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Jüdische Korrespondenz · 1919-03-20 · 10 (20.3.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
10 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 Darum hat die Züricher Konferenz beschlossen, eine Jüdische Handels- und Siedlungsbank ins Leben zu rufen. Die Richtlinien, nach denen die Bank ihre Arbeit regelt, wie die Art, in der die Mittel ausgebracht werden sollen, sind aus nachstehendem Prospekte zu ersehen. Wir ersuchen Sie, unseren Ausruf einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen und den großen Zweck des Unternehmens, von dessen Gelingen die Erstarkung des thoratreuen Judentums im Heiligen Lande abhängt, durch eine entsprechende Zeichnung zu unterstützen. Memorandum zur Gründung einer jüdischen Palästina Handels- und Siedlungsbank. 8 1- Die Errichtung der Bank hat sofort zu erfolgen (siehe § 3). Der Gründungsprospekt, zur Zeichnung von Aktien einladend, die Ziele und den Wirkungskreis der Gesellschaft bekanntgebend, wird sofort in den Hauptsachen und in allen in Bettacht kommenden Ländern veröffentlicht. 8 2. Die Bank erhält ihren Hauptsitz in London; in' Aussicht genommen ist die gleichzeitige Gründung einer Filiale in Palästina. 8 3. a) .Gründeranteile, auf Namen lautend, in Gesamthöhe von Pf. St. 100'—. Um den Charakter des Unternehmens zu wahren, dürfen die Gründeranteile nur erprobten Gesinnungsgenossen übereignet werden; die spätere Ueberttagung der Anteile, auch bei Erbgang, ist durch näher zu bestimmende Kautelen entsprechend zu sichern. b) Aktienkapital in Höhe von Pf. St. 1,000.000. Die Aktien werden in Stücken von Pf. St. 1'— ausgegeben. Soweit zulässig, können auch Aktien in Höhe von Pf. St. 5'—, 10'—, 100'— und 1000 — geschaffen werden. Die Aufnahme der Tätigkeit der Bank ist nicht abhängig von der Volleinzahlung des Aktienkapitals. Die Bank gilt vielmehr als gegründet und kann ihre Tätigkeit beginnen, wenn mindestens Pf. St. 100.000'— einbezahlt sind. § 4. Arbeitsgebiet. Die Aufgaben der Bank sind: A. Handelsgeschäfte in, nach und von Palästina sowie den angrenzenden Ländern zu fördern. Zu diesem Zwecke gewährt sie Kredite und gibt Vorschüsse; sie beteiligt sich an ähnlichen Unternehmungen und hat das Recht, Tochtergesellschaften ins Leben zu rufen. L. Die jüdische Siedlung in Palästina zu heben. Die Gesellschaft hat das Recht, Ländereien zu kaufen, vorzubereiten und zu parzellieren, Landankäufe zu vermitteln, gesicherte Darlehen an Kolonisten zu gewähren und alle zur wirtschaftlichen Erschließung des Landes dienenden Unternehmungen zu unterstützen. Die Gewährung von langfristigen Darlehen der Abteilung erfolgt auf Grund von ihr auszugebenden Pfandbriefen. Die Pfandbriefe können bis zur zehnfachen Höhe der auf' die Siedlungsabteilung entfallenden Hälfte des Aktienkapitals ausgegeben werden. § 5. Verwaltungskörper. Die Leitung der Bank soll nach Möglichkeit in die Hände englischer Fachleute gelegt werden. Die Zusammensetzung des Aufsichtsrates hat, soweit die bei Konstituierung der Bank geltenden englischen Gesetze dies zulassen, möglichst unter Berücksichtigung ter verschiedenen Länder zu erfolgen. Für die Zusammensetzung des Aufsichtsrates kommen Personlichkeiten in Frage, die in Handel und Industrie an hervorragender Stelle stehen und durch ihre Eignung und ihre Beziehungen das Unternehmen zu fördern in der Lage sind. Neben Direktion und Auffichtsrat ist ein Ausschuß zu schaffen, der aus Vertrauensleuten aller in Betracht kommenden Länder besteht und dem eine Kontrolle darüber zusteht, daß die Bank ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht entfremdet wird. 8 6. Einzahlung des Aktienkapitals. . Die Einzahlung der gezeichneten Beträge kann m der Währung eines jeden Landes, in dem sich eine Zeichenstelle befindet, erfolgen. Zur Vermeidung von Agioverlusten behält sich die Bankleitung vor, den Umrechnungskurs der gezeichneten Währung in englische Valuta bekannt zu geben, sobald das zur Gründung erforderliche Mindestkapital Pf. St. 100.000'— (unter Zugrundelegung des Tageskurses) einbezahlt ist. 8 7. Uebergangsbestimmung. Solange eine Bestätigungsmöglichkeit in obigem Sinne noch nicht oder nur teilweise vorliegt, steht der Bank das Recht zu, Bank- und Handelsgeschäfte außerhalb ihres eigentlichen Arbeitsgebietes abzuschließen, damit das eingezahlte Kapital nutzbringend verwertet werden kann. „Tanz um die Zeele der Orthodoxen." „ZionismusundgesetzestreuesIudentum." Zu den unter obigen Titeln in der Nummer 7 der „Jüdischen Korrespondenz" veröffentlichten Artikeln sehen wir uns bemüssigt, zur Steuer der Wahrheit nachfolgende Berichtigung zu übersenden: Weder in den von uns unterfertigten und persönlich an die uns bekannten gesetzestreuen Wiener Juden gerichteten Einladungsschreiben vom 6. Februar noch in den am 7. Februar verteilten Flugzetteln ist von einex Wählerversammlung gesprochen worden, und wurde tatsächlich weder von Seiner Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Chajes noch von Herrn Pinkas irgend ein Wort über Wahlangelegenheiten bis zum Schluffe der Versammlung fallen gelaffen. Beide Redner beschränkten sich aus Ausführungen über das zur Tagesordnung bestimmte Thema „Zionismus und das gesetzestreue Judentum". Der Vorsitzende hat niemandem die Zusicherung gegeben, gleich nach dem Vortrage des Herrn Oberrabbiners sprechen zu dürfen, sondern nur Herrn P., gelegentlich seines privaten Besuches am 8. Februar, wo er nach seinen eigenen Worten überhaupt noch keine Einladung erhalten hatte, auf sein Verlangen zugesichert, ihm auf Wunsch nach den beiden Rednern im Sinne der Tagesordnung das Wort zu erteilen. Was die Störung der Versammlung betrifft, so verhält es sich wie folgt: Etwa eine halbe Stunde vor Eröffnung der Versammlung richtete Herr H. an den Vorsitzenden die Zumutung, er möge ihm vor Eingang in die Tagesordnung das Wort erteilen. Nachdem der Vorsitzende dies selbstverständlich abgeschlagen hat, sagte Herr ü.: „Dann wird die Versammlung nicht in Ruhe verlausen." Wir überlassen jedem ruhig Denkenden die Entscheidung, ob die Störung durch die Wirkung dieses vielfach und laut wiederholten Ansinnens und durch unausgesetztes (?) Zwischenrufen und Schreien aus der unmittelbaren Nähe vom Platze des Herrn H. oder durch die zionistische Jugend veranlaßt wurde, die doch gewiß keinen Grund hatte, den Rednern entgegenzutreten. Die Annahme, daß wir die Versammlung für geschloffen erklärten, um behaupten zu können, die „Schiffschul" habe die Versammlung gejprengt, entbehrt jeder Begründung, da jedermann, der uns kennt, doch zugeben mup, daß wir eine ungebührliche Haltung der Mitglieder der „Schiffschul" nur als eigene Schande empsinden. Denn wir sind nicht zufällig Betsitzinhaber dieser Synagoge, sondern gehören derselben seit 50, beziehungsweise 42 Jahren an. Wir stellen noch einmal fest, was wir bereits zu Beginn der Versammlung erklärt haben, daß wir dieselbe aus eigenem Entschlüsse einberufen haben, und daß weder Schigschul noch andere Kreise uns dazu veranlaßt haben. Die Einberufer: I. W. G. A. Anmerkung der Redaktion: Indem wir obige Zuschrift veröffentlichen, konstatieren wir, daß dieselbe eigentlich nichts Wesentliches berichtigt und wir halten die Mitteilungen in den obzitierten Artikeln vollkommen aufrecht. In unserem Berichte wird nicht gesagt, daß die Herren W. und Adie Wählerversammlung einberufen. haben, sondern daß dies seitens der zionistischen Organisation geschah. — Anderseits mag festgestellt werden, daß die Einberufer den Herren H. und P. veriprochen haben, gleich nach dem ersten Referenten das Wort zu erbalten, was aber nicht eingehalten wurde. Wie Herr H. seststellt, soll er bloß erklärt haben, die Orthodoxie werde unzufrieden sein, falls deren Wortführer das Wort nicht erhalten. Von einer Drohung, die Versammlung zu sprengen, war keine Rede. Es ist auch eine Tatsache, daß die Sprengung der Versammlung nicht seitens der orthodoxen Teilnehmer, sondern seitens der Zionisten erfolgt ist. Die Herren Einberufer scheinen überhaupt auf den Verlauf der Versammlung keinen genügenden Einsiuß gehabt zu haben, da alles von anderer Seite arrangiert war. Sie trifft bloß der Vorwurf, ihre Warnen hierzu hergegeben zu haben. Für alles übrige sind die eigentlichen Arrangeure verantwortlich. _ Rundschau. (Antisemitische Hetze in Böhmen.) „Ceske Slovo" bespricht die nationalen Berhältniffe in den Eisenbahnämtern in Mährisch-Ostrau und Prag und wendet sich dabei in scharfer Weise gegen die Deutschen und Juden. Das Blatt schreibt unter anderem: Die Arbeiterschaft der Werkstätten besteht aus 65 Prozent Tschechen. 33 Prozent Deutschen und 2 Prozent Polen, aber sämtliche Beamtenslellen sind mit Deutschen und Juden besetzt. Die Aufnahme tschechischer Arbeiter war bis zur Verstaatlichung der Nordbahn vollkommen unmöglich, jetzt befindet sich die Strecke in tschechischen Händen und das, was zur Nationalisierung geschehen ist, ist so minimal, daß darüber gar nicht gesprochen werden kann. Es scheint, daß der jetzigen Direktion die Kraft hierzu fehlt, und sie könnte sich ein Beispiel an der früheren Direktion nehmen. Für die rasche Besetzung der wichtigen Stellen mit tschechischen Beamten spricht schon der Umstand, daß sich der Arbeiterschaft ein bolschewikischer Geist bemächtigt hat, wodurch die Arbeitsfähigkeit mit jedem Tage geringer wird, und es ist kein Geheimnis, daß die deutsch-jüdiiche Beamtenschaft diese Strömung unterstützt. (Die polnische Judenfrage.) Am 7. d. M. stellten im polnischen gesetzgebenden Landtag die Mitglieder der nationaldemokratischen Fraktion, Abgeordnete Grabski und Glabinski, den Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Erörterung der Judenfrage. Die Kommission soll aus 15 Mitgliedern bestehen; ihre Aufgabe ist, das" gesamte auf die Judenfrage bezughabende Material zu lammeln, Enqueten durchzuführcn und dem Landtage Vorschläge zur Lösung der Judenfrage in Polen zu unterbreiten. Obwohl nach dem Statut nur Klubs von mindestens 12 Mitgliedern das Recht auf Delegierung eines Mitgliedes in parlamentarische Kommissionen haben und der jüdische Klub nur 8 Mitglieder hat, wurde beschlossen, 4 jüdische Abgeordnete beizuziehen. Die Personenfrage ist noch nicht entschieden. (Gewalttaten gegen die Inden in Rumänien.) Der „Verband der einheimischen Juden" in Rumänien veröffentlicht folgenden Bericht über die letzten rumänischen Pogrome: „Die Pogrome begannen mit Plünderungen und Verwundungen sofort nach dem Rückzug der Truppen. In Braila wurden über 60 jüdische Häuser, die Arbeitern oder kleinen Händlern gehörten, von denen viele eben erst aus dem Kriege heimgekehrl waren, ausgeplündert. Hiebei wurden auch Wltwen und Waisen von "im Kriege Gefallenen und die Angehörigen von Verwundeten schwer geschädigt. Die Leute wurden tatsächlich bis zum Letzten ausgeplündert, auch ihr Handwerkzeug wurde ihnen genommen. Selbst die Synagoge und der jüdische Friedhof wurden nicht verschont. In Buzeu gab es ähnliche Verwüstungen, wenn auch in geringerer Anzahl. In Bukarest hat man in der Calea Victoria und Lipscani, den Hauptgeschäftsstraßen, Verwüstungen in großem Maße angerichtet. Allerdings wurden dann die Banditen in der im jüdischen Viertel gelegenen Calea Vacaresti von den jüdischen Bewohnern in die Flucht geschlagen. Nur dank dieser Selbstverteidigung sind die Juden dem Schicksal eines Massakres, das von den Bandenführern gemeinsam mit der Polizei vorbereitet war, entgangen. Die Regierung war von dem bevorstehenden Pogrom benachrichtigt worden, unternahm aber keinerlei Schritte. Während der Ausschreitungen in Bukarest wurde ein junger Jude, David I. David, durch eine Kugel getötetlieber diese Vorgänge hat der Verband der einheimischen Juden der Regierung ein Memorandum vorgelegt, in dem Untersuchung der Vorgänge und Entschädigung verlangt wird. Der Minister des Innern, Marzescu, hat solche zwar zugesagt, doch rechnet man in Rumänien nicht auf die Erfüllung seines Versprechens." (Rumänische Pogrome in der Bukowina.) Wie in Siebenbürgen und im Banat hausen die Rumänen jetzt in Czernowitz und in den anderen Städten der Bukowina unter den Juden. Wie das „Prager Tageblatt" meldet, löst ein Pogrom den anderen ab. Die rumänischen Soldaten haben Weisungen bekommen, die Bevölkerung nicht von Plünderungen abzuhalten. Der Bukowinaer Bevölkerung ist jede Möglichkeit genommen, vom 'Ausland Hilfe zu erbitten. (Die amerikanisch-jüdische Hilfsaktion für die tudeu in Polen.) Wie das jüdische Preßbureau in tockholm meldet, ist eine amerikanisch-jüdische Kommission, bestehend aus Isidor Hirschfeld (American Jewish Comitlee). Barnett Horowitz (Central Relief Comittee) und Baruch Zuckermann (People Relief Comittee», welche vom jüdischen Zentralhilfskomitee entsendet sind, in Kopenhagen eingetroffen und nach Warschau weitergereist. Der Kommission gehört auch Herr Dr. Boris Bogen an, der der Hooverkommission losfizielle Kommission der amerikanischen Regierung) zugeteilt ist und sich bereits in Warschau besindet. Die Kommission wird die Verteilung von Lebensmitteln überwachen, die mir dem Dampfer „Westward Ho" aus Amerika nach Danzig geschickt wurden. Der Dampfer führt 7000 Tonnen Lebensmittel im Werte von zwei Millionen Dollar, wovon die Hälfte vom jüdischen Hilfskomitee, die andere Hälfte vom volnisch-amerikanischen Nationalkomitee aufgebracht wurden. Die Lebensmittel sind für die städtische Bevölkerung Polens und Galiziens bestimmt und in gleichen Teilen unter Juden und Polen zu verteilen. (Griechische Brutalitäten gegen Juden in Cavalla.) Nach Abzug der Bulgaren befiel die griechische Bevölkerung Cavallas ein ungeheurer Siegestaumel, aus dem sich, durch geschickte Agitation geleitet, eine Hetze gegen die Juden entwickelte. Wie der in Roin erscheinenden jüdisch-nationalen Zeitschrift „Israel" aus Cavalla gemeldet wird, wurde behauptet, die Juden hätten die Bulgaren gegen die Griechen unterstützt. Es kam zwar nicht zu einem offenen Pogrom, doch wurden die Juden durch einen öffentlich bekanntgegebenen Befehl, dessen Urheber Paraskevopulos war, bei schärfster Strafandrohung gezwungen, acht Tage lang die Straßen Cavallas, sowie die Häuser der griechischen Bevölkerung unter militärischer Aufsicht zu reinigen. Die Proteste des Deputierten Matalon und des Rabbiners Molcho nützten S"' st nichts, erst das Einschreiten des Oberbefehls- Danglis in Saloniki bewirkte die Aufhebung des Befehls. „Israel" spricht die Hoffnung aus, daß die'neue Gemeinderepräsentanz von Cavalla, in der viele nationaljüdische Vertreter seien, energisch vorgehen werde, um solche Vorkommnisse in Zukunft zu verhindern.

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