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Jüdische Korrespondenz · 1919-08-01 · 28 (1.8.1919) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
28 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 28 Seite 7 Jüdische Korrespondenz Gesammelt durch Frl. Jda März: 330'—; O. G.: K 100'—; Emil Stroh: K 100'—. Weitere Geldsendungell sind zu richten an den Wiener Bankverein, Filiale Stephaniestraße, aus Postsparkassenkonto Nr. 172829 für „Jugendgruppe" oder an Herrn David Baumgarten, II., Herminengasse 13. Veveinsnachncht. Der Bethansverem Ohel Abraham versendet seinen 16. Jahresbericht, der in allen Zweigen bedeutende Mehreinnahmen und trotz erhöhter Leistullgen einen Vermögenszuwachs von rund K 8000 — ausweist. Die im Bethause entgangenen Spenderi, die zur Abfuhr gelangten, erhöhten sich um X 1300'—. Das Reinvermögen beträgt K 16.271'55 gegen K 8335 01 am Schlüsse des Vorjahres. Die eifrige Tätigkeit des ganzen Vvrstarldes, die Munifizenz des Obmannes Herrn S. Koh'n bringen den Verein zu immer größerer Blute. _ Samiliennachmcht. Trauung. Ani 10. August findet im Tempel, Wien, IX., Grüne Torgasse 13, die Trauung des Fräulein Erna Fried, Tochter des bekannten Oberlehrers Adolf Fried, mit Herrn Dr. Erich Em. Kornfeld statt. _ Nekrolog. Am Sonntag, den 27. Juli, verschied hier der allgemein geachtete Herr Moses Thumin, Sohn des berühmten Rabbiners Abraham Thumin, Verfasser des „Chessed le-Abraham", Rabbiners zu Buczacz, Bruder des Herrn Jsak I. Thumin, Präsidenten der galizischen „Agudas Jisroel". Das Leichenbegängnis fand Dienstag nachmittags unter großer Beteiligung statt. Die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem. (Aus „Der jüdische, Krieg", 6. Bllch, 4. Kapitel.) Von Flavius Josephus. (Schluß.) 4. An jenem Tage wagten die Juden vor Ermattung und Bestürzung keinen Angriff. Am folgenden aber sammelten sie ihre Streitkrüfte und machten mit frischem Mut um die zweite Stunde durch das östliche Tor einen Ausfall gegen die Wachen des äußeren Tempelhofes. Diese setzten dem Angriff nachdrücklichen Widerstand entgegen, und indem sie sich vorn mit ihren Schilden deckten, standen sie dicht gedrängt wie eine Mauer. Gleichwohl erkannte man, daß sie nicht lange 'würden standhalten können, da die Angreifer ihnen an Zahl wie an Tollkühnheit überlegen waren. Der Cäsar jedoch, der von der Antonia aus zusah, kam der ungünstigen Wendung des Gefechtes zuvor und eilte den Seilligen mit einer auserlesenen Neiterschar zu Hilfe. Deren Angriff hielten-die Juden nicht aus, sondern sie flohen, nachdem die Vordersten gefallen waren, größtenteils davon. Sobald aber die Römer abgezogen waren, machten sie kehrt und fielen ihnen in den Rücken; daraufhin wandten sich nun auch die Römer wieder um und schlugen ihre Gegner abermals in die Flucht, so daß um die fünfte Stunde des Tages alle überwältigt und ui das Innere des Tempels eingeschlossen waren. , 5. Titus zog sich hierauf in die Antonia zurück, entschlossen, am folgenden Tage in aller Frühe mit seiner ganzen Heeresmacht anzugreisen und den Tempel zu umzingeln. lieber diesen hatte jedoch Gott schon längst das Feuer verhängt, und es war endlich im Laufe der Zeiten der Unglückstag, der zehnten des Monats Loos, gekommen, au dem auch der frühere Tempel vom Babylonierkönig eingeäschert war; nur waren es diesmal die Einheimischen selbst, durch deren Veranlassung und Schuld er den Flammen zum Opfer fiel. Kaum nämlich hatte Titus sich entfernt, als die Juden nach kurzer Rast abertvals gegen die Römer ausrückten. Hierbei kam es zum Handgemenge zwischen der Besatzung des Tempels und denjenigen Mannschaften, die das Feuer in den Gebäuden des inneren Vorhofes löschen sollten. Als nun die letzteren den zurückweichenden Juden nachsetzten und ms zum Tempelgebäude vorgedrungeu waren, ergriff einer der Soldaten, ohne einen Befehl dazu abzuwarten oder die schweren Folgen seiner Tat zu bedenken, wie auf höheren Antrieb einen Feuerbrand und schleuderte ihn, von einem Kameraden emporgehoben, durch das goldene Fenster, wo man von Norden her in die den Tempel umgebenden Gemächer eintrat, ins Innere. Sowie die Flammen aufloderten, erhoben die Juden, entsprechend der Größe des Unglücks, em gewaltiges Geschrei und rannten, ohne der Gefahr zu achten oder ihre Kräfte zu schonen, von allen Seiten herbei, um dem Feuer zu wehren; denn es drohte unterzugehen, was sie bisher vor dem Aeußersten zu bewahren gesucht hatten. 6. Ein Eilbote meldete es dem Titus. Schnell sprang dieser von seinem Lager im Zelt, wo er eben vom Kampfe ausruhre, auf und lief, wie er war, zum Tempel hin, um dem Brande Einhalt zu tun — ihm nach die sämtlichen Offiziere und die durch den Wirrwarr erschreckten Legionen. Wie bei der ungeordneten Bewegung einer solchen Menge leicht erklärlich, entstand nun ein fürchterliches, mit betäubendem Lärm untermischtes Getümmel. Der Cäsar wollte durch Schreien und Handbewegungen den Kämpfenden zu verstehen geben, man solle löschen; sie aber hörten sein Rufen nicht, da es von dem noch lauteren Geschrei der anderen übertünt wurde, und die Zeichen, die er mit der Hand gab, beachteten sie nicht, weil sie teils von der Aufregung des Kampfes, teils von ihrer Erbitterung völlig eingenommen waren. Keine gütlichen Vorstellungen, keine Drohungen vermochten den stürmischen Andrang der Legionen aufzuhalten: die Wut allein führte das Kommando. An den Eingängen kam es zu einem so schrecklichen Gedränge, daß viele von ihren Kameraden zertreten wurden; viele auch gerieten auf die noch glühenden und rauchenden Trümmer der Hallen und teilten so das Schicksal der Besiegten. In die Nähe des Tempels gekommen, stellten sie sich, als hörten sie nicht einmal die Befehle des Feldherrn, und schrien ihren Vordermännern zu, sie sollten Feuer in den Tempel werfen. Die Empörer hatten übrigens die Hoffnung, den Brand noch eindämmen zu können, völlig aufgegeben. Denn allenthalben wurden sie niedergemetzelt oder in die Flucht getrieben. Auch ganze Haufen von Bürgern, lauter schwache, wehrlose Leute, fielen, wo der Feind sie traf, dem Schwert zum Opfer. Besonders um den Altar her türmten sich die Toten in Masse auf: stromweise floß das Blut an seinen Stufen, und dumpf rollten die Leichen derer, die oben auf ihm ermordet wurden, an seinen Wänden herunter. 7. Als mm der Cäsar dem Ungestüm seiner wie rasend gewordenen Soldaten nicht mehr zu wehren verncochte und die Flammen immer weiter um sich griffen, betrat er mit den Offizieren das Allerheiligste und beschaute, was darin war. Alles fand er weit erhabener über den 'Jftif, den es bei den Fremden genoß, und ganz entsprechend der fast prahlerisch hohen Meinung, welche die Einheimischen davon hatten. Da übrigens das Feuer bis in die innersten Räume noch nicht vorgedrungen war, sondern nur erst die an dem Tempel anstoßenden Gemächer verzehrte, glaubte er, und zwar mit Recht, das Werk selbst könne noch gerettet werden. Er sprang also hervor, um nicht nur persönlich die Soldaten zum Löschen anzuhalten, sondern befahl auch dem seiner Leibwache angehörenden Centurio Liberalis, die Widerspenstigen durch Stockschläge zu zwingen. Aber Erbitterung, Judenhaß und die allgemeine Kampfwut erwiesen sich stärker als die Rücksicht auf den Cä>ar und die Furcht vor seiner Strafgewalt. Die meisten freilich feuerte die Aussicht auf Raub an, da sie der festen Neberzeugung waren, es müsse, weil sie außen alles von Gold gefertigt sahen, das Innere erst recht von Schätzen aller Art strotzen. Während nun Cäsar heraussprang, um die Soldaten zurückzuhalten, hatte schon einer von denen, die ins Innere eingedrungen waren, im Dunkel Feuer unter die Türangeln gelegt, und da jetzt auch von innen plötzlich die Flamme hervorschoß, zogen sich die Offiziere mit dem Cäsar zurück, und niemand gab sich mehr Mühe, die außen um das Heiligtum streifenden Soldaten von weiterer Brandlegung abzuhalten. Auf diese Weise ging der Tempel gegen den Willen des Titus in Flammen auf. 8. So sehr man nun auch den Untergang eines Werkes beklagen muß, welches von allen, die wir es durch eigene Anschauung oder vom Hörensagen kennen lernten, ebensowohl hinsichtlich seiner Pracht und Größe im allgemeinen, wie inbetreff der höheren Bedeutung des Allerheiligsten das Staunenswerte war, so mag man doch noch reichen Trost finden in dem Gedanken an das Geschick, dem wie nichts Lebendiges, so auch kein Werk von Menschenhand und keine Gegend der Erde entrinnen kann. Merkwürdig ist die Genauigkeit, mit der dasselbe die Zeitläufte einhielt. Es bestimmte nämlich, wie schon gesagt, zur Zerstörung sogar denselben Monat und denselben Tag, an welchem der Tempel einstmals von den Babyloniern in Asche gelegt worden war. Von seiner ersten Erbauung durch den König Salomon bis zu der in unseren Tagen erfolgten Zerstörung, die in das zweite Regierungsjahr Vespasianus fiel, rechnet man 1130 Jahre. 7 Monate und 15 Tage, und von der zweiten Erbauung, für die im zweiten Jahre der Regierung des Cyrus der Prophet Aggeus seine Stimme erhob, bis zur Zerstörung unter Vespasianus 039 Jahre und 45 Tage. Der Baalschem von Thelm und sein Golem. Neue Golem-Sagen. Ausgewählt und bearbeitet von Chaim B l o ch, Delatyn. (Fortsetzung.) » 10. Att vergiftete Sauerteig. Der Talmud sagte: „Die Weiber sind leichtsinnig." Auch das Leben zeigt, daß Weiber nur selten einer Versuchung und einem Sturm der Liebe gewachsen sind, und je größer die seelische Zartheit, desto größer der moralische Verfall. In Chelm lebte ein sehr frommer Mann mit Namen Mendel, und man rüste ihn allgemein „Mendel der Jüd". So sehr hielt man auf seine Frömmigkeit. Er entstammte einer angesehenen und reichen Familie. Weil er sich aber nur dem Studium der Lehre hingab und

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