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Jüdische Korrespondenz · 1919-04-24 · 15 (24.4.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
15 (24.4.1919)
Date
1919-04-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 15 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 Von Mitgliedern der „Zeire Zion" und «Chaluzim" wurden folgende erschossen: Chajim Friedmann, Hirsch Liedmonn, Israel Brennmann aus Kolo, Simcho Paritzki, Maische Silbermann, Zadik Riklin, Katzmann Jeschua, Gottlieb Zwi, Gottlieb Bankowski, Hirsch Henckelmann, Gerschen Kusinies, Seidel Steinjerg, Schafsim Pinchas, Gidelmann Aron, Glaubermann, Judewicz Leib Klatein. Von „Beth Am" folgende: Maische Leib Friedmann, Josef Fischmann, Maische Glaubermann, Maische Natanski, Abraham Holzmann, Mankowski Pinchas, Krasitschik. Von „Poale Zion": Fischl Feldmann. In Beantwortung einer Interpellation des jüdischen Abgeordneten.Prylucki in Angelegenheit der Ereignisse in Pinsk führte der Heeresminister Lezniewski aus: Am 5. April wurde in Pinsk in einem Hause bei der Kupieckagasse eine geheime Versammlung der Kommunisten abgehalten, an der sich hundert Personen beteiligten. Major Luczynski, der von einem Juden von dieser Versammlung Kenntnis erhalten hatte, sendete eine kleine Abteilung Soldaten, welche mit Schüssen empfangen wurden. Zwei Soldaten wurden getroffen, einer von ihnen ist seinen Verletzungen erlegen. Den Soldaten kam eine zweite Abteilung zu Hilfe, welche achtzig Personen verhaftete. Während der Eskorte versuchten die Verhafteten die Papiere, die sie bei sich hatten, zu zerreißen und wegzuwerfen. Von den Verhafteten wurden 33 standrechtlich erschossen. Zurzeit könne der Minister dem Landtag keine weiteren Details mitteilen. Nach Pinsk wurde eine gemischte Untersuchungskommissivn entsendet, der auch Mitglieder der amerikanischen Mission angehören. Die gerichtliche Untersuchung ist im Gange. Das Ergebnis der Untersuchung wird dem Landtage bekanntgegeben werden. Der Landtag beschloß, eine aus zehn Abgeordneten, darunter zwei Juden zusammengesetzte Kommission nach Pinsk zu entsenden,, die an Ort und Stelle die Sachlage prüfen wird.' parteikämpfe in Palästina. Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Palästina berichtet: Palästina steht jetzt im Zeichen der Parteikämpfe. Einige nennen es sogar Klassen kämpfe. An der Spitze des „Ha'Esrach", der national-demokratischen bürgerlichen Partei, steht der Bürgermeister von Tel-Awiw, M. Disengoff. Im Laufe einer ganz kurzen Zeit hat diese Gründung eine auffallend starke Entwicklung erfahren und man darf mit Sicherheit sagen, daß sich um diese Partei die künftigen inneren politischen Kämpfe in Palästina abspielen werden. Schon jetzt organisieren einerseits - der Hapoel Hazair, anderseits die sozialdemokratischen Poale-Zion' alle Kräfte gegen die herannahende „Reaktion". Da nämlich auch die anderen bürgerlichen Elemente, die Kreise, die sich., bisher von jeder Parteibetätigung ferngehalten haben, sich nunmehr zusammenschließen, erheben die radikalen Elemente gegen die neu entstandene Organisation die Beschuldigung, ihr eigentliches Programm bestehe darin, die bevorstehende Nationalisierung des Bodens und die Unschädlichmachung des Kapitalismus zu verhindern. Der Ha'Esrach bemüht sich in Wort und Schrift, die Grundlosigkeit dieser Behauptungen zu beweisen, und man muß gestehen, daß der Erfolg seiner Propaganda nicht ausbleibt. Im Verlauf weniger Wochen sind nicht weniger als 24 Gruppen dieser neuen Bürgerorganisation in Stadt und Land ins Leben gerufen worden. Dem Ha'Esrach gelang es ohne Schwierigkeiten, in den Kolonien Anhängerschaft zu finden und Filialen zu gründen. Die Kolonisten hören nicht allzu gerne von der Nationalisierung des Bodens und von ähnlichen sozialpolitischen Reformen. So nahmen sie das neue Programm, das klar und bündig erklärt: „Wir lehnen alle Radikalismen ab", sehr gerne an, Herr Disengoff entwickelte bei einer Versammlung das Programm der Partei. Die Grundlage, auf der man das neue Palästina aufbauen müsse, sei die Freiheit, Freiheit des Gewissens und Freiheit der öffentlichen Meinung. Es sei unerhört, erklärte der Redner, wenn unsere jungen Leute Boykott -erklären gegen alle Kaufleute, die keine hebräischen Schilder aushängen oder gegen diejenigen Unternehmungen, die keine jüdischen Arbeiter beschäftigen. Das seien mittelalterliche Maßnahmen. Was würde man dazu sagen, wenn die orthodoxen Juden diejenigen Brüder unter Boykott stellen würden, die den Sabbath entweihen. Gerade in Palästina sei dieses System am gefährlichsten. Die Arbeitsmethoden unserer linken Elemente entfernen das Kapital aus Palästina und untergraben die Privatinitiative. In einer Flugschrift greift Disengoff die Zionisten scharf an. Adas Jisroel Wien. II., Gr. Schiffg. 8. Kanzlei: H., Gr. Schiffg. la. Aufruf. Das endlos düstere Einerlei des Jammers, den wir durchleben, wird nur unterbrochen durch besonders erschütternde Unglücksfälle. — Wieder wurden im Osten blutige Pogrome veranstaltet. Besonders aus Proskurow, einer großen blühenden Gemeinde, dringt ein gellender Notschrei zu uns. Tausende Glaubensbrüder wurden hingeschlachtet. Tausende Witwen und Waisen sind in Not und Elend hinausgestoßen! Brüder, helfet, rettet! Das jüdische Herz muß und wird sich auch hier bewähren. — Sendet uns Eure Gaben, um zu erhalten, was noch zu retten ist. Wien, Nissan 5679. April 1919. Adas Jisroel. Rabbiner Sigmund Fürst, Rabbiner der Adas Jisroel; Rabbiner Joses Baumgarten, Rabbiner-Assistent der Adas Jisroel; Philipp Back. Obmann der Adas Jisroel; Gustav Austerlitz. Ignaz Back. Markus Bondy, Sigmund Bondy, Eduard Deutsch. Jakob Fuchs, Samuel Glückselig, Wilhelm Kritzler. Moriz Leitner, Franz Reumann, Wolf Pappenheim, Dr. Isidor Reiniger, Nathan Schiff, Julius Steinselb, Jakob Stern, Michael Sternseld, Äertholü Stroh. Spenden werden in der Vereinskanzlei entgegengenommen. Erlagscheine Stehen zur Verfügung. Die Spenden werden besonders bestätigt und im Jahresberichte ausgewiesen. verein zur Unterstützung armer, kranker Israeliten, Wien. Am 13. April fand die Generalversammlung des Vereines bei zahlreicher Beteiligung unter Vorsitz des Obmannes Markus Bondy statt. Herr Markus Bondy begründet die Schwierigkeit der Abhaltung einer Generalversammlung während des Krieges und dankt den Mitgliedern und Gönnern des Vereines speziell der Kultusgemeinde, die durch ihre werktätige Mithilfe es ermöglicht hat, den wesentlich gestiegenen Anforderungen nachzukommen. Herr Frommer erteilt zum Rechenschaftsbericht die notwendigen Aufklärungen und betont die bedeutsame Errungenschaft der Errichtung einer eigenen, streng rituellen Küche im Wiener Allgemeinen Krankenhause. Dies beweist, daß auch die Tätigkeit des Vereines bei den hohen Behörden und der Krankenhausdirektion Würdigung und Anerkennung findet. Im Zusammenhangs damit ist dadurch auch eine erhebliche Verbesserung der Krankenverpflegung möglich. In den furchtbaren Kriegsjahren konnte der Verein nicht nur eine stets wachsende Zahl von Zivilpersonen, sondern auch eine große Zahl von kranken Soldaten mit ritueller Kost verpflegen. Die Tätigkeit des Vereines erschöpft sich jedoch nicht nur mit der rituellen Verköstigung allein, sondern die Kranken werden auch besucht, deren Wünsche erfüllt und so war unser Vorstand allen Kranken auch Führer, Freund, Ratgeber, Ernährer und Tröster. Die Einnahmen des Vereines im letzten Berichtsjahre (1913) beliefen sich auf K 19.000—, im abgelaufenen Jahre auf X 73.000'—. Die Mitgliederzahl ist dank der rührigen Tätigkeit des Vorstandes von 500 auf 900 gestiegen; die Jahresbeiträge von K 32.000 — auf K 85.000 —. Trotz dieser wesentlichen Steigerung der Einnahmen hat sich das Gebarungsdefizit wesentlich erhöht, da noch immer die enorme Teuerung es mit sich bringt, daß die Ausgaben sich nicht mit den Budget in Einklang bringen lassen, wir bitten daher unsere verehrlichen Mitglieder die Jahresbeiträge wesentlich zu erhöhen, um allen Anforderungen gerecht werden zu können. Der Rechenschaftsbericht wird sodann einstimmig genehmigt. Bei der Wahl werden die bisherigen Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt. Auf Antrag eines Mitgliedes wird aus der Versammlung ein Betrag von K 7000 — für außerordentliche Erfordernisse gezeichnet. Die Versammlung begrüßt speziell den hochverdienten Vereinspräsidenten und Ehrenmitglied, Herr Markus Bondy, mit dem Wunsche, ihn noch viele Jahre an der Spitze des Vereines in voller Gesundheit und Rüstigkeit wirken zu sehen. Der Delegierte der Kultusgemeinde, Herr Landesschulrat Dr. Markus spitzer, Vizepräsident des Vereines, entschuldigt sein Fernbleiben mit unaufschiebbaren amtlichen Agenden. Die Zlüchtlingssrage in Wien. Vor einigen Tagen brachten die Wiener Blätter nachstehende amtliche Mitteilung: „In den letzten Tagen zeigte sich ein auffallend starker Zt^ug von Fremden, die wegen der Ereignisse in den östlichen Nationalstaaten nach Deutschösterreich und insbesondere auch nach Wien geflüchtet sind. Da die äußerst schwierigen Ernährungsverhältnisse eine derartige Belastung durch ungewöhnliche Vermehrung der Konsumenten nicht gestatten, ist es im eigenen Interesse der Fremden geboten, das Staatsgebiet, jedenfalls aber Wien baldigst fteiwillig wieder zu verlassen, da andernfalls die Behörden gezwungen wären, die eventuelle Ausweisung dieser Fremden in Erwägung zu ziehen." Bald darauf hat sich auch der Wiener Stadtrat mit der Frage der geplanten Maßnahmen gegen die in Wien weilenden Flüchtlinge befaßt. Nach eingehendem Bericht des Stadtrates Kienböck wurde folgender Stadtratsantrag gestellt: „Der Stadtrat verlangt, daß im Hinblick auf die steigende Wohnunas- und Lebensmittelnot an Personen, welche weder die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft erlangt haben, noch die Voraussetzungen zu ihrer Erwerbung besitzen, Lebensmittelkarten nur mehr für einige Tage ausgegeben werden und daß die bereits ausgegebenen Karten nach Prüfung der Verhältnisse eingezogen werden. Ferner ist von dem bestehenden Ausweisungsrechte gegenüber Ausländern aus den österreichischen Nationalstaaten angemessener Gebrauch zu machen. Zum Zwecke dieser Maßnahme wird die Polizeidirektion ersucht, raschestens und unter wirksamer Kontrolle des Meldungszwanges eine genaue Uebersicht der hier wohnenden Ausländer aufzustellen und auf Grund derselben, unter Stellung angemessener Frist, für die Entfernung der hier nicht ansässigen obgenannten Personen, eventuell für ihre Unterbringung in Flüchtlingslagern Sorge zu tragen." Nach bewegter Aussprache wurde der Antrag mit den Stimmen der Christlichsozialen und Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Freiheitlichen angenommen. In den Kreisen der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina hat dieser Beschluß eine große Aufregung hervorgerufen, da nicht klar war, ob die Maßnahmen bloß gegen die in jüngster Zeit eingetroffenen Flüchtlinge aus Ungarn oder gegen alle Flüchtlinge gerichtet sind. Von jüdischer, wie auch von polnisch-galizischer Seite wurde diesbezüglich beim Staatskanzler interveniert. Der Staatskanzler erklärte, daß es sich bloß um die in jüngster Zeit eingelangten Flüchtlinge handelt. Die früheren Kriegsflüchtlinge bleiben wie bisher unbehelligt. (Siehe auch den Artikel: „Zur Ausweisung der Kriegsflüchtlinge.") Rundschau. (Ernennung.) Regierungsrat Dr. S. Fra n kfurter, Referent für jüdische Gemeindeangelegenheiten im Staatsamte für Kultus, ist zum Hofrat ernannt worden. (Antisemitische Partei in Deutschböymen.) Die Deutschen in Böhmen hatten nichts Eiligeres zu tun, als eine „Deutschböhmische Volkspartei" zu gründen, die auf antisemitischem Standpunkt steht und diesen Standpunkt auch in ihr Parteiprogramm aufnimmt. Glauben die Narren, so die Sympathien der Welt zu gewinnen? (Die Pinsker Pogrome.) Der vom Reichstag nach Pinsk delegierten Untersuchungskommisston hatten sich mit Zustimmung des Präsidiums auch Vertreter der polnischen und jüdischen Presse angeschloffen. Die Journalisten mußten jedoch auf Verfügung des Generals Listowski in Brest-Litowsk ihre Reise unterbrechen und nach Warschau zurückkehren.

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