Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 18 (15.5.1919)
- Date
- 1919-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 18 Der Basischem von Lhelm und sein Golem. Neue Golem-Saaen. — Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. (Fortsetzung.) «. Koch em AMt-Aittittk. ES verfloß einige Zeit, wo sich für den Golem keine Arbeit darbot. Wohl durchstreifte er wie früher die Nächte hindurch die umliegenden Dörfer und Orte, aber es war kein Fall irgend eines Anschlages oder Beschuldigung gegen Juden vorgekommen. Plötzlich brach ein großes Unhell heran und hätte sich der Himmel des Volkes Israel nicht erbarmt und durch Rabbi Elie und den Golem die Hilfe gesendet, dann wäre — der Himmel bewahre es — die Judenheit nicht nur in Chelm, sondern im ganzen Königreiche Polen das Opfer einer mit Geschicklichkeit zustande gebrachten Beschuldigung. Doch wie es in allen Zeiten, da die Juden von einer Not heimgesucht waren, der Fall war, so erwies es sich auch letzt: „Der Heilige, gepriesen sei sein Name, schuf das Heilmittel -noch vor der Wunde." Eines Abends, als Rabbi Elie am Studientische saß und i ein wenig einschlummerte, hatte er eine Vision: „Israel, dein Volk verrichtet Gebete, da sie bedrängt sind und eine Hilfe benötigen."* * Da begriff Rabbi Elie. daß die Feinde der Juden schon wieder irgend ein Unglück über sie bringen wollen. Er verständigte hievon den Golem und sagte zu ihm: „Die Feinde Israels sinnen schon wieder uns zu verleumden, daher sollst du auf der Hut sein." Der Golem entfernte sich gleich darauf. Er durchwanderte die ganze Stadt, ohne etwas Verdächtiges zu bemerken. Endlich begab er sich zum Fluß, weil er auch das Rauschen des Waffers gern hörte. Diese Nacht war ein schreckliches Gewitter. Der Regen goß in Strömen, der Fluß schwoll von Augenblick zu Augenblick an und der Golem ergötzte sich an dem Anblick, da sich die Wogen des Waffers hoben und die am Ufer liegenden kleinen Hütten zu verschlingen drohten. Ringsum herrschte Toten- Es dürfte vor Tagesanbruch gewesen sein, als er Schritte hörte. Er wendete sich gegen, die Richtung, da er die Schritte vernahm und bemerkte, wie zwei Männer lautlos zum Waffer heranschritten. In der Hand trugen . sie ein kleines Bündel und der Golem begriff, Laß sie solches in den Fluß werfen wollten. Er ging ihnen entgen, um von der Nähe ihr Tun zu schauen und gesellte. ihnen zur Seite. Natürlich ahnten es die zwei Männer nicht. Ms sie beim Flusse einlangten, sprach der «ne mft leiser Stimme: „Franzischek, ich wäre dafür, daß du das Kind lebend in das Waffer werfen sollst, es würde gleich ertrinken und die Wögen werden es weit, weit von hier treiben. Man würde die Leiche vielleicht nach Tagen, wenn das Waffer auf das gewöhnliche Niveau kommen wird, im Gestrüpp des Flusses finden, wem wird es aber einfallen, was mit dem Kinde in Wirklichkeit geschehen ist? Ich habe nicht das Herz, es zu schlachten, schließlich ist es ja ein Menschenkind, unser Kind." Der Golem erkannte gleich die Stimme einer Frau, die aber Männerkleider trug. — Darauf der andere: „Wenn wir so tun, wie du es vorschlägst, dann ist es zu befürchten, daß, wenn die Behörde das Kind auffände, die Sacke nicht ruhig belasten und nach den Eltern des Kindes forschen wird. Was tuen wir, wenn sich die Fäden bis zu uns ziehen? So aber lenken wir die Aufmerksamkeit der Behörde von uns vollkommen ab, sie wird sich mit dem Fall eines Ritualmordes seitens der Juden beschäftigen: es ist dann Nebensache, weffen Kind die Leiche war. Wir werden aus dem Waffer sein. Was sagst du nun Maria?" „Dann tue, wie du es mit deiner Klugheit gut findest," erwiderte sie mit zärtlicher Stimme. - Nun entnahm der Mann aus dem Bündel ein einige Wochen altes Kind, ergriff ein scharfes Meffer und nachdem er sich nochmals überzeugte, daß er von Niemanden . beobachtet werde, schnitt er dem Kinde die Kehle durch. Der Golem vernahm nun ein leises Röcheln, denn das Kind war im süßen Schlafe und es gab daher keinen Schmerzensschrei. Jetzt legte Franzischek ein kleines Gebetbuch der Juden neben der Kindesleiche in das Bündel und warf es in die Flut des Waffers. Das Werk war gelungen. Nun umarmte Maria den Mann zärtlich und sprach: „Mein teurer Franzischek, du hast es vorzüglich gemacht, nun werden die Zydkes** ein Lied zu singen haben." Franzischek küßte sie und erwiderte: „Hauptsache ist, daß wir uns des Ballastes entledigt haben, was weiter geschehen wird, darum haben wir uns nicht zu kümmern. Schließlich gingen sie nach Hause. Der Golem begleitete das Paar bis zu einem hübschen Hause; dort öffnete Franzischek eine abseits gelegene Vorhallentür und die beiden Leute waren hinter dieser verschwunden. Der Golem aber begab sich nach Hause, um dem Rabbi alles zu berichten. Rabbi Elie befahl ihm, noch am selben Tage über das Paar Einzelheiten zu erfahren und ihn diese mitzuteilen. ES dürste etwa gegen Mittag gewesen sein, als sich in dem Hause, wo das Paar einttat, eine stadtbekannte Persönlichkeit einfand. Es war der „jüdische Idiot". Die erste, die er zu Gesicht bekam, war Maria. Sie war unausgeschlafen und sah aufgeregt aus. Doch beim Anblick des Idioten leuchtete ihr Blick auf und der Golem merkte, daß sich ihr Gemüt erheiterte. Sie wollte gewaltsam ihre Aufregung unterdrücken. „Srulik" sprach sie, sich über ihn lustig machend, „du bist ja so ein schöner und gescheiter Mann, schade daß du ein Jude bisi, ich würde dich sonst zu meinem Manne * Vers in einer Slicha für Montag—Donnerstag. * Im Polnischen: Jude. nehmen." Srulik machte dabei eine seltsame Miene, durch die er ihr nur bestätigen wollte, daß er über ihre Liebeserklärung ganz erfreut sei. Da sich nun Maria durch die Unterhaltung mit dem jüdischen Idioten ihre Aufregung unterdrücken wollte, sprach sie zu ihm: „Wenn du, Srulik, ein Christ werden möchtest, dann wäre ich bereit, deine Frau zu sein." Darauf sprach der Golem: „Ja, noch heute will ich Christ werden, damit ich dich als Weib haben kann." Um auch ihren Eltern eine Unterhaltung zu verschaffen, ließ sie Srulik in deren Zimmer kommen und e^ählte ihnen, sie habe mit Srulik besprochen, daß er das Christentum annehme, worauf sie seine Frau werden wolle. Die Eltern lachten sehr, veranstalteten mit ihm ein ganzes Spiel und schließlich kamen sie mit ihm überein, daß er noch heute durch einen Geistlichen getauft werden soll- - _- (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. „Der jüdische Volkssozialismus." Bon Viktor CH. ArlosorojP Verlag Hapoel-tzazair, Berlin N., Rosenthalerstraße 15/7. 72 Seiten. Preis Mk. 2'—. — Nachdem in Deutschland eine Schwesterorganisation der palästinensischen Arbeiterpartei Hapoel-Hazair (die arbeitende Jugend) entstanden ist und festen Fuß gefaßt hat, bringt die deutsche Landmannschaft aus der Feder eines ihrer Anhänger eine erste programmatische Schrift zur Orientierung für die deutsche Judenheit. Der Verfasser grenzt in dieser Broschüre in den ersten beiden Kapiteln zunächst die neue Partei gegen die internationale jüdischsozialdemokratische Part«, den Bund, und die zwar zionistische, aber auf den marxistischen Theorien fußende Sozialistenpartei Poale Zion, ab. Der zionistische Volkssozralismus stellt das Wohl der Gesamtheit über das Wohl einer einzelnen Klaffe und würde zum Beispiel einen Klaffenkampf nur befürworten, wenn er im Interesse des gesamten Volkes liegen würde. — Den Mittelpunkt der Philosophie des Hapoel-Hazair bildet das Prinzip der produftiven Arbeit, die allein das jüdische Volk wieder in den wirklichen Besitz des jüdischen Landes setzen kann, — In den drei Schlußkapiteln behandelt der Berfaffer die soziale und kulturelle Politik der Partei und den augenblicklichen Stand der Bewegung. Die zionistischen volkssozialisttschen Parteien — Hapoel-Hazair in Palästina und Deutschland und die Zeire Zion in Rußland — werden beim sozialen Aufbau des neuen Landes einen unübersehbaren Faktor bilden. ■ „Der Judenpogrom in Lemberg." In M. Hickls Verlag, Brünn-Wien, erschien das Buch „Der Judenpogrom in Lemberg" von Josef Vendov, auf Grund authentischerProtokolle.Urkundenund amtlichem Material. Das Buch enthält zirka 25 photographische Aufnahmen, ein sehr ergiebiges statisttsches Material und ist die erste erschöpfende Darstellung der Judenmaffaker in Lemberg. Preis K 15 50. „Die jüdische BokkSgemeiude." Von Doktor E. S i m o n s o h n- Jüdischer Verlag, Berlin, 1919. Preis 60 Pfennig. — Dw demokratischen Forderungen der Zeit pochen an der Tür der jüdischen Gemeinde. Sie darf nicht mehr von einer kleinen, durch ein plutokratischeS Wahlrecht in ihrem Besitz gesicherten Minorität beherrscht werden. Ihr Aufgabenkreis ist zu erweitern. Sie soll nicht nur die eine Seite des jüdischen Lebens vertreten: den Kultus. Die Religion ist nicht das einzige Band, das die Judenheit eint. Neben ihr existieren noch Aufgaben der Mischen Erziehung, soziale Aufgaberk, politische Gesamtintereffen m Deutschland und der ganzen Welt. Die Organisation der Judenheit beruht auf der Gemeinde, dieser historischen Zelle des jüdischen Volkskürpers in der Diaspora. Wie nun die bloße Kultusgemeinde, die durch Entwicklung des 19. Jahrhunderts allmählich entstanden ist, zu einer jüdischen Volksgemeinde umgewandelt werden soll, zeigt die vorliegende Broschüre. Von der Schilderung der tatsächlichen Verhältniffe ausgehend: der Beherrschung der Gemeinde durch die „Liberalen", das heißt, in den meisten Fällen indifferenten Juden, deren einziges Bestteben ist, den ganzen Komplex des jüdischen Lebens auf einige Minimalforderungen zu reduzieren, behandelt Simonsohn zunächst im ersten Kapitel die Frage, warum müssen die Kultusgemeinden in jüdische Volksgemeinden umgewandelt werden? Seine Antwort ergibt sich ungefähr aus dem Inhalt der obigen Ausführungen. Das zweite Kapitel enthält Vorschläge zur jüdischen Organisatt'on der Volksgemeinde, das dritte stellt ihre Aufgaben zusammen. Die Bedeutung der Schrift liegt vor allem in der Formulierung der national-jüdischen Forderungen, die den Inhalt des Schlußteils bilden. Von einem gediegenen Kenner der Verhältniffe verfaßt, klar und übersichtlich aufgebaut, mit überzeugender Wärme geschrieben, wird „Die jüdische Volksgememde" in dem bevrstehenden inner-, jüdischen Kampf eine wesentliche Rolle spielen. Marienbad HBstauranhe‘2 Goldener Schlüssel mit Hotel Goldenes Schloß Jgffijr* vollständig eröffnet. Reichliche Lebensmittel vorgesorgt und gesichert. Auf Wunsch auch ganze Pension. Hochachtungsvoll <i-8, Gottlieb Leitner. Iugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums. Weremstokak: II., Große Schiffgasse 16. SeSffnrt an Wochentagen von » bi» v Uhr abend», an Eamrtaaennd Sonntage» ab S Uhr vormittag». Reichhaltige Bibliothek n. Zeitschristen znr freienBenützung der Mitglieder. Cr *T vom 17. Bis 2S. Mai 1919. Sain|tag, ^11 Uhr vormittags: Sidro mit Kommentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. H off m a n n Samstag,, V.12 Uhr mittags: Vortrag im Beth-Hamidrasch der Adaß Jisroel, Rabbenu. v ^""Simön^S W nachmittags: Mögen Awrohom, Herr Samstag, 3 Uhr nachmittags: Pirkeh Owaus, Sr. Ehrw Herr Rabbiner I. Baum garten: Sonntag, 10 Uhr vormittags: Mögen Awrohom, Herr Simon Schreiber.. Sonntag, .11 Uhr vormittags: Jeschaja, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Hoffmann. S-nntag.^ Uhr abends: Lernen entfällt wegen Montag, >/,8 Uhr abends: Sidro mit Kommentar, Herr David Baumgarten. Dienstag. -/-8Uhr abends: Mischleh, Herr A. Breuer Mittwoch, »/ä8 Uhr abends: Mischnah (Brochaus), Seiner Ehrw; Herr Rabbiner A. D e u t s ch. Donnerstag, 7,6 Uhr abends: Mischnah (Brochaus), Sr. Ehrw. Herr Rabbiner A. Deuts ch. ' Mitteilungen: Samstag. 7 Uhr abends, gesellige Zusammenkunft der Mitglieder im Vereinslokal — Somitag.Ausflug unter Führung des HerrnH.Fürst. Treffpunkt um 1 Uhr nachmittags im Vereinslokal. - H.. Große Schiffgasse 8. Gebetstunden in der Zeit vom 16. bis 23. Ijar 5679 06. bis 23. Mai 1919). Freitag, 16. Ijar: Sabbateingang 720. Samstag, 17. Ijar: (Behar), Morgengebet 615 und 9 30, Mincha 12-16, Pirke-Aboth-Vortrag um 3-30. und. anschließend Mincha. Sabbataasgang: 8 05. An Wochentagen: Morgengebet 515 und 6 Uhr, Mincha Freitag, 23. Ijar: (Bechukausai), Sabbateingang 730. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trauungen und Barmizwah werden wahrend der Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. KONKURS. Die Israelitische Kultusgemeinde Baden sucht ersten Kantor Bewerber um diese Stelle mögen mit Angabe ihrer Gehaltsansprüche und Personaldaten ihre Offerte schriftlich einreichen. a—2) Der Vorsteher: Alexander Braun. THORA-ER-CHAJIM, Wien, II.. Große Schiffg. 8 An unserem Beth-hamidrasch ist die Stelle eines Baal Tefilloh und guten Baal Kor^h zu besetzen. Streng religiöse Bewerber, die auch eine ändere Beschäftigung haben, wollen ihre Offerte an obige Adresse richten. Wien, Ijar 5679. Der Vorstand. Klavierlehrerin mit Staatsprüfung erteilt Unterricht für Anfänger und Vorgeschrittene, ausgenommen Samstag und Feiertage. Näheres unter „520“ an die Administration dieses Blattes. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIII., Hemalser Gürtel 2.0.