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Jüdische Korrespondenz · 1919-03-13 · 8-9 (13.3.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
8-9 (13.3.1919)
Date
1919-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz. Nr. 8/9 lungen zustandegebracht werden. Ein großes Finanz- I institut muß aber das Rückgrat für die gesamte Arbeit abgeben. Es muß eine Bank geschaffen > werden und die Gründeranteile von den Gesinnungsgenossen gezeichnet werden, damit die Leitung dieser Bank in ihren Händen bleibt. Die Aufgaben der Bank sind: a) Handelsgeschäfte in, nach und von Palästina sowie den angrenzenden Ländern zu fördern. Zu diesem Zwecke gewährt sie Kredite und gibt Vorschüsse; sie beteiligtPch an ähnlichen Unternehmungen und hat das Recht, Tochtergesellschaften ins Leben zu rufen. d) Die jüdische Siedlung in Palästina zu heben. Die Gesellschaft hat das Recht, Ländereien zu kaufen, vorzubereiten und zu parzellieren, Landankäufe zu vermitteln, gesicherte Darlehen an Kolonisten zu,gewähren und alle zur wirtschaftlichen Erschließung des Landes dienenden Unternehmungen zu unterstützen. Die Gewährung von langfristigen Darlehen der Abteilung erfolgt auf Grund von ihr auszugebender Pfandbriefe. Die Pfandbriefe können bis zur zehnfachen Höhe der auf die Siedlungsabteilung entfallenden Hälfte des eingezahlten Akttenkapitals ausgegeben werden. Wie die Verhältnisse heute liegen, muß der Sitz dieser Bank London sein, während in Palästina Filialen arbeiten. Folgende Leitsätze werden zur Annahme empfohlen: Resolution Holländer. 1- Die Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Verbände in Zürich beschließt die Gründung einer Jüdischen Siedlungs- und Handelsbank mit dem Hauptsitze in London unter gleichzeittger Errichtung von Filialen in Palästina. Die Weltkonferenz hat den festen Willen, durch kraftvolle Propaganda der ihr angeschlossenen Verbände inden kommenden Monaten die notwendigen Mittel aufzubringen, damit die Bank ihre Tätigkeit auf finanziell gesicherter Grundlage beginnen kann. 2. Die Wettkonferenz der jüdischen orthodoxen Verbände in - Zürich erkennt die zwingende Notwendigkeit der Begründung einer „Zentralstelle für die Palästinaarbeit" an. Ein derartiges Palästinaamt hat unter anderem die wichtigen Aufgaben, ein Jnformationsbureau zu errichten, Studienkommissionen zu entsenden und die Emigration vorzubereiten. Im Namen der schweizerischen Jugendgruppe „Aguda? Jisroel" gibt Delegierter Jakobsohn bekannt, daß die „Agudas Jisroel"-Jugendgruppe aus eigenen Mitteln, um den hochverdienten Führer der Agudah, Herrn Jakob Rosenheim, zu ehren, eine Kolonie in Erez Jisroel unter dem Namen „Gan Schauschanas Jaakauw, Jakob Rosenheim- Kolonie" zu gründen beschlossen hat. . Dr. med. Hoffmann (Berlin) bespricht die hygienischen Verhältnisse in Palästina und schildert an der Hand statistischer Tabellen die schlechten Zustände dortselbst. Wir müssen von der Voraussetzung ansgehen: in einem gesunden Körper eine gesunde Seele. Nachdem wir die Restaurierung des Geistes beschloffen haben, müssen wir auch die physische Regeneration herbeiführen. Redner beantragt die Gründung eines jüdischen allgemeinen Gesundheitsamtes und unterbreitet folgende Leitsätze zur Annahme: Resolution Hoffmann. Die Konferenz beschließt: Bei der Besiedelung Palästinas ist die größte Aufmerksamkeit auf die Gesundheitsverhältnisse des zu besiedelnden Bodens in der Bevölkerung zu richten. Die Konferenz befürwortet demgemäß die Gründung eines besonderen jüdischen Gesundheitsamtes für Palästina, das im Einvernehmen und in Verbindung mit den schon in Palästina bestehenden medizinischen Behörden und Instituten arbeiten soll, insbesondere liegt ihm das Studium der sanitären Verhältnisse des Landes und die Ausarbeitung eines Gesundheitsgesetzes in den jüdischen Siedelungen ob. Bei der zu gründenden Zentralstelle für Palästina sind in die Studienkommission auch Aerzte und Hygieniker zu entsenden. Der als Gast anwesende Dozent Dr. Rabin (Odessa) schildert die Bodenverhältnisse in Palästina. Das Land ist stark vernachlässigt, es liegt brach; aber nach den neuesten Forschungen ist cs nicht anz unurbar. Für Pflanzungen ist es wunderbar geeignet, ebenso für Weinkultur. Um industrielle Möglichkeiten zu schaffen, müssen wir dort breite Grenzen haben, und zwar die geographischen Grenzen Palästinas zur Zeit des Königs David. Auch Kohle dürste im Lande vorhanden sein, ebenso lassen sich beim Jordan Wasserkräfte nutzbar machen. Aber wir müssen auch den Norden Palästinas haben.. Redner regt die Einsetzung einer Studienkommission an, die sich mit anderen Kommissionen zu verständigen hätte. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß inzwischen für die Siedlungs- und Handelsbank sehr viele Zeichnungen erfolgt sind, was init lebhaftem Beifall begrüßt wird. 'Delegierter Grünbaum (Nürnberg): Studienkommissionen sind sehr wichtig, viel wichtiger aber die Mittel, um die Arbeit in Angriff nehmen zu können. Falls die Zusammenarbeit mit den andere» Organisationen nicht möglich sein sollte, müssen wir eigene Mittel besitzen, um die Arbeit selbständig in großem Maßstabe leiten zu können. Es sprechen ferner die Delegierten Rabbiner Groß (Jerusalem), Max Cohen (Köln) (im Namen der Jugend), E i s e n m a n n (Frankfurt a. M.), Rabbiner Doktor Rafael Breuer (Aschaffenburg), Zahnarzt Ehrmann (Frankfurt a. M.). Dr.' Lieben (Prag) verweist darauf, daß nur gesunde Elemente nach Palästina einwandern dürfen, aber ebenso geistig gesunde. Die Jugend im Osten ist in den Kriegsjahren religiös stark demoralisiert worden. Da muß eine strenge Auswahl getroffen werden. Redner beanttagt die Anlegung einer Liste der thvratreuen Immigranten. Oberrabbiner Fuchs (Großwardein) schildert das Interesse der Orthodoxie in Ungarn für Palästina, die weder mit den Zionisten, noch mit den Misrachisten Zusammengehen will, weil sie für das fürchtet, was ihr heilig ist. Redner begrüßt die Beschlüsse der Konferenz, und erklärt im eigenen wie im Namen seiner Gemeinde, daß, obwohl sie gegen den Anschluß sind, sie für ein gemeinsames Vorgehen eintreten werden, falls sich dies im Interesse des Klal Jisroel als notwendig erweisen sollte.. Rabbiner Rottenberg (Scheveningen) erklärt, daß der alte Jischuw infolge der neuen Mionen nicht leiden darf. Rabbiner Dr. P. Kohn (Anspach) betont: Die Orthodoxie wagt heute einen neuen Schritt. Ob er gelingt, hängt von unserem Selbstvertrauen ab. Belasten wir die Emigrationsbureaus nicht mit der Ausstellung von Religionspässen. Entweder wir hoffen, daß es uns gelingt, in Palästina die Autorität der Thora herzustellen oder wir müssen auf jede Arbeit verzichten. Delegierter Rosenheim (Frankfurt a. M.): Nicht von unserem Selbstvertrauen, sondern von unserem Gottvertrauen hängt das Gelingen unserer Arbeit ab. Wir haben nicht die Möglichkeit, beiseite zu stehen, wenn die Aussichten vorhanden sind, in Palästina machsir atara lejouschno zu sein. Der Jischuw ist keine zionistische Erfindung. Es wird Aufgabe des rabbinischen Rates fein, die Bedenken und Befürchtungen zu beseitigen. Es handelt sich nicht um Reliaionspässe, sondern darum, daß die Orthodoxie nicht benachteiligt werde. Jeder ist für die Politik der offenen Tür, selbst wenn für uns Gefahren vorhanden wären. Wer heute noch - nicht würdig ist, in Erez Jisroel zu leben, der kann es morgen sein. Wir müssen die Orthodoxie in den Stand setzen, mit den anderen Gruppen als gleichberechtigter und gleichwertiger Fattor in Verbindung zu treten. Wenn die Jugend mit uns ist, dann braucht uns nicht bange zu werden. Nach den Schlußworten der Referenten Loeb und Holländer werden die Leitsätze einstimmig angenommen. In der Nachmittagssitzung gelangte der Absatz b des 4. Punktes der Tagesordnung: „Die religiöskulturellen Aufgaben in Palästina und ihre Ausführung" zur Verhandlung. Referent -Oberrabbiner Dr. Winkler (Kopenhagen) bespricht das Verhältnis zwischen Zionismus und Orthodoxie und betonte, daß die Orthodoxie in letzter Zeit das nattonale Moment im Judentum stärker unterstreicht, womit sie den Zionisten den Wind aus den Segeln genommen hat. Die Zionisten sagten: lieber Zion als die Thora;- wir sagen: lieber Thora ohne Erez Jisroel, als Erez Jisroel ohne Thora. Nachdem wir nun dem Nationalismus nähergetreten sind, wäre es wohl ein leichtes, mit dem Zionismus zusammenzuarbeiten, und zwar nicht wie bisher bestimmte Garantien verlangen, sondern sagen: wir haben euer, das Baseler Programm akzeptiert, akzeptiert ihr unser Programm. Alle Probleme sollen im Geiste der Thora gelöst werden. Es wäre dies ein Programmaustausch. Dann könnte man sagen: Basel ist nicht so weit von Zürich. Die beiden Programme wären zu einer Synthese vereinigt. Wie es beim Lulaw die vier Minim sind, die eine ganze Einheit bilden, so soll es auch bei uns sein. Aber wie beim Lulaw diejenigen Minim die Führung haben, die Thora und Maasum tauwin symbolisieren, so müßte auch bei uns der Thora der führende Einfluß zugebilligt werden. Man spricht viel vom Scholem und verweist auf Aron hakohen. Aron konnte ein „raukeck sottolem' sein, weil er eben über die nötige Autorität verfügte. Eine einmal koschere Mikwah wird nicht mehr possel, selbst wenn noch so viel Majim scheubini hinzugefügt werden. Die Orthodoxie kann sich nicht einmal mit den Misrachisten. vereinigen. Diese glauben zu schieben und werden geschoben. Wir könnten nur dann Zusammenarbeiten, wenn wir die Führung hinsichtlich der religiösen Fragen hätten. Wir stehen jetzt vor dem Bau eines Mischkan, eines jüdischen Zentrums in Palästina. Wir müssen mit Ernst an die Arbeit herantreten. Die religiöskulturellen Institutionen in Palästina müssen für das ganze Judentum mustergültig sein. Im Mischkan waren es drei Gegenstände, die wir nachahmen müssen: Der Oraun, die Menora, der Schulchan. Der Oraun mit den Cherubim symbolisiert die Jugend. Der Beginn des Wiederaufbaues muß bei der Jugend beginnen. Die religiöse Erziehung der Jugend ist die erste und wichttgste Aufgabe. Jerusalem ist wegen Vernachlässigung des Limud-hathora zerstört worden. Um diese Erziehung in die richtigen Wege zu leiten, ist die Gründung eines Lehrerseminars auf religiöser Basis geboten. Die Unterrichtssprache darf nur hebräisch sein, und zwar in der sephardischen Aussprache. Es müssen auch' Kindergärten errichtet werden, aber solche, die ein ,Kerem liaschem Zewoaus1 sein sollen. Dazu müßten die entsprechenden Lehrkräfte geschaffen werden, sowie entsprechende Lehrmittel, wobei der Gesang besonders berücksichtigt werden muß, da dieser bezaubernd und gemütserregend wirkt. Der Chassidismus hat vieles dem Gesang zu verdanken. Auch der Zionismus bedient sich vielfach des Gesanges als Propagandamittel. Das sind Imponderabilien, die sich nicht messen und wägen lassen. Nachher kommen die Chedarim, die den Volksschulen entsprechen. Da muß auch der physischen Regeneration der Jugend viel Aufmerksamkeit gewidmet werden. Aber nicht bloß der geistigreligiösen Erziehung der männlichen, sondern auch der weiblichen Jugend muß dieselbe Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Juden im Osten leiden vielfach darunter, daß die Erziehung der Mädchen vernachlässigt wurde. Wir müssen jüdische Mütter in Palästina haben, wenn wir eine jüdische Jugend haben wollen. Es sei die Schaffung einer entsprechenden Jugendliteratur notwendig. Neben den Chedarim brauchen wir die Jeschibot, die die Stelle der Mittel- und Hochschulen vertreten. In Jerusalem soll eine Jeschiwa gedaulo, eine religiöse Akademie, den Gipfel für alle Jeschibot Das zweite ist die Menora; die profane Wissenschaft, die zum Fortkommen nöttg ist. Hierbei kommt auch die jiddische Sprache in Bettacht. Der Referent spricht sich für die Erhaltung dieser Sprache aus, da es uns mit der Hilfe derselben möglich sein wird, mit den anderen Völkern in Verbindung zu treten. Es muß auch eine entsprechende jüdische Presse geschaffen werden, zur schonungslosen Bekämpfung des zersetzenden und negierenden Schrift-, tums, das alles, was uns heilig ist, verlacht und verspottet. Es sei auch die Gründung eines Technikums, einer Landwirtschaftlichen Hochschule usw. geboten. Erez-Jisroel soll ein Kulsurzentrum für das gefanrte jüdische Volk fein. Das dritte ist der Schulchan: die soziale und die moralische Seite des Wiederaufbaues im heiligen Lande. Die Chalukka darf keineswegs abgeschafft werden, aber es müßten derselben nur würdige Takmide-Chachamim, Witwen und Waisen teilhaftig werden. Es sollen auch Leket, Schikcha und Pea eingeführt werden, ebenso Machzith haschekel.

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