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Jüdische Korrespondenz · 1919-03-13 · 8-9 (13.3.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
8-9 (13.3.1919)
Date
1919-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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die nötige Organisation ins Leben rufen. Kein einziger Orthodoxe darf abseits stehen. Das Zentralkomitee ist mit Vollmachten ausgestattet, bis zur Kenessija gedaula die Arbeit zu leisten. Die Organisation hat heute vornehmlich Weltpolitik im idealsten Sinne zu betreiben. Wir brauchen eine orthodoxe Weltpolitik, um die Einheit des Volkes, den Gedanken des Gottesvolkes, zu repräsentieren. Redner unterbreitet nachstehende Resolution: Resolution Rosenheim. 1. Die in Zürich versammelten Vertreter der thoratreuen Organisationen erklären den Aufbau der gesetzestreuen Weltorganisation auf Grundlage der „Agudas Jisroel" als die heiligste Aufgabe der Gegenwart. Sie verpflichten sich in ihren Ländern dahin zu wirken, daß Ortsgruppen gebildet und die Vorbereitung für die „Kenessio Gedaulo" getroffen werden. Sie werden ferner an der baldigen Konstituierung des obersten Organes der Aguda, des rabbinischen Rates, mitzuwirken bemüht sein. 2. Für die Führung der Geschäfte bis zur „Kenessio Gedaulo" wird in Zürich ein Ausschuß gebilbet, in dem die hauptsächlich in Betracht kommenden Länder durch ständige Mitglieder vertreten sind. Oberrabbiner Difegni (Verona) begrüßt als Vertreter des italienischen Rabbinerverbandes die Konferenz und schildert die Verhältnisse innerhalb des Verbandes, der ganz auf dem Boden der Orthodoxie steht. Es wird sich auch in Italien eine Aguda bilden. Der reine Nationalismus im Zionismus scheint auch ihm eine große Gefahr zu bilden'; man muß aber arbeiten, um die Zionisten für die religiösen Ideale zu gewinnen. Korreferent Dr. Simon (Heidelberg) bespricht die Verhältnisse im Osten und Westen und unterbreitet nachstehende Resoluüon: Resolution Simon. Die am 19. Februar 1919 in Zürich zu einer Weltkonfercnz zusammengetretenen Vertreter thoratreuer jüdischer Verbände beschließen die Gründung eines Jüdischen Weltbundes „Agudas Jisroel". Der Jüdische Weltbund „Agudas Jisroel" will alle Glieder des über den Erdball jetftreuten jüdischen Volkes auf der Grundlage des jüdischen Kulturideals der Thora, wie sie in mündlicher und schriftlicher Ueberlieferung niedergelegt ist, zusammenfassen. Der Jüdische Weltbund „Agudas Jisroel" sichert die Unverrückbarkeit dieser seiner historisch verankerten Grundlage durch seine Verfassung und den Aufbau und die Personalbesetzung seiner Institutionen. Der Jüdische Weltbund „Agudas Jisroel" setzt sofort drei Hauptabteilungen ein: 1. Die Thora-Abteilung. 2. Die Wirtschafts-Abteilung. 3. Die Palästina-Abteilung. Jede Abteilung hat einen Vorsteher, der die Verantwortung für feine Abteilung trägt. I. Thora-Abteilung. Die Thora-Abteilung hat folgende Aufgaben: > 1. Die Thora-Abteilung hat sofort mit aller Energie und Umsicht die Schaffung und Aktions.- fähigkeit eines Rates der Thoragrößen in die Wege zu leiten und die Kommunikation unter allen Thoragelehrten herzustellen, deren Standpunkt und Wille es ist, die unverfälschte Reinheit der gottergebenen Thorakultur vor jedem Einfluß wesensfremder Kulturelemente zu schützen, sowie die Thora mit aller Hingabe der geistigen und seelischen Kräfte zu erfassen, um sie dem kommenden Geschlechte zu tradieren. Der Rat der Thoragrößen ist die oberste Instanz in Angelegenheiten des Jüdischen Weltbundes „Agudas Jisroel". Die Rechte der Rabbiner in den Gemeinden und die rabbinische Autorität für ihre Landesorganisation bleiben völlig unangetastet. 2. Durch Verbreitung der reinen Thorakultur in Auffassung, Wissen und Leben unter den Juden aller Länder hat die Thora-Abteilung die Innenwelt des Judentums neu aufzubauen und geeignete Maßnahmen zu treffen, um sowohl im Leben des Einzelnen wie der Gesamtheiten diese jüdische Innenwelt, ohne daß sic dadurch Schaden nimmt, mit den Faktoren der Außenwelt in Beziehung zu setzen. Jüdische Korrespondenz. Nr. 8/9 II. Die Wirtschafts-Abteilung hat alle Maßnahmen zur Hebung der wirtschaftlichen Lage des Mischen Volkes in allen Ländern der Diaspora, einschließlich der Emigration, zu treffen. HL Die Palästina-Abteilung befaßt sich mit den die Kolonisation Palästtnas betreffenden Aufgaben. Jüdische Liga für Völkerbund. Der Jüdische Weltbund „Agudas Jisroel" schafft aus dazu geeigneten, in den verschiedenen Ländern der Welt beheimateten Angehörigen des jüdischen Volkes eine Interterritorial jüdische Liga für- Völkerbund. Die Jüdische Liga für Völkerbund meldet bei der Friedenskonferenz und bei dem Rate der Völker, deren ältestes sie repräsentiert, ihre Forderungen an. Die Jüdische Liga für Völkerbund fordert von dem Rate der Völker kein Territorium zum Zwecke unabhängiger staatlicher Beherrschung. Das jüdische Land, als selbständigen Staat, erwartet vielmehr das jüdische Volk nach göttlicher Verheißung lediglich aus der Hand der Allmacht. Die Jüdische Liga für ^Völkerbund fordert die endliche Verwirklichung und bedingungslose Sicherung der fundamentalen Rechte jedes Menschen und jeder Menschenvereinigung; Abrüstung, Freizügigkeit von Mensch und Ware, Einschreiten der Weltpolizei zum Schutze von Erwerbsmöglichkeiten des Lebens und des Eigentums jedes Menschen und jeder Menschengruppe, Freiheit des sittlichen Gewissens, der religiösen Betätigung des Erziehungs¬ und Unterrichtswesens. Rabbiner Dr. Breuer (Frankfurt a. M.) hat einige Bedenken hinsichtlich des rabbinischen Rates, der sich zu einem Synhedrion ausbilden könnte. Er könnte auch zur Entscheidung über Fragen angerufen werden, die in die Kompetenz einzelner Rabbiner fallen. Der rabbinische Rat darf nur innerhalb der „Agudas Jisroel" wirken, nicht darüber hinaus. Oberrabbiner Horowitz (Bohorodczany) spricht in ähnlichem Sinne. Die Autorität der Rabbiner in den einzelnen Gemeinden muß gewahrt werden. Vorsitzender Dr. Löwen sie in konstatiert, daß der Wirkungskreis des rabbinischen Rates nur hinsichtlich allgemeiner Fragen im Rahmen der Aguda gedacht ist. Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg) betont die Notwendigkeit, auch den wirtschaftlichen Fragen Aufmerksamkeit zu widmen, die das religiöse Moment berühren, beispielsweise die Sabbathfrage. Oberrabbiner Sacerdotti (Rom) appelliert an die Konferenz, Italiens nicht zu vergessen. Es gibt auch dort einen, wenn auch kleinen, aber doch lebendigen Teil des jüdischen Volkes. Es hat viele Mühe gekostet, um diesen Teil zu beleben. Italien darf nicht vergessen, sondern unterstützt werden. Es steht geistig vollkommen allein und erfordert geistige Förderung, um an der Auflebungsarbeit teilnehmen zu können. Es sprechen noch Delegierter Jacob so hn, Rabbiner Dr. Breuer, wonach der Referent Rosenheim einige Aufklärungen über das Statut der Kenessija gedaulo und die Kompetenz des rabbinischen Rates erteilt. Die Autonomie der einzelnen Landesorganisationen wird voll gewahrt werden. Diejenigen orthodoxen Kreise, die bisher abseits gestanden sind, hatten dies sicherlich schmerzlich empfunden. Daß sie heute da sind, ist ein Beweis, daß sie nun zu uns kommen. In der Nachmittagssitzung spricht zunächst Rabbiner Dr. Unna (Mannheim). Redner kann es sich nicht denken, daß religiöse Gründe irgendeine Landesorganisation von dem Anschluß abhalten könnten. Dr. Lieben (Prag) betont, es sei Aufgabe der Eltern, die Kinder religiös zu erziehen und sie vor den schädlichen Einflüffen zu schützen. Es muß aufgeklärt werden, daß nicht jeder, der das Gymnasium besucht, ein Gottesleugner sein muß. Delegierter Schreiber (Sereth): Die Organisation ist eine Lebensnotwendigkeit. Auch die Verhältnisse im Osten haben sich verschlimmert. Die Jugend, die sich im öffentlichen Leben betätigen will, begibt sich vielfach auf Gebiete, die dem Geiste der Thora gefährlich sind. Schon deswegen ist eine Organisation notwendig. Eine stramme Disziplin muß vorherrschen. Im Osten ist alles vielfach verwahrlost, obwohl die Rabbiner und die Rabbis großen. Einfluß besitzen. Es fehlt eben an Disziplin. Da kann nur eine Weltorganisation Abhilfe schaffen.. Redner betont die Notwendigkeit einer religiösen Literatur als Gegengift gegen die schädlichen Strömungen in der modernen Literatur. Es sollen Prämien für limud ha-Thora geschaffen werden. Unter Thora verstehen wir auch Jirah.. Redner beklagt die Auswüchse des Luxus, die die Moral und das Familienleben beeinträchtigen und regt die Gründung eines Vereines zur Bekämpfung des Luxus an. Dr. Nathqn Birnbaum: Die Annahme, der Krieg hätte das Judentum derontiert, sei falsch. Wirtschaftlich wohl, aber geistig weniger, zumindest nur als Bruchteil dessen, was vor dem Kriege seinen Anfang nahm. Die Ursachen liegen viel tiefer. Wirleben inmitten einer Flut des Unglaubens, des- Individualismus, des Kampfes aller gegen alle. Jeder Einzelne bettachtet sich als Gott für sich und für die anderen. Darum sind wir in diese Lage gekommen. Aus dieser Flut müssen wir Rettung suchen. Nieder mit dem Unglauben, mit diesem Individualismus! Gegen den Individualismusdraußen haben wir kein Mittel. Aber in uns selbst müssen wir den individuellen Wahnsinn bekämpfen. Es niuß ein Befehl ausgehen, daß alle Juden sich, unter der Fahne der Thora vereinigen müssen. Das, was gegenwärtig in unserem Lager herrscht, ist nicht Gewissensfreiheit, sondern Anarchie. Die Rabbiner sind heute keine Autoritäten mehr. Wir werden über den Jammer nicht hinwegkommen,, insolange diejenigen, die das Geld oder die Stirne haben, bei uns herrschen. Es ist Unordnung in unserem Volke; wollen wir dem abhelfen, dann muß eine starke Gewalt geschaffen werden. : „Ich beschwöre Sie, lassen Sie diesen große Stunde nicht vorübergehen! Schaffen wir die Organisation!" Es sprechen noch die Delegierten Rabbiner Dr. Kohn, Eisenmann und Rosenheim,, wonach die Resolution Rosenheim angenommen wird. Die Resolutton Dr. Simon wird dem Zentralkomitee zügewiesen. Es gelängt nunmehr Punkt 5 der Tagesordnung: „Die Vertretung der thoratreuen Judenheit auf dem Friedenskongreß" zur Verhandlung. Die Grundlage,der Diskussion bildet die nachstehende,, von einer speziellen Redaktionskommission, der Vertreter aller Richtungen angchörten, ausgearbeitete Resolution: » Resolution Friedenskonferenz. Die bei der Weltkonferenz in Zürich vertretenen großen orthodoxen jüdischen Organisattonen erleben kraft der historischen Legitimation der hinter ihnen stehenden thoratreuen Massen des jüdischen Volkes in allen Ländern der Diaspora den feierlichen Anspruch, bei der bevorstehenden Neuordnung der staatlichen und politischen Verhältnisse vor dem Forum der Nationen gehört zu werden. Dieser ihr Anspruch ist den Pariser Konferenzen,, dem Friedenskongreß in Versailles und den Organen des Völkerbundes gegenüber zu begründen. Zu einem — gegebenenfalls mit anderen Organisationen gemeinschaftlichen — Vorgehen gegenüber den. Mächten sind Delegierte zu erncynen. Die Forderungen der Konferenz lauten, wie folgte A. Betreffs Palästina: 1. Das jüdische Volk erwartet vom Friedenskongreß die grundsätzliche Anerkennung Palästinas als des Landes Israels, ällwo es berufen ist, feine nationalen Aufgaben gemäß Lehre und Gesetz der Gottesoffenbarung zu verwirklichen. 2. Das jüdische Volk, dem die Besiedelung Palästina während der Dauer der Zerstteuung stets eine religiöse Pflicht war, beansprucht das Recht, im heiligen Lande unter dem Schutze des Völkerbundes oder seiner Mandatare ein jüdisches Gemeinwesen auf breitester Basis durch planmäßige Einwanderung und Ansiedelung zu errichten, und zwar unter Bedingungen, welche die selbständige Enffaltung seiner religiös-nationalen Kultur auf gesunden wirtschastlichen und sozialen Grundlagen sowie in freundschaftlicher Verständigung mit der nichtjüdischen Bevölkerung Palästtnas erniöglichen. 8. Betteffs der übrigen Länder.: 1. Gewährleistung der Sicherheit von Leben und-

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