Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 28 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
- İzmir 1× ep/1047963
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Seite 6 Jüdische Korrespondenz Nr. 28 gefunden hat. Die Truppen des Generals Gregoriew, die Odessa besetzt halten, haben eine erbitterte Verfolgung der Juden begonnen. Das Judenviertel in Odessa wurde zerniert, worauf sich ein Gemetzel erhob, dem nicht ein einziger Jude entrann. Sodann wurde das Judenviertel in Brand gesteckt, und die Feuersbrnnst dauerte drei Tage und Nächte an. Unter dem Eindrücke der furchtbaren Ereignisse hat die jüdische Bevölkerung der ganzen Ukraine eine Trauer von 14 Tagen angeordnet, der sich die Juden von Beßarabien angeschlossen haben. (Die Jude» in Rumänien.) Die Agentur Daeia meldet: Die „Vereinigung der heimischen Israeliten" unterbreitete dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Pherikyde ein Memorandum, in dem sie die durch das Drekretgesetz vom Mai dieses Jahres den Inden gewährleisteten bürgerlichen Rechte als ungenügend bezeichnet und ein neues Gesetz fordert, das sich auf das Emanzipationsprinzip mib nicht auf das Erlangnngsrecht der im gewesenen Königreiche Rumänien ansässigen Juden gründet. (Juderrpolitik und Finanzen.) Seit mehreren Monaten werden zwischen Rumänien und der Entente Verhandlungen bezüglich einer Anleihe geführt, jedoch ohne Erfolg. Die Ursache dieses Mißerfolges ist in dem rechtlosen Zustand der Juden Rumäniens zu erblicken. Ein bedeutendes französisch-amerikanisches Finanz-Syndikat machte Andeutungen, daß insvlangc die Lage der Juden in Rumänien nicht radikal geändert wird, Rumänien keine Aussicht habe, eine Anleihe zu erhalten. (Keine Beweise.) Die antisemitischen Ausschreitungen in Karolinenthal um Mitte Mai dieses Jahres hatten ein gerichtliches Nachspiel. Die Ursache der Ausschreitungen gab Frau Ruzena Chmelar, welche vor dem Laden der Eheleute Klingcr diese der Denunziation und ähnlicher Dinge beschuldigte. Infolge dieser lügenhaften Beschuldigung wurde das Ehepaar Klinger von der aufgehetzten Menge blutig geschlagen. Obzwar kein Zweifel bestand, daß die Beschuldigung erlogen sei, gab sich eine große Reihe antisemitischer Redakteure der Tagesblätter dazu her, von den Vorfällen so zu berichten, als ob die Erfindungen der Frau Chmelar reine Wahrheit wären. Daher erstattete Herr Klinger gegen Frau Chmelar die Strafanzeige und gab ihr so die Möglichkeit, Beweise für ihre Behauptungen zu liefern. Am 2. Juli fand die Verhandlung vor dem Bezirksgericht in Karolinenthal statt. Wie zu erwarten, konnte die Beschuldigte keine Beweise für ihre Behauptungen anbieten und gab die Erklärung ab, daß sie ihre am 17. Mai gegen Klinger erhobenen Beschuldigungen auf keinerlei Art beweisen könne und sich verpflichte, derlei Beschuldigungen fernerhin zu unterlassen. (Die Sabbatruhe in Polen.) Das Organ der polnischen Agudas Jisroel „DerJud" berichtet von der Audienz einer orthodoxen Deputation beim Ministerium des Innern in Sachen der Sonntagsruhe. An der vorangegangenen Beratung beteiligten sich auch der Ratziner Rebbe, mehrere jüdische Ratmänner, Vorsteher sozialer Institutionen und Mitglieder der gesetzestreucn Organisation „Schelome Emune Jisroel". Man war sich darüber einig, daß die Einführung der absoluten Sonntagsruhe den völligen Ruin des jüdischen Handels bedeuten würde. Im Sinne dieser Beschlüsse wurde nun die Deputation unter Anführung des genannten Herrn Rabbiners beim Minister des Innern vorstellig. Insbesondere wurde darauf hingewiesen, daß in Lodz bereits durch den dortigen Kommissar, ohne die Gesetzwerdung des Projektes abzuwarten, die völlige Schließung der Geschäfte am Sonntag verfügt worden ist. Der Minister versprach, der Frage seine volle Aufmerksamkeit zu widmen, und sorgte auch dafür, daß die Lodzer Bestimmung, die den Dingen vorausgeeilt ist, fürs erste außer Kraft gesetzt wird. (Sabbatruhe im Staate New Aork.) Nach einer Meldung der I. P. Z. hat die gesetzgebende Körperschaft des Staates New Jork einen Gesetzentwurf angenommen, der den sabbattreuen Juden das Recht auf Sonntagsarbeit sichert. Das Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Senats. (Prozesse gegen die Warschauer jüdische Presse.) Gegen die jüdischen Tageszeitungen „Das jüdische Volk", „Moment", „Haint", „Lebensfragen" und „Dziennik Nowy" wurde wegen der in diesen Zeitungen über die Pinsker Vorgänge erschienenen Artikel seitens der Regierungsbehörde ein Gerichtsprozeß angestrengt. (Der Salouiker Oderrabbiner.) Rabbi Jakob Meir, Oberrabbiner von Saloniki,. ist mit Rücksicht auf sein hohes Alter von seinem Posten zurückgetreten und wird den Rest seines Lebens in seiner Geburtsstadt Jerusalem verbringen. (Die Juden in Smyrna.) Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Besetzung der Stadt Smyrna durch griechische Truppen hat in allen Kreisen unserer Gemeinde einen tiefen und peinlichen Eindruck hervorgerufen. Sollte die Friedenskonferenz die definitive Annexion Smyrnas durch Griechenland beschließen, so wird unzweifelhaft die dortige jüdische Bevölkerung in Massen nach anderen Ländern auswandern. Die jüdischen Organisationen im Westen sollten die Anwesenheit Venizelos in Paris benützen, um von ihm die Versicherung zu erhalten, daß die Rechte der Inden in Smyrna in vollstem Ausmaße erhalten bleiben. (Die Juden in Mesopotamien.) Bei der letzten Volkszählung wurde die Zahl der Bevölkerung Basras mit 20.752 festgestellt, die 19 verschiedenen Völkern angehört, darunter Araber mit 10.866, Inden mit 5966 Seelen. (Ein russischer Metropolit über die Judcnfrage.) Platon Roschdenstwcnsky, orthodoxer Metropolit von Südrußland, ist nach New Jork gekommen, wo er in der russischen Kirche einen Dankgottesdienst für seine Rettung aus den Händen der Bolschewisten zelebrierte. Er hat Odessa gleichzeitig mit den Franzosen verlassen. Den Reportern erklärte er, daß Rußland jetzt von einer chinesischen Armee kommandiert werde. Man behauptet, daß der größte Teil der Bolschewisten Inden seien. Ich sage jedoch, daß die Inden darunter leiden werden, weil einige abtrünnige Inden Bolschewisten sind. Die unwissende Masse weiß keinen Unterschied zu machen, so daß unschuldige Inden das Bad ausgießen werden. Dies ist eine unglückliche Tatsache, die die intelligenten Inden und Russen beherzigen müssen. Ein Teil meiner Arbeit wird darin bestehen, die antisemitische Stimmung bei denen, die unter dem Bolschewismus gelitten haben, abzuschwächen. (Aufnahmen in das Judentum.) Von den Berlinern Gemeinderabbinern wurden im Monat April 1919: 11 Frauen, 1 Mann, im Monat Mai 1919: 9 Frauen, 2 Männer, im Monat Juni 1919: 4 Frauen, 1 Mann, zusammen 24 Frauen, 4 Männer in das Judentum ausgenommen. (Eine jüdische Begetarierverernrgnng.) Der in München vor kurzem begründete „Danielbund" propagiert, wie schon neulich kurz gemeldet, eifrig die Gründung kleiner jüdischer Gartenbaukolonien, deren Siedler sich von den Produkten ihrer Arbeit vegetarisch ernähren sollten. Neuerdings hat auch der ehemalige Reichskanzler Prinz Max von Baden dem Vorsitzenden des Bundes, Hofrat Dr. Teilhaber, seine Unterstützung zngesagt. Dem „Danielbund" fällt auch die Mission zu, in den Kreisen der Vegetarier den Antisemitismus wirksam zu bekämpfen. In den allgemeinen vegetarischen Zeitschriften war von jeher ein gewisser antisemitischer Unterton unverkennbar, der in letzter Zeit immer stärker hervorgetreten ist. Orthodoxe Iugendgrmppe. Worte an jüdische Herzen: Wer die Jugend für sich hat, hat die Zukunft. Fördert daher ihre Bestrebungen! 2. Spendenliste. Der „Jugendgruppe des Vereines zur. Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums" sind in der abgelaufenen Woche nachstehende Spenden zugekommeu: Sammlung der Bethausspenden im Beth Hamidrasch der Schiffschul: K 500'—;