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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-08 · 29 (8.8.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
29 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JüdibehevKorr^spondenz Nr. 29 die Juden im Komitat Oedenburg allen Ernstes an Auswanderung und Flucht denken. Eine Volksversammlung, die Sonntag in Oedenburg hätte stattfinden sollen, in der ein Budapester Delegierter das Referat hätte halten sollen^ unterblieb, weil die Agitatoren die Versammlung gegen die Juden aufzureizen die Absicht hatten. (Paderewski über den Schutz der jüdischen Minderheit.) Vor seiner Abreise von Paris gab Paderewski ein längeres Communique über die aktuellen politischen Fragen heraus, in dem er folgende Erklärung über die Minderheitsschutz-Bestimmungen im Friedensvertrag abgibt: „Ich begreife es, daß dieser Vertrag im ganzen Lände Unzufriedenheit ausgelöst hat; ich selbst hatte beim Unterzeichnen ein sehr unangenehmes Gefühl. Allein es war der einzige Ausweg. Anfangs drohte uns große Gefahr. Die jüdischen Parteien des Auslandes hatten bereits vor zwei Jahren einen derartigen Vertrag in allen Einzelheiten ausgearbeitet. Wäre dieser zur Annahme gelangt, so würde dies eine schwere Katastrophe bedeutet haben, da die amerikanischen und englischen Kreise die Anerkennung einer gleichgestellten jüdischen Nationalität und der jüdischen Sprache als gleichberechtigter Amtssprache guthießen. Der gegenwärtige Berttag findet in formeller Beziehung nicht unseren Beifall, er ist jedoch in seiner Gesamtheit als glücklich zu bezeichnen. Er rennt offene Türen ein, die wir bereits selbst geöffnet haben, und nötigt uns Konzessionen ab, die wir unzweifelhaft selbst zu machen bereit wären. Hingegen gewährt uns der Vertrag ein Vorrecht, das wir selbst nicht in Anspruch genommen hätten, nämlich die Einführung der polnischen Sprache in die jüdischen konfessionellen Schulen. Ohne diese internationale Garantie hätten wir dies schon aus Gründen religiöser Toleranz nicht durchsetzen können, noch wollen." (Ein polnischer Pfarrer an Morgeuthau.) Der aus Wolhynien nach Warschau geflüchtete Pfarrer Felix Sznarbach hat an den Senator Morgenthau, den Präsidenten der Entente- Kommission zur Prüfung der jüdischen Frage, ein Memorandum gerichtet, in dem er in drastischer Weise die Schrecknisse der Bolschewikenherrschast in Wolhynien und in der Ukraine schildert. Das Memorandum weißt entsetzliche Einzelheiten von den Morden, den Plünderungen, dem Raub und den Schändungen an der jüdischen Bevölkerung in Wolhynien und in der Ukraine zu erzählen. Es zählt eine ganze Reihe von Städten und kleineren Ortschaften auf, in denen die Bolschewiken fast die ganze jüdische Bevölkerung förmlich hinschlachten; unter andern kam es zu solchen Judenmetzeleien in Olyka, Rowno, Sokolow, Zytomierz, Radomysl, Human, Monasterzyska, Braclaw, Olgopol, Tulczyn, Chmielnik, Latycze, .Mlynow, Klewan, Dubno usw. In dem Memorandum führte der Pfarrer zahlreiche Namen der Beschädigten und Zeugen sowohl der jüdischen wie christlichen Bevölkerung an. Die Namen der geschändeten und gemarterten Judenmädchen will er nur dann anführen, wenn er von diesen dazu ermächtigt wird. Zum Schluß sagt der Pfarrer, daß er die Verhältnisse in Wolhynien und der Ukraine genau kennt, weil er dort lebt und arbeitet. Die einzige Rettung für dieses arme, gepeinigte Volk ist nur die rasche Hilfe der Entente. Das Memorandum schließt mit den Worten: Rette, du freier Bürger Amerikas, deine Glaubensbrüder auf wolhyuischem und ukrainischem Boden! (Delegation ukrainischer Juden in London.) Aus Paris traf in London eine ukrainisch-jüdische Abordnung ein, der unter andern die Herren Hillel Slatopolski und Neiditsch angehören. Die Delegation wird mit der englischen Regierung über die Mittel beraten, die gegen die Progrombewegung in der Ukraine zu ergreifen sind. (Fasttag in Kisch in ew.) Aus Bukarest wird telegraphiert: Die Agentur „Dacia" meldet auL Kischinew: Wegen der Judenprogrome in der Ukraine ordnete der Rabbiner Zirels on in Kischinew an, daß am Donnerstag, den 31. Juli, alle Juden fasten und Gebete verrichten müssen. (Die Galizianer werden aus Böhmen ausgewiesen.) Aus Prag wird gemeldet: Die Flüchtlinge aus Polen wurden aufgefordert, bis längstens 20.; August von hier abzureisen, weil sich die Verhältuisie in Galizien beruhigt haben. Falls sie dieser Aufforderung nicht Nachkommen, würden sie nach Krakau abtransportiert und einer Behörde übergestellt werden. (Geheirnberatuug der Chassidimrabbis.) Unter der Überschrift „Die Chassidimrabbis hielten eine geheime Beratung ab", bringt die hiesige polnische Zeitung' „Przy Wjeczeg" folgende Meldung: „Aus wohlunterrichteter Quelle erfahren wir, daß in einer Geheimberatüng der Chassidimrabbis in Polen, die in Alexander stattsand, eine politische Plattform für das polnische Judentum festgesetzt wurde. Diese Plattform gründet sich auf die Grundsätze oer Gleichberechtigung der Juden und die Anerkennung einer, gewissen religiös-kulturellen Autonomie, wobei das Postulat einer nationalen Autonomie völlig übergangen wird. Im Warschauer zionistischen Lager herrsche darüber lebhafte Beunruhigung. Es heißt, daß die Regierungsfaktoren eine restlose Unterstützung dieser Aktion zugesagt hatten." (Der Anteil der Juden in der englischen Armee.) Referent Adler, der Hauptrabbiner der jüdischen Soldaten und Matrosen der englischen Armee und Flotte, ließ kürzlich ein ein Buch erscheinen mit genauen Schilderungen und Zahlen über den Anteil der Juden an der englischen Kriegsmacht. Bei Ausbruch des Krieges war natürlich die Zahl der jüdischen Soldaten und Offiziere in der „regulären" Armee sehr gering und betrug nur gegen 600 Mann. Vor dem Kriege waren also die Juden keine „Krieger". Ganz anders, wurde es jedoch als England anfing Freiwillige aufzubieten. Von den Rothschilds angefangen bis zu den Eastender Boys meldeten sich die jungen Juden so zahlreich, daß vor Einführung des obligatorischen Militärdienstes, in der englischen Armee bereits zehntausend jüdische Freiwillige dienten, darunter 1400 Offiziere. In den englischen Kolonien Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika und Britisch-Nordindien bildeten die Juden einen größeren Prozentsatz als ihnen laut -der Zahl der Bevölkerung zukam. So meldeten sich in Australien auf zirka 19.000 Juden 1800 Freiwillige, von denen 250 auf den Schlachffeldern gefallen sind. Die Zahl der Juden in England und in den Kolonien beträgt gegen 420.000 .Seelen, darunter natürlich eine große Anzahl Ausländer, die', dem obligatorischen Militärdienst nicht unterworfen waren. In den verschiedenen Abteilungen der englischen Armee und Flotte gab es gegen 50.000 Juden. Das ist jedoch das absolute Minimum, da die Religion von Tausenden nicht angegeben wurde. Die jüdischen Kriegsverluste betrugen,8674 Mann, und zwar an Toten: Soldaten 2008, Offiziere 316 und Verwundete und Vermißte 6350. Dekoriert wurde ebenfalls eine große Anzahl von Juden, darunter mehrere mit dem Viktoria-Orden, der größten Auszeichnung Englands. Charakteristisch ist, daß die Juden ihr Heldentum hauptsächlich beim Retten der Verwundeten auf dem Schlachtfelde bewiesen und durch Mut und Unerschrockenheit dabei die Bewunderung ihrer Vorgesetzten erlangten. (UniversiLatsvorlesungen über Palästina.) Die Universität von Liverpool, hat, wie das Kopenhagener Zionistische Bureau mitteilt, für die Monate Mai und Juni einen sieben Vorlesungen umfassenden Kursus über Palästina vorgesehen. Prof. Dr. H. Roxby wird über „Die Physikalische Geographie und Raumverhältnisse in Palästina" sowie über „Die ökonomischen Aussichten" lesen. Der Bischof Warrington wird „Die ursprüngliche jüdische Besiedelung und Entwicklung Palästinas" behandeln. Prof. R. C. Bosanquet liest über „Der Kontakt Palästinas mit dem Westen" und Herr H. K. Sellim über „Der Islam in Palästina". Herr Bertram B. Benas hält Vorlesungen über „Der Wiederaufbau Palästinas durch die Juden" und über „Die politischen Aussichten Palästinas". (Die jüdischen Kultus gemeinden itt Rußland sistiert.) Wie „Hajnt" meldet, wurden mittels Dekrets der Sowjetregierung sämtliche jüdischen Kultusgemeinden in Rußland für immer aufgehoben. Sämtliche Fonds und Stiftungen, die das Eigentum dieser Gemeinden bilden, sowie ihr ganzes totes und lebendes Inventar übergeht in den Besitz des bolschewikischen Kommissariats für. jüdische Angelegenheiten.

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