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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-08 · 29 (8.8.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
29 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Jüdische Korrespondenz Seite 3 Geschichte betrifft, muß sehr bedauert werden, daß dieselben nicht dem Zwecke dienten, Kenntnisse zu vermitteln, sondern gewisse Einstellungen zu bewirken und Stimmungen zu erwecken. -Es kann nicht gebilligt werden, daß in einem wöchentlich einstündigen Kurs über jüdische Geschichte Vor-rage über Nietzsche und dergleichen gehalten werden. Aehnlich war es mit beit anderen Kursen bestellt. Im gangen muß gesagt werden, daß die Partei eine auf dem Ueberschwang der Pubertät aufgebaute und auf ein kraftgenialisches Jugendübermenschentum hinzielende Jugendbewegung nicht fördern könne und daß auch die Jugend dafür nichts übrig habe. Der bessere Teil der Jugend bedauere, daß im Jugendheim viel zu viel Theorie getrieben und nichts Praktisches geleistet wird, und ist unzufrieden darüber, daß beispielsweise weder die Palästinafrage noch die Ideologie des Hechaluz auch nur gestreift würde. Dr. Tisch bespricht sodann die sehr traurigen finanziellen Verhältnisse der Zentralstelle und stellt folgende Anträge: Die Zentralstelle wird vom Landeskomitee übernommen und neu aufgebaut. In der Debatte über dieses Referat erklärt Margulies, er freue sich feststellen zu können, daß in dem Kommissionsbericht auch nicht ein Satz enthalten ist, den er hätte anders formulieren können. Dr. Bernfeld gibt seinen: .Erstaunen über das Referat des Dr. Tisch Ausdruck und klärt im folgenden die Mißstände auf, die er hauptsächlich auf den Mangel an Geld zurückführt. Er gibt zu, daß Fräulein Schiff keine besonderen zionistischen, dafür aber reiche sozialistische Kenntnisse habe. Die Jugendkurse seien tatsächlich große Mißgriffe gewesen. Inden Sprechsälen wurde doch auch im Anschluß an andere Themen immer irgendwie (sic!) vom Judentum gesprochen. Dr. Bernfeld nilnmt dagegen Stellung, daß man von oben her versuche, einen Einfluß auf die Jugend auszuüben, den sich die Jugend nicht gefallen lassen will, und verlangt, daß das Landeskvmitee lediglich den Fördererverbänd in die Hand nehme, Aufrufe in der „Jüdischen Zeitung" und in der „Mvrgenzeitung" veröffentliche und die Parteiangehörigen verpflichte, für das Jugendheim zu spenden. Dr. Tartakower schließt sich den Ausführungen Dr. Bernfelds an und ist nach den Erklärungen, die Dr. Bernfeld abgegeben hat. überzeugt, daß er es mit dem Judentum sehr ernst meine. So lange kein besserer Leiter als Doktor Bernfeld vorhanden ist, soll dieser bleiben. Weiner nimmt dagegen Stellung, daß immer nur voll einer neuen Jugend gesprochen wird, ohne daß zu sehen sei, wo werden, daß der erste Teil mit dem Gerusch vom Jahre 1670 abschließt, während der zweite Teil von der neuerlichen Zulassung der Juden in Wien bis zur Schließung des Friedhofes reicht. Heute sei nur noch bemerkt, daß Numrner 1 des Bandes 1 einem Kodausch, welcher Titel nur einem Märtyrer, also einem, der ein Mausser nefesch war, gilt, und so ist auch damit fast angedeutet, daß auch die Geschichte der Mischen Kehillo Wiens gleichfalls eine Geschichte eines Martyriums ist. Wie aber Wachstein bei der Entzifferung von Inschriften arbeitet, zeigt seine Arbeit „Hebräische Grabsteine aus dem XIII. bis XV. Jahrhundert in Wien und Umgebung'" (mit sieben Textabbildungen und vier Tafeln). 22 Seiten (Siehe Bericht der Kais. Akademie der Wissenschaften), Wien, 1916. In Kommission bei Alfred Hölder. Wir können da Wachstein in seiner Werkstätte belauschen, wir bewundern seine Kombinationsgabe und staunen, wie er an sich selbst strenge Kritik übt, wir können das Werden einer Kombination beobachten. Im großen Werke zeigt uns-der Verfasser nur den fertigen Bau und es sann der Leser kaum sich vorstellen, aus wie vielen Steinen er zusammengetragen wurde und wie schwierig die Zusammensetzung dieser Steine sich gestaltete. Es muß^ noch betont werden, daß der Historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde Wien und dem Vorstande Dank gebührt, die finanzielle Förderung des Werkes so munifizent betrieben zu haben. Erwähnt müssen ferner werden der mittlerweile verstorbene Vertreter Dr. Leopold Kohn, der als ehemaliger Besucher ungarischer Jeschibot mit großem Verständnis und Eifer das Zustandekommen dieses Werkes durchsetzte und wenn auch zuletzt, aber doch sehr anerkennend der Verlag für die äußerst prachtvolle Ausgestaltung des Werkes. Von diesem emsigen Gelehrten ist auch eine Monographie über Gottlieb Saphirs Testament, Sonderabdruck aus dem „Archiv für jüdische Familienforschung", II. Jahrgang. Heft Nr. 4—6, erschienen. Gottlieb Saphir ist der fromme Vater des Humoristen, der mit vornehmen Preßburger Familien verwandt war. Aus dem Testament eriehen wir, daß der Vater dem Schriftsteller keine besondere Freundlichkeit zuwendet Dagegen ist er auf seinen ältesten Sohn Asriel und diese Jugend ist. Die Jligendlichen, von denen Dr. Bernfeld spricht, sind 50 an der Zahl. Sache der Partei aber kann es nur sein, der großen Menge der Jugend ihr Augenmerk zuzuwenden. Es sei daher verfehlt, zu verlangen, daß die Partei Institutionen unterstütze, in denen vierzehn- bis sechzehnjährige Gymnasiasten mit Nietzsche beschäftigt werden. Es sei bedauerlich, daß Dr. Bernfeld offen erklärt habe, daß aus Mangel an Rednern über Zionismus über andere Dinge Vorträge gehalten wurden. Wir haben Unternehmungen zu fördern, in denen der Zionismus besprochen und propagiert wird. Die an den Namen Wynneken anschließende Jugendbewegung kann und darf von der Partei nicht unterstützt werden. Wenn Dr. Bernfeld behauptet, daß man der Jugend keine Leitung aufoktroyieren dürfe, so ist dawieder nur die Meinung seiner 50, für die er als flir die neue Jugend spricht. Andere sehen darin kein Oktroy, wenn die Parteileitung mit bestem Wissen und Gewissen einen Mann mit der Leitung der Jugendbewegung betraut. Ob die propagierte nette Art der Jugenderziehung einen besseren Nachwuchs bringen wird, steht noch dahin. Es ist eine der traurigsten Folgen des Krieges, daß speziell in der Jugendbewegung, während die alten Gesinnungsgenossen im Felde standen, neue Männer, die ganz anderen Richtungen angehörten, die Leitung übernommen kjä'ben. Ing. Stricker konstatiert, daß hier nicht der Platz ist, um über die Prinzipien der Jugenderziehung an sich zu sprechen, noch dazu mit einer gewissen Geringschätzung von jener Erziehung, die zur Partei führe. Eine Institution, die mit der zionistischen Organisation nichts zu tun hat, ist aus Landeskomitee herangetreten, weil sie vor dem Bankerott steht. Da wir nicht die Kraft haben, die Zentralstelle lebensfähig zu machen, ist der Antrag Tisch unannehmbar, zumal eine Partei nicht Institutionen mit Menschen übernehmen kann, die nicht in der Partei stehen, sondern erst zur Partei erzogen werden müssen. Damit ist aber nicht gesagt, daß sich die Kartei um solche Institutionen nicht kümmern soll. Die Zentralstelle als solche ist viel zu kompliziert und hat deshalb ihre Pläne nicht durchführen können. Das Landeskonritee kann lediglich zur Vermeidung des Bankerotts die Fördereraktion der Zentralstelle unterstützen, wobei aber dafür gesorgt werden muß, daß die einlaufenden Gelder lediglich zur Deckung der Schulden verwendet werden. Eitle sonstige Bindung oder Verpflichtung wird durch diese Notstandsaktion nicht übernommen. Das Landeskomitee tritt diesem Antrag bei, worauf die Sitzung geschlossen wird. auf seinen Schwiegersohn stolz, weil sie gelehrte Männer sind. Er verlangt, es möge nach ihm nicht nur Mischnajoth, sondern auch Chobot halebaboth gelernt werden. Allerdings scheint er dem Mendelsohnschen Kreise nicht ganz ferne gestanden zu sein, denN sonst könnte mau seinen Wunsch, einen längeren Abstand vom Eintritte seines Todes bis zu seinem Begräbnis einzuhalten, für diese Zeit und in Ungarn keine Begründung finden. Wachstein stellt Saphir Heine gegenüber und wir müssen ihm beipflichten, daß Heine doch mit sich gerungen hat, während Saphir trotz weitgehender Kenntnis des Judentums sich mit demselben fast nur oberflächlich auseinandersetzte. Vielen Lesern dieser Zeitschrift wird auch eine andere Arbeit Dr. Wachsteins, als Sonderabdruck aus dem „Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumwesen", II. Jahrgang, Wien 1914—1916, „Die jüdischen Bewohner Preßburgs im Jahre 1736" betitelt, willkommen sein. Es ist dies eine Konskriptionsliste, die uns über vieles Aufschluß gibt, über die Größe der Gemeinde, über die Herkunft der Gemeindemitglieder. Wir stellen ein Abwandern von Wien nach Preßburg fest, wir erfahren, welche ungarische Gemeinden das Kontingent stellen und wir nehmen den starken Zuzug aus Deutschland wahr. Nur der Oberrabbiner stammt damals aus Polen. Die anderen Gemeindefunktionäre kotnmen aus Mähren. Die 123 Haushaltungen bestehen aus 601 Familienmitgliedern. Die Summe aller Bewohner der Siedelung beträgt 772. In den angeschlossenen Noten ist fast jede Person besprochen, hier sei nur ein Schreiber in der Hofbibliothek zu Wien und ein Bettelheim erwähnt, der sich schon damals intransigent benahm, der oppositionelle Adel des Ghettos. Nach dem oben Gesagten ist es also kein Wunder, wenn wir Wiener Namen vielfach begegnen: Oppenheimer, Leidersdorfer, Herlingen, Prager sowie Wiener, Maier, Michl, Ulmo, Arnstein, Drach, Schlesinger. Diese Schrift zeigt, wie Wachstem auch den Nachbargemeinden Wiens sein Jntereffe zuwendet^ Männer und Frauen, die auf die Geschichte ihrex-«^. Kehillo stolz sind, mögen die Werke Wachsteins erwerbet!, dcMr^'^> er in noch ausreichenderem Maße sich ihrer Lokalgeschichte zumend>.;> •-.

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