Krankheit verschieden. Die Kunde hat in weiten Kreisen aufrichtige Trauer hervorgerufen. Oie Juden in Bulgarien. Ueber die Juden in Bulgarien schreibt die gut ii.- formierte „Deutsche Levantezeitung": „Bei einer Bewohnerzahl von 4,337.513 Köpfen zählen die bulgarischen Juden 40.118 Köpfe, etwa 0-92 Prozent der Bevölkerung. Sie haben sich fast ausschließlich in Städten niedergelassen und find vornehmlich am Handel beteiligt. Am zahlreichsten ist die Mische Kolonie in Sofia, die vor dem Kriegt 12.652 Mitglieder zählte (bei 102.812 Einwohnern), dann reihen sich Plowdiw mit 6273, Rustschuk mit 4444, BurgaS mit 3432, Küstendil mit 2696, Warna mit 2456. Widm mit 2242 und Stara-Zagora mit 2150 jüdischen Bewohnern an. In den Kirchen- und Schulangelegenheiten, wie überhaupt in kultureller Hinsicht, genießen die bulgarischen Juden, wie alle Nattonalitätenminder« beiten ,m Lande, die vollste Freiheit. Die Juden jeder Stadt bilden eine eigene konfessionelle Gemeinde, die von einem Gemeindeausschuß verwaltet wird. Sämtliche Gemeinden sind dem Oberrabbinat in Sofia unterstellt, wo das jüdssche Zentralkonsistorium tagt. So ist den bulgarischen Juden die Möglichkeit gegeben, sich frei unter dem Schutze der Landesgesetze zu entwickeln. Die Befügniffe der Gemeindeausschufle erstrecken sich über die Gründung und Erhaltung der Synagogen, der Schulen sowie der WohltSttgkeitsanstalten. Hier und da find auch Progymnasien eingerichtet worden. Obgleich für ihre Kinder die unbegrenzte Aufnahme in öffentliche Schulen gilt, unterhält jede jüdische Gemeinde ihre eigene Schule. Auffallend ,st di« verhältnismäßig große Zahlder jüdischen Kindergärten. Die offizielle Stattstik gibt unS darüber lesenswerte Angaben. Von den im ganzen Lande bestehenden 50 Kindergärten mit 67 Lehrkräften und 2886 Schülern waren rein bulgarisch nur 10 Kindergärten mit 13 Lehrkästen und 145 Schülern. Auf die Juden entfielen dagegen allein 11 Kindergärten, wo 17 Lehrkäste tätig waren, die 641 Kinder unterrichteten. Die Kinder werden hier hauptsächlich in der Muttersprache geschult, was den folgenden Vdlksschulunterricht sehr erleichtert. Die jüdischen Volksschulen find ausschließlich städtisch. Bulgarien erstellt sich einer bestächtlichrn Zahl tüchttger Männer jüdischer Nationalität — Advokaten, Aerzte, Apotheker und viele andere — die ihr Bestes dem öffentlichen Leben und der kulturellen Hebung des Landes, geben. Bezeichnend für das Leben und die Behandlung der Juden in Bulgarien wird die Tatsache bleiben, daß auf Ersuchen der bulgarischen Juden der bulgarische Ministerpräsident bei den Bukarester Friedensverhandlungen auch für die rumänischen Juden die Freiheit in Vorschlag bringen sollte, deren sich die Juden in Bulgarien erfreuen. JouaS und Helene Krepp«! bringen hiermit zur Kenntnis, daß die Feier - *12 ihres Sohnes Leo (Jehuda Arjeh) am Samstag, den 24. Jjar (24. Mai), im Bethause, XVII.. Thelemangaffe 8, stattfinden wird. Wien» Jjar 5679 — Mai 1919. Lhrontt. (Die Grenze» Palästinas.) Ueber Palästina als Judenstaat und dessen Grenzen läßt sich das große liberale Organ Englands, der „Manchester Guardian" wie folgt vernehmen: Es gilt allgemein, daß Palästina eine nattonale Heimat für die Juden werden wstd. ES gibt vierzehn Millionen Juden in der Welt, Palästina könnte zwei Millionen aufnehmen. Die Einwanderung wstd sorgfältig geregelt werden müssen, um die Möglichkeit einer Ueberftürzung zu vermeiden, welche der notwendigen stufenweisen Entwicklung des Landes Einstag tun könnte. ES wstd berechnet, daß jährlich gegen füntzigtausend Juden werden einwandern können. Wir hoffen in diesem neuen Judenstaate Zeugen einer glücklichen Kombinatton von Landwirtschaft und Bildung zu sein. Der palästinensische Staat erhält die südlichen Abhänge des Berges Hermon. mit den wasserreichen Jordansquellen und die Dan, mit Ausschluß des kleinen westlichen Flußabschnittes mit den beiden gänzlich arabischen Städten HasbejaundRascheja. Weiter südwärts wstd er einschließen die Niederung auf der östlichen Seite des Jordans, welche für die Bewässerung nötig ist. Dagegen verbleibt das Gebirge der arabischen Bevölkerung. Die Küstenftädte Sidon und Tyrus werden dem Judenstaate nicht einverleibt. Sie find gärnlich arabisch in ihren Gefühlen und sind auch durch kine wirtschaftlichen Verbindungen an das Hinterland geknüpft. Sie werden zum Libanon geschlagen werden, falls dort ein autonomer Staat geschaffen wird, andernfalls sollen sie zu Syrien kommen. Diese Grenzen werden alle gegenwärtigen Mischen Kolonien und den ganzen Jordanlauf einschließen. Auf dies« Art bekommt der jüdische Staat" die meisten Territorien seines historischen Besitzes. „Bon Dan bis Beerseba" ist ein Satz, der unS allen geläufig ist, und mit diesey Worten sind auch die vorgeschlagenen Grenzen des Genauesten bezeichnet. (Etat der Berlin«: jüdischen Gemeinde.) Der Etat der Berliner jüdischen Gemeinde für 1919 bilanziert mit Mk. 9,656.162. An Steuern sollen Mk. 5,514.375 aufgebracht werden; vor zehn Jahren genügten noch etwas über zwei Millionen Mk. Die Gemeinde hat über 400 angestellte Beamte, darunter 130 Bureaubeamte (Mk. 789,670 Gehälter) und für ihre 10 Synagogen ,ohen Feiertage sind 22 besondere Gottesdienste und 18 Jugendgottesdienste vorgesehen, die einen Zuschuß von Mk. 209.319 erfordern. Für die Schulen und die Bibliothek ist ein Aufwand von Mk. 644.856, für die sozialen Aufgaben (Arme. Kranke, Waisen usw.) ein Aufwand von Mk. 1,363.656 nöttg. (Agudath Hamajim.) In Palästina hat sich eine Gesellschaft von Fachmännern unter dem obigen Namen gebildet, welche die Gewässer des Landes für Fischereizwecke und Schiffahrt ausnutzen will. Das Statut der Gesellschaft wurde der Regierung zur Genehmigung vorgelegt. (AnSgrabnnaen i« Orient.) Professor FlinderS Petrie weist in seinem jüngst erschienenen Büchlein „Lastern kstploratton, käst anä Liitiirodarauf hin, daß England durch seine Eroberungen in Palästina und Mesopotamien in den Besitz der wichtigsten Quellen zur Geschichte der Menschheit gelangt ist. Sobald der Krieg vorüber sei, müsse man an bas Studium und die Hebung der 10.000 (?) Jahre alten Kulturdokumente gehen. Der Verfasser hat eine sehr geringe Meinung von dem Wert der bisher geleisteten Forschungsarbeiten. Er schlägt vor, diese Arbeiten in die Hände des „jüdischen Staate»" in Palästina zu legen. Auch solle das neuzuerbauende Jerusalem außerhalb des i-tzigen Weichbildes der Stadt erbaut werden, damit man ungestört m Alt-Jerusalem wissenschaftliche Forschungsarbeiten leisten könne. personalnachrichten. (Promotion.) Montag, 11. Mai. fand hier die Promotion des cand. jur. Julian Zipser, Sohnes des bekannten Advokaten Dr. Josef Zipser, zum Doktor der Rechte statt.

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