Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 11 (27.3.1919)
- Date
- 1919-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3495278-3495418-3495428--0878-3496728- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 11 Jüdische Korrespondenz. der Juden aus Aegypten, die der erste Antisemit Apion l-, der Stammvater des späteren Apion, an einen Freund im Jahre 2260 nach Erschaffung der Welt in einem Schreiben berichtet. Dieser Fund erschien N. so bedeutungsvoll, daß er ihn ,'ofort an den bekannten Bibelkritiker Quellheimer, der bekanntlich diesen Auszug als Mythe betrachtet, einschickte, der mit der Prüfung unter Beihilse moderner Gelehrter beschäftigt ist. Er hat auch 'eine jüdischen Schüler, besonders aus Palästina. von diesem Funde in Kenntnis gesetzt und sie gewarnt, vorläufig von seinen früheren Veröffentlichungen aus diesem Gebiete Gebrauch zu machen. Nur durch Zufall gelangte man zur Kenntnis dieser außerordentlich wichtigen Tatsachen. Rundschau. (Krrltusvorsteher Prof. Dr. Heinrich Neurnann.) Das Staatsdirektorium hat mit Beschluß vom 26. Februar 1919 den mit dem Titel eines außerordentlichen Universitätsprosessors bekleideten Privatdozenten Dr. Heinrich Neumann zum außerordentlichen Universitätsprofessor für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrankheiten an der Univcrsilät in Wien ernannt. Prof. Neumann ist Mitglied des Kultusvorstandes und religio nstreuer Jude. (Pogromschrecken, in der Ukraine.) Ein Mirarbeirer des Warschauer Tagblattes „Das jüdische Volk", der am 15. Februar aus Odessa abreiste und am 21. Februar nach Warschau kam, berichtet über die Lage der Juden in der Ukraine folgendes: Am 3. Februar übernahmen die Bolschewisten die Herrschaft in Elisabethgrad. Einige Tage später gelang es jedoch der Petliura-Ärmee, die Bolschewisten zu besiegen, und nun wurde ein regelrechter Pogrom in der Stadt veranstaltet, wobei die Juden natürlich am meisten zu leiden hatten; einige zwanzig sind dabei umgekommen und viele wurden verwunder. Mehrere Juden flüchteten nach Odessa; viele Juden wurden unterwegs aus den Zügen herausgeholt und geschlagen. Der verwilderte Mob zwang die Juden, barfuß im Schnee zu tanzen. Ein Jude, der nicht tanzen wollte, wurde erschossen. Biele wurden verwundet. Ein jüdischer Student wurde irrsinnig. Unterwegs traf der Korrespondent Juden, die aus Balta (Gouv. Cherson) geflüchtet waren. Tort haben die Petliura-Armeen vor dem Rückzug einen grausamen Judenpogrom veranstaltet. Das Hauptargument gegen die Juden besteht in ihrer angeblichen Sympathie für den Bolschewismus, wenigstens nach Aussagen der Pogromhorden. Einen nicht weniger grausamen Pogrom veranstalreren die Petlmra-Armeen in Proskurow in Podolien. Dort sollen dem mordenden Pöbel viele Juden zum Opfer gefallen sein. Am 19. Februar brachen auch in Rowno Unruhen gegen die Juden aus. Insbesondere unerträglich sind die Verhältnisse in den Zügen. Die Juden ziehen es vor, die Züge nicht zu benutzen. Dem Korrespondenten gelang es, nach Warschau zu kommen, nachdem er - sich als Soldat verkleidet hatte. (Stadtratswahlen in Polen.) Vor kurzem haben in Polen die Stadtratswahlen stattgefunden. In Warschau figurierten 12 jüdische Listen. Gewählt wurden 27 jüdische Deputierte, während die Juden ihrer Zahl nach auf 49 Mandate rechnen durften. Bon den Gewählten sind 5 Zionisten (Grünbaum, Kerner, Schwalbe, Ehrenberg.und Frau Stein). 5 Bundisten (Ehrlich, Siebert, Weinberg, Orjech und Frl. Jwinska), 4 Orthodoxe (Kirschbaum, Hoffnagel, SoMrg und Dröckenheim), 3 BolkSpärtei (Vogelnest, GoldenSerg, Wolfowitfch), 4 von der kaufmännischen Liste (Trusker, Schereschewsky, Raabe, Meisey, 2 Paole Zion (Rafalkes und Jährblum), 1 Handwerker (Raßner), 1 von der demokratischen Partei (Davidsohn) und 1 Assimilant tEiger). Außerdem waren noch Listen von Len Vereinigten Misrachisten, Achduth, Hauswirten und Wöhnungsmietern aufgestellt, die aber nicht die genügende Zahl von Stimmen, welche für die Durchbringung eines Deputierten notwendig sind, äufbringen könnten. Die Bolkspartei, Handwerker und die demokratische Partei hatten ihre Listen miteinander verbunden, ebenso schloß auch die Orthodoxie mit der Kaufmännerliste ein Bündnis der Stimmreste. — In Lodz wurden gewählt: 8 Kandidaten des zionistischen Zentralwahlkomitees, 3 Orthodoxe, 5 Poale-Zion, 5 Bundisten und 1 Hausbesitzer. Die Volkisten brachten keinen einzigen Ratsmann durch. — In Lublin wurden gewählt: 4 Nationalisten (Zionisten und Volkisten), 2 Orthodoxe, 2 Poale-Zion, 5 Bundisten und 1 Assimilant. (Eine jüdische Sektion im polnischen Arbeitsministerinm.) Der Sekretär des jüdischen Emigranten-Jnformationsbureaus, Herr Alter, wurde, wie die polnische Gesandtschaft in Wien mitteilt, zum Referenten der Emigrantensektion im ' Ministerium für öffentliche Arbeiten ernannt. Die jüdische Abteilung sammelt Materialien über jüdische Emigranteninstitutionen, die in Polen und Rußland existieren, über die Tätigkeit der „Jca" sowie über ähnliche jüdische Organisationen in Berlin und Wien,, endlich über die Emigration nach Palästina. (Pogrome iu Buenos Aires.) In Buenos Aires haben, wie das Stockholmer „Jüdische Pressebureau" meldet, Soldaten und Indianer, unterstützt von der Polizei, mit der Begründung, den drohenden Bolschewismus bekämpfen zu wollen, einen Pogrom veranstaltet. Sie überfielen das Judenviertel und ermordeten viele Juden. (Die Kriegsderluste der amerikanischen Inden.) Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet: Nach einer Aufstellung des American Jewish Committee schlossen sich im Kriege 200.000 Juden der amerikanischen Armee an. Verwundet wurden 10.000 Juden, gefallen sind 2000. (Nichtjüdische Auswanderung «ach Palästina.) '.Der „Manchester Guardian" berichter, daß sich unter der Bevölkerung von Malta Bestrebungen zu einer Aus- . Wanderung nach Palästina bemerkbar machen. Der Gouverneur von Malta, Lord Metauen, erklärte in einer Rede, daß er von dem britischen Staatssekretär für Kolonien den Auftrag erhalten habe, sich dafür zu interessieren und er habe bereits dem Oberst Gabriel, dem Finanzbeirat des Gouverneurs für Palästina, und mit Pater Lamb, dem Bikar vom Karmelberq darüber gesprochen und sich deren Unterstützung gesichert. Er rechnet damit, daß in einigen Monaten die Zahl der Arbeitslosen auf ungefähr 16.000 anwachsen würde. Der Gouverneur betont mit Nachdruck, daß Palästina für die Kräfte dieser Bevölkerung ein neues Arbeitsfeld biete und es wäre kein Zweifel, daß die britische Regierung sie dabei tatkräftig unterstützen, würde. (Bereinigung der Inden Rußlands.) Das Kopenbagener Zionistische Bureau berichtet aus Kiew: In Zusammenhang mit den letzten Ereignisien ist in jüdischen politischen Kreisen der Gedanke aufgetaucht, die Tätigkeit der jüdischen Zentralorgane, die ,n den Einzelstaaten des ehemaligen ruisischen Territoriums entstanden sind, zu koordinieren. Das lüdische Nationalsekretariat beschlos zu diesem Zwecke, eine permanente Beratung der jüdischen Zentralorgane Großrußlands, der Ukraine, Litauens und Weißrußlands zu schaffen. Diese Beratung soll später eine Vertretung wählen, die bevollmächtigt wäre, im Namen des rugländischen Judentums auszutreten, um seine nationalen und politiichen Forderungen durchzuführen. _ Aufforderung. Seinerzeit wurde den jüdischen Arrestanten in der Roßauer Kaserne, denen dortselbst ein Betlokal zur Verfügung gestellt wurde, seitens des „Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums" ein Sefer-Thora überlassen. Nach den politischen Umwälzungen im November 1918 wurden die Arrestanten freigelaffen und es hat jemand von ihnen auch das Sefer-Thora mitgenommen, wahrscheinlich, um es vor einer Entweihung zu bewahren. Da es bis heute nicht zurückerstattet wurde, ergeht hiermit die Aufforderung.um baldige Rückstellung desselben zu Händen des Präsidenten, Herrn B. Hofbauer (I., Tuchlauben 20). Es werden auch diejenigen, die etwas über den Verbleib des Sefer-Thora wissen, dringend ersucht, die diesbezüglichen Mitteilungen Herrn Hofbauer zukommen zu lassen. Es wird schließlich darauf aufmerksam gemacht, daß man aus diesem Sefer-Thora, das ftemdes Eigentum ist, nicht vorlesen darf. Lhronik. (Die Religionen and der Völkerbund.) „Giornale d'Jtalia" bringt die bisher unbestätigte Nachricht, daß Wilson beabsichtige, die Führer der hauptsächlichsten Religionen der Welt mit beratender Stimme in den Völkerbund auszunehmen. Genannt werden der Papst, der englische Großrabbiner, der.Scheich-ül-Jskam, die Vertreter verschiedener protestantischer Gemeinden sowie des Buddhismus. ' (Statistik der Verluste der Lemberger Pogromopfer.) Laut einer offiziellen Statistik, die von dem jüdffchen Komitee in Lemberg aufgestellt wurde, sind beim LembergerPogrom getütet worden: 36Kausleme, 11 Hanswerker, 22 Berufslose, 2 Angehörige der Intelligenz, 2 deren Beruf unbekannt ist. zusammen 73 Personen, Verwundet wurden 124 Kaufleute. 2g Handwerker. 5 Arbeiter, II Handelsgehilien, 2 Agenten. 1 Hausierer. Privatiers und Kinder, zusammen 271. Der materielle Schaden, der durch Brand, Raub und Plünderung entstanden ist, beträgt gegen 103 Millionen. Die folgende statistische Zusammenstellung beweist, wie genau die Kommission gearbeitet hat, um den Schaden abzujchätzen. Geraubt, verbrannt und vernichtet wurden: Bargeld K 11,172.797—. Wertsachen, Effekten und Schmuck K 6,542.980--, Möbel K 4,082.036--, Bettzeug, Kleider und Wäsche K 18,534.828-—, Waren K 55,070.450 -, Werkstätten K 1,092.450 -, Häuser K 6,591.298--. (Antisemitismus iu Tunis.) Das Jüdische Korrespondenzburean im Haag meldet: Briefe an die „Allianee Jsraelite Universelle" aus Tunis melden von Ueberfällen auf jüdische Geschäfte und Gewalttaten gegen Juden, die dort am 12. November, nach Bekanntwerden des Waffenstillstandes, stattgeftlnden haben. Ein zionistischer Aufzug mit blau-weißer Fahne an der Spitze wurde von Franzosen überfallen. Es kam zu Schlägereien, wobei mehrere Juden schwer verivundet wurden. Berichte von: 17. November melden, daß die Ueberiälle am Tage dank dem Eingreifen der Regierung aufgehört haben; nächtlich aber durchstreiften noch antisemitische Banden von 10 bis 15 Personen die jüdischen Viertel und belästigten die einsamen Borbeigänger. Die ganze Presse verschiveigl diese Berichte und in den jüdischen Zeitungen wurden die Berichte über diese Ereigniffe von der Zensur gestrichen. In einem Falle sah man den Polizerkommiffär seine Zustimmung geben zu Ueberfällen. Die von der Zensur wiederholt gekürzte Mitteilung endet wie folgt: „Aus dem Vorhergehenden könnt Ihr schließen, daß all« Administrationen vom Antisemitismus durch und durch verseucht sind." (Vereiaiguug der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas.) In Palästina sind Bestrebungen im Gange, die jüdische Arbeiterschaft des Landes für ihre genleinsamen politiichen, kulturellen und ökonomischen Aufgaben in einem Verband auf dem Boden des natioüalen Gedankens und des Sozialismus zu vereinigen. Der Verband soll eine Reihe von Institutionen zur Hebung der Lage der jüdischen Arbeiterschaft und zu ihrer Befestigung im Lande sowie für die Regelung der jüdischen Arbeitereinwanderung ins Leben rufen. Unter anderem wird die Gründung ernes Jnformationsbureaus, einer Zenkralkrankenkaste, einer Arbeiterküchenzentrale, einer Arbeiterbank und einer Zentralstelle für die Kulturarbeit geplant. Der Verband soll die jüdische Arbeiterschaft Palästinas in der zionistischen Weltorganisation und in der sozialistischen Internationale vertreten. Demnächst sinder die Gründungskonferenz des Verbandes statt. (Die Juden iu Amerika.) Ein Mitglied ser amerikanischen Hilsskommission für Polen berichtet über die gegenwärtige Lage der Juden in Amerika folgendes: Die Lage der lüdischen oberen Stände hat sich während des Krieges befestigt. Durch die allgemeine Hebung der amerikanischen Industrie und durch zahlreiche Regierungsaufträge waren die Geschäftsleute in der Lage, ihr Einkommen wesentlich zu erhöhen. Dagegen haben die kleinen Geschäftsleute im Kriege gelitten; denn gerade sie betreiben zu einem großen Teil Branchen, die während des Krieges lahmgelegt waren. Zuftiedenstellend äestaltete sich die Situation der Arbeiter, die durch die Staatsaufträge in den Fabriken ausreichend beschäftigt waren. Ihre Löhne erfuhren eine beträchtliche Steigerung, der allerdings eine außerordentlich starte Erhöhung der Lebenskosten gegenübersteht. Während des Krieges war das Problem der Arbeitslosigkeit 'fast verschwunden, man kann sagen, daß 95 Prozent aller Arbeiter ausreichende Beschäftigung fanden. Erst seit dem Beginn des Waffenstillstandes ist die Arbeitslosigkeit neuerdings zu einem Problem geworden, das sich auch »n den jüdischen Kreisen sehr stark geltend macht. Infolgedessen sind auch unter den jüdischen Arbeitern Streiks an der Tagesordnung; so streikten die .-Imal^amotoä Clothing Workers“, von deren 60.000 bis 70.000 Mitgliedern 80 Prozent Juden sind, zwölf Wochen lang, und ihrem Beispiel folgten die Arbeiter anderer Industrien. — Bei der Abreise des Delegierten befanden sich die Arbeiterinnen der Blusen,ndustrie — ebenfalls zum größten Teil Jüdinnen — im Streik, da sie auf ihrer Forderung einer 44 stündigen Arbeitswoche bestanden. Die jüdischen Arbeiterverbände bestreben sich, die Arbeiterftage für die Demobilisierten möglichst glat: zu lösen. Um allen Zurückkehrendrn Arbeitsmüglichkeiten zu verschaffen, unterstützen sie nach Kräften die Forderung kürzerer Arbeitsstunden. Vereinsnachrichten. Wie«. Bei der am 23. Februar abgehaltenen Generalversammlung des „Adas Jeschurun", IX. Bezirk, Pfluggaffe 5, wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Adolf Raab zum Obmann, Heinrich Pappenheim zum Obmannstellvertreter, Jakob Eckert zum Kassier, Jacques Karolq zum Schriftführer, Goldschmiedt, Ganz, Bloch, Kornblum zu Tempelvorstehern und M. Guthmann und Max Pappenheim zu Revisoren. Wien. Der Elternverein „Pestalozzi", welcher arme Kinder der fünfklassigen Talmud-Thora-ÄolkSschule mir dem Oeffentlichkeitsrechte, II., Malzgaffe 16, mit Frühstück versorgt, hat über Antrag seines hochverdienten Präsidenten. Herrn Arnold Lemberger, beschloffen. an der erwähnten Anstalt einen Hort zu errichten. Mit der Leitung des Hortes, welcher zu Anfang dieieS Monates eröffnet wurde, ist Herr Körner betraut. Am 20. SRän veranstaltete die Leitung der Talmud-Thora-BolkSschuIe eine Elternkonferenz. die sich eines sehr zahlreiche».-Be-