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Jüdische Korrespondenz · 1919-05-08 · 17 (8.5.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
17 (8.5.1919)
Date
1919-05-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Korrespondenz. Nr. 17 (Antisemitische Aerzte.) Die steiermärkische Aerztekammer hat sich gegen die geplante Ernennung Dr. Tandlers zum Staatssekretär für Volksgesundheit ausgesprochen. Die Aerztekammer erwartet, daß die Besetzung von einem erforderlich qualifizierten Fachmann erfolgen wird. Die Angehörigen der Kammer geben der Meinung Ausdruck, daß das Vordringen des jüdischen Elements in den Staatsstellen in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Schichtung der Bevölkerung stehe. Das ohnedies gesunkene Ansehen des Staates leide darunter und in den weitesten Kreisen der Bevölkerung werde, großer Unwille rege. (Ein antisemitischer Aufruf.) Wie der „Vorwärts" schreibt, hängen am Hauptportal der früheren königlichen Bibliothek Plakate, deren eines einen Werbeauftuf für eine angebliche Freiwilligenformation darstellt. In diesem Plakat befinden sich wörtlich folgende Sätze: Offiziere und Mannschaften deutsch-germanischer Abstammung, die Wert darauf legen, bei Truppen einzutreten, bei denen weder Juden, noch Halbjuden, noch Judengenossen Aufnahme finden können, können sich in unserem Werbebureau einschreiben lassen. (Eine Regierungskommissiou für Wilua.) Pilsudski hat für die von den Polen besetzte Stadt Wilna einen außerordentlichen Regierungskommissär ernannt, welcher eine Verwaltungskommission eingesetzt hat. In dieser Kommission sind fünf Polen, drei Juden, ein Weißruthene und ein Litauer. (Dr. Josef Seliger f. A.) Aus Jerusalem kommt die Nachricht von dem Ableben des Doktor Josef Seliger. Dr. Seliger ist in Galizien geboren und in seiner wahren Frömmigkeit und seinem talmudischen Wissen war er ganz ein östlicher Rabbiner. Er studierte auf einer der westlichen Universitäten und erwarb dort den Doktortitel. Er schrieb ein vorzüglichesj eigenartiges und doch volkstümliches Hebräisch und hatte eine starke literarische Begabung. Bor zehn Jahren gründete er die Tachkemoni-Schule in Jaffa und lebte dann in Krakau und Lemberg. Damals gab er den „Bath- Kol" heraus und schrieb wissenschaftliche und politische Artikel. 1914 kam er wieder als Lehrer der Schule der Freien Vereinigung nach Palästina. (Amerikanische Bekleidungshilfe.) In Palästina herrscht eine große Bekleidungsnot. Die Vorräte sind nur sehr gering. Besonders die galiläischen Evakuierten leiden unter dem Kleidermangel. Das amerikanische „Palästina-Amt" hat eine große Kleideraktion eingeleitet und demnächst wird ein Schiff mit Kleidern nach Jaffa abgchen. In der Union hat man überall Kleidemäh-Cercles organisiert, die für Palästina arbeiten. (Der kanadisch-jüdische Kongreß gegen ein Einwandernngsverbot.) Wie das Stock- Kongreß in Kanada, der in Montreal vom 16. bis 18. März stattgefunden hat, eine Resoluüon gefaßt, in der gegen das in Kanada geplante Einwanderungsverbot Protest erhoben wird und das Prinzip der offenen Tür gefordert wird. - (Ans Litauen.) Das litauische Ministerium hat die leitende Stelle im Unterrichtsministerium für das jüdische Schulwesen dem bisherigen Oberlehrer am hebräischen Gymnasium in Kowno, Herrn Dr. Leo Deutschländer, der seit Jahren im Schuldienst im Osten tätig ist, übertragen. Der Unterrichtsminister hat seine hohe Wertschätzung für das jüdische Bildungswesen und die Notwendigkeit einer jüdischen Kulturautonomie wiederholt zum Ausdruck gebracht. Dem von Dr. Carlebach gegründeten und geleiteten hebräischen Gymnasium in Kowno, hat der Minister die Rechte einer Vollanstalt und das Recht zur Abnahme der Abiturientenprüfung verliehen. (Eine Rede Jaeob Schiffs.) Bei der jährlichen Generalversammlung der Jmmigraüon Aid Society am 9. März hielt Jacob Schiff eine Protestrede gegen die reaktionären Versuche, die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten für mehrere Jahre zu verbieten, und führte aus, daß die jüdische Einwanderung nur von Vorteil für Amerika gewesen ist. Die Lage der Juden in einigen Ländern werde auch nach dem Kriege unerträglich sein, da die Gleichberechtigung, sogar wenn die Friedenskonferenz auf ihr bestehen sollte, wenigstens sür einige Zeit nur auf dem Papier vorhanden sein (LordRothschild inLondou keinZionist.) Während des Sieges berichteten zionistische Blätter wiederholt, Lord Rothschild sei zu den Zionisten übergegangen. Das ist nicht richtig. Am 26. Februar überreichte, wie der Londoner Korrespondent des „Jüdischen Preßbureaus" in Stockholm mitteilt, eine Delegation des Jewisch Conjoint Committees, bestehend aus Steward Samuel, Lord Rothschild, Claude Montefiore und Lucien Wolf, der Friedens-' konferenz ein Memorandum, in dem die Sicherung der jüdischen bürgerlichen Rechte gefordert wird. Das genannte Memorandum ignoriert vollständig die Forderung nationaler Rechte. Es verlangt volle religiöse Freiheit, fteien Zutritt zu allen Staatsämtern und allen Berufen sür alle Einwohner eines Landes ohne Unterschied der Rasse oder des Glaubens. Personen oder Gemeinden, die unter Nichtbeachtung dieser Bestimmungen leiden, sollen das Beschwerderecht bei der Exekutive des Völkerbundes haben. (Die Mikwah-Gebühren in Wien.) Im Sinne der Bestimmungen Anhang III des Statuts der israelitischen Kultusgemeinde Wien (Tarif für Abgaben, Taxen und Gebühren) werden die Gebühren für die Benützung der rituellen Badeanstalt (Mikwah), Wien, II., Floßgasse Nr. 14, bis auf weiteres wie folgt festgesetzt: A. Frauenbad: 1. Klaffe K 6 —, 2i Klasse K 4 -, 3. Klasse K 3 —. ß. Männerbad: 1. Klasse K 3 —, 2. Klasse (Allgemeines Bad) K —70, Warmes Tauchbad K 1 50. Unbemittelten wird die unentgeltliche Benützung der rituellen Badeanstalt über Einschreiten bewilligt. Der Baalschem von Lhelm und fein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von Chaim Bloch, Delatyn. (gortftjimß.)' 5. Der Weg zum Sriedyof. In Chelm führte der Weg zum jüdischen „Haus des Lebens"* bei einer Kirche vorbei. Der Pfarrer Koniecki, welcher im Kirchhof seine Wohnung hatte, war ein gefährlicher Feind der Juden. Doch er konnte gegen sie nichts Böses ausrichten. Einmal versuchte er einen Juden in einen Ritualmordprozeß zu verstricken, doch bevor noch der Jude ins Gefängnis gebracht wurde, klärte sich die Sache auf: das angeblich ermordete Kind wurde frisch und munter aufgefunden: es hatte sich mit einem anderen Knaben in „Versteck" gespielt. Um seiner Feindseligkeit Raum zu geben, machte er es sich zur Gepflogenheit, so oft man eine jüdische Leiche auf den Friedhof trug, seine beißenden Hunde auf die das Geleite gebenden Juden zu hetzen. Er aber stellte sich zum Fenster seiner Wohnung und lachte, als sich die Juden die sie verfolgenden Tiere abwehren wollten. Das war seine Passion. Das kam zu Ohren Rabbi Elies und er wurde des Ingrimmes und des Zornes erfüllt. Er sagte den Gemeindevorstehern, daß, sobald, der Himmel bewahre davor. ein Todesfall Vorkommen wird, ihn davon zu verständigen, er wolle selber an dem Geleite teilnehmen. Nach einiger Zeit starb ein sehr frommer Mann, namens Reb Natan. Da kamen die Gemeindevorsteher zu Rabbi Elie und sprachen: „Heiliger Meister, ein ehrwürdiger Genoffe unserer Gemeinschaft sei gestorben und noch heute wird ihm das Geleite gegeben werden." Und Rabbi Elie ließ den Golem herantreten und sprach zu ihm: „Nehme meinen Stab in der Hand, und wenn ich zum Totengeleite gehe, gehe hinter mir, unsichtbar und lautlos. Wenn die Hunde mucken werden, dann schl'" mit dem Stab auf sie los und haue solange, bis ,ch durch einen Wink.Halt' gebieten werde." Und das Geleite begann und eine große Gemeinde von Trauernden zog gegen das „Haus des Lebens", um Reb Natan die letzte Ehre zu erweisen, und eine dichte Wolke von Traurigkett umhüllte sie. Der Gemeinde voran, knapp hinter dem Sarge schritt Rabbi Elie, ein klein gewachsener Mann mit langem weißen Bart. Er befahl, daß vor ihm kein Mann gehen soll, damit zwischen ihm und dem Sarge kein Zwischenraum sein soll. Auch hinter ihm soll sich das aelettgebende Volk mit vier Ellen entfernt halten. In diesen Zwischenraum schlich sich der Golem em und schritt, von niemanden bemerkt, d— Äls man mit dem Sara vor die Kirche kam, öffnete »ch daS Gittertor des Kirchhofes und heraus kamen drei Hunde, so groß wie Wölfe. Im Hausfenster aber stand der Pfarrer Koniecki und sprach in polnischer Sprache die Worte: „Ergreifet siel" und die Hunde sprangen auf die Leute. Rabbi Elie ließ den Leichenzug stehen bleiben. Plötzlich hörte man ein schreckliches Jammern und die 'Friedhof. Leute sahen, daß KonieK am Fenster stehend, mit den Händen in die Luft Bewegungen machte, wie ein Mensch, der einen Anschlag gegen sich abwehrt. Die Hunde aber blieben ruhig und kein Mucken kam aus ihren Mäulern- Plötzlich hörte * die Menge, wie Koniecki zu mucken anfing .und es schlugen Töne aus seinem Munde, als wäre em großer Rudel von Hunden im Zimmer. Es ist den Leuten nicht entgangen, daß Rabbi Elie eine Bewegung mit den Augen machte, so, als hätte er einen Wink gegeben, seine Wimpern hob er hoch und sprach: „Nun setzen wir den Weg fort." Und der Zug bewegte sich ohne jede Störung bis zum „Hause des Lebens". Kaum war die Leiche ins Grab gesenkt und die Gemeinde hatten die üblichen Gebete verrichtet, als man von dem Zaun her ein schreckliches Mucken vernahm. In ihrer Versolgungsangst schrieen die Leute auf, denn sie glaubten, es seien wieder die Hunde dahinter gekommen. Da sagte Rabbi Elie: „Bleibt ruhig, es ist der Pfarrer." Unterwegs, da sie vom „Haus des Lebens" in die Stadl gingen, tagte Rabbi Elie: „Koniecki trug die Seele unseres Erzfeindes Hamans. Um ihn zu bezwingen, mußte ich den Himmel anflehen, einen Funken der Seele Mordechajs zu erhalten* und so konnte ich erst mit ihm den Kampt aufnehmen." Seither blieb Koniecki bei seinen Mucken, er wurde darum seines geistlichen Postens enthoben und als die Juden wieder einmal einen Toten zu Grabe trugen, da muckte kein Hund mehr. (Fortsetzung folgt.) * Es ist eine kabbalistische Anschauung, daß die^Seelen verstorbener Menschen ins Erdenleben zurückwandern, sich der Seele lebender Menschen anschmiegen und sich mit ihnen vereinigen. Es könne.eine Seele auf mehrere Menschen sich verteilen, indem sie einem jeden einen Nizuz, einen Funken, von sich gibt, wie sich gar mehrere Seelen einer einzigen lebenden Menschenseele anschließen können. Diese Art heißt Jbur — Seelenschwangern. Jugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums. Weremslokal: II., Große Schiffgaffe 16. Geöffnet an Wochentagen von 6 big 9 Uhr abends, an Samstagen und Sonntagen ab 9 Uhr vormittag». Reichhaltige Bibliothek u. Zeitschriften zur freien Benützung der Mitglieder. ScHiurirn-Kinteitung vom 10. bis 15. ZN«i 1919. Samstag, ‘/s:11 bis ‘/.12 Uhr vormittags: Sidra mit Kommentar, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Hoff- Samstag, */«12 bis ’/J Uhr nachmittags: Bortrag Rabenu im Beth-Hamidrasch der Ädaß Jisroel. Samstag, 3 bis 4 Uhr nachmittags: Pirkeh OwauS, Sr. Ehrw.' Herr Rabbiner I. Baumgarten. Sonntag, 11 bis 12 Uhr vormittags: Jesara, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Hoffmann. Sonntag, »/«6 bis ZIJ Uhr abends: Mögen Awohom, Herr S. S ch r e i b e r. , Sonntag, 7 bis 8 Uhr abends: Sidra mit Kommentar, Herr D. Baumgarten. Montag, 7 bis'8 Uhr abends: Sidra mit Kommentar, Herr D. Baumgarten. Dienstag. 7 bis 6 Uhr abends: Mischleh. Herr A. Breu er. Mittwoch, 7 bis 8 Uhr abends: Mlschnah, BerochauS, Herr S. Schreiber. Donnerstag,-? bis 8 Uhr abends: Mischnah, BexochauS, Herr S. Schreiber. Seforim sind mitzubringen. II., Große Schiffgasse 8. - Gebeistunden in der Zeit vorn 9. bis 18. Ijar 5679 (9. bis 16. Mai 1919). Freitag, 9. Ijar: S abbatein gang 7 10. Samstag, 10. Ijar: Emor, Morgengebet 680 und 9*30, Mincha 12-15, Pirke-Aboth-Vortrag um 3-30 und angchlieflend das Mincba-Gebet Sabbatausgang: 7-55. An Wochentagen: Morgengebet 515 und 6 Uhr, Mincha M o n t a g, 12. Mai: Taanith-Scheni, Mincha mit Wajchal- Vertesung um 7 Uhr. Freitag, 16. Ijar: Behar, Sabbateingang 7 20. Anmeldungen von ungen und Barmizv der Kanzleistunden, 9—12 und 8—6 Uhr» entgegengenommen. wah werden w8! Klavierlehrern . mit Staatsprüfung erteilt Unterricht für Anfänger und Vorgeschrittene, ausgenommen Samstag und an Feiertagen. Näheres unter „520“ an die Administration dieses Blattes. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VUL, Hemalser Gürtel 20.

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