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Jüdische Korrespondenz · 1919-02-13 · 7 (13.2.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
5 (1919)
Issue
7 (13.2.1919)
Date
1919-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 Tarnow). Außerdem soll auch der „assimilatorische Zionist" (!) Dr. Weinzieher in Sosnowitz gewählt worden sein. Dem Zionisten Farbstein sollen in Lomza nur einige hundert Stimmen fehlen, um das Mandat zu erlangen. Der Wahlakt ist noch nicht abgeschlossen. Gewählt wurde übrigens auch der jüdische Sozialist Dt. Liebermann in Przemysl. Die jüdische Vertretung im polnischen Sejm wird jedenfalls verhältnismäßig sehr klein sein, obwohl demselben auch die bisherigen Abgeordneten zum österreichischen Reichsrat aus Ostgalizien angehören werden, und zwar Dr. v. Löwenstein, Dr. Kolischer, Dr. Steinhaus, Dr. Diamand, Gall, Rauch und Stern. — Erfreulich ist der Erfolg der Orthodoxie, die bisher völlig apolitisch war, der es trotzdem gelang, beim ersten Auftreten zwei Mandate zu erlangen. In 'Warschau fehlten dem orthodoxen Kandidaten bloß etwa 500 Stimmen zum Mandat, da er über 13.000 Stimmen erhielt. Antiziynistisches aus Galizien. Das Preßbureau der polnischen Gesandtschaft meldet: Wie der Krakauer „Goniec" vom 6. Februar berichtet, fand am 1. Februar eine zahlreich besuchte Versammlung der Repräsentanten aller jener jüdischen Parteien Galiziens statt, die im Gegensatz zu den Zionisten auf dem Boden eines einträchtigen Zu-' sammengehens mit den Polen stehen. In der Versammlung, die vom Vizepräsidenten der Stadt Krakau Sare und den gewesenen Abgeordneten Dr. Groß und Dr. Steinhaus einberufen wurde, waren folgende Städte vertreten: Lemberg, Krakau, Rzeszow,' Dembica, Tarnow, Bochnia, Wieliczka, Oswiecim, Chrzanow, Jaslo und Ropczyce. Rach einer lebhaften politischen Debatte über die Lösung des jüdischen Problems im Einklang mit den Bedürfnissen des. den Juden und Polen gemeinsamen polnischen Vaterlandes wurde beschlossen, alle jüdischen Parteien Galiziens mit Ausnahme der Zionisten in eine einheitliche demokratische Partei zu vereinigen; gleichzeitig wurde ein aus 40 Mitgliedern bestehenden Komitee zwecks'Durchführung dieser gemeinsames Organisation gewählt. Zionismus und gesetzestreues Judentum. Motto: Und willst du nicht mein Bruder sein. So schlag ich dir den Schädel ein. Unter vorstehendem Titel hielt Herr Oberrabbiner Dr. Chajes Montag abends einen Vortrag, zu dem zwei Schiffschulmitglieder (mit ihrer Unterschrift) einluden. Es wurde von vielen Seiten erwogen, ob man zu dieser Versammlung gehen solle. Nachdem sich die Einberufer verpflichtet hatten, dafür zu sorgen, daß ein Vertteter der Orthodoxie gelegentlich der Diskussion zu Worte kommen werde, wurde seitens derselben die Parole ausgegeben: Der Versammlung beiwohnen und chören. Die Ausführungen des Dr. Chajes fanden bei seinen Anhängern Beifall, die Orthodoxie anerkannte die ziemlich maßvolle Form des Vortrages, ohne sich jedoch begeistern zu lassen. Nun folgte eine Kandidatenrede des Herrn Jakob Pinkas. Nach einer ganzen Serie von Vorwürfen an die Adresse der Trennungs-Orthodoxie in Ungarn und Frankfurt bequemte sich der Kandidat, zuzugeben, daß die Leistungen der Orthodoxie für Thora, Ävoda und Gemilah-chessadim vielleicht auch einen Wert haben, brillierte mit. zahllosen Unrichtigkeiten zu Lasten der Orthodoxie, vergaß, daß die Orthodoxie, respektive das Judentum eine Grundlage besitzt und ging dem Schluffe zu. Da geschah das Erwartete: Einige nationalen Bürschchen organisierten eine wüste Schlägerei; Herr Dr. Chajes verließ den Saal und die Gegner des heiligen Nur-Nationalismus waren besiegt. Es steht zu hoffen, daß die Einberufer es erreicht haben, der Orthodoxie ein Zusammengehen mit den Zionisten gründlich zu verleiden. Die schlagenden Argumente der Herren Nur- Nattonalisten dürsten die Optimisten von dem Wahne eines möglichen Zusammengehens mit den Antireligiösen geheilt haben. Typisch für die „loyale" Kampsesweise der Gegner der Orthodoxie ist, daß ein Vortrag des Herrn Dr. Chajes angezeigt war; später wurden Flugzettel verteilt, die zu einer Wählerversammlung einluden, so daß die zionistische Jugend sich nach ihrer Weise ausleben konnte, i \ Ein Bekehrter. Referat über Gründung, eines jüdischen Iugendbundes für der schule entwachsene Mädchen. Von Rabbiner Dr. E. Landau (Strakonitz). (Schluß.! Unsere Zukunft zu retten gilt es. Der Zweck des Jugendbundes besteht daher darin, daß wir das Heranwachsende Geschlecht in der Liebe zuin Judentum «fliehen, damit sich in ihm die Glaubensgemeinde allmählich verjünge und erneue. Alle Bemühungen der ruchlosen Optimisten, den Zusammenbruch der methodenlosen Erziehung der Mädchen zu verschleiern, sind vergebliche Versuche. Die Not ist eine harte Lehrmeisterin. Das felsenfesteste Herz eines Juden muß erweichen bei dem Anblicke all des Jammers, das infolge mangelhafter Erziehung der Jugend über die Judenheit Böhmens gekommen ist. Die jüdische Erziehung unserer Jugend muß das Um und Auf unseres Jugendbundes sein. Plato hat einst mit Begeisterung ausgerufen: Es gibt nichts Göttlicheres als die Erziehung. Alles Hoffen auf eine Wiedererwachung der Anhänglichkeit an das Judentum ist vergeblich, wenn nicht die Menschen selbst gebefferr werden. Von innen heraus muß der Bau der Judenheit geführt werden. Das Schicksal eines Volkes, seine Blüte wie sein Zerfall hängen im tiefsten Grunde von der Erziehung ab, die der Jugend zuteil wurde. Friedrich der Große hat den bekannten Satz geprägt: Wer die Menschen für gut hält, der kennt die Rasse nicht. Denn die menschliche Gattung, sich selbst überlaffen, ist brutal. Bloß die Erziehung vermag etwas. Der Mensch kann nur Mensch werden durch die Efliehung. Er ist nichts, als -was die Erziehung, aus ihm macht. Wir müffen in der Erziehung der Jugend die wichtigste Aufg' e unseres Lebens erblicken, weil wir ja dadurch unsere!unft sichern. Wir müffen der Jugend eine jüdische iehung geben, damit unsere Jugend für das Judentum wache. Wir müffen in der Seele des Mädchens die Gefühle der Liebe und Begeisterung fürs Judentum auslösen. Die jüdischen Mädchen müssen jüdisch erzogen und auch beeinflußt werden. Im Schoße der jüdischen Frauen und Mädchen liegt unsere Zukunft. Das jüdische Mädchen muß stolz sein auf seine Zugehörigkeit zum Judentum. Wir wollen bei unseren Mädchen Begeisterung erwecken für die Duldergröße unserer Ahnen, die mit Göttern und Menschen kämpften und siegten. Ohne Scheu, ja mit Stolz soll das jüdische Mädchen die Geschichte unseres heldenmütigen Volkes studieren- Wir müffen einen echtjüdischen Geist in die Herzen der Mädchen verpflanzen. In den späteren Jahren fehlt dem Herzen die notwendige Empfänglichkeit und dem Geiste die Elastizität. Den Mädchen soll die Kraft und der Muß gegeben werden, den Anker zu lichten, hinauszusteuern aus die hohe See der Kultur. Für mich sind Efliehung und Religion eng miteinander verbunden. Tolstoi sagt ausdrücklich: Die Grundlage alles menschlichen Lebens ist die religiöse Lebensauffaffung. Auf Grundlage der Religion bildet sich das ganze Leben des Menschen und auf sie wird seine ganze Tätigkeit gelenkt. Darum muß die Erziehung auf der Religion beruhen. Die Hebung des religiösen Sinnes unter Israels Mädchen sichern den Fortbestand und eine neue Blüte des Judentums. Die Fortbildung der Mädchen in der jüdischen Erziehung muß durch regelmäßige Kurse gepflegt und zu einem Axiom des Jugendbundes erhoben werden. Die der Schule entwachsenen Mädchen müffen in geeigneten Stunden in die Kenntnis des Judentums eingeführt werden. Der Jugendbund soll den Mädchen von der Größe des Judentums eflählen, von dem großen moralischen und materiellen Weh, das der Juden Hefl bedrückt. Er soll ihnen erzählen von dem großen ringenden Judentum der Gegenwart und von dem noch lebensvolleren, hoffentlich blühenden Judentum der Zukunst. Der Jugendbund soll ihnen zeigen, daß es eine hohe Ehre ist, Jude zu sein- Durch Abhaltung von Vorträgen über jüdische Geschichte und Literatur werden oie Mädchen befähigt werden, abgehärtet zu sein gegen alle Unbilden des Luftkreises, in den sie hineingeraten werden. Es war stets ein frommes Werk, über Juden und über Judentum die albernsten Lügen m Umlauf zu setzen und mit rührender Gläubigkeit werden die Ammenmärchen von Hand zu Hand, von Mund zu Mund und von Geschlecht auf Geschlecht fortgepflanzt. Es ist leicht zu behaupten, wo es kein Widerlegen gibt. Aus d,m Jugendbund werden unsere Mädchen Stärke saugen und Lebensinhalt, Widerstandskraft und Kampfesmut, Demut und Stolz gewinnen, das Bewußtsein, Glied einer Gemeinschaft zu sein, die auf sie rechnet. Der Jugendbund beabsichtigt auch die Gründung einer Bibliothek und Lesehalle, die zweimal wöchentlich geöffnet sein werden. Außerdem könnten gesellige Zusammenkünfte, im Sommer Ausflüge, stattfi'nden, deren -Ziel und Inhalt im besten Sinne jüdisch wären. Der Jugendbund muß den Mädchen einen so hohen Gedanken- und Gefühlsinhalt des Judentums einflößen, daß es auch einmal den Ehrgeiz eines jüdischen Mädchens reizte, für seine Religion und seine Geschichte Begeisterung zu bekunden. Die Hebung des Zusammengehörigkeitsgefühls, die Weckung des Anteiles am Gemeinoeleben und den öffentlichen jüdischen Jntereffen wird der zweite Grundsatz des Jugendbundes sein. Ferner wird der Jugendbund der Mädchen ein möglichst großes Maß von den Kenntniffen der Gegenwartsfragen geben, damit sie das Gift der sogenannten modernen 'Kultur in den Dienst des Judentums stellen können. Mit einem Worte, die harmonische Vereinigung pon Geselligkeit und Geistesausbildung der Mädchen zur Erhaltung und Belebung des Judentums muß das Panier des Jugendbundes sein um das wir uns zu scharen haben. Nicht bloß rituelle Kost, ein koscherer Magen allein heiligt uns, gibt der Jugend das jüdische Bewußtsein von der Größe des Judentums, sondern auch die geistige Nahrung, der Jmpfftoff des Judentums, der den Mädchen in der Jugend verabreicht wird. Ja, die Lösung der Frage einer wahren jüdischen Efliehung unserer Mädchen ist em unentwirrter Knäuel. Der Jugendbund soll und muß ihn aber mächtig auseinanüerrollen. Der Jugendbund will dem Judentum kein» Zukunft aufbauen, für welche wir die Bausteine hier und dort zusammensuchen, wo wir sie finden, sondern sie sollen aus dem Boden gegraben sein, auf den uns die Tradition gestellt har. Der Jugendbund soll die Steine, die unsere Vorfahren zusammengetragen, nicht herausreißen und ihren Bau zerstören, um einen neuen aufzurichten, er soll das Fundament des Judentums dauernd erhalten. Das Judentum ist Pflanze von so mächtiger Lebenskraft, daß sie auch auf dem Felsenboden der Verachtung immer noch die Nahrung fand, der sie bedurfte, daß sie auch unter dem Sonnenbrände des Haffes nicht verdorrte. Die Domäne des wahren Judentums ist Ueberzeuaen und Belehrungen, und die Mittel seiner Herrschast sind die richtige Erziehung der Jugend. Der heutige Frühlingsadend möge der zweite Bersöhnungstag in Israel lein, der uns vereinigt zur Erhaltung-und Befestigung unserer Zukunft der Jugend. Ja, mancher von Ihnen wird lagen: Die Botichaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; darauf muß ich erwidern, daß ich fest überzeugt bin vom Erfolge meines Unternehmens. Ich kann aber dieses Referat nicht schließen, ohne Ihnen, meine hochgeehrten Anwesenden, meinen innigen und tiefgefühlten Dank auszusprechen für Ihr zahlreiches Erscheinen. Aber ich danke Ihnen vor allem und aus vollem Herzen ini Namen der Sache, für die ich gesprochen habe. Ich darf auch überzeugt sein, daß Sie meine ehrliche jüdische Gesinnung anerkennen, mit der ich die Gründung des Jugendbundes beginnen will. Diese Ueberzeugung ist es, die mich stolz, die mich glücklich macht, und in dieser Anerkennung werde ich den Dank finden, dahin zu wirken, daß die jüdischen Mädchen das Judentum als eine lebendige und lebenspendende Kraft der Gegenwart anerkennt. Ich wende mich daher an Ihr jüdisches Gefühl und an Ihr Interesse für die Erhaltung eines von allen Schlacken der modernen Entartung gereinigten Judentums mit der Bille, ja mit der berechtigten Forderung, mich bei der Verwirklichung meines Idealismus mit Rat und Tat zu unterstützen, damit wir der Judenheit die Zukunft erhalten. Wir müffen eine Aushebung der jüdischen Mädchen anordnen und vornehmen und die geeigneten in die vordersten Reihen der Streiter Israels itellen. Setzen Sie daher, meine verehrten Damen und Herren, meine Worte in die Tat um und beschleunigen Sie die Durchführung meines Ihnen vorgelegten Programmes des Jugendbundes. palästinensische Statistik. Von den statistischen Tabellen, die vom Palästinaamt in Jaffa in hebräischer Sprache herausgegeben werden und sich auf die jüdische Bevölkerung Palästinas beziehen, liegen neue 4 Hefte vor. Das umfangreichste unter ihnen ist Heft 8, das die Kolonien Judäas behandelt. Das Heft besteht aus 34 Kapiteln, die alle 18 Kolonien Judäas behandeln. Es fehlen nur die Kolonien En-Chaj und Jehudija, die während des Krieges ihre Einwohner gänzlich verloren haben. Außer den allgemeinen und zusammrnfaffenden Tabellen für alle jüdischen Kolonien geben für jede Kolonie besondere 10 Tabellen über die Zahl der Gemeinden in der betreffenden Kolonie (Aschkenasim, Sefardim, Perser, Jemeniten usw.) und der Familien, über Geschlecht, Alter, Beruf, Umgangssprache, Auswanderungsland, Einwanderungszeit, Binnenwanderung usw. Auskunft. Bon großer Bedeutung ist Heft 7. das der statistischen Untersuchung der jüdischen Arbeiter der judäischen Kolonien gewidmet ist, zu denen auch die Wächter gezählt werden. Heft 6 behandelt die Jemeniten. Heft 8 enthält zusammenfaffende Tabellen über die Einwanderung nach Palästina. Eine Tabelle dieses Heftes behandelt die gegenwärtigen jüdischen Einwohner der judäischen Kolonien, Hebrons und die Flüchtlinge Jaffas nach ihren Geburtsländern. Diese vom Palästinaamt unternommene und von Herrn M. Wilkansky geleiteteVolkszählung wurde während der Kriegszeit durchgeführt und berichtet über den Teil der jüdffchen Bevölkerung, der uns in Palästina erhalten geblieben ist. Die Gesamtzahlen zeigen erfreulicherweise, daß die pessimistischen Gerüchte über die maßlose Abnahme der jüdischen Bevölkerung Palästinas im Kriege übertrieben sind. Wohl ist die jüdische Bevölkerung Jerusalems und Jaffas fast auf die Hälfte zusammengeschrumpft. Die Kolonien dagegen blieben unversehrt. Insgesamt waren während des Krieges nach den Ausweisungen und der Auswanderung: in Jeruialem 31.147 Juden „ Jaffa 8.740 „ „ Hebron 800 „ „ den judäischen Kolonien 10.667 „ zusammen 51.354 Juden lieber die jüdische Bevölkerung der Städte und Kolonien Samariens und Galiläas, die unter keiner Evaluation gelitten und überhaupt vom Kriege weniger betroffen waren, sind die Daten noch nicht veröffentlicht. Mit diesen neuen Heften schließt der erste Band dm: „Statistik der Juden in Palästina" (Sfirat Jehude Erez- Jsrael), der sich auf Judäa bezieht und einen stattlichen Folianten von 115 Seiten in Quartformat bildet.

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