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Jüdische Korrespondenz · 1919-05-08 · 17 (8.5.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
17 (8.5.1919)
Date
1919-05-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 17 J&dische Korrespondenz. Seite 3 Die letzte Anleihe belief sich auf den Betrag von 300.000 Rubel. Die Anleihen werden durch die Steuereinnahmen gedeckt. Von 900 Gemeindemitgliedern entrichten 600 ihre Steuern und Selbstbesteuerungen mit größter Pünktlichkeit. Der größte Teil der Steuerzahler rekrutiert sich aus dem Mittelstand. Die Gemeinde in Smolensk hat es auch verstanden, die jüdische Statistik auszubauen. Man darf nicht vergessen, daß es jetzt sehr schwer ist, eine richtige jüdische Statistik zu führen, da das neue Dekret über die Trennung von Kirche und Staat den jüdischen Gemeinden die Registrierung der Geburts- und Sterbefälle entzog und sie den Notariatsbureaus übergab, die einen Vermerk über die Nationalitätenzugehörigkeit nicht machen. Die Gemeinde mußte, damit eine regelrechte Statistik vorgenommen werden konnte, in engen Kontakt mit den Notariatsbureaus treten. Saratow ist jetzt eine der reichsten jüdischen Provinzstädte. Sämtliche vorhandenen Wohltätigkeitsanstalten haben sich der Gemeinde unterstellt und die gesamte philantropische und kulturelle Tätigkeit ist bei der Gemeinde zentralisiert. In den jüdischen Volksküchen, die größtenteils von Flüchtlingen besucht werden, werden nahezu tausend Personen täglich gespeist. Die Beziehungen der Ge- ' meinde zu den Behörden, die bisher erträgliche waren, haben sich letztens sehr zugespitzt, namentlich seit dem Auftauchen des jüdischen Kommissariats in Saratow. Das jüdische Kommissariat „requirierte" ohne weiters die jüdische Bibliothek, die Schulen und Kinderheime, das Kommissariat verbot auch die hebräische Sprache. So hat die Gemeinde einen schweren Kampf mit den Behörden zu führen, um ihre Interessen zu verteidigen. Aber auch nach innen hat die Gemeinde nicht viel Ruhe; die Parteikämpfe innerhalb der jüdischen Gesellschaft, in denen die Sprachenfrage eine ungeheure Rolle spielt, sind außerordentlich scharf. Es handelt sich diesmal nicht um den Kampf zwischen Hebräisch und Jüdisch, sondern vornehmlich um den Kampf kleiner aber mächtiger Kreise für die russische Sprache. _ (Schluß folgt.) Der Außenhandel von Palästina. Ueber^en Außenhandel von Palästina berichtet der niederländische diplomatische Agent in Kairo, van Lennen, in „Handelsberichten" (Haag) vom 9. Jänner 1919: Jerusalem hat eine Bevölkerung von 110.000 Christen. 12.000 Mohammedanern und 70.000 Juden. Der größte Teil des Handels liegt in Händen der Juden. Die zwei wichtigsten Industriezweige sind dort die Fabrikation von Seife und religiösen Artikeln (aus Olivenholz und Perlmutter). Bethlehem ist das Zentrum der Perlmutterindustrie. Die Seifenindustrie ist ganz von der Olivenernte abhängig. Infolge der zunehmenden Ausbreitung der jüdischen Bevölkerung ist die Einfuhr im Steigen. Die Einfuhr über Jaffa belief sich im Jahre 1913 auf 1,312.659 Pfd. Ster!., die Zunahme gegenüber dem Voriahre betrug 222.670 Pfd. Sterl. Von dieser Einfuhr stammten für 170.000 Pfd. Sterl. aus Großbritannien und für 64.000 Pfd. Sterl. aus den britischen Kolonien. Hierzu kommt noch die Einfuhr von britischen Waren in Jana aus Beirut und Smyrna im Werte von 100.000 Pfd. Sterl., so daß die Gesamteinfuhr britischer Waren 334.000 Pfd. Sterl. oder ungefähr 25 v- Hder Gesamteinfuhr ausmachte. Der Wert der türkischen Ausfuhr nach Jaffa betrug 325.000 Pfd.Sterl., aus Oesterrnch-Unaarn kamen 143.000 Pfd. Sterl., aus Rußland 120.000 Pfd. Sterl., aus Frankreich 115.000 Pfd. Sterl. und aus Deutschland 102.000 Pfd. Sterl. Hauptsächlich wurden in Jaffa eingeführt (in Pfd. Sterl.): Baumwollwaren 240.800, Mehl 150.000, Bauholz 107.000, Petroleum 31.000, Tabak 67.300, Reis 63.430, Zucker 53.600. Eisenwaren 32.200 und Maschinen 28.170, ferner in beträchtlichen Mengen Kaffee. Roheisen, Lein- und Maschinenöl, Farbstoffe, Vieh, Kohlen, Aetzsoda und Kunstdünger. Die Ausfuhr aus Jaffa besteht hauptsächlich aus Apfelsinnen, Seife, Wein, Früchten, Häuten. Rosinen, Hirse und Mandeln. Die beträchtliche Zunahme der Einfuhr von Petroleum, hauptsächlich aus Rußland und den Vereinigten Staaten, ist einesteils der Vermehrung der Bevölkerung zuzuschreiben, andernteils dem Gebrauch von Petroleumapparaten für Heiz- und Kochzwecke anstatt Holz und Steinkohle, deren Preise vor Ausbruch des Krieges bedeutend gestiegen waren. Eisenwaren wurden hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich eingeführt. Rägel und Schrauben aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und Belgien, Hufeisennägel aus den Vereinigten Staaten und Schweden. Obwohl Glas- und Emailwaren, Porzellan- und Tonwaren hauptsächlich aus Oesterreich-Ungarn und Deutschland eingeführt wurden, begann Belgien diese zu niedrigeren Preisen anzubieten. Deutschland lieferte den . größten Teil des eingeführten Stabeisens; eiserne Träger kamen hauptsächlich aus Belgien und Großbritannien und Zinkbleche aus Deutschland und Belgien. Oesterreich-Ungarn war Lieferant von Konfektionswaren, während Großbritannien und Frankreich Leinwand lieferten. 90 v. H. der Einfuhr von Schuhen, Stiefeln und anderen Lederwaren kam aus Großbritannien. Deutschland und Oesterreich beherrschten den Handel in Büchern und Zigarettenpapier. Farben und Firnisse kamen hauptsächlich aus Großbritannien und Farbstoffe ausschließlich aus Deutschland. Frankreich begann Butterersatzmittel einzuführen. Ziegel und Backziegel kamen früher hauptsächlich miä Frankreich, aber einige Jahre vor dem Krieg nahm die „German Syrian Orphanege" die Fabrikation in die Hand und es gelang ihr durch Herstellung eines billigeren Produktes, das jedoch von schlechterer Qualität war, die französische Einfuhr zu unterbinden. Ausfuhr aus Südpalästina, mit einer Oberfläche von ungefähr 350 Quadratmeilen und einer Bevölkerung von mehr als 100.000 Seelen, war bereits im Altertum wegen seiner Fruchtbarkeit berühmt. Der Boden eignet sich ausgezeichnet für den Anbau von Früchten; in der Nähe des Forts Jaffa gibt es an tausend Apfelsinengärten. Japa selbst hat eine Bevölkerung von ungefähr 50.000 Einwohnern, die infolge der Einwanderung der Juden immer noch zunimmt. Man schätzt, daß der vierte Teil der Bevölkerung Mohamedaner ist, ein Viertel Christen und die Hälfte Juden. Jaffa ist der Mittelpunkt für den Handel mit Apfelsinen, deren Ausfuhr andauernd zunimmt; 1913 wurden allein nach britischen Häfen 361.172 Kisten ausgeführt, ferner nach der Türkei, Aegypten, Odeffa und Tr»est. Schiffahrt. Die britische Flagge stellte in Jaffa im Jahre 1913 270.361, die von Oesterreich-Ungarn 228.456. Frankreich 213.202, Rußland 212.469, Italien 101.265 und Deutschland 78.656 Tonnen. Der Hafen von Jaffa wird verbessert werden, was dringend nötig ist. Resolution. Die am 28. April 1919 im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde abgehaltene außerordentliche Generalversammlung des „Verbandes der Angestellten der israelitischen Kultusgemeinde Wien" erblickt in der ausdrücklichen Ausschließung der Angestellten vom passiven Wahlrecht für den Kultusvorstand eine Entwürdigung des Angestelltenstandes und einen krassen Widerspruch mit dem demokratischen Geiste, von welchem die zu schaffende Wahlordnung im Sinne eines Vorstandsbeschlufles getragen sein soll. Gegen dieses Vorgehen erhebt die Angestelltenschaft einmütigen Protest. Die Generalversammlung macht sich insbesondere die entschiedene Verwahrung zu eigen, die der Verbandsobmann anläßlich einer Besprechung der Verbandsleitung mit dem Präsidium gegen die in öffentlicher Plenarsitzung S' :ene, die Ausschließung der Angestellten vom passiven rechte begründete Rede bereits eingelegt hat. In dieser Rede, deren Ausführung die Majorität des Vorstandes durch ihre Abstimmung sich angeschloffen hat, wurden die Angestellten mit den Pfründnern und anderen, vom passiven Wahlrechte gesetzlich ausgeschlossenen Kategorien auf eine Stufe gestellt. Die Generalversammlung, die einmütig erklärt, zur Erlangung des aktiven uns passiven Wahlrechtes für alle Angestellten der Kultusgemeinde alle zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln aufzubieten, fordert die Reassumierung des Beschlusses über den 8 8 der in Beratung stehenden Wahlordnung im Sinne einer Gewährung des aktiven und passiven Wahlrechtes an alle Angestellten der Kultusgemeindewobei schon jetzt jede der hier versammelten Sektionen verbindlich erklärt, ein etwa nur einzelnen Angestelltenkategorien zu gewährende passive Wahlrecht von denselben von vorneherein abzulehnen. Diese einmütige Entschließung ist dem Präsidium, sämtlichen Mitgliedern des Kultusvorstandes und der lüdischen Presse auf schriftlichem Wege bekanntzugeben. Rundschau. (Da» Leichenbegängnis des Religionslehrers Dr. David Kanitz.) Freitag, den 2. Mai 1919, fand das Leichenbegängnis des Religionslehrers Dr. David Kanitz statt. Eine ansehnliche Anzahl von Teilnehmern fand sich ein, darunter die Schüler des Privat-Realgymnasiums im 8. Bezirk unter Führung ihrer Lehrkräfte. Rabbiner Dr. Grunwald sprach zunächst im Namen der Familie, hierauf Rabbiner Dr. Rosenmann als Leiter der Inspektion für Volks- und Bürgerschulen, im Namen der Kollegen sprach Rabbiner Dr. Taglicht. Hierauf ergriff Landesschulrat Dr. Spitzen das Wort, um im Namen der Kultusgemeinde Abschied vom Verklärten zu nehmen. Herr Reliaionslehrer L. Wiesner sprach im Namen des Verbandes der Angestellten der Kultusgemeinde und Präsekt Kowel im Namen der Schüler. (Auszug von Flüchtlingen aus Wien?) Die „Reichspost" meldet: Wiederholt hat die . Wiener Gemeindevertretung, entsprechend einem allgemeinen Wunsche der bodenständigen Bevölkerung, von der Regierung verlangt, die Einwanderer aus dem Osten, für die in Wien bei der herrschenden Wohnungs- und Lebensmittelnot kein Platz ist, in ihre Heimat zurückzuführen. Die Vorstellungen fanden bei vielen Fremden angesichts der zunächst passiven Haltung der Behörden kein Gehör. Erst in der letzten Zeit hat sich die Regierung aus das wiederholte Drängen der Gemeinde veranlaßt gesehen, auch ihrerseits einzugreifen. Der Erfolg ist vorderhand der, daß sich ein ige tausend Flüchtlinge freiwillig zur Rückkehr gemeldet haben. Die bestandenen Schwierigkeiten hinsichtlich deS Transportes sind zum großen Teil überwunden und es werden bereits in der nächsten Zeit die ersten Züge mit den Rückwanderern von Wien abgehen. Die Transporte werden über Ungarn geleitet, denen für die Beförderung die nötige Menge Kohle sichergestellt wurde. Es sind im ganzen 30 Züge in Aussicht genommen. (Hermann Strucks Aufgabe in der deutschen Friedensdelegation.) Wie die „Times" berichtet, wurde der bekannte Maler Hermann Struck von der deutschen Regierung in die Friedensabordnung delegiert. Herr Struck, der dem gesetzestreuen Flügel der zionistischen Organisation angehört, erhielt die Instruktion, bei der Friedenskonferenz für die Juden in der tschechoslowakischen Republik und in Jugoslawien die kulturelle Autonomie und sü/ die jüdischen Volksmassen in den Staaten des alten Großrußland die nationale Auwnomie zu erstreben. (Die Amsterdamer Sozialistenkonferenz für die Juden.) Die internationale Sozialistenkonferenz in Amsterdam hat in ihrer Sitzung vom 29. April einmütig folgende Resolution angenommen. Die internationale Sozialistenkonferenz erkennt den internationalen Charakter der Judenftage und fordert, daß in Uebereinstimmung mit dem Selbstbestimmungsrechte die Stellung der Juden auf folgender Grundlage international geregelt wird: 1. Vollständige Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, gleiche Behandlung der jüdischen Bevölkerung beim Wiederaufbau der durch den Krieg heimgesuchten Gebiete, internationaler Schutz der Juden und aller anderen nationalen Minderheiten gegen physische Verfolgungen und wirtschaftliche Unterdrückung. 2. Gleichberechtigung der Juden bezüglich der Ein- und Auswanderungsfreiheit nach und aus allen Ländern. 3. Nationale Selbstverwaltung auf Grund des Nationalitätenprinzips. 4. Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes, sich in Palästina eine nationale Heimat zu schaffen. 5. Vertretung des jüdischen Volkes im Völkerbunde. (Auswanderung von Juden aus Pole«.) Die polnische Telegraphenagentur berichtet, daß im Ministerium für Arbeit und Volkswohlfahrt eine -Sitzung der Abteilung für Auswanderung und der Vertreter jüdischer Vereinigungen abgehalten wurde, die sich mit der Auswanderung mittelbar oder unmittelbar befaßte. Dian entschied sich dahin, daß neben der amtlichen eine private Tätigkeit bestehen solle, um die Auswanderungsbewegung der Juden in geordnete Wege zu leiten. Ueber das Verfahren erwartet man die Beschlüsse der Pariser Konferenz, zu welcher der Abteilungschef für Auswanderung abgereist ist. (Entlassung der jüdische» Offiziere in Pole«.) „Nowy Dziennik" zufolge verfügte der polnische Vize-Kriegsminister die sofortige Versetzung ins nichtaktive Verhältnis aller jüdischen Offiziere und Militärbeamten, die das miltärpflichtige Alter bereits überschritten haben. (Juden in der Armee Haller.) Wie „Hajnt" meldet, befinden sich in der Armee des General Haller etwa 3000 Juden, vorwiegend galizischer Herkunft. Diese gerieten seinerzeit als österreichisch-ungarische Soldaten in italienische Gefangenschaft, wo sie dann gemeinsam mit ihren polnischen Kameraden in die Haller-Armee in Frankreich eintraten. (Keine Aushebungen in Litauen und in Weißrußland.) Die „Gazetta Poranna" meldet, daß Oberst Wyrostek einem Mitarbeiter der „Jüdischen Presse" erklärt habe, daß in Brest- Litowsk, Bialystok, wie überhaupt in Litauen und Weißrußland keine militärischen Einberufungen stattfinden werden. Er wies darauf hin, daß diejenigen, die kein Wahlrecht zum Landtag gehabt haben, als Ausländer auch vom Militärdienst befreit feien. Auch diejenigen, die in Warschau wohnen, werden, falls sie in einem anderen als den zehn Gouvernements Kongreßpolens geboren sind, als Ausländer betrachtet.

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