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Jüdische Korrespondenz · 1919-03-20 · 10 (20.3.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
10 (20.3.1919)
Date
1919-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Jüdische Korrespondenz. Nr. 10 (Warnung vor übereilter Auswanderung nach Palästina.) Die italienische Waffeustillstandskommission in Wien teilt mit, daß gemäß einer bei ihr eingelaufenen Depesche in Italien an mehreren Orten ingendliche Zionisten aus Zentraleuropa angchaltcn wurden, die nach Palästina auswandcrn wollten. Die Weiterreise dieser junqen Leute ist im gegenwärtigen Augenblick nicht zu bewerkstelligen und die italienischen Behörden warnen daher vor derartigen übereilten Versuchen- Die Einwanderung nach Palästina wird erst dann möglich sein, bis das Zionistische Bureau in London eine diesbezügliche Verlautbarung erläßt- Bis dahin ist jede Ausreffe zwecklos. Es wäre sehr bedauerlich, wenn durch die w günstigen Nachrichten vom -Friedenskongreß die Juden sich zur Ungeduld verleiten ließen. Die Kolonisation kann nur planmäßig vor sich gehen, jede planlose Einwanderung muß unbedingt verhindert werden. (Eine neue EinwauderuugSbeschränkung.) Die „Times" meldet vom 28. Jänner aus Washington: Die Einwanderungskommission des Repräsentantenhauses hat den Gesetzentwurf, der die Einwanderung nach Amerika für die Dauer von vier Jahren nach Unterzeichnung des Friedensvcrlrages verwehrt, „in günstigem Sinne" erledigt. Als Grund wird von der Kommission angeführt, daß sie Berichte empfangen hat, nach welchen Hunderttausende von Menschen aus die erste Gelegenheit warten, um nach Amerika zu reisen, darunter auch eine Anzahl Deutscher. Der Geietzentwurf macht eine Reihe von Ausnahmen für gewisse Personen; er bezieht sich auch nicht auf Kanada, Reusundland und Mexiko. personaluachrichten. Wien. Am 11. März fand im Logenheim zu Hamburg die Trauung des Herrn Oskar Neurath (Wien) mit Fräulein Recha Goldschmidt (Hamburg) statt. _ Korrespondenzen. Boökowitz. Sabbath, den 22. Februar, hielt Herr Rabbiner Dr. E. Landau aus Strakonitz, über Berufung, in der hiesigen Synagoge eine Probepredigt. Abends daraur fand eine Sitzung des Kultusausschusses, unter Zuziehung meiner Wenigkeit als Experten, statt. Nachdem der Herr Kultusvorsteher die von vielen hochachtbaren Seiten eingelangten warmen Empfehlungen zur Kenntnis brachte und nach meinem Referate wurde Herr Dr. Landau unter Begeisterung einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde erwählt. Wir rufen dem Erwählten ein kräftiges „Alch wehazlach" zu. S. Zobel. Prag. Die letzte Mitgliederversammlung des „Sinai" wies wiederum wie die vorhergehende einen sehr starken' Besuch auf. Etwa 150 Damen und Herren waren gekommen, um dem angckündigten Vortrag Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Dr. Brody über „Neuorientierung im Judentum" zu lauschen. Nach einer eingehenden Bestimmung des Begriffes führte der Redner die in den verschiedenen Perioden der Geschichte immer wieder auftretcndcn „Neuorientierungen" im Judentum an. Der Neuorientierung durch das Christentum treten erfolgreich die Pharisäer entgegen, dem KavaiSmus der Rabbanismus, der Neformbewcgung des 19. Jahrhunderts die Orthodoxie eines Hirsch, Lehmann, Hildesheimer. Wir stehen wieder vor einer Neuorientierung; diese soll aber nicht wie die vorhergehenden, der Zerstörung dienen, sondern der Erhaltung, der Erhaltung gegenüber der bevorstehenden Trennung von Staat und Kirche und gegenüber dem zunehmenden Jndiffercntismus; retten aber kann uns nur das Festhalten an Tbora — Talmud — Schulchan Aruch. In dem nunmehr folgenden Tätigkeitsbericht des Vorstandes weist der Ok>- männ, Herr Tr. Isidor Jeiteles, auf eine stattliche Reihe von Erfolgen hin, die in der letzten Zeit erreicht worden sind: Neben der Vertretung des „Sinai" im Jüdischen Nationallongreß steht die Berufung von Delegierten nach der Züricher Konferenz. Es wurde für Anstellung eines Sofcrs in Prag gesorgt; dieMikwah subventioniert, das jüdische Kinderheim unter rituelle Aufsicht gestellt. An der Schaffung eines Preffeorganes für die Tschecho-Slowakei wirb gearbeitet; ebenso an der Gründung einer Restauration. Nur in einem Punkte muß leider Klage geführt werden, der Besuch der Schiurim läßt viel zu wünschen übrig. In der anschließenden Debatte wurde unter anderem angeregt, das gesellige Leben unter der Prager Orihodoric mehr zu Heden; )o durch Veranstaltung einer Purimfcicr u. dgl- — Die Versammlung hat ohne Zweifel wieder dazu beigetragen, den konservativen Gedanken in Prag weiter zu verbreiten und tiefer Wurzel schlagen zu laffen- _ Kundmachung. Nach großen Bemühungen unserer Glaubcnsbrüder im Auslande wurden mit Bewilligung der interalliierten Ernährungskommission in Paris ausserhalb drs für: Dcursrhösterreirh bestimmten Kontingents an Lebensmitteln für die Versorgung der jüdischen Zivilbevölkerung in Wien und Deutschöstcrreich mit Mazzoth während der diesjährigen Osterfeiertage im Ganzen zehn Waggons Ostcrmrffl in der Sckiwriz angekauft. Das Deutschösterreichische Staatsamt tür Volksernährung hat für dieses Ostcrmchl die Einfuhr und Verarbeitung zu Mazzoth unter der Bedingung freigegeben, daß durch Zuweisung von Mazzoth keine Doppelvcrsorgung des Bezugsberechtigten herbeigeführt werde. Die aut eine zum Mazzothbezuge gemrldetr Person entfallende Quote kann derzeit noch nicht angegeben werden, wird jedoch mit Rücksicht aus das zur Verfügung stehende geringere und für den Gcsamtbedarf unzureichende Quantum in diesem Ialrre jedenfalls “■"** geringer sein als im Vorjahre. „ ic Abgabe von Mazzoth erfolgt auch in diesem Lahre nur gegen die von der Kultusgemeinde auszugebenden Bezugsscheine und nach Dbtremmng der für die Sstrrfeiertage entfallenden Abschnitte der Brot- und Wrhl- Ver Bezug von Mazzoth schlicht den gleichzeitigen Bezug von Brot oder Wehl unter allen Umständen aus und gilt schon dir Anmeldung zum Mazzothbvzug als Verzicht auf den Wrot- und Mehlbrzug wälzrend der Feiertage. Die Anmeldung zum Bezüge von Mazzoth, beziehungsweise die Behebung von Mazzothbezugskarten chat gegen Vorweisung des Brot- und Mehlbezugsscheines lowie des Meldezettels an nachbenannten Tagen und Orten zu erfolgen. Für Parteien mit den Anfangsbuchstaben: A B G D am 24. März K L M N O " 26. " T Ü V W Z " 28*. " und zwar für Parteien des I. Bezirkes: I., Seitenstettengaffe 4; II. Bezirkes: II, Tempelgaffe 3, Große Schiffgasse 8 (nur für Mitglieder der Adaß Jisroel), Patzmauitengaffe 6, Leopoldsgasse 29, Malzgaffe 16; III. und XL Bezirkes: III., Untere Viaduktgaffe 13; IV. und V. Bezirkes: V., Siebenbrunnengaffc 1; VI. und VII. Bezirkes: VI., Schmalzhofgaffe 3; VIII. Bezirkes: VIII., Neudeggcrgaffe 12; IX. Bezirkes: IX, Müllnergaffe 21; X. Bezirkes: X. Humboldtgaffe 27; XII. bis XV. Bezirkes: XV.. Turnergasse 22; XVI. und XVII. Bezirkes: XVI., Hubergaffe 8; XVIII. und XIX. Bezirkes: XVIII., Schopenhauerstrabe 39; XX. Bezirkes: XX., Kluckygasse 13, Denisgaffe 33; XXI. Bezirkes: XXI., Holzmeistergaffe 12. Im I. Bezirke von 2 bis 6 Uhr nachmittags, in allen anderen Bezirken von V»9 bis 12 Uhr vormittags und von ll-ß bis 6 Uhr nachmittags. Der Preis der Mazzoth ist noch nicht bekannt, doch dürfte sich derselbe mit Rücksicht auf die Bezahlung des Mehles in ausländischer Währung sowie der großen Transport- und Erzeugungskosten gegenüber dein Preise des Vorjahres bedeutend' erhöhen. Verspätete Anmeldungen können auf keinen Fall berücksichtigt werden. Der Vorstand ' der israelitischen Kulkusgemeindr Wien. Der Baalfchem von Lhelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. — Ausgewählt und bearbeitet von C h a i m Bloch, Delatyn. iFonseguilg.) Schließlich trat er an Rafael heran und erkundigte sich bei ihm in freundlichster Weise über den Gang des Wirtshauses und nach andern fast belanglosen Dingen. Plötzlich fragte er ihm: „Und wo ist Dein Weib?" Ob dieser Frage wurde Rafael sehr erschrocken. Nur mit Mühe konnte er sich auf den Füßen auftecht halten. Sehr oft hörte er die Bauern im Schankhause von den Freundlichkeiten des Grafen gegen ihre Weiber und Töchter erzählen. Er erwiderte, - seine Furcht unterdrückend, „Mein Weib ist augenblicklich abwesend". Sein Herz pochte aber wie Hammerschläge. Er möchte jetzt alles datür geben, daß sich Riwka in der Schankstube nicht zeigen sollte. Er durfte aber von der Stelle nicht weichen. Riwka hatte keine Ahnung, welch hoher Gast sich bei ihr im Schankhause aufhält; wüßte sie es, sie hätte sich in Sicherheit bringen können. Als das Effen fertig wurde, betrat sie die Schankstube, um ihren Mann während des Effens abzulösen. Da sie den Grafen ansichtig wurde, verneigte sie sich tief und stellte sich an die-Seite ihres Mannes bei der Schanklade. Eine böse Ahnung übcrkam sie. Der Graf trat an sie heran und reichte ihr kavaliermäßig die Hand. Zu Rafael gewendet, sprach er: „Rafael, ein schönes Weib hast Du." Diese Bemerkung traf Riwka wie ein Dolchstich. Ihr Herz wurde vom Kummer schwer beladen und sie befürchtete das Schlimmste. Sie sah seine leidenschaftlich glühenden Augen auf sich gerichtet und das brachte sie nun Bewußtsein, daß es der Graf nicht bei diesen Worten belassen wird. Eine kleine Weile blieb er noch in der Schankstube. Schließlich entschuldigte er sich, schon fortgehen zu müssen, da er im Palast einen Freund erwartet, versprach aber von nun ab häufiger eiuen Besuch abzustatten. Selbstverständlich mußte Rafael erklären, er würde über seine Besuche erfreut sein. Von diesem Tage an kam Bronislaw fast täglich in das Wirtshaus, benahm sich aber so, daß er keinen Argwohn erregte und Rafael jene Bemerkung schon als eine harmlose halten dürfte. Eines Tages erschien Bronislaw im Wirtshause und ftagte Rafael, ob er ihn die Freundlichkeit erweisen möchte, nach Chelm zu fahren, um ein sehr wichtige? Schreiben an einen befreundeten Grafen zu übergeben. Wagen und Pferde stehen ihm zur Verfügung, so daß er noch heute gegen Vorabend wieder zu Hause sem könnte Au diesem Tage dünkte es dem Grafen einen teuflischen Plan auszüführen, um seine Leidenschaft an dem )iesem Weibe nicht anwenden, denn er schmachtete nach seiner Liebe. Seinen Freund, einem polnischen Edelniann in Chelm. schrieb er, daß er den Juden unter einem Vorwände erst tags daraus abfcrtigen und ihn unter allen Umständen über Nacht verhalten soll. Rafael konnte seinem Gutsherrn ein solches Verlangen nicht abschlagen. An irgend eine Jntrigue dachte er nicht, weil, wie schon erwähnt, das Benehmen des Grafen in den letzten Wochen zu Bedenken keinen Anlaß gab. Als Rafael zur Abfahrt schon bereit war, sprach Bronislaw zu ihm: „Nun verlasse ich mich auf Dich, daß du mir je früher die Antwort meines Freundes bringst. Unterstehe dich aber nicht, ohne Antwort zu kommen. Du darfst dann vor meinen Augen nicht ercheine»". Darauf Rafael: „Euer Wort ist mir Befehl, Herr Graf!" Am Abend desselben Tages unternahm der Graf einen Spazierritt durch das Dorf. Bei der Schankstube stieg er ab, hörte eine Weile den Liedern zu, welche die Bauern nach alten Weisen und Melodien bei der Wodka im Wirtshause sangen. Bei dieser Gelegenheit warf er einen Blick durchs Fenster in die Schankitube. Riwka stand, wie gewöhnlich, bei der Schanklade und bediente ihre Kundschaft. Sie erschien ihm jetzt schöner wie me zuvor. „Elende." hörte man plötzlich sie Stimme des Ermen im Schankhause, „was macht Ihr hier um diese späte Stunde und heult und brüllt, daß ich im Palaste keine Ruhe finden könne." Die Bauern schwiegen und pe sahen zu ihrem allgewaltigen Herrn voll Unterwürslgkeit und Demut auf. „Hundcsöhne," _ schrie er weiter, „wenn ihr Euch nicht gleich hinausschert, so will ich Euch mit der Reitpeitsche bearbeiten, ich werde Euch mit meinen Sohlen zerschmettern, daß Ihr künftig hin die Ruhe im Dorfe nicht stören werdet!" Er blieb aber nicht bei der Drohung, sondern haute mit der Reitpeitsche über die Köpfe der Bauern, die seine Hände küssend, schweigsam die Schankstube verließen und nach Hause gingen. Der Graf selbst blieb in der Schankstube. Ein leises Lächeln spielte um seine Lippen. Dann sagte er zu Riwka: „Ich bitte Sie, sich durch meine Anwesenheit nicht zu stören. Auf meinen Spazierritt durch das Dorf erinnerte ich mich an die Antwort, die mir Rafael zu bringen hat. Er dürfte jeden Augenblick cintreffen und Sie müssen sich es schon gefallen laffen, wenn ich auf ihn hier warten werde". Riwka stand wie erstarrt und sie vermochte keine Antwort zu geben. Doch hatte sie Geistesgegenwart bewahrt, um ihre Angst unterdrücken zu können. Sie wartete von Augenblick zu Augenblick mit begreiflicher Spannung auf die Rückkehr ihres Mannes, wodurch sie von ihrer schrecklichen Situation befreit werden könnte. Aber ihr Warten war vergebens. Die Stunden rückten. Endlich schlug es zwölf Uhr. Wie gern mochte sie sich ins Bett legen, um nach der mühevollen Tagesarbeit auszuruhen. Was macht sie mit diesem Störegefft? Das Wirtshaus lag einsam ... Die Bauern sind alle daheim ... Rafael, Gott weiß welches Unheil ihm traf, daß er noch nicht zurückgekehrt ist... Hat der Graf ihn nicht in der Absicht weggeschickt, um...? Sie unterdrückte mit Gewalt diesen Gedanken. (Fortsetzung folgt.) - II., Große Schiffgasse 8. - Gebetstunden in der Zeit vom 19. bis 26. Adar 5679 (21. bis 28. März 1919). Freitag, 19. Adar (21. Februar): Sabbateingang 555. Samstag, 20. Adar: Morgengebet 6 45 und 9 30, Mincha 12-15 und 3 30. Sabbatausgang: 640. An Wochentagen: Morgengebet 6 30, Mincha 5 45. Freitag, 26. Adar: Sabbateingang 6 05. Anmeldungen von Eheaufgeboten, Trau« ungen und Barmizwah werden während der Kanzleistunden, 9—12 und 3—6 Uhr, entgegengenommen. WILHELM KOHN Gas-und Wasserleitungsinstallateur WIEN, ll., Stephaniestr. 6 — Hammer-Purgstallg. I übernimmt sämtliche Gas- und Beleuchtungsarbeiten sowie Neueinrichtungen von Badezimmern -z und Wasserleitungen zu , den 1 kulantesten Bedingungen. Prompte und auch gediegene Ausführung. Samstag und an jüdischen Feiertagen geschlossen. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppei. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VIR., Hemalser Gürtel 20. 89745506^86974

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